Trying: Review der Pilotepisode von Apple TV+

Trying: Review der Pilotepisode von Apple TV+

Apple TV+ versucht sich an einer britischen Comedyserie über ein junges Paar, das vergeblich darum bemüht ist, ein Kind zu bekommen und anfängt, andere Optionen auszuloten. Mehr dazu in unserem Pilotreview zu Trying.

Trying (c) Apple TV+
Trying (c) Apple TV+
© rying (c) Apple TV+

Der Streamingdienst Apple TV+ will wie Netflix nicht nur US-Produktionen anbieten und steckte 2019 mit den Studios der britischen Sendeanstalt BBC die Köpfe zusammen, um eine UK-Comedy für seine Abonnentinnen und Abonnenten zu produzieren. Damals noch unter dem Titel „Alabama“. Bis zum Startschuss als Teil der zweiten Welle der Apfelproduktionen sollte sich noch einiges ändern - unter anderem der Titel, der zum jetzigen Serienstart Trying lautet. Die erste Staffel lag uns frühzeitig vor, nur hat uns der Auftakt nicht gerade mit einem Verlangen zum Komplett-Bingen geschwängert.

Trying“ stammt aus dem Füller des britischen Comedyautors Andy Wolton, der die spannende Zeit unter die Lupe nehmen will, in der ein junges, urban lebendes Paar jenen Lebensabschnitt erreicht, in welchem befreundete Pärchen links und rechts Kinder in die Welt feuern. Ignoriert man den sozialen Druck des Umfelds? Besteht überhaupt ein authentischer Kinderwunsch? Würde die aktuelle Beziehungskonstellation ein gutes Elternteam abgeben? Besteht man auf eigene Kinder, um die ach so wichtigen Gene der Vorväter in die Zukunft zu tragen oder gibt es andere Optionen? Gutes Material eigentlich für eine Comedyserie mit wichtigem Thema und dramatischen Aspekten.

Nikki (Esther Smith) und Jason (Rafe Spall) aus London verspüren schon lange einen eindeutig formulierten Kinderwunsch. Dass der Storch noch kein Freudenbündel vorbeigebracht hat, liegt wohl kaum an fehlenden Versuchen. Der Sex verläuft mittlerweile streng nach Ovulationsplan und ist schon lange keine reine Vergnügungsangelegenheit mehr. Trotzdem bleibt der Nachwuchs aus und ohne aufwendige Nachhilfe wird sich bei den beiden auch nicht viel tun, wie sie bei einem deprimierenden Arztbesuch zu hören bekommen. Und wären Nikki und Jason etwas sympathischer gezeichnet, würde das uns als Zuschauer vielleicht auch ein bisschen an die Substanz gehen. Das ist aber nicht das größte Problem von „Trying“.

Apple TV+
Apple TV+ - © Apple TV+

Wer eine junge, britische Comedy erwartet, wird erstaunt sein, wie bisslos und zuweilen spießig die Serie im Gegensatz zur sonstigen Konkurrenz aus dem UK rüberkommt. Nein, nicht weil es um Familienplanung statt um unangepasste Grenzgängereien geht. Die Gags basieren vielmehr auf kaum erwähnenswerten Transgressionen, wie dem Rummachen in einem so gut wie leeren Bus oder einer frechen Bemerkung während einer Babyparty. Und fast erstaunlicher: Als Bewohner des angesagten Londoner Bezirks Camden wundern und ärgern sich die Serienfiguren über die dort vorkommende Hipsterbevölkerung und ziehen Grimassen beim Anblick eines tätowierten Mannes in einem Tattoostudio. Fragwürdige, borderline-rassistische Jokes und Schockreaktionen auf die Abtreibungshistorie einer Kollegin machen die Angelegenheit natürlich auch nicht lustiger.

Das Mammutstück von „Trying“ wird aber nicht der anhaltende Versuch Nikkis, schwanger zu werden, sondern der langwierige Adoptionsprozess sein, zu dem sie und Jason sich schließlich durchringen. Allerdings finden sie die Idee, ein älteres Kind statt eines frisch aus dem Ofen kommenden Neugeborenen bei sich aufzunehmen, zunächst überhaupt nicht attraktiv. Das könnte ja bereits mit einer ansatzweise ausgebildeten Persönlichkeit geliefert werden, Ansprüche stellen oder den Lebensstil der neuen Erziehungsberechtigten infrage stellen.

Fazit

Nicht jede britische Comedy muss ein subversiver game changer wie Fleabag sein. Statt Biss, Humor und Herz bietet der Auftakt von Trying jedoch nichts als Biederkeit, Jokes ohne spürbaren Puls und ein zuweilen böswillig wirkendes Paar, dessen Kombination aus sich gehen lassendem Mann und genervter Frau eher zu US-Comedys von vor 20 Jahren passen würde. Die oft vernachlässigte Option der Adoption ist ein gern gesehenes Serienthema, aber ohne fundierte Einsichten und sitzende Witze zum Thema Elternschaft, wie sie zum Beispiel in Serien wie Motherland durchaus geliefert werden, bleibt es beim dürftigen Versuch.

Hier abschließend noch der Trailer zur Apple-TV+-Serie „Trying“:

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