Lustloser als die Pilotepisode von Training Day kann ein neues Format kaum angegangen werden. Als Zuschauer fragt man sich, wo das noch hinführen soll, wenn die meisten Beteiligten schon am Anfang keinerlei Ambitionen hegen, ein auch nur annähernd durchschnittliches Produkt abzuliefern.

Der Cast von „Training Day“ / (c) CBS
Der Cast von „Training Day“ / (c) CBS
© er Cast von „Training Day“ / (c) CBS

Mit der Serienadaption Training Day hat sich das amerikanische Network CBS einmal mehr eine kreative Totgeburt ins Programm geholt. Dass es so etwas in Zeiten allgemein gestiegener Qualitätsstandards überhaupt noch ins Fernsehen schafft, grenzt an ein Wunder - und wirft die Frage auf, wie unterirdisch all die anderen Piloten gewesen sein müssen, denen die Programmverantwortlichen des Senders kein grünes Licht erteilten. Klischeeverseuchter, uninspirierter und ideenloser als die Episode Apocalypse Now wird es jedenfalls selten.

Economical with the Truth

Im Zentrum steht ein ungleiches Polizistenpärchen. Kyle Craig (Justin Cornwell) schiebt sich mit einer heldenhaften, aber leider sehr plump inszenierten Rettungsaktion - der ersten Szene der Pilotepisode -, auf den Aufmerksamkeitsradar seiner Vorgesetzten Lockhart (Marianne Jean-Baptiste). In einer Undercovermission soll er den korrupten Cop Frank Rourke (Bill Paxton) überführen, der die Tradition eines gewissen Alonzo Harris fortführt, dem vom dafür mit dem Oscar prämierten Denzel Washington gespielten Antihelden in der Filmvorlage.

Die Vergangenheit der beiden Neu-Partner (wenngleich Rourke darauf besteht, den ihm unfreiwillig zugeteilten „Trainee“ zu nennen) ist mit düsteren Geheimnissen gepflastert, die allesamt direkt aus der Drehbuchfachschule für konventionelles Schreiben entliehen sind. Via merkwürdig platzierter Rückblende erfahren wir, dass Kyle einen Vater hatte, der ihm Lebensweisheiten mit auf den Weg gab, während sie gemeinsam einen Baum einpflanzten. Später wurde der Vater getötet. Seitdem hegt Kyle den Wunsch, den Schuldigen zu finden. Die Botschaft, die ihm sein Vater mit seinen letzten Atemzügen übermittelte, schreibt er sich täglich aufs Neue auf sein Handgelenk.

Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob Kyle nicht über ausreichend Erinnerungsvermögen verfügt, um sich eine sechsteilige Zahlen- und Buchstabenkombination zu merken. Irgendwie muss Frank davon aber Wind bekommen, weshalb sich Drehbuchautor und Serienschöpfer Will Beall den Kniff mit dem Handgelenk ausgedacht hat. So geschehen die meisten Dinge in dieser Pilotepisode: Einfach nur, weil jemand das so wollte - und nicht etwa, weil es aus dramaturgischer Sicht Sinn ergäbe. Ähnlich sieht es bei der Charakterzeichnung aus, die nur Frank vermeintliche Ecken und Kanten zugesteht, die aber allesamt viel zu klischeebeladen daherkommen.

Die Episodengeschichte - die denjenigen Zuschauern, die das hier länger als eine Episode aushalten, wohl wöchentlich blüht - ist wahrlich zum Davonlaufen. Sie quillt regelrecht über vor stereotypischer Figurenzeichnung, hanebüchenen Entscheidungen der Charaktere und unausgegorener Plotkonstruktion. Im Kern geht es um zwei ehemals kooperierende, nun rivalisierende Drogenbosse, die schablonenhafter nicht gezeichnet sein könnten. Der eine heißt auch noch „Blowtorch Bob“, weil er seine Opfer gerne mit einer Lötlampe foltert.

Welcome to the other side of the mirror. It's dark over here.

Bei einem aus Mexiko stammenden Bösewicht ist es natürlich unvermeidlich, dass dieser von Joaquim de Almeida porträtiert wird, der offenbar keine Gelegenheit auslässt, das Klischee des niederträchtigen Mexikaners weiter zu verfestigen - genau das braucht die amerikanische Öffentlichkeit heutzutage. Bei der Auseinandersetzung mit seinem Rivalen Rios (Roel Navarro) kommt zufälligerweise Kyles ehemalige Partnerin ums Leben, was ihm wohl weitere Motivation liefern soll. Echte Spannung kann bei all dem aber nicht aufkommen, weil pausenlos von einem Schauplatz zum nächsten geeilt wird.

Überall geschehen Dinge in atemlosem Tempo, aber ohne Sinn und Verstand. Auf einer Party wird geballert, auf der Straße wird geballert, in einer Geisterstadt in der Wüste wird geballert. Dort werden dann tatsächlich solche Sätze ausgesprochen wie: „This is a ghost town. Let's make some ghosts.“ So geht es an einem Stück. Vor allem Rourke schöpft dabei aus einem schier unendlichen Reservoir an vermeintlich markigen Sprüchen, die aber alle nur das Unvermögen oder den Unwillen des Autorenteams offenlegen: „Police work's like sex, it's a lot more effective if it isn't pretty.

Wem solche Sätze nicht die Tränen in die Augen treiben, der muss immer noch über den blassen Cast, die unambitionierte visuelle Umsetzung, den müden Score und alle anderen genannten Schwachstellen hinwegsehen. Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, auch nur ein positives Merkmal herauszustellen. Wenn ich müsste, würde ich wohl Hauptdarsteller Justin Cornwell anführen, der sichtlich sein Bestes gibt, aus dem ehernen Drehbuchgefängnis aber nicht auszubrechen vermag. Selbst ein Idris Elba könnte aus dieser Vorlage absolut nichts machen.

Es ist ein echtes Ärgernis, dass CBS wirklich glaubt, seine Zuschauerschaft könnte hiermit etwas anfangen. Man denkt wohl, dass ein bisschen Bumm-Bumm schon davon ablenkt, dass der Rest vollkommen hirnlos daherkommt. In diesen dunklen Zeiten ist das ja leider irgendwie auch eine Metapher für das Amerika im Jahre 2017.

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