True Lies 1x01

© oster zur Serie True Lies (c) CBS
Das passiert
Harrys (Steve Howey) Leben ist eine Medaille mit zwei Seiten, die unterschiedlicher nicht sein könnte. Für seine Frau Helen (Ginger Gonzaga) ist er ein liebevoller Ehemann und Vater, der seine Brötchen mit dem Verkauf von Computern als Außenvertreter verdient. Doch kaum ist er aus dem Haus, verwandelt er sich in einen Geheimagenten, der mit seinem Team für die US-Organisation Omega um die Welt reist, um Bösewichte auszuschalten, Pläne oder neueste Waffentechnologien zu beschaffen.
Als seine Frau ihn eines Tages zur Rede stellt, weil sie glaubt, er hätte ein Verhältnis, lädt er sie spontan nach Paris ein, wohlwissend, dass er dort einen gefährlichen Auftrag zu erledigen hat. Prompt findet sich Helen zwischen den Fronten wieder und muss erkennen, dass ihr Gatte ein Mann voller Überraschungen ist.
Good Things
Wenn man einen fast 30 Jahre alten Kultfilm wie „True Lies - Wahre Lügen“ aufgreift, um daraus eine Serie zu produzieren, birgt dieses Unterfangen einige Fragen in sich. Welche Schauspielerinnen und Schauspieler castet man? Welche Elemente der Geschichte übernimmt man, was lässt man außen vor? Wie modernisiert man den Stoff und wie geht man mit dem bisweilen angestaubten Humor um?
Was die Serienadaption des Schwarzenegger-Krachers von 1994 angeht, der heute noch Millionen Fans hat, fand Serienerfinder und Haupt-Autor Matt Nix einen guten Mittelweg. Kein Wunder, denn der aus Los Angeles stammende Produzent und Autor hat unter anderem die beliebte Spionage-Show Burn Notice mitzuverantworten, die es immerhin auf sieben Staffeln mit 111 Episoden und einen TV-Film brachte. Erfahrung genug hat Nix also, und in Zusammenarbeit mit James Cameron, der seinerzeit das Original verzapfte und mit seiner Produktions-Firma Lightstorm Entertainment kräftig bei der Serienneuauflage mitmischt, sollte eigentlich nichts schiefgehen.
Tatsächlich macht True Lies in der Pilotfolge eine Menge Spaß, wenn man über die ein oder andere drehbuchtechnische Macke hinwegsehen kann. Doch kommen wir zunächst zu den gut gelungenen Aspekten. Da wäre an vorderster Front Steve Howey als Harry Tasker zu nennen, den die Maske so aufpoliert hat, dass er sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit Arnold Schwarzenegger vorweisen kann. Der Mime zeigt sich toll in Form und meistert seine Actionszenen mit Bravour. In den komödiantischen Szenen schafft er es dank seiner an das Original angelehnten Gestik und Mimik auch ohne Muskelberge zu überzeugen und den ein oder anderen Schmunzler hervorzulocken.
Wenn Tasker zu Beginn der Folge seiner Frau erzählt, dass er gleich ein langweiliges Meeting mit einem potentiellen Kunden hat, aber wie nebenbei seine Knarre lädt, ist das durchaus witzig. Der folgende Auftrag erinnert ohne große Umschweife an einen nicht uncharmanten Mix aus dem Remake von MacGyver 2016 (2016 - 2021) und „Mission Impossible“. Der Stil aus smartem Spionageteam und coolen Gadgets gepaart mit fast irrwitzigen Actioneinlagen sind es, die Spaß bringen und für Kurzweil sorgen.
Als Harrys „bessere Hälfte“ fungiert die aus She-Hulk bekannte Ginger Gonzaga, die ihren Mann liebt, sich aber gelangweilt fühlt. Dass dieser Zustand schnell verfliegt und sie letzten Endes selbst eine Omega-Agentin wird, liegt eigentlich von Anfang an auf der Hand und überrascht daher wenig. Abgesehen von der Vorhersehbarkeit ist die Figur aber witzig geschrieben. Als Harry und sie beispielsweise in Paris von feindlichen Spionen gefangengenommen werden, entbrennt zwischen den beiden ein zünftiger Streit, der auch dank Helens Fighting-Skills ein gutes Ende nimmt.
Bad Things
Auf der anderen Seite geschehen einige Dinge, die man im lupenreinen Denglisch wohl als „cheesy“ bezeichnen könnte. Wer sich an die 80er-Jahre und Actionserien wie The A-Team erinnert, wird sich bei den zahlreichen Schießereien wahrscheinlich sofort in der „guten alten Zeit“ des herrlich harmlosen Baller-TVs wähnen. Wie in der Kult-Show fliegen den Protagonisten auch hier die Kugeln nur so um die Ohren, dass es im Sinne des Wortes gewaltig kracht. Verletzt wird indes niemand ernsthaft, und wenn doch, ist das Publikum angehalten, die Fantasie einzuschalten, und sich vorzustellen, was mit dem armen Gegner geschieht, der vielleicht gerade einige Meter in die Tiefe stürzt.
Eine bestimmte Situation soll hier exemplarisch als Beispiel dienen: Harry und Helen sitzen gemeinsam in einem Restaurant. Gerade erst hat er einen Auftrag erfolgreich beendet und möchte sich nun endlich seiner Frau widmen, der er ein paar romantische Tage in Paris versprach. Plötzlich bemerkt der gut trainierte Agent, dass es einige Feinde auf ihn abgesehen haben. Was folgt, sind fliegende Fäuste und durch die Luft schwirrende blaue Bohnen en masse, ohne dass aber auch nur ein Gast, ein Gegner oder geschweige denn das Ehepaar ernsthaft verletzt wird. Natürlich kann man argumentieren, dass derart dümmliche Szenen nichts in einer modernen Serie zu tun haben.
True Lies bezieht allerdings einen Teil seines Unterhaltungswertes daraus und übertreibt absichtlich. Auf diese Weise macht die Pilotfolge deutlich, dass die Serie zwar reichlich an teils richtig gut gemachter Action bietet, im Herzen aber eine Persiflage auf Filme wie die „James Bond“-Reihe und Co ist - ganz so, wie es sich der Kinofilm ebenfalls auf die Fahnen schrieb. Hinzu kommt, dass die Serie in Kanada bei CTV läuft, was wiederum ein gewisses Maß an Familientauglichkeit voraussetzt.
Fazit
Seien wir einmal ehrlich und stellen uns die Frage: Warum eigentlich nicht? In den letzten Jahren setzt so ziemlich jedes Studio auf bekannte Kult-Franchises, wieso also nicht einen Film zu einer Serie ausbauen? Auch, wenn der Vergleich selbstredend ein wenig hinkt: bei Snowpiercer, oder seinerzeit Stargate SG-1 hat die Idee schließlich funktioniert. Und das tut sie auch im Fall von „True Lies“.
Macht die Pilotfolge den Eindruck, als käme sie an den Film heran? Nein, dafür ist Arnold Schwarzenegger einfach ein zu großes Schwergewicht für die Fans. Adaptiert sie aber die Grundidee gut und überführt die entscheidenden Elemente unterhaltsam in das Remake? Die Frage lässt sich mit einem klaren ja beantworten, einschließlich der altbekannten Logiklücken und einem kleinen Schuss Unfug.
Alles in allem macht das Debüt auf jeden Fall Laune, und genau das will die Show auch. Hier geht es offensichtlich nicht darum, eine tiefgründige Geschichte zu erzählen, die auf eisenharte Logik setzt. Vielmehr geht man in Richtung seichte, familienfreundliche Actionkomödie. Und das ist nicht das Schlechteste. In diesem Sinne: Hirn aus und rein ins Vergnügen. Vier von fünf Spionage-Gadgets.
True Lies: Serientrailer
Hier schon mal der Serientrailer zur Produktion „True Lies“:
True Lies 1x02 Serientrailer
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der Serie „True Lies“, Public Secrets (1x02):
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 3. März 2023True Lies 1x01 Trailer
(True Lies 1x01)
Schauspieler in der Episode True Lies 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?