
Wir könnten jetzt hier die naheliegenden Wortspiele abfeiern, die einem halt so in den Sinn kommen, wenn eine Serie sich nach einer Ampelschaltung benennt und dann einfach nicht aus dem Quark kommt, als seien zwei der drei Lichter defekt. Aber das wäre schon zu viel der Mühe für Traffic Light. Die neue FOX-Serie basiert auf dem israelischen Format Ramzor, das bereits einen internationalen Emmy bekommen hat und hoch über den Klee gelobt wurde.
Die Adaption rühmt sich, eine Serie zu sein, die das reale Leben darstellt, was vielleicht erklärt, warum das Geräusch des eigenen Fußnagelknippsers aufregender ist als die Dialoge auf dem Bildschirm. Für den US-Markt entwickelt von Bob Fisher (früher zum Beispiel mal Autor bei Married with Children), dreht sich „Traffic Light“ um die Lebensentwürfe von drei alten College-Freunden, die noch immer dicke Kumpels sind, obwohl ihre Leben sich in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt haben.
Gemäß dem selten langweiligen Titel der Serie werden die männlichen Hauptfiguren in drei sehr bequeme, zigfach da gewesene Schubladen gesteckt: Im Leben von Ethan (Kris Marshall) stehen die Zeichen, so will man uns jedenfalls Glauben machen, auf Grün. Ein das Leben und die Frauen liebender Junggeselle, der jede Liaison nur auf kurze Zeit führt und dessen einziges Qualitätsmerkmal darüber hinaus sein britischer Akzent zu sein scheint.
Adam (Nelson Franklin), ein etwas spießiger Autor, zieht in der Pilotepisode mit seiner Freundin Callie (Aya Cash) zusammen. Das wird von den Autoren warum auch immer als so eine Art Limbus interpretiert, denn die Beziehung zwischen Adam und Callie symbolisiert die Ampelphase Gelb: nichts Halbes und nichts Ganzes, als sei das dritte präsentierte Lebensmodell die Ultima Ratio und ohnehin der Traum eines jeden normal denkenden Menschen.
Typ drei, das ist der Anwalt Mike (David Denman), der eine Karriere hat, seine hübsche College-Freundin Lisa (Liza Lapira) zur Frau und mit ihr ein kleines Kind. Doch obwohl der Nachwuchs noch nicht einmal laufen kann, fühlt er sich offenbar schon so gefangen, dass er sich in sein Auto verkriecht, um dort in Ruhe Filme zu gucken und mit seinen Freunden zu telefonieren.
Die Konferenzgespräche zwischen den drei Freunden sind Eckpfeiler der Serie - zu denen die Frauen freilich nicht eingeladen sind. Ist die bessere Hälfte auch im Auto, wird sogleich aufgelegt. Es sind die üblichen Comedy-Stereotypen, die für den Freundeskreis in „Traffic Light“ ausgewählt wurden.
How I Met Your, ach, ist doch eigentlich auch egal
Das Prinzip Verschiedene-Stadien-des-Lebens ist zwar nichts Neues, kann aber bei richtiger Herangehensweise gut sein, wie How I Met Your Mother mit einigen Höhen und Tiefen seit Jahren beweist. In diesem Fall scheint es, als seien ausgerechnet die unoriginellsten Aspekte herausgepickt worden. Obendrein vermittelt „Traffic Light“ ein unschönes Frauenbild, über das man nicht einmal lachen kann, weil es dafür den Charakteren und ihren Handlungen schlichtweg an Charme fällt.
Frauen werden - zumindest in der Pilotepisode - mehr als einmal wie der lästige Anhang dargestellt oder nichts als eine sexuelle Eroberung. So gern man sie ja auch hat - es gilt, zu lügen, bis die Bretter sich biegen, um ihnen nur für ein paar Stunden zu entrinnen. Ein Freund nannte „Traffic Light“ nach Ansicht der ersten Folge einen Serie-gewordenen Mario-Barth-Witz, und so falsch liegt er damit nicht.
Dass am Ende auch die weiblichen Charaktere ihre kleinen Tricks zugeben und dem Männertrio damit Absolution erteilen, ist ungefähr so tröstlich wie die Tatsache, dass Barths Freundin, um die sich ein großer Teil seiner Comedy-Shows dreht, bei der Berliner Guiness-Buch-Erniedrigung vor 70.000 Menschen vor zweieinhalben Jahren auch im Publikum saß.

Müsste man doch etwas Positives an dieser Serie finden, quasi mit der Pistole auf die Brust gefragt...!? So ließe sich immerhin noch feststellen, dass „Traffic Light“ sich in einer Hinsicht gut in die Comedy-Landschaft fügt: Erfolgsformaten wie Modern Family nicht unähnlich (oder auch der neuen Matthew-Perry-Serie „Mr. Sunshine“) kommt diese ohne Lachtrack aus.
Das Aufbrechen dieses jahrelang erprobten Schemas ist im Genre noch immer eine Besonderheit, macht nur als Kehrseite einen noch dezidierteren Humor notwendig. Das Publikum braucht schon eine gewisse Anleitung, wann es kichern soll. Wäre „Traffic Light“ mit Lachern unterlegt - wer weiß, vielleicht hätte ich den Fußnagelknippser dann doch noch weggelegt. Wahrscheinlich ist es nicht.