Mit Tut wagt sich Spike TV an eine monumentale Eventserie im Stile bekannter Sandalenfilme. Die Geschichte um Pharao Tutanchamun gibt einiges her und wird hier bisweilen rasant aufgearbeitet. Ein paar Schwächen und Längen offenbart das erste Kapitel des dreiteiligen Historiendramas dennoch.

Sir Ben Kingsley, Avan Jogia und Sibylla Deen (v. l. n. r.) in „Tut“ / (c) Spike TV
Sir Ben Kingsley, Avan Jogia und Sibylla Deen (v. l. n. r.) in „Tut“ / (c) Spike TV

Der amerikanische Kabelsender Spike TV ist eher für seine diversen Showformate bekannt, die man in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Zu den letzten größeren Erfolgen gehört zum Beispiel das sehr beliebte „Lip Sync Battle“, in dem sich bekannte Größen der Unterhaltungsbranche darum duellieren, wer die beste Performance zu einem Song abliefern kann, ohne diesen wirklich zu singen. Doch auch an der Front der fiktiven Formate möchte man jetzt anscheinend langsam immer mehr Fuß fassen und so entschied man sich im letzten Jahr für die Bestellung der Miniserie Tut, ein dreiteiliges Historiendrama über den legendären ägyptischen Pharao Tutanchamun, wie dieser an die Macht kam, seine Herrschaft gestaltete und etliche Feinde von außerhalb sowie aus seinem inneren Kreis abwehren musste.

In „Tut“ wird nun also die Lebensgeschichte des titelgebenden Herrschers erzählt, wobei man sich wohl eher lose an dessen Biografie hält. Die Pilotepisode zeigt einen jungen Pharao, der ein schweres Erbe antreten muss und dabei von seinen engsten Vertrauten und Beratern zurückgehalten wird, nutzen diese ihn doch mehr oder minder als einfache Marionette, um ihre eigenen Machtpositionen zu sichern. Der selbstbewusste Tutanchamum will sein wohlbehütetes Leben innerhalb seines pompösen Palasts jedoch endlich hinter sich lassen und zu der Herrscherfigur aufsteigen, die sein Volk so dringend benötigt. Hunger, Dürreperioden, Angriffe durch verfeindete Völker sowie Intrigen und Verrat am eigenen Hof stellen für den Pharao zahlreiche Feuerproben dar, die er überstehen muss.

New approach

Es handelt sich bei „Tut“ zweifelsohne um ein sehr ambitioniertes Projekt der drei Serienschöpfer Michael Vickerman, Peter Paige (Queer as Folk) und Bradley Bredeweg (The Fosters), die sich mit dem erfahrenen TV-Regisseur David Von Ancken (Hell on Wheels, Californication, Salem) tatkräftige Unterstützung ins Boot geholt haben. Dieser hat für alle drei Teile der Eventserie auf dem Regiestuhl Platz genommen.

Optisch macht die Auftaktepisode von „Tut“ stellenweise einiges her, vor allem, wenn es in die flotten Schlachtszenen geht. Gleichzeitig muss man aber auch festhalten, dass man hier und da schon recht deutlich erkennt, dass der Green Screen und eher simple Effekte zum Einsatz kamen - nachvollziehbar, ist das von Spike TV veranschlagte Budget doch sicherlich begrenzt gewesen. Der Sender ist jedenfalls mutig, ein derartiges Projekt voranzutreiben, Formate aus diesem Genre gehören doch eher zur Seltenheit im Fernsehen. Mit gutem Grund, möchte man meinen, da sie doch ein eher spezielles Publikum ansprechen.

Avan Jogia und Sir Ben Kingsley in %26bdquo;Tut%26ldquo; © Spike TV
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Casualties

Um sich eine Zuschauerschaft zu sichern, muss man sich von der oftmals drögen Historie wegbewegen und sich ein paar künstlerische Freiheiten nehmen (siehe zum Beispiel Spartacus). So auch in „Tut“, das nicht immer den Anschein erweckt, den wahren Begebenheiten aus den Geschichtsbüchern zu folgen. Dadurch wird es wiederum gelegentlich etwas unglaubwürdig, auf der anderen Seite sorgen die actionreichen Sequenzen aus dem Leben Tutanchamuns dafür, dass man stellenweise ordentlich unterhalten wird. Mehr als einmal gelingt es, den Charme alter Sandalenfilme einzufangen, dank einiger sehenswerter Aufnahmen vor Ort sowie der Ausstattung verschiedener Szenen.

Eine Schlachtszene zwischen dem Heer des Pharaos und den verfeindeten Mitanni gestaltet sich zum Beispiel überraschend realistisch und sehenswert - zumindest in der visuellen Umsetzung. Auch zwischendurch gibt es einige ansehnliche Aufnahmen vor gewaltigen Kulissen, die dazu beitragen, dass „Tut“ äußerlich mit einer sehr soliden Note davonkommt. Wie bereits erwähnt, erkennt man recht deutlich, wann die digitale Tricktechnik zum Einsatz kommt, dennoch hat man eine große Anzahl an Statisten versammeln können, was man derartig opulenten Produktionen immer zugutehalten sollte.

The one in the dark

Stichwort Opulenz. Während sich die Produktionswerte von Tut durchaus sehen lassen können, insbesondere, wenn man Spike TVs erste Schritte auf diesem Terrain bedenkt, schleichen sich derweil inhaltlich ein paar Makel ein, die man nicht schönreden kann. Es ist ja nicht uninteressant, in das komplexe politische Treiben am Hofe des Pharaos einzutauchen, ein Ort, an dem jeder mit verdeckten Karten spielt und eine persönliche Agenda verfolgt. Und mit namhaften Darstellern wie Sir Ben Kingsley, Alexander Siddig oder Nonso Anozie verfügt man über einen guten Cast, der den Figuren und deren Motivation Gewicht verleihen kann. Das Problem dabei ist jedoch, dass das Autorendreiergespann, bestehend aus Vickerman, Paige und Bredeweg bisweilen ein Stück zu dick aufträgt und sehr schwerfällige Dialoge entwirft, die mitunter an überzeichnete Soap Operas erinnern.

Oft wird sich bedeutungsschwanger angestarrt, dann folgt wiederum eine als Metapher verpackte Drohung beziehungsweise Weisheit, die uns Zuschauern mit dem Holzhammer übermittelt wird. Die Darsteller trifft hier nicht wirklich eine Schuld, auch Avan Jogia als Hauptfigur Tutanchamun schlägt sich sehr solide. Doch das Material, das die verschiedenen Schauspieler und Schauspielerinnen vorgesetzt bekommen, ist es, das einen mehrfach mit den Augen rollen lässt. Eine Eventserie wie „Tut“ ist aufgrund ihrer epochalen Ausrichtung und dem historischen Hintergrund nicht gefeit davor, ins Theatralische abzudriften und besonders epische Dialoge zu beinhalten. Dies kann aber irgendwann auch ein wenig zu viel des Guten sein, weshalb abzuwarten bleibt, ob die Autoren die Balance in den weiteren zwei Episoden besser halten können, als es stellenweise in der Pilotepisode der Fall ist.

Deception is key

Auch beim Plot lassen sich ein paar Ungereimtheiten entdecken, die einem übel aufstoßen können. Die gesamte Liebesgeschichte um Tutanchamun und einer jungen Frau (Kylie Bunburys Suhad, die zwar meinungsstark daherkommt, aber leider etwas zu sehr auf ihren love interest-Status reduziert wird) aus dem einfachen Volk fühlt sich leider zu oft zu aufgesetzt an. Ganz zu schweigen davon, dass man die beiden nach ihrem ersten recht zufälligen Aufeinandertreffen wenig später erneut äußerst zweckdienlich die Wege kreuzen lässt. Die Figurenzeichnung einiger Charaktere gibt ebenfalls Fragen auf, so zum Beispiel bei dem von Nonso Anozie gespielten General Horemheb, welchen es nach immer mehr Macht lüstet. Er wird als einer der legendärsten Feldherren Ägyptens eingeführt, muss sich dann jedoch vom kriegsunerfahrenen Jungspund Tutanchamun belehren lassen, was die beste Taktik ist, um die Mitanni zu besiegen.

Dieser Plan geht dann jedoch nicht auf, was zur Folge hat, dass Tutanchamun für tot gehalten wird und der Kampf um seine Nachfolge beginnt. Was folgt, ist großes Drama inklusive geheimer Allianzen, fataler Romanzen und perfider Intrigen. Selbst ein Konflikt zwischen besten Freunden, Tutanchamun und seinem loyalen Mitstreiter Ka (Peter Gadiot) bahnt sich bereits an. Denn Tutanchamun weilt nach wie vor unter den Lebenden, während Ka die Königin Ankhesamun - Tutanchamuns Schwester, ordentlich porträtiert von Sibylla Deen (auch wenn sie ebenfalls etwas zu sehr aufspielt) - beglückt. Dies hört sich alles nach einem eher recht tropenhaften und ausgewaschenen Historienroman an, der durch gekünsteltes Drama mitreißen will.

Angenehmer wäre es jedoch, wenn das Ganze ein klein wenig mehr geerdet sein würde. Die große Fluchtszene am Ende der Episode, als Tutanchamun zusammen mit Suhad den kampferprobten Lagus (Iddo Goldberg, Peaky Blinders) aus seiner Gefangenschaft befreit, ist ebenfalls etwas seltsam. So flott die Sequenz auch ist, die Befreiungsaktion gestaltet sich doch etwas zu simpel - bei aller Liebe für die gute Dynamik zwischen Jogia und Goldberg.

Nonso Anozie
Nonso Anozie

Fazit

Tut dürfte vor allem geschichtsinteressierte Zuschauer hellhörig werden lassen, auch wenn sich in der Eventserie wohl so einige historische Ungenauigkeiten finden lassen. Dennoch: „Tut“ sieht alles andere als schlecht aus und punktet so mit soliden Schauwerten sowie ein paar harten Kampfszenen, die fesseln können. Die Kamera rast zwar gelegentlich ein wenig zu wild von Figur zu Figur, insgesamt merkt man dem Format jedoch an, dass erfahrene Leute dahinter sitzen, die bereits ähnliche Produktionen zu verantworten hatten (die ausführende Produktionsfirma Muse Entertainment ist unter anderem für Produktionen wie The Kennedys oder „Die Säulen der Erde“ bekannt).

Bezüglich des Script und der dramaturgischen Ausrichtung von „Tut“ scheiden sich wiederum die Geister. Es ist wie immer Geschmackssache, ob einem das teilweise überdramatische Schauspiel der Darsteller aufgrund der vielen bedeutungsschweren Dialoge gefällt oder nicht.

Ich persönlich denke, dass es durchaus subtiler und weniger theatralisch geht, selbst wenn der Rahmen der Erzählung den Drehbuchautoren nicht allzu viel Freiraum lässt. Es handelt sich immerhin um eine epische Miniserie, in deren Zentrum der große Pharao Tutanchamun steht. Trotzdem muss man mit vielen Aspekten des Formats erst einmal warm werden. Ein wenig störend bleibt für die meiste Zeit der Auftaktepisode, dass die Handlung viel zu zweckmäßig vorangetrieben wird und dabei die einzelnen Zahnrädchen zu perfekt ineinandergreifen. Großartig viel Spannung wird hier nicht generiert, da man sich die meisten Entwicklungen bereits lange vorher denken kann. Es wäre wünschenswert, wenn sich dies im weiteren Verlauf etwas ändert und der Plot sich weniger formelhaft gestaltet. Das Potential für eine sehr solide Historienserie, die gut unterhalten kann, hat „Tut“ allemal.

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