Troy: Fall of a City 1x01

Troy: Fall of a City 1x01

Das Historiendrama Troy: Fall of City befasst sich mit der klassischen Helena-Sage aus der griechischen Mythologie, deren Entführung durch den jungen Prinzen Paris fatale Folgen für Troja hatte. Die Auftaktepisode präsentiert sich jedoch erschreckend blutleer und staubtrocken.

„Troy: Fall of a City“ (c) BBC One/Netflix
„Troy: Fall of a City“ (c) BBC One/Netflix
© ??Troy: Fall of a City“ (c) BBC One/Netflix

Das Autoren-Quartett David Farr, Nancy Harris, Mika Waktins und Joe Baron hat sich mit der BBC und Netflix zusammengeschlossen, um eine der ältesten Geschichten aller Zeiten neu zu erzählen: die Sage von Helena von Troja. Die Erzählung über die einst schönste Frau der Welt ist weltbekannt. Helena verdrehte dem jungen trojanischen Prinzen Paris den Kopf, woraufhin dieser sie mit zu sich in seine Heimatstadt nahm, was einen furchtbaren Krieg mit vielen Opfern nach sich zog. Ob in Homers Epos „Ilias“, auf den Bühnen dieser Welt als Theaterstück oder in Film und Fernsehen (zum Beispiel Wolfgang Petersens Sandalenfilm „Troy“ aus dem Jahr 2004 mit Brad Pitt in der Hauptrolle als Halbgott Achilles) - Helena von Troja und der Konflikt um ihre Person wurden schon etliche Male in den verschiedensten Formen adaptiert.

Nun soll es also eine achtteilige Miniserie sein, die sich dicht an der klassischen Saga bewegt, historische Ereignisse mit einer Prise übernatürliche Fantasy kombiniert und dem Zuschauer eventuell eine neue Perspektive auf den altbekannten Stoff gibt. Nach dem drögen Auftakt, den die erste Episode Black Blood darstellt, kommen aber berechtigte Zweifel auf, ob die Produzenten mit ihrem ambitionierten Vorhaben Erfolg haben werden. Troy: Fall of a City kaut nämlich hauptsächlich Aspekte seiner literarischen Vorlage wieder, die hinreichend geläufig sind, ohne ein besonderes Alleinstellungsmerkmal anzubieten, das zum Weiterschauen motivieren könnte. Der eher mit vielen unbekannten Namen gespickte Cast vermag es indes viel zu selten, mit einer engagierten Schauspielleistung das Publikum zu fesseln, geschweige denn dieses überhaupt in die Handlung zu involvieren.

Out of your depth

Diese ist derweil von ihrem Erzähltempo sehr seltsam konzipiert, so dass man recht schnell vom Vorgehen des Regisseurs Owen Harris (schwer zu glauben, aber dieser hat doch tatsächlich die großartige Black Mirror-Episode San Junipero inszeniert) irritiert ist. Gelegentlich machen wir gigantische Sprünge in der Erzählung, wodurch potentiell interessante Konflikte einfach ignoriert werden. Dann drückt man wiederum im nächsten Moment derartig kräftig auf die Bremse, dass man sich dabei ertappt, wie man ungeduldig und gelangweilt auf die Uhr blickt. Diese Unausgewogenheit, das eigenartige Pacing sowie die teils leidenschaftslosen Darbietungen haben zur Folge, dass „Troy: Fall of a City“ mitunter schrecklich öde ist und man kaum einen Zugang zu der Erzählung findet, um emotional auf irgendeiner Art und Weise in die Produktion eingespannt zu werden.

One night with Paris

Wie bereits erwähnt bietet einem „Troy: Fall of a City“ inhaltlich nicht sehr viel Neues an: Nachdem der junge Hirte Paris (Louis Hunter) ein verheißungsvolles Treffen mit einigen Gottheiten der griechischen Mythologie hatte, verschlägt es ihn eines Tages nach Troja, wo es recht schnell zu einer überraschenden Enthüllung kommt: Er ist des Sohn des Königspaares Priam (David Threlfall) und Hecuba (Frances O'Connor), die ihren Spross einst ausgesetzt haben, da die Visionen ihrer Tochter Cassandra (Aimee-Ffion Edwards) und die Deutungen dieser durch einen ihrer Seher nichts Gutes für Troja verhießen hatten. Paris - oder eben Alexandros, so sein gebürtiger Name - werde eines Tages den Untergang dieser stolzen Stadt verursachen, deshalb trennte man sich von ihm nur wenige Tage nach seiner Geburt.

Jetzt ist der unzähmbare Halodri aber zurück und wird sogleich in die königlichen Pflichten seiner Familie eingespannt. Es dauert nicht lange, da trifft er während eines Besuches in Sparta auf die geheimnisvolle, bildhübsche Helena (Bella Dayne), die Frau des hiesigen Herrschers Menelaus (Jonas Armstrong). Die Göttin Aphrodite hat Paris einst versprochen, dass er die schönste Frau der Welt zum Weibe nehmen werde, und so nimmt das Schicksal seinen Lauf. Paris „entführt" Helena, die ihre Freiheit zurückerlangen möchte. Dass diese Entscheidung tödliche Konsequenzen für eine ganze Stadt und ihr Volk haben wird, haben die beiden Turteltäubchen aber nicht bedacht...

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BBC One/Netflix
BBC One/Netflix - © BBC One/Netflix

Welcome to the world

Zu Beginn der Pilotepisode von Troy: Fall of a City kann man sich als Genrefan noch für die solide Ausstattung sowie sehenswerten On Location-Dreharbeiten in Südafrika erwärmen. Auch die Nähe zu Homers Aufzeichnungen dürfte so manchem Puristen zusagen, ebenso wie der Hauch von Surrealität, der durch den Auftritt einiger griechischer Gottheiten unter den Menschen entsteht. Insgesamt reichen Faktoren wie diese aber nicht aus, um das größte Problem dieser neuen Serie zu egalisieren: „Troy: Fall of a City“ lässt den Zuschauer unglaublich kalt. Hauptdarsteller Louis Hunter verfügt weder über das Charisma noch über das Talent, unseren Protagonisten Paris und dessen Weg interessant zu gestalten. Und dem Drehbuch liegt scheinbar ebenfalls nicht viel daran, diesen Umstand zu ändern.

Paris, der zwei Dekaden lang von einem armen, aber gütigen Hirten großgezogen wurde, lässt sein altes Leben im Handumdrehen hinter sich. Allein zu ergründen, wie schwer es für einen Charakter eigentlich sein sollte, sich von derartig tief geknüpften Beziehungen zu verabschieden, ist vielversprechendes Ausgangsmaterial für eine dramatische Erzählung, die man nachvollziehen kann. Unserem Helden genügt jedoch ein trauriger Blick und schon genießt er sein neues Dasein als priviligierter Prinz in vollen Zügen. Aus Zeitgründen sausen wir durch diese Szene, die in anderen Formaten signifikant für eine Hauptfigur wäre und diese als Charakter definieren würde. „Troy: Fall of a City“ hat aber keine Zeit zu verlieren und muss schnellstmöglich nach Sparta kommen, damit sich Paris und seine geliebte Helena verzweifelt anschmachten können. Diese Szenen fühlen sich indes teilweise wie eine halbe Ewigkeit an.

Much too learn

Nicht nur, dass die Prioritäten innerhalb der Erzählung seltsam gesetzt sind, auch an der Ausführung der Ideen hapert es. Wenn man schon eine Geschichte aufwärmt, mit der viele vertraut sind, dann sollte man doch den Anspruch haben, Möglichkeiten zu finden, aus dem Einheitsbrei hervorzuragen. Leider ist hier das Gegenteil der Fall. „Troy: Fall of a City“ sieht bisweilen nicht nur extrem bieder aus, es entwickelt auch zu keiner Sekunde eine besondere Eigendynamik, die einen gebannt mitfiebern lässt. Helenas Dilemma, die sich von ihrem Mann eingezwängt und ihrer Freiheiten beraubt fühlt, und ihre Entscheidung, dieses für sie unbefriedigende Leben für eine neue, zügellose Liebe mit Paris zu verlassen, hallt noch am meisten nach. Aber auch von der deutschstämmigen Bella Dayne, die zuletzt als Nebendarstellerin in britischen Serien wie Guerrilla oder Humans ganz fantastisch aufspielte, geht kein Feuer und keine richtige Leidenschaft aus, die einen als Zuschauer packt.

The mortal has spoken

Über der gesamte Serie hängt ein schwerer Schleier der Emotionslosigkeit, fast blutleer bummeln wir durch die einzelnen, austauschbaren Dialogszenen, von denen es zuhauf in dieser Auftaktepisode gibt. Es scheint fast so, als hätte Regisseur Owen Harris seinem Cast explizit die Anweisung gegeben, sich zurückzuhalten. Wenn es dann mal etwas lauter und deutlicher wird, fehlt der Darstellerriege wiederum die Qualität und das Talent, jene aufbrausenden Momentaufnahmen authentisch zu verkaufen. Sowohl das Material als auch diejenigen, die es zum Besten geben, erreichen das Publikum nicht. Deshalb sei gerne noch einmal die Frage gestellt, warum es diese Neuerzählung der Helena-Sage in Serienform gebraucht hat, wenn die Pilotfolge so offensichtlich den Eindruck hinterlässt, dass man uns nichts präsentiert, was es so nicht schon vorher weitaus besser gegeben hat...

Es mag harsch klingen, doch Troy: Fall of a City wirkt mitunter wie ein kostengünstiger TV-Film, der weder besondere Eigenschaften vorweisen kann noch überzeugende Argumente liefert, zukünftig weiterhin am Ball zu bleiben. Während in Großbritannien BBC One die Ausstrahlung des Historienepos übernimmt, besitzt Netflix die internationalen Streamingrechte für die Serie. Vielleicht verhilft dies dem Format ja zum Erfolg: das platte Durchbingen einer achtteiligen Miniserie, deren Schwächen (und vor allem Längen) geschickt kaschiert werden können, indem man keine Pausen zwischen den einzelnen Folgen zulässt. In Deutschland ist „Troy: Fall of a City“ bereits in der Netflix-Bibliothek vermerkt. Ein konkreter Starttermin steht jedoch noch nicht fest. Und wenn ich ganz ehrlich bin, ist das nach der insgesamt enttäuschenden, farblosen Auftaktfolge auch gar nicht weiter schlimm.

Trailer zu „Troy: Fall of a City":

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 19. Februar 2018

Troy: Fall of a City 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Troy: Fall of a City 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Schwarzes Blut
Titel der Episode im Original
Black Blood
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Samstag, 17. Februar 2018 (BBC One)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 6. April 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 6. April 2018
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 6. April 2018
Autor
David Farr
Regisseur
Owen Harris

Schauspieler in der Episode Troy: Fall of a City 1x01

Darsteller
Rolle
Bella Dayne
David Threlfall
Frances O'Connor
Chloe Pirrie
Johnny Harris
David Gyasi
Jonas Armstrong
Aimee-Ffion Edwards
Amy Louise Wilson

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