True Blood 5x01

Willkommen zurück in Bon Temps, Louisiana! Die Wunschheimat der Vampire, Gestaltwandler, Feen, Hexen, Werwölfe, Medien und Werpanther. Fast neun Monate liegt das Finale der vierten Staffel von True Blood zurück. Der Abschluss ließ uns mit der blanken Ungewissheit über das Schicksal des einen oder anderen Charakters zurück. Eine Gedächtnisauffrischung gefällig?
Was zuletzt geschah...
In den letzten beiden Episoden der vierten Staffel (Soul of Fire, And When I Die) gab Sookie (Anna Paquin) ihren beiden Vampirverehrern den Laufpass. Bill (Stephen Moyer) und Eric (Alexander Skarsgard) ermordeten das abtrünnige Mitglied der Authority und das Gesicht der American Vampire League, Nan Flanagan (Jessica Tuck).
Von rasender Eifersucht getrieben und mit einem geladenen Gewehr trachtete Debbie Pelt (Brit Morgan) nach Sookies Leben. Die Kugel erwischte aber stattdessen Tara (Rutina Wesley), die sich für ihre Freundin selbstlos in die Schussbahn warf. Daraufhin riss Sookie Debbies Waffe an sich und richtete sie mit einem Kopfschuss hin. Sam (Sam Trammell) wurde bei seinem Rachefeldzug gegen Marcus (Daniel Buran) von Alcide (Joe Manganiello) begleitet. Als Marcus jedoch Sam im Hinterhalt erschießen will, schreitet Alcide zur Hilfe und tötet den Anführer seines Werwolfsrudels mit einem Schlag gegen den Kehlkopf.
Marnie (Fiona Shaw) nahm den Körper von Lafayette (Nelsan Ellis) in Besitz und ermordete dessen bessere Hälfte Jesus (Kevin Alejandro). Jason (Ryan Kwanten) schenkte Hoyt (Jim Parrack) reinen Wein über seine Affäre mit Jessica (Deborah Ann Woll) ein und erhielt einen überraschenden Besuch von dem frisch gebackenen Vampir, Reverend Steve Newlin (Michael McMillian). Außerdem entkam Russell Edgington (Denis O'Hare) auf bisher noch unbekannte Art und Weise aus seinem Betongrab.
Ist Tara nun wirklich tot?
Beim Einstieg in den Auftakt zur fünften Staffel von True Blood schickt uns Episodenautor Brian Buckner auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Turn! Turn! Turn! (5x01) beginnt rasant und vielversprechend und zeigt uns, was eigentlich zur selben Zeit geschah, als Tara sich in die Schussbahn ihrer besten Freundin Sookie warf.
Aber wie kann Tara noch gerettet werden? Ein Kopfschuss ist selbst an einem vor übernatürlichen Phänomenen und Wesen strotzenden Ort wie Bon Temps nicht so leicht zu korrigieren. Natürlich sind Bill und Eric die ersten, die Sookies Angst spüren, aber ihre verschmähten Vampirverehrer haben derweil mit schwerwiegenderen Angelegenheiten zu kämpfen. Sprich: Sie finden sich selbst in einer lebensbedrohlichen Situation wieder.
Pams Eingreifen in diesen Handlungsbogen erscheint sinnvoll und konfliktversprechend. Sie erklärt sich bereit, Tara in einen Vampir zu verwandeln. Aber nicht aus Nächstenliebe oder um schlichtweg helfen zu wollen... Nein - sie tut es, damit Sookie ihr noch etwas schuldig ist. Sie kommt der Bestie (dem Vampir, wie er in True Blood eigentlich beschrieben wird) am nächsten und wirkt somit am authentischsten von allen Vampiren in und um Bon Temps, die wir bisher kennenlernen durften.
Für Lafayette empfindet man in dieser Situation tiefes Mitgefühl. In And When I Die (4x12) verlor er zunächst seine große Liebe, Jesus, und nun droht er mit Tara ein bedeutendes Stück Familie zu verlieren. Zu allem Überfluss bleibt ihm der Abschied von Jesus verwehrt. Die Leiche des Hexers ist verschwunden. In wessen Besitz sich diese nun befindet, ist bis auf weiteres ungeklärt.
Sookie wiederum scheint eine neue Seite an sich entdeckt zu haben, Kaltblütigkeit. Wie sie schnell bemerkt, hat sie Debbie nicht im Eifer des Gefechts oder gar aus Notwehr erschossen, sondern aus puren Racheglüsten. Wenn sie diesen Weg weiterbeschreitet, könnte sie sich noch zur Horrorfee entwickeln.
Nein, Spaß beiseite: Tara ist für Sookie mehr als nur eine Freundin - sie ist ihr letztes Stück Familie, an das sie sich noch verzweifelt klammert. Der beste Beweis dafür sind die Rückblenden in die Kindheit der beiden Charaktere in der Folge. Deswegen könnte man daraus schließen, dass sie die Tat aus Angst ihre Schwester zu verlieren begang. Aber diese Situation zeigt umso mehr, dass in True Blood nichts nur schwarz oder weiß ist, sondern alles stets in Grautönen abgebildet wird. Was ihren Mord an Debbie angeht: Ihre Beziehung zu Alcide könnte dadurch einen schweren Knacks erhalten.
Zurück zu Pam: Sie wird es sich definitiv nicht nehmen lassen, die Schulden von Sookie einzutreiben. Aber ob es Sookie wirklich schaffen wird, erfolgreich zwischen Pam und Eric zu schlichten, darf zu diesem Zeitpunkt bezweifelt werden. Eines wissen wir jedoch mit Bestimmtheit: Der Handel kommt definitiv zustande. Taras Verwandlung funktioniert - und gleich als erstes hat sie es auf das süße und köstliche Feenblut von Sookie abgesehen.
Dass Tara nun als Vampir ihr Unwesen treibt, ist ein Game-Changer, der es in sich hat und woran sich der eine oder andere sicherlich noch gewöhnen muss. Aber was hätte man sonst tun sollen? Die Alternative wäre nur noch der Tod gewesen, was den Ausstieg von Rutina Wesley mit sich gebracht hätte. Das wollte Showrunner Alan Ball aber offenbar vermeiden.
Zwischen der Authority und Bruder-/Geschwisterliebe
Der Grundstein für die Bromance zwischen Bill und Eric ist gelegt: Die beiden ungleichen Vampire steuern geradewegs auf eine Freundschaft zu, jetzt wo Sookie nicht mehr zwischen ihnen steht. Außerdem schweißen ihre gemeinsame Probleme mit der Authority sie noch enger zusammen. Diese Entwicklung macht sich bereits jetzt positiv bemerkbar. Ihre gemeinsamen Szenen sind durchaus interessant zu betrachten und zeugen von Humor. In dieser Entwicklung besteht noch jede Menge Potential, das es im weiteren Verlauf der Staffel auszuschöpfen gilt.
Wir erfahren aber auch, dass Eric die ganze Zeit über einen Maulwurf innerhalb der Authority hatte, der ihnen letztendlich auch zur Flucht verhilft: seine Schwester Nora (Lucy Griffiths), die ebenfalls ein Mündel von Godric (Allan Hyde) ist. Ihr Wiedersehen fällt sehr leidenschaftlich aus. Das beste Zitat in dieser Episode? „We fight like siblings, but we f**k like champions“, so Eric zu Bill nach dem Sex mit Nora.
Ein Rudel außer Rand und Band
Neben der anbahnenden Bromance zwischen Bill und Eric, die mehr auf Blödeleien beruht, könnten wir womöglich eine ernsthafte Bromance präsentiert bekommen. Sam liefert Alcide nicht ans Messer und übernimmt stattdessen selbst die Verantwortung für Marcus' Tod - sehr zum Leidwesen von Luna (Janina Gavankar), denn für sie würde das ein Leben ohne ihre große Liebe bedeuten.
Aber so weit kommt es glücklicherweise nicht: Alcide wäre nicht er selbst, wenn er nicht für Sam vor dem Rudel einstehen würde. Welche Konsequenzen das für ihn im Werwolfrudel nach sich zieht, ist ungewiss. Marcus' Mutter Martha (Dale Dickey) macht ihm aber wohl das Leben im weiteren Verlauf der Staffel sicherlich nicht leichter. In ihr steckt das größte Potential zum Bösewicht in der Werwolfgeschichte. Sie ist auch diejenige, die für den Ekelfaktor in der Episode sorgt, indem sie in Werwolfgestalt die Innereien der Leiche ihres Sohnes auffrisst.
Der Kampf um Jason
Die Rückkehr von Reverend Steve Newlin fällt gemischt aus. Einerseits ist er ein wahres Schlitzohr, das Jason gekonnt vor macht, nicht zu wissen, wie er seine Vampirfähigkeiten benutzen kann. Dabei kennt er die Vampirtricks eigentlich bis ins letzte Detail. Ein großer Plan hinter Newlins Rückkehr scheint zunächst aber seitens der Autoren nicht zu stecken. Es wird nur dargestellt, dass er nun mir nichts, dir nichts in Jason verliebt ist. Sein Bekenntnis zur Homosexualität verdankt er seinem neuen Vampirdasein. Als Mensch hätte er sich vermutlich nie dazu durchgerungen. Aber sollen wir ihm das wirklich so einfach glauben? Vielleicht ist sein Gehabe nur Vorgeplänkel für ein böses Spiel, das er noch mit Jason treiben will. Wir werden es voraussichtlich in den nächsten Folgen noch sehen.
Sein Liebesgeständnis an Jason hat aber nicht die erhoffte Wirkung, was den frischgebackenen Vampir zur Weißglut treibt. Zu Jasons Glück spürt Jessica (Deborah Ann Woll) seine Angst und verdeutlicht: „Jason is mine!“ Wir erkennen aber im weiteren Verlauf der Episode, dass sie diese Worte nicht wirklich ernst gemeint sind und sie diese eben nur ausspricht, um Jason zu beschützen. Ihren Blutdurst stillt sie aber lieber bei anderen Personen und unbekannten Fremden.
Die Entwicklung von Jason ist dennoch positiv zu bewerten, weil er nicht mehr der Jason ist, der jedem Frauenrock hinterherjagt, der ihm gerade über den Weg läuft. Tatsächlich zeigt sich bei ihm so etwas wie Tiefgang, auch wenn seine Gefühlsreise noch längst nicht beendet ist. Seine Freundschaft zu Hoyt ist jedenfalls gebrochen, was wiederum nicht weiter tragisch ist, da Hoyt innerhalb von einer Staffel zur regelrechten Hassfigur geworden ist. Der liebenswerte Hoyt mit Güte und Herz fehlt und gehört seit einer gefühlten Ewigkeit der Vergangenheit an. Natürlich kann man seine Wut gegenüber Jason nachempfinden, aber diese kann man mit Größe überspielen. Stattdessen bevorzugt er es, sie lieber feige hinter einer geschlossenen Front auszulassen.
Die mysteriösen Feuer
Die an Halloween ausgesprochene Warnung von René Lenier aka Draw Marshall (Michael Raymond-James) an Arlene (Carrie Preston) scheint wohl nicht unbegründet gewesen zu sein. In Terrys Vergangenheit spuken offenbar wirklich alte Geister, die das Leben der Familie bedrohen könnten.
Der Nebenplot um die mysteriösen Feuer weckt das Gefühl der Neugier. Zudem sehen wir, wie sehr Terry (Todd Lowe) die Ankunft seines alten Armeekumpels Patrick Devins (Scott Foley) verstört. Wie viel Potential tatsächlich in diesem Handlungsbogen schlummert, wird sich aber wohl erst in den nächsten Episoden zeigen.
Fazit
Der Auftakt zur fünften Staffel (Turn! Turn! Turn!, 5x01) sorgt in den ersten Minuten für Spannung und leichten Nervenkitzel, jedoch baut das Tempo, umso länger die Episode dauert, radikal ab - ausgelöst durch den einen oder anderen langweiligen Nebenplot. Am Ende bleibt eine verhaltene Auftaktepisode mit teils guten Ansätzen übrig. Der Rezensent vergibt dreieinhalb Sterne.
Verfasser: Rainer Idesheim am Dienstag, 12. Juni 2012True Blood 5x01 Trailer
(True Blood 5x01)
Schauspieler in der Episode True Blood 5x01
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