True Blood 3x08

True Blood 3x08

Wer sich gedacht hat, die letzten Episoden wären zu blutig gewesen, muss sich eines Besseren belehren lassen. Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev fragt sich, wie viele der Wölfe, die er als Kind sah, auch auf zwei Beinen laufen konnten?

Eric hat eine Nachricht für Sookie / (c) HBO
Eric hat eine Nachricht für Sookie / (c) HBO

Night on the Sun hat eine Sonnen- und eine Schattenseite. Die Exzesse (egal in welcher Hinsicht) sind eigentlich eine der True Blood-Qualitäten, aber in dieser Episode drohen die Exzesse, zu exzessiv zu werden. Es ist klar, man kann nicht alle Handlungsstränge und alle Figurengeschichten zu irgendeinem Punkt führen, an dem sie komplett zusammenlaufen. Figuren brauchen ihre autonomen Geschichten, um das Serienuniversum komplett erscheinen zu lassen. Aber die Voraussetzung dafür ist doch, dass sie den Zuschauern interessant und spannend erscheinen.

Gut, ich weiß, in True Blood hat alles eine Bedeutung, aber es scheint so, als würde man - vielleicht als eine metaphorische Beschreibung vom menschlichen Dasein - möglichst viele der beteiligten Figuren in unterschiedliche Geschöpfe verwandeln oder sie mit übernatürlichen Kräften ausstatten. Im Moment droht sich True Bloods Welt in eine Märchenwelt zu verwandeln, in der kaum Menschen, nach der üblichen Definition, existieren. Langsam verliert man den Faden, wer Werwolf, Fee, Hexe, Formwandler, Vampir etc. ist und welche Wichtigkeit welcher Figur beigemessen wird.

Crystal und ihre Familie scheinen nicht „normal“ zu sein. Und nachdem in dieser Episode Jesus Lafayette (Nelson Ellis) einen Besuch wegen seiner aus der Anstalt geflohenen Mutter abstattet, wird uns angedeutet, dass Lafayette auch irgendwelche Kräfte besitzen soll. Versteht mich nicht falsch - ich hab nichts gegen Fantasy- und Märchenwelten. Aber wir müssen uns fragen, wohin uns das Ganze führt. Handelt es sich nur um erzählerische Exzesse oder um eine Aussage über eine Welt, in der zu einem gewissen Zeitpunkt in der Ereigniskette des eigenen Lebens jede/r nicht „normal“ ist? Bevor man sich den Kopf zerbricht, wozu natürlich die Leser/Zuschauer herzlich eingeladen sind, zurück zu der Ausgangsprämisse von True Blood: Zu der Bill-Sookie-Romanze.

Das ganze Hin und Her mit den beiden wirkt einfach ermüdend in Episoden wie dieser, wo es zum Hauptthema erhoben wird. Im Krankenhaus macht Sookie (Anna Paquin) Schluss mit Bill (Stephen Moyer) und die Tränen nehmen kein Ende. Wenn man sich den Spaß macht und sofort nach der Szene bis zu den letzten Minuten vorspult, würde man denken, die Abschlussszene stamme aus einer Episode eine Staffel früher oder ein paar Episoden später. Wenn man auch die Schluss-machen-Szene in all ihrer nicht vorhandenen Dramatik akzeptiert, frage ich mich: Können die Autoren nicht mal eine Episode abwarten, bevor man die beiden wieder auf True Blood-Art wieder zusammenbringt?

Die Trennung ist zu schön, um wahr zu sein, und True Blood könnte neue Wege für Sookie erkunden, aber das wird uns nicht gegönnt. Kann sein, dass es einfach ein subjektiver Eindruck ist, aber die Beziehung der beiden wirkt schon seit langer Zeit weder romantisch, noch sexy, noch irgendwas... Anna Paquin hat generell herzlich wenig damit zu tun, denn die Szenen, die ihr gegeben werden, spielt sie sehr überzeugend. Aber man bekommt langsam ein Balast-Gefühl, was Bill betrifft. Als würde er ihr um den Hals hängen. Oh, und der Grund für die kurze Trennung:

Wir können kein normales Leben zusammen haben! War das das Ziel? Hat man uns seit der allerersten Episode in die Irre geführt? Wollten die beiden doch ein weißes Haus, grünen Garten und weißen Zaun? Vielleicht wollten einfach die Autoren mit Sookies plumper Erklärung ihre Ratlosigkeit ausdrücken, ihre gemischten Gefühle in Worte fassen zu können. Was ist, wenn es für ein Gefühl keine Worte gibt? Das scheint auch Taras Problem zu sein, denn sie will wie immer über die Geschehnisse nicht sprechen. Diese suchen sie aber trotzdem heim. Und Franklin ist tatsächlich tot?!

True Blood kennt keine Gnade. Auch nicht für Talbot, der von Eric (Alexander Skarsgard) getötet wird. Nachdem Eric Russells Vertrauen erneut gewinnen kann, bietet er sich an, Talbot zu vergnügen, während The King seinen Geschäften nachgeht. Vergnügen heißt in True Blood wirklich Vergnügen. Wir bekommen eine heiße Szene zwischen den beiden zu Gesicht und Talbot wird mittendrin von hinten... in die ewigen Jagdgründe geschickt.

Das rettet wiederum Bills Leben, denn in demselben Augenblick ist Russell dabei ihn zu erledigen, aber Talbots Tod ruft ihn zurück. Bill und Jessica (nach Bills Schnelligkeit-Nahkampf-Trainingseinheit) kämpfen gegen Werwölfe, während Samantha Fox aka Debbie aka Looks-like-Roadkill und Sookie in einen „bitch fight“ involviert werden. Leider überlebt die „were-bitch“ (Erics Worte) Debbi schon wieder... Und Bill und Sookie sind wieder vereint - in einer Hinsicht. Ob auch in der anderen, wird sich noch zeigen.

Warum sagt Hadley, alles sei ihre Schuld? Wenn wir schon so früh einen Showdown zwischen Russell und Eric bekommen würden, was ist dann das Endgame?

Verfasser: Vladislav Tinchev am Montag, 9. August 2010
Episode
Staffel 3, Episode 8
(True Blood 3x08)
Deutscher Titel der Episode
Nacht auf der Sonne
Titel der Episode im Original
Night on the Sun
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 8. August 2010 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 25. November 2010
Autor
Raelle Tucker
Regisseur
Lesli Linka Glatter

Schauspieler in der Episode True Blood 3x08

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