BBC One sendet in dieser Woche die teils improvisierte Miniserie True Love. Die Pilotepisode mit Doctor Whos David Tennant in der Hauptrolle ist leise inszeniert, begeistert dabei aber durch grandiose Intensität und ganz große Gefühle.

David Tennant und Vicky McClure in „True Love“ / (c) BBC One
David Tennant und Vicky McClure in „True Love“ / (c) BBC One

Das Leben von Nick (David Tennant, Doctor Who) in der Serie True Love ist perfekt: Arbeitskollegen, die ihm vertraut sind. Ein Haus. Seine wunderschöne Frau Ruth (Joanne Froggatt), die ihn liebt und die er liebt. Es gibt Kinder. Kann es etwas geben, dass diesen Himmel inmitten des irdischen Lebens gefährden könnte?

Die fleischgewordene Bedrohung trägt den Namen Serena (Vicky McClure). McClure scheint zwar etwas zu jung für ihre Rolle zu sein, kann davon aber gekonnt durch ihr intensives Spiel ablenken. Vor vielen Jahren waren Nick und Serena ein Paar, das für einander geschaffen war. Ihre Beziehung musste jedoch daran zerbrechen, dass die beiden diese schicksalhafte Fügung damals nicht glauben konnten.

What the world needs now, is love, sweet love fordert die musikalische Untermalung. Doch ist die Liebe, die folgt, nicht sweet. Sie ist eine Urgewalt, die in Anbetracht der Umstände einen emotionalen Super-GAU auslöst.

Die Schauspieler in True Love machen ihren Job gut. Man hat das Gefühl, ein Leben zu beobachten, statt einer Inszenierung. Die Chemie zwischen Nick und Serena wirkt echt, ihre Konversationen natürlich. Das liegt auch darin begründet, dass die Serie ein Resultat von Improvisation ist. Die beiden Hauptdarsteller tragen die tiefe emotionale Bredouille nach außen, in die ihre unglücklichen Charaktere geraten sind. Als Nick seine Serena am Strand in den Armen hält, braucht es keine Worte, um zu vermitteln, dass diese Zuneigung tiefer wurzelt als in der bloßen Ausschüttung von Hormonen. Die beiden sind die Traumpartner des jeweils anderen. Sie haben die seltene Möglichkeit, den Traum in der Realität zu leben - aber die Verantwortung gegenüber ihren Familien steht der Verwirklichung im Wege.

Am Ende lässt sich alles auf eine fundamentale Frage reduzieren: Kopf oder Herz?

Nick hat die Art von Liebe gefunden, nach der Carrie Bradshaw sich einst in Sex and the City sehnte: „Real love. Ridiculous, inconvenient, consuming, can't-live-without-each-other love.“ Trotzdem beneidet man Nick nicht darum, von der wahren Liebe gekostet zu haben. Zu grausam ist die Entscheidung, die er nun treffen muss.

Sein Arbeitskollege sagt nein, sein Hirn sagt nein. Auch seine Ehefrau würde nein sagen. Seine Kinder würden nein sagen. Selbst Nicks Lippen sagen „Nein“. Doch das Herz hält nicht viel von Demokratie.

Fazit

Als Nick seine eifersüchtige, intuitiv die Gefahr erspürenden Ehefrau belügt, ist das furchtbar mit anzusehen. Man mag die Frau. Sie ist gut für Nick. Aber aufgrund der grandiosen spielerischen Leistung von Tennant bringt man auch Verständnis für seine Unvernunft auf. Wie er, fühlt man sich zwischen den beiden Fronten, die die zwei verschiedenen Spielarten der Liebe bilden, zerrieben.

Die Kamera kommt dem Geschehen so nahe, dass die Intensität kaum zu ertragen ist. Man wünscht sich eine größere Distanz, um nicht in ein Dilemma hineingezogen zu werden, für das es keine richtige Lösung geben kann. Danke, BBC für dieses authentische Glanzstück in Serienform! True Love kann in seinem melancholischen Flüsterton alles ausdrücken und braucht keine Effekthascherei. Die Pilotepisode der Anthologie trägt den Titel Nick. Sie war am Sonntag auf BBC One zu sehen und hat hohe Erwartungen für die zweite Episode geweckt. Paul hat eine andere Besetzung und behandelt eine andere Liebesgeschichte. Sie wird am Montagabend ausgestrahlt.

Trailer zur Serie 'True Love'[videosj=TrueLove_Trailer]

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