Tricky Business 1x01

Ein Inkassobüro als Familienunternehmen. Eine moderne Familie, pensionierte Eltern, zwei Schwestern, eine ein Partygirl, die andere eine verantwortungsbewusste Mutter einer halbwüchsigen Tochter und in einer festen Partnerschaft mit einem charmanten, aber oft ein bisschen zu sorglosen Mann. Dazu kommt noch ein unbedarfter, aber offenbar begabter Mitarbeiter und ein Konkurrent, dessen einzige Aufgabe es ist, für Trouble zu sorgen, speziell in dem Gefühlsleben der älteren Schwester.
Das ist die Basis, auf der die australischen Macher von Tricky Business ihre neue Serie aufgebaut haben. Und sonst so?
Das Inkasso-Business
Die Pilotepisode legt ein wichtiges Augenmerk auf die Arbeit der Inkasso-Agentur. Der Zuschauer lernt die Tricks und Schwierigkeiten gemeinsam mit dem jungen Mitarbeiter Chad (Lincoln Lewis) kennen, der erklärt bekommt, wie man ein Mahnschreiben korrekt übergibt.
Auch das Video, das Tochter Emma (Odessa Young) für die Schule über das Unternehmen ihrer Mutter Kate (Gigi Edgley) drehen muss, trägt grundsätzliche Überlegungen und Betrachtungen zum Wesen der Inkassowelt bei.
Tricky Business bringt die Einführung in die Welt der Inkassounternehmen ohne tiefere sozialkritische Ausführungen. Es geht rein um das Unternehmen, die Struktur und das Wesen. Es werden keine Rentner präsentiert, die ihr Gespartes in die Hände von windigen Anlageberatern gegeben haben und die nun ihren Alterssitz gepfändet sehen.
Wer TV-Serien schätzt, die quasi nebenher und in lockerem Ton einen Einblick in eine fremde Welt geben ohne, der wird sich hier gut aufgehoben fühlen.
Getting to know the Family
Kate ist die Person im Mittelpunkt, zumindest der Pilotepisode. Sie ist Erbin eines Inkassobüros, das sie gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Rick (Kip Gamblin) führt. Bereits die ersten Minuten zeigen ihre kontrollsüchtigen Züge, doch wirkt sie dabei nicht kalt oder unsympathisch. Kate ist früh schwanger geworden, der Vater des Kindes scheint schon seit längerem keine Rolle mehr in ihrem Leben zu spielen. Sie ist verantwortungsbewusst, aber auch liebevoll.
Ihre Schwester Lilly (Sophie Hensser) scheint zunächst das absolute Gegenteil zu sein: Sie ist ein Vorzeige-Partygirl, das auch tagsüber mit einem Glitzersteinchen auf die Wange geklebt herumläuft. Aber sie ist auch intelligent und humorvoll.
Rick, zumindest die Pilotepisode über Lebens- und Geschäftspartner von Kate, ist zwar nicht komplett verantwortungslos, interessiert sich aber schon eher für die schönen Seiten des Lebens und nimmt vieles lockerer als seine Freundin. Er ist dabei charmant, gutaussehend und meist optimistisch.
Ergänzt wird das Cast um Kate und Lillys Eltern, Claire (Debra Byrne) und Jim (Chad Henderson), pensionierte Inkasso-Agenten. Obwohl schon abzusehen ist, dass zumindest Jim eine wichtige Rolle in der Serie übernehmen wird, kommen die beiden in der Pilotepisode etwas kurz.
Der Angestellte Chad ist der typische Surfer-Boy: Charmant, noch etwas ungeübt und tapsig in seinem Job aber durchaus begabt wie die Maschine zeigt, die er in der Pilotepisode gebaut hat.
Was wirklich etwas stört, ist die Art, auf der Kates Tochter Emma bisher präsentiert worden ist. Sie ist ein Teenager, den es außerhalb von Film und Fernsehen wohl nicht gibt. Ein Sonnenschein im Streber-Look, der sich gegen die Liebkosungen zwischen Kate und Rick mit einem gespielt genervtem Ausdruck wehrt, dabei aber so strahlt als wenn es ihr ganzes Glück wäre, zu sehen, wie liebevoll ihre Mutter und deren neuer Freund miteinander umgehen. Etwas eindimensional. Da hat sich jemand leider mal wieder überhaupt keine Gedanken über das Teenagersein und seine Darstellung gemacht und einen eindimensionalen Teenie-Charakter in eine Serie geschrieben weil ja einer da sein muss. Aber es ist die Pilotepisode, es kann ja noch werden.
Ähnlich blass ist bis jetzt der konkurrierende Inkasso-Agent Matt (Antony Starr), der ganz offensichtlich als möglicher love interest für Kate in die Serie geschrieben worden ist. Und viele andere Seiten - abgesehen von seinem stereotypen Wunsch nach Geld und seiner ebenso stereotypen Selbstsicherheit - hat er bis jetzt auch noch nicht gezeigt. Er ist bisher nur dazu da, Kate in Versuchung zu bringen. Und das leider mit sehr altbekannten Mitteln.
Und was ist passiert?
Pilotepisoden sind ja so eine Sache. Sicher, alles muss einen Platz finden, der Zuschauer soll ja wissen, worauf er sich einlässt, was er bekommt. Da leiden dann manchmal die Vielschichtigkeit der Erzählung oder die innere Stringenz unter der Notwendigkeit, Vieles in einen kurzen Zeitraum zu pressen.
Tricky Business wird Opfer dieser Fallstricke. Die Storylines wirken zum Teil an den Haaren herbeigezogen. Dem Zuschauer wird zwar schnell klar, dass das jetzt im Zuge der Einführung eines Charakters nicht anders ging, aber ärgerlich ist es doch. Nicht alles muss einer Prüfung an dem, was man selbst für Realität hält, hundertprozentig standhalten, aber wenn Dinge selbst im jeweiligen Serienuniversum irgendwie unglaubwürdig sind, dann nervt es schnell.
In Tricky Business stellt sich zum Beispiel die Frage, wieso Chad Minnesota nicht einfach nach der Arbeit zu ihrer Wohnung folgt, um die Mahnung dort zu übergeben. Ein Vorgehen, das Kate in ihrem Fall mit viel weniger Anhaltspunkten als der Arbeitsstelle, problemlos gelingt.
Auch die Tatsache, dass die Polizei ein hohes Kopfgeld auf jemanden aussetzt, den sie dann doch offenbar unbewacht herumlaufen lässt, so dass Matt ihn selbst überwachen will, ergibt kaum Sinn.
Kate, die uns als clevere und mit beiden Beinen auf dem Boden stehende Frau präsentiert wird, dreht durch angesichts ihres Freundes, der eine fremde Frau mit einem Kuss auf die Wange begrüßt. Natürlich, seltsam ist das schon und Anlass zur Freude auch nicht, aber es war ein Kuss auf die Wange, ein ganz deutlich als Begrüßung zu erkennender Kuss. Der einzig richtige Weg - für jeden, der schon einmal eine romantische Komödie gesehen hat - wäre, den Kopf zu behalten und Rick ganz einfach darauf anzusprechen.
Ein starkes Ende
Doch muss man Kate natürlich zu Gute halten, dass ihr die Möglichkeit, ihn darauf anzusprechen, nicht unbedingt einfach gemacht wird. Zum verabredeten Essen erscheint er nicht.
Die Szene, wie Kate, die im Restaurant bezahlen möchte, in Echtzeit auf dem Handy verfolgt, wie ihre Konten abgeräumt werden, ist eine der starken der Pilotepisode.
Überhaupt verspricht das Ende mehr als der Rest der Folge. Der Punkt, an dem die Geschichte nun steht ist der: Kate ist noch nicht ganz, aber auf den Weg zwischen zwei Männer, dem Inkassobüro stehen schweren Zeiten bevor.
Fazit
Die meisten Charaktere lassen Potential vermuten, noch vielschichtiger zu werden. Die Idee, ein Inkassobüro als Familienunternehmen anzulegen, verspricht sowieso amüsante Storylines.
Eine australische Serie, die weder in einer der Mega-Cities noch im Outback spielt, ist auch mal schön.
Es gibt also gute Gründe, Tricky Business noch eine Chance zu geben und zu hoffen, dass die Schwächen der Pilotepisode sich legen.
Teaser-Trailer zur Serie 'Tricky Business' Verfasser: Serienjunkies.de am Sonntag, 20. Mai 2012(Tricky Business 1x01)
Schauspieler in der Episode Tricky Business 1x01
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