Am Samstagabend fand in Köln im Rahmen der diesjährigen Cologne Conference die Premiere von Transporter - Die Serie statt. Anstelle von Jason Statham unternimmt Chris Vance die riskanten Kurieraufträge. Auf RTL ist die international ko-produzierte Serie ab dem 11. Oktober zu sehen.

Chris Vance ist Frank Martin, der „Transporter“ / (c) RTL / Ken Woroner
Chris Vance ist Frank Martin, der „Transporter“ / (c) RTL / Ken Woroner

Worum es in Transporter geht, ist wohl jedem klar, der die gleichnamigen Filme des französischen Action-Produzenten Luc Besson kennt: Frank Martin (Chris Vance, Prison Break) übernimmt Transportfahrten, ohne Fragen zu stellen. Egal, wie heiß die Fracht ist, er garantiert die sichere Ankunft beim Empfänger. Einzig auf die Befolgung dreier Regeln legt er wert: Ändere niemals eine Vereinbarung. Nenne niemals einen Namen. Und öffne niemals ein Paket.

In der Serie übernimmt die ehemalige CIA-Agentin Carla (Andrea Osvàrt) die Funktion, Frank die Aufträge zu vermitteln und zu organisieren. Und außerdem seine Spezialistin für IT-gestützte Recherchen aller Art zu sein. In Südfrankreich, wo Frank lebt, hat ihn der aufmerksame Inspektor Tarconi (wie in den Filmen: François Berléand) im Verdacht, an allerlei spektakulären Vorkommnissen krimineller Natur beteiligt zu sein, ohne ihm jedoch etwas nachweisen zu können. Der dritte Mensch in Franks Leben ist der deutsche Automechaniker Dieter (Charly Hübner, „Unter Nachbarn“), der sich bisweilen mit einer Kiste Bier dazu überreden lässt, Frank einen seiner Wagen zu überlassen. Trotz des unvermeidlich schlechten Zustands, in dem er sie zurückbekommt.

Im Pilot (Eine neue Mission) erhält Frank den Auftrag, Delia (Rachel Skarsten, Lost Girl), die Tochter eines ehemaligen US-Generals sicher aus Berlin zu bringen. Dabei bekommt er es mit den Schergen des deutschen Schwerverbrechers Frieder Trumpf (Uwe Ochsenknecht) zu tun. Doch wenn es darum geht, ein Paket abzuliefern, lässt sich Frank durch nichts und niemanden aufhalten...

Auf Augenhöhe mit den Networks

Die zunächst zehnteilige Actionserie Transporter ist als internationale Ko-Produktion entstanden, an der aus Deutschland RTL, aus Frankreich M6, aus Kanada The Movie Network und aus den USA der HBO-Schwestersender Cinemax beteiligt sind. Ihre Weltpremiere wird die Serie in Deutschland feiern. Auf RTL ist Transporter ab dem 11. Oktober immer donnerstags um 20.15 Uhr auf dem Stamm-Sendeplatz von „Alarm für Cobra 11“ zu sehen. In Frankreich startet Transporter im November, in Nordamerika erst im Januar.

Frank (Chris Vance) zieht die Frauen geradezu an (und diese sich aus) © RTL
Frank (Chris Vance) zieht die Frauen geradezu an (und diese sich aus) © RTL

Erklärtes Ziel der Produzenten ist es, mit Transporter eine Serie zu schaffen, die sich hinsichtlich Budget und Production Value auf Augenhöhe mit den US-amerikanischen Network-Serien bewegt. In gewisser Hinsicht ist das auch gelungen: Optik und Akustik von Transporter sind perfekt. Die Beleuchtung, die Kameraführung, die Sound-Effekte - das alles ist von einer US-Serie nicht zu unterscheiden. Was den Production Value angeht, der allein durch die Pracht und Vielfalt der wunderbar gewählten Schauplätze zustande kommt, da haben die meisten amerikanischen Serien sogar das Nachsehen. Ganz zu schweigen von dem sehr ungezwungenen Umgang mit Nacktheit.

Holzschnittartig

Was das Drehbuch angeht, da schaut es allerdings etwas anders aus. Da orientiert sich die Serie natürlich nicht am intelligenten Erzählen von US-Produktionen, sondern an ihrem eigenen Franchise, den „Transporter“-Filmen. Welche nun nicht gerade etwas für Schöngeister oder Freunde cleverer Geschichten sind. Und so kommt es auch in der Serie, wie es kommen muss. Der Plot ist so klischeehaft und holzschnittartig wie nur möglich zusammengesetzt: Gut gegen Böse. Dabei geht es um eine Frau, die ihre Kleider nicht am Leib behalten kann, sobald sie auch nur in die Nähe des Helden gerät. Und die natürlich etwas ganz Dummes tut, weshalb sie der Held am Ende noch mal aus den Klauen der Bösen retten muss. Explosion. Knutschiknutsch. Fertig. Nächster Auftrag.

Der einzig nennenswerte Twist im Pilot-Drehbuch (die Identität des Verräters in der Umgebung des Generals) ist bereits etwa zehn Minuten vorher klar abzusehen. Die Ausarbeitung und Tiefe der Charaktere ist - sagen wir mal überschaubar. Was entsprechend auch auf die Qualität der Dialoge durchschlägt (mein Favorit: Delias „O nein, all die Jahre habe ich immer nur Spaß haben wollen und mich nie gefragt, woher das Geld kommt“-Rede). Wobei man in aller Fairness sagen muss, dass das englische Original zumindest noch einen gewissen Witz aufweist, über den in der deutschen Synchronisation gnadenlos drüber gebügelt wurde. So wurde beispielsweise aus Ochsenknechts „You know what we Germans are known for? I mean, besides the obvious. Hitler, and that we wear socks in sandals...“ irgendein ödes Gebrabbel über seinen Vater.

Dabei hat gerade Ochsenknechts Figur doch schon genug zu erleiden. Als wäre es nicht bereits schlimm genug, dass ihm der deutsche (!) Drehbuchautor mit Frieder Trumpf einen Namen mitgegeben hat, der wie die lächerliche Phantasieschöpfung eines deutschen Namens aus einer US-Serie klingt, bringt es die deutsche Synchro auch noch fertig, diesen dann englisch aussprechen zu lassen. Trampf.

Deutscher Bösewicht... (Uwe Ochsenknecht) © RTL
Deutscher Bösewicht... (Uwe Ochsenknecht) © RTL

Die Action

Nun könnte man natürlich sagen, dass das alles nicht so schlimm ist. „Alarm für Cobra 11“ kommt schließlich auch schon seit 16 Jahren mit eher minimalistischen Plots aus. Und auch über viele der Dialoge aus dem Hause AC sollte lieber der Mantel des Schweigens gehüllt werden. Aber: dafür besticht die „Cobra“ mit Actionszenen, die ihresgleichen suchen. Und zwar nicht nur national, sondern im Weltmaßstab.

Das ist der eigentliche Punkt, in dem Transporter ein wenig enttäuscht. Niemand erwartet von einer Serie dieses Franchises, dass sie von den Geschichten oder Figuren her kreative Glanzlichter setzt. Aber die Action, die muss stimmen. Und in dieser Hinsicht ist Transporter ein etwas geteiltes Vergnügen. Während die Body Stunts (zum Beispiel Sprünge) und Kampfszenen richtig gut aussehen (der Kampf-Choreograph und das Stunt-Team sind das gleiche wie bei den Filmen), haben insbesondere die Verfolgungsjagden eher etwas Ermüdendes an sich.

Vielleicht liegt es auch nur daran, dass die Sequenzen zu lange andauern - und dadurch selbst dem Laien deutlich wird, dass wackelnde Kamera und eine nervtötend hohe Schnittfrequenz mehr Action zu simulieren versuchen, als tatsächlich an riskanten oder irgendwie spektakulären Fahrmanövern auf dem Bildschirm zu sehen ist. Das große Finale scheint derweil fast eins zu eins Knight Rider nachempfunden, was eher lustig als dramatisch anmutet.

Der Transporter

Ein durchweg positives Fazit kann im Hinblick auf Chris Vance gezogen werden. Aus dem Wenigen, was ihm das Drehbuch gibt, holt er das Maximum heraus. Für Film-Puristen wird er Jason Statham möglicherweise nie ersetzen können. Aber er gibt einen würdigen Nachfolger ab. Er macht eine gute Figur in den Kampfszenen. Und vom Äußeren her hat er mehr etwas von James Bond als von einem Holzscheit, weshalb er auch einen überzeugenden Ladies' Man abgibt. Es macht Spaß ihm zuzuschauen, was einen über viele der genannten Schwächen schon etwas milder hinwegsehen lässt.

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Fazit

Der Ansatz, von europäischer Seite aus kostenintensive Serienstoffe in internationaler Ko-Produktion zu fertigen, ist ja vollkommen richtig und unterstützenswert. Um die Qualität zu liefern, welche die Zuschauer aus US-Serien gewohnt sind, müssen heute Budgets aufgewendet werden, die ein europäisches Land allein gar nicht stemmen kann. Fraglich ist jedoch, wie vielversprechend es - auf Dauer gesehen - ist, nur die äußerliche Hülle der US-Serie zu imitieren (die Technik, den Look), bei der inhaltlichen Kreativität und dem Wagemut für Innovationen aber abzuwinken - und stattdessen auf vermeintlich sichere Brands zu setzen, die erzählerisch aber in der Steinzeit stecken.

Sehr wahrscheinlich wird Transporter ein hohes Initialinteresse beim Publikum wecken. Davon ist auf Grund der Bekanntheit der Filme und des gelernten Action-Sendeplatzes am Donnerstag auszugehen. Ob eine Serie diesen Zuschnitts bei den Zuschauern jedoch dauerhaft Gefallen finden wird, das ist die spannende Frage, welche sich in den kommenden Wochen beantworten wird.

Macht im Nahkampf eine gute Figur: Chris Vance als Frank Martin © RTL / Ken Woroner
Macht im Nahkampf eine gute Figur: Chris Vance als Frank Martin © RTL / Ken Woroner

Cologne Conference

Am Sonntagabend findet die eigentliche Eröffnung der Cologne Conference in Köln statt. Um 20 Uhr wird im Filmforum NRW - wozu es leider keine Karten mehr gibt - der preisgekrönte HBO-Film „Game Change“ mit Julianne Moore und Ed Harris in den Hauptrollen gezeigt.

Die Woche über laufen auf dem Film- und Fernsehfestival allerdings noch zahlreiche weitere interessante Beiträge „42711“. SERIENJUNKIES.DE® wird täglich von den Veranstaltungen berichten.

Alle Berichte zur Cologne Conference.

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