True Story: Kritik zum Start der spannenden Netflix-Serie mit Kevin Hart

© evin Hart in der Serie True Story (c) Netflix
Als stadionfüllender Stand-up-Komiker und Filmstar von Actionkomödien wie „Ride Along“, „Central Intelligence“ oder „Jumanji: Welcome to the Jungle“ wurde Kevin Hart weltberühmt. Seine Markenzeichen: ein kompakter Körperbau und ein verärgertes Grundgemüt. Viele nennen ihn bereits den neuen Eddie Murphy, womit er selbst schon kokettiert. Dabei versucht sich Hart derzeit auch an einem waghalsigen Genrewechsel vor der Kamera, hin zu ernsteren Rollen. So trat er zuletzt im Familiendrama „Fatherhood“ auf, das bei Netflix sehr erfolgreich lief. Ebenfalls bei der Streaming-Plattform erschien nun der Siebenteiler True Story, der teils autobiografisch geprägt ist (wenn auch mit hoffentlich erfundenen Abweichungen).
Geschrieben wird das Ganze vom Narcos-Macher Eric Newman (übrigens der Sohn des „Toy Story“-Komponisten Randy Newman). Als Showrunner fungiert derweil Charles Murray (Luke Cage, Sons of Anarchy). Neben Hart, der natürlich die Hauptrolle spielt, ist auch der „Blade“-Star Wesley Snipes zu sehen. In der Auftaktepisode, Chapter 1: The King of Comedy, bietet der ehemalige „Titanic“-Schurke Billy Zane außerdem einen unterhaltsamen Gastauftritt.
Worum geht's?
Kevin Hart spielt in True Story eine fiktionalisierte Version seiner selbst. „The Kid“ tourt durch die Staaten. Bei Ellen macht er Werbung für seinen neuen Superhelden-Blockbuster, der kurz vor der Milliardenmarke an den Kinokassen steht. Und überall laufen ihm Fans über den Weg, die sich in seinem Glanz sonnen wollen. Ähnlich wie die Kapitalismussatire Succession inszeniert die Netflix-Serie im ersten Drittel der Pilotepisode genüsslich den Luxus, den der Protagonist und seine Entourage genießen. Aber auch hier sind es Familienquerelen, die das viele schöne Geld überschatten.
Gemeint ist sein älterer Bruder Carlton (Snipes), der im Hauptberuf Versager ist. Bislang scheiterte jeder Versuch der Selbstständigkeit - stets finanziert vom millionenschweren Geschwisterkind -, sodass ihm nur das Parasitendasein bleibt, mit dem er sich ohnehin sehr wohl fühlt. Gerade, als The Kid so weit ist, Carlton abzunabeln, besteht dieser auf einen letzten wilden Abend zusammen. Und so kommt es, dass sich unser Held entgegen aller Selbstschwüre betrinkt und später dann den größten Fehler seines Lebens begeht. Ab hier beginnt die Spoiler-Zone...

The Kid nimmt sich im Vollrausch einen Groupie mit in die Luxussuite und wird nachts von einem panischen Carlton geweckt. Die Frau ist tot, mit einer Überdosis. Der erste Instinkt, den Krankenwagen zu rufen, wird unterbunden, denn dann wäre die Polizei - und schlimmer noch: die Presse - geweckt. Nach langem Hin und Her hat der im kriminellen Untergrund bestens bewanderte Carlton die zündende Idee. Ein alter „Freund“ weiß wohl, was zu tun ist. Dummerweise hält auch dieser zwielichtige Ari (Zane) sich für einen Komiker, was in dieser drastischen Situation alles andere als willkommen ist.
Doch eins muss man Ari lassen: Er ist ein Profi und macht zudem den Eindruck, dass er auch schon anderen Promis in ähnlichen Notlagen ausgeholfen hat. Die Figur von Kevin Hart steht bei alldem völlig unter Schock, weshalb auch keine Zeit für Fragen bleibt, was nun wirklich mit der Frau passiert sein könnte. Ist vielleicht gar nicht er selbst, sondern Carlton schuld? Macht das überhaupt noch einen Unterschied? Einen finalen Twist hat der spannende Serienstart jedenfalls noch zu bieten, der die Sache umso komplizierter macht. Wie man es auch von Ozark oder Breaking Bad kennt, sorgt jede Lösung eines Problems für mindestens zwei noch größere Probleme. Eine Spirale der Eskalation...
Wie ist es?
Da wir nur die erste von insgesamt sieben Episoden der Netflix-Miniserie True Story sichten konnten, fällt unser Fazit ziemlich positiv aus. Der Thriller mit Kevin Hart, der es sich schauspielerisch sehr leicht macht, indem er mehr oder weniger sich selbst zu spielen scheint, bietet zum Start sehr viel Spannung. Auch Wesley Snipes und Billy Zane überzeugen in dem Kammerspiel, denn ab dem zweiten Drittel finden die Ereignisse eigentlich nur noch im selben Hotelzimmer statt.
Der Spaß der Serie liegt darin, sich selbst zu überlegen, was nun das Klügste wäre in so einen Ausnahmesituation (was eigentlich sehr perfide ist). Etwas zerstört wird dieses Rätselraten durch den unglaubwürdigen Schlusspunkt, der aus Fairnessgründen in unserer Besprechung nicht enthüllt werden soll. Man kann aber sagen, dass der schnelle Effekt hier wichtiger genommen wurde als die langfristige Authentizität. Wenn der Chefautor Eric Newman und Showrunner Charles Murray mit ihrer Story so wenig nachhaltig umgehen, steht zu befürchten, dass schon bald die Luft raus könnte. Ohnehin erscheint das Ganze eher geeignet für einen Film statt für einen Siebenteiler.
Hier abschließend noch der Trailer zur gerade angelaufenen neuen Netflix-Serie True Story: