Tod von Freunden: Review der Pilotepisode der ZDF-Serie

Tod von Freunden: Review der Pilotepisode der ZDF-Serie

In der ZDF-Miniserie Tod von Freunden haben zwei Familien sich ein Idyll auf einer kleinen dänischen Insel geschaffen. Doch das Glück wird jäh zerrissen, als eines der Teenagerkinder bei einem Bootsausflug über Bord geht. Schnell wird deutlich, dass alles nicht so ist, wie es scheint.

Cast der Serie Tod von Freunden (c) ZDF/ Thorsten Jander
Cast der Serie Tod von Freunden (c) ZDF/ Thorsten Jander
© ast der Serie Tod von Freunden (c) ZDF/ Thorsten Jander

In der ZDF-Miniserie Tod von Freunden haben zwei Familien sich einen Hipster-Traum erfüllt. Tagsüber arbeiten sie in ihren schicken, überaus erfolgreichen Architekturbüros oder ziehen sich in ihre Künstlerateliers zurück. Abends treffen sie sich auf der kleinen, dänischen Insel, auf der sie die einzigen Bewohner eines Designertraumhauses sind. Doch all das wird jäh gestört, als eines der Kinder der Familie bei einem Segeltörn von Bord geht und nicht gefunden werden kann.

Die Serie erzählt in acht Abschnitten von der Nacht des Dramas und den Geheimnissen auf der Insel, jeweils aus der Sicht eines Bewohners. Ob das gut geht und den Zuschauer fesseln kann?

Wovon handelt die Serie Tod von Freunden?

Sie haben sich ein Paradies erschaffen, so beschreibt Sabine (Katharina Schüttler) uns ihr Leben auf der Insel. Wir lernen die zwei Familien kennen, als sie gemeinsam mit ihren Ritualen den Geburtstag von Kjell (Lukas Zumbrock) feiern. Dieser ist der Sohn von Sabine und Bernd (Jan Josef Liefers), der Bruder von Karl (Anton Petzold). Doch fast genauso eng steht er den anderen Bewohnern der kleinen Insel, nämlich Jakob (Thure Lindhardt) und Charlie (Lene Maria Christensen), die ebenfalls zwei Kinder haben: die Teenager Cecile (Milena Tscharntke) und Emile (Oskar Belton), die für Karl und Tjell wie Geschwister sind. Sie feiern sich selbst als die Musketiere: einer für alle und alle für einen.

Alle acht Bewohner genießen den Tag am Strand und lassen das Geburtstagskind hochleben. Doch in der Ferne liegt ein kleines Boot mit einer nicht zu erkennenden Person mit Fernglas, was besonders Sabine argwöhnisch beäugt - der Schatten hat sich bereits auf das deutsch-dänische Idyll gelegt.

Schon kurz darauf erfahren wir zumindest, vor wem Sabine Angst hat. Es ist Jonas (Jacob Cedergren), Jakobs Bruder, der zurück in die Gegend gekehrt ist. Er betreibt nun eine Bar in der nahegelegenen Stadt, was besonders Sabine und Jakob beunruhigt. Doch letzterer beruhigt sie damit, dass sie ja einen Deal mit Jonas geschlossen haben, dass er sich von der Insel und ihren Bewohnern fernhält. Jakob glaubt, dass der Heimkehrer nichts Böses im Schilde führt, Sabine ist da weniger optimistisch. Dafür hat sie auch entsprechende Beweise, denn Jonas beobachtet die Bewohner fortan stets aus der Ferne, egal, ob sie an einem Sportwettbewerb in der Stadt teilnehmen oder ihr Sommerfest auf der Insel feiern. Als Sabine ihn anspricht, behauptet er, lediglich ein Zuhause zu suchen und nichts würde passieren, wenn alle dichthalten. Was genau verraten werden könnte, das bleibt zunächst unklar. Aber es ist klar, dass das Geheimnis in Verbindung damit steht, dass die zwei Familien sich überhaupt ihr kleines Idyll auf der Insel aufbauen konnten. Sollte es an die Öffentlichkeit gelangen, würden sie alles verlieren. In verwaschenen Rückblicken sehen wir, dass das Geheimnis ernst ist, Schüsse fallen, eine Polizeimannschaft stürmt und Knochen gebrochen werden.

Doch auch ohne Jonas' Zutun schaufeln die Bewohner sich ihr eigenes Grab. Während Sabine und Jakob mehr zu verbinden scheint als Freundschaft, sind ihre Ehepartner beruflich eng miteinander verbandelt. Charlie und Bernd führen ihr eigenes Architekturbüro und sind jüngst eingeladen worden, an einem prestigeträchtigen Wettbewerb teilzunehmen. Die Gewinner dürfen eine neue Brücke über den East River in New York bauen. Das würde bedeuten, dass das Büro in die USA übersiedeln müsste. Unterdessen glauben ihre Ehepartner und Kinder, dass sie die Insel niemals verlassen würden. Ganz im Gegenteil, Sabine hält große Stücke auf die Idee, dass das erfolgreiche Büro im kommenden Jahr verkauft werden könnte - und sie wünscht sich ein weiteres Kind mit Bernd.

Das sagt sie ihm, als die beiden ein paar Tage Zeit für sich haben, weil die anderen sechs Bewohner gemeinsam auf einen Segeltörn gegangen sind. Doch schon in der ersten Nacht passiert das Unvorstellbare: Kjell geht über Bord und kann nicht mehr gefunden werden. Zwischen Hoffnung und Trauer versuchen die beiden Familien, mit dem Drama umzugehen und nach und nach offenbaren sich immer mehr Abgründe und Geheimnisse.

Wie kommt es rüber?

Die Ästhetik der Serie ist kalt, künstlerisch und vom ersten Moment an etwas düster. Das große Problem an der Pilotepisode könnte sein, dass diese Idylle, das von Sabine oft erwähnte Glück, sich gar nicht anfühlt wie eines. Nicht nur die Schatten der Vergangenheit, die über der Insel hängen und die bedrohliche musikalische Untermalung lassen einen nicht an ein Idyll denken. Auch die Emotionen der Bewohner sprechen Bände, da ist Wut, Angst und Geheimniskrämerei. Als dann das große Drama geschieht und Kjell verschwindet, nimmt dieses Ereignis für den Zuschauer nur den Platz als eines unter mehreren Rätseln ein. Wichtiger in der Pilotepisode scheint zu sein, welches Geheimnis Jonas mit sich zurück auf die Insel gebracht hat. Man möchte schon vor dem Unfall nicht unbedingt Bewohner dieses Traums sein, der auf dem Papier so verlockend wirkt.

Doch damit wir emotional überhaupt investiert sein können, müssen wir zumindest einen der Bewohner mögen oder fesselnd finden. Die Pilotepisode stellt die Mutter des Verschwundenen in den Mittelpunkt. Sabine ist wütend und schottet sich ab. Sie vermutet vom ersten Moment an, dass Jonas eine Bedrohung darstellt. Sie wütet, droht und schlägt um sich, um ihr Idyll zu retten, noch bevor die Bedrohung Form annimmt. Sie scheint im Zentrum des Geheimnisses um Jonas zu stehen, ein Geheimnis, von dem Bernd und Charlie nichts zu wissen scheinen. Doch auch die anderen haben ebensolche Geheimnisse - und das führt dazu, dass man zunächst eigentlich niemanden so richtig sympathisch finden kann.

Auch die Spannung lässt in der Pilotepisode zu wünschen übrig, dafür offenbaren die Serienmacher uns einfach zu wenig in diesen ersten 60 Minuten. Die Rückblicke bleiben verwirrend und lassen keine deutlichen Schlüsse zu, was damals passiert ist. Dass Kjell von Bord geht, ist zwar eindeutig, aber unter welchen Umständen bleibt seltsam mysteriös. Die Figuren, die gerade nicht titelgebend für die Episode sind, bekommen zum Teil so wenig Anteil an der Story, dass die beiden Kinder von Charlie und Jakob in der Pilotepisode nur wenige, nebensächliche Sätze zu sagen haben. Damit es spannend wird, muss man weiterschauen - aber warum sollte man das tun?

Der künstlerische Anspruch, die dänisch-moderne Ästhetik und der starke Cast könnten sich dabei hervortun. Doch man muss daran glauben, dass am Ende etwas Interessantes herausspringt, das typische Mystery-Dilemma. Schwierig dabei könnte werden, dass der Fokus auf die Figuren in jeder Episode sich aufgrund des Aufbaus stark verändert. Oft sind es die Charaktere, die einen in den Bann ziehen. Doch Sabine zum Beispiel spielt schon in der zweiten Episode eine viel kleinere Rolle. Die Figuren der vier Teenager kommen erst nach den Erwachsenen an die Reihe. Dabei kann man vom ersten Moment an das Gefühl haben, dass man die Rätsel viel lieber durch die Augen der Kinder erforschen möchte. Die Ursünden haben die Erwachsenen begangen und ihnen zuzusehen, wie sie um sich schlagen, aber uns keine Handbreit Informationen zukommen zu lassen, ist mühselig. Auf der Seite der Kinder tut sich Cecile besonders hervor, die zu spüren oder zu ahnen scheint, dass nicht alles so ist, wie es scheint, in ihrer kleinen Welt. Wer bis zu den Episoden der Kinder durchhält, der bekommt hoffentlich etwas geboten.

Alle Episoden der Serie sind in der ZDF-Mediathek zu streamen, im linearen Programm wird die Serie ab dem 7. Februar an vier Sonntagen jeweils um 22.15 ausgestrahlt.

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