
Mit gleich zwei zusammenhängenden Episoden ist die neue Animationsserie Ultimate Spider-Man beim amerikanischen Kabelsender Disney XD gestartet. Die Serie sticht durch einige Stilmittel hervor, die auch bei anderen Zeichentrickserien gerne eingesetzt werden und basiert lose auf der Comicserie gleichen Namens.
Inhalt „Great Power“ (1x01)
Seit einem Jahr ist Spider-Man aka Peter Paker (Drake Bell) nun schon als Held in New York unterwegs und stellt sich dabei allerhand Schurken in den Weg. Nachdem ein Kampf mit Trapster, einem Schurken, der mit Klebstoff Unheil anrichtet, in einem halben Desaster endet, wird der Wandkrabbler von Nick Fury aufgelesen. Der Leiter der Geheimdienstorganisation S.H.I.E.L.D. möchte ihn zu einem richtigen Helden ausbilden und schenkt ihn einen neuen, verbesserten „Webshooter“, den seine Wissenschaftler entwickelt haben. Doch Spidey lehnt sein Angebot zunächst ab. Als die „Frightful Four“, also Wizard, Claw und Thundra (minus Trapster) Peters Schule angreifen, merkt er erst, wie ernst die Lage ist. Nur mit Mühe und Not - und einem „Food Fight“ - kann er die Schurken überlisten und in die Flucht schlagen. Doch dies hat ihn zum Umdenken bewegt und er steht bald bei Nick Fury (Chi McBride) und dessen Helicarrier auf der Matte.
Inhalt „Great Responsibility“ (1x02)
Spider-Man nimmt also Nick Furys Angebot an, der „Ultimative Spider-Man“ zu werden, doch er muss zunächst einige Aufgaben bestehen und schlägt sich dabei mehr schlecht als recht. Norman Osborn beauftragt derweil Doctor Octopus damit, die „Frightful Four“ erneut auf Spider-Man zu hetzen. Wie sich herausstellt, hatte Trapster ihm einen Sender bei ihrem Kampf angeheftet. Doch mit der Unterstützung von den jungen Helden Nova - der menschlichen Rakete -, Iron Fist - dem Teenager mit den Kung-Fu-Skills und der eisernen Faust -, White Tiger - einer schnellen Ninja-Kriegerin mit Tiger-Reflexen - und dem kugelsicheren Luke Cage aka Power-Man gelingt es ihm, auch diesmal zu obsiegen.
Nebenbei lernen wir noch Peters Freunde Harry Osborn und Mary-Jane, den Schulrowdy Flash Thompson und Peters noch sehr aktive Tante May kennen.
Ultimate
Da Spider-Man sowohl im Comicbereich, als auch im Cartoonbereich bereits vielfach interpretiert wurde, kann es schwierig sein, noch einen neuen Ansatz zu finden. Das dachte man auch, als Marvel Comics im Jahr 2000 Brian Michael Bendis damit beauftragte, in der Comicserie „Ultimate Spider-Man“ eine modernisierte Spider-Man-Fassung zu schaffen, die ihn vom Storylineballast der eigentlichen Serie „The Amazing Spider-Man“ (seit 1962) befreite und stattdessen ein neues Geschichtsuniversum neben der eigentliche Kontinuität etablierte. Bald stand fest: „Ultimate Spider-Man“ ist eine der frischesten und besten Spider-Man-Comicreihen überhaupt geworden. Diese Reihe nimmt sich die Animationsserie zum Vorbild, wenn auch nur lose.
Gemeinsam haben sie den großen Einfluss der Figur Nick Fury und seiner Organisation S.H.I.E.L.D., einen Peter Parker, der noch auf die Highschool geht und eine junge und vitale statt einer gebrechlichen Tante May. Und auch die Interaktion mit anderen Helden ist bei beiden Versionen vorhanden.
Doch die Animationsserie geht noch ein paar Schritte weiter. Man versucht den Humor von Spider-Man in den Vordergrund zu stellen. Das macht sich durch „Cutaways“ zu Dingen, die in Peters Verstand vorgehen, bemerkbar. Ein Stilmittel, das von der FOX-Serie Family Guy in Zeichentrickserien salonfähig gemacht wurde. Fury sagt Parker etwa, dass er sich mit seiner Hilfe zu einem großen Held entwickeln könnte, ähnlich wie Iron Man oder Captain American - und prompt stellt sich Peter neben den beiden vor, nur dass seine Muskeln versagen. Oder er ermahnt ihn wachsam zu sein, da sonst „Toast“ aus ihm gemacht würde, und im Nu sieht man Peters inneres Auge, das sich eine Cartoontoastversion von ihm ausmalt.
Oder aber die Zuschauer bekommen Hintergründe zu den einzelnen Figuren auf diese Art und Weise erzählt. Statt etwa erneut der Herkunftsgeschichte des freundlichen Netzschwingers eine komplette Episode zu widmen, wird dies in einigen Sekunden abgehakt. Ebenso werden die Fähigkeiten der anderen Superheldenteens in dieser Form dargestellt.

Diese Cutaways können äußerst albern und überzogen sein - etwa wenn Spidey und seine Feinde animeesque als „super deformed“ (Figuren mit riesigen Köpfen, Augen und kleinen Körpern) gezeigt oder aber die Coolness einer Situation unterstrichen werden soll. Man darf aber nicht vergessen, dass sich die Serie „Ultimate Spider-Man“ an ein sehr junges Publikum richtet. Nicht umsonst läuft der Cartoon am Wochenende vormittags.
Außerdem hat man sich dazu entschieden, dass Peter oder Spidey mit Regelmäßigkeit die vierte Wand zwischen Zuschauer und Serie durchbricht. So wird das Publikum direkt mit Kommentaren zu diversen Situationen angesprochen - man vergleiche das mit „Ferris macht Blau“ oder Malcolm in the Middle - was zunächst sicherlich gewöhnungsbedürftig ist, aber auch gut zu der Figur passt.
Spider-Man and His Ultimate Friends

Ein weiteres Abgrenzungsmerkmal zu vorherigen Spider-Man-Cartoons - sofern man Spider-Man and His Amazing Friends (1981 bis 1983) ausschließt - ist, dass der Wandkrabbler hier mit anderen Helden im Verbund zusammenarbeiten wird. Da Spider-Man sonst häufig als Einzelheld gezeigt wird, ist dies sicherlich eine willkommene Abwechslung. Gleichzeitig lassen sich so natürlich recht viele Actionfiguren und Merchandise-Artikel produzieren...
Diese Helden gehen, wie das Ende der zweiten Episode zeigt, auf die gleiche Highschool wie Peter. Geleitet wird die Schule vom omnipräsenten Agent Coulson (Clark Gregg, „The Avengers“). Damit orientiert man sich an „X-Men: Evolution“ (2000 bis 2003), wo es ein ähnliches Setting mit Helden an einer Highschool gab, und auch an der Comicvorlage, die besonders gute Momente durch die Interaktion der Helden im Teenageralter hervorgebracht hat.
Mit Iron Fist, Power Man, White Tiger und Nova hat man zudem Superhelden gewählt, die im Cartoonbereich noch ziemlich unverbraucht sind und deren Kräfte unterschiedlich genug sind, um abwechslungsreiche Geschichten erzählen zu können.
Im Hintergrund werden bereits einige „Big Bads“ ins Spiel gebracht: Norman Osborn, Otto Octavius und auch ein Dr. Curt Connors, überraschenderweise noch mit zwei Armen. Doch sicherlich wird man angesichts des baldigen Kinofilms „The Amazing Spider-Man“ auch früher oder später dessen Alter Ego „Lizard“ entfesseln. Vorschauclips haben außerdem gezeigt, dass man Auftritte von Dr. Doom, Venom und Iron Man erwarten kann.
Mit neuem Spider-Man kommt großes Potential

Insgesamt hat die Serie großes Potential, doch bisher liefern die beiden ersten Episoden einen sogenannten „Mixed Bag“ ab. Manche Gags zünden, manche eben nicht. Das ist nun mal das große Risiko von „Cutaways“. Bislang überwiegen die albernen Gags gegenüber einigen wirklich witzigen (Peter meint zum Beispiel, dass Spider-Man im Spanischunterricht neben ihm sitzt).
Außerdem kann man nicht leugnen, dass es einer der Hintergedanken der Serie ist, möglichst viel Spielzeug zu verkaufen - warum sonst wird ein Spider-Man-Motorrad eingeführt? Vielleicht ist das aber auch nur das Spiel mit den Erwartungen. Ansonsten werden die Charaktere recht gut getroffen, wenn auch leicht abgewandelt. An Peter kann man bislang wenig aussetzen. Nick Fury ist überall, weiß alles und kann alles. Mary-Jane erscheint ein wenig wie ein Lois-Lane-Klon, die auf der Suche nach einer Newsstory ist. Tante May ist modern und agil, J. Jonah Jameson ist statt eines Zeitungsherausgebers nun ein rechts-konservativer politischer Kommentator à la Glenn Beck oder Bill O'Reilly. Über Großbildschirme und mithilfe von Daily-Bugle-Communications betreibt er aber natürlich eine Hetzkampagne gegen den Netzschwinger. Bei den anderen Superhelden muss man wohl noch weitere Episoden abwarten, um ein Urteil zu fällen. Auffällig sind White Tiger und Nova als Quasi-Unruhestifter, die erst noch von Spideys Qualitäten überzeugt werden müssen. Ebenfalls dabei: Stan Lee als Hausmeister.
Fazit
Feststeht: Das Kreativteam mit Brian Michael Bendis, den „Man of Action“, Paul Dini, Scott Mossier, Jeph Loeb und anderen ist stark und im Animationsbereich äußerst erfahren. Einige Grundlagen stimmen bereits, an anderen muss noch gefeilt werden. Aber gleichzeitig wissen Spider-Man-Fans, dass die sehr starke Serie The Spectacular Spider-Man (2008 bis 2009) erst vor wenigen Jahren ausgelaufen ist. Zwar kann man sich nach zwei Episoden noch kaum ein Urteil erlauben, aber die Grundlagen stimmen im Prinzip schon. Der Ton ist beschwingt, die Charakterisierungen sind stimmig, das Setting birgt Potential und die Erzählweise unterscheidet sich von anderen Spider-Man-Serien. Dennoch ist noch viel Luft nach oben.