Titans: Review der Pilotepisode

Titans: Review der Pilotepisode

Der Streamingdienst DC Universe hat die erste Eigenproduktion Titans an den Start gebracht. Unter der Federführung von Akiva Goldsman, Geoff Johns und Greg Berlanti ist dabei die bisher düsterste Superheldenserien herausgekommen. Aber warum eigentlich?

Szenenfoto aus dem Titans-Auftakt (c) DC Universe/Warner Bros
Szenenfoto aus dem Titans-Auftakt (c) DC Universe/Warner Bros
© zenenfoto aus dem Titans-Auftakt (c) DC Universe/Warner Bros

Die Teen Titans oder Titans gehören bei DC Comics zu den Traditionsteams und haben eine lange Geschichte. Unter Marv Wolfman und George Perez erfreuten sie sich überaus großer Popularität und als es noch möglich war Crossover zwischen DC und Marvel zu machen, trafen sie sogar einst auf die X-Men. Auch ich bin ein großer Fan des Superheldenteams und würde sie sogar als mein Lieblingsteam von DC bezeichnen, wobei ich allerdings auch Inkarnationen wie Peter Davids und Todd Naucks Young Justice und die gleichnamige Zeichentrickserie hinzuzähle. Pilot-Mitautor Geoff Johns hat zusammen mit Mike McKone ab 2003 einen meiner Lieblingsruns des Teams geschrieben und nach dem Anschauen des Serienpiloten des neuen Streamingdienstes DC Universe (und bald auch weltweit bei Netflix) frage ich mich, warum man ausgerechnet dieses Team mit einem Grim-und-Gritty-Ansatz versehen musste, der in den Comics in der Mitte der 90er Jahre so beliebt war und aktuell auch in der Filmsparte beim DCEU zum Einsatz kommt.

Der Serienpilot wirkt über weite Strecken so, als haben sich die Entscheider beim Mutterkonzern Warner Bros die Marvel-Serien von Netflix angeschaut und dann gesagt: „Macht es so, nur 30 Prozent düsterer und mörderischer“. Und das will nicht in meinen Kopf. Die Titans und so gut wie alle Figuren aus der Bat-Family, zu der Hauptfigur Dick Grayson aka Robin (Brenton Thwaites) gehört, haben einen Kodex, der besagt, dass Morden ein ganz großes No-Go ist. Und dann sieht es so aus als würden alle sogenannten Helden in dieser Pilotepisode kaltblütig andere Menschen umbringen. Die Szene in der Grayson in Robinmontur gegen eine Drogendealer-Gang antritt, sieht dabei objektiv gar nicht schlecht aus, wobei man vorwerfen kann, dass versucht wurde die Inszenierung auf cool zu bürsten, aber inhaltlich könnte die Charakterisierung kaum weiter weg von der Vorlage liegen, als hier. Allerdings scheint man im TV- und Serienbereich ohnehin für eine liberale Auslegung der Figuren offen zu sein, anders kann man sich auch Zack Snyders psychopathischen Batman kaum erklären und wenn man ganz genau hinschaut, hat leider wohl jeder Kino-Batman einige Menschen auf dem Gewissen.

Worum geht es bei „Titans" eigentlich?

DC Universe/Warner Bros
DC Universe/Warner Bros - © DC Universe/Warner Bros

Im Kern geht es bei Titans darum verlorene Seelen aus der Superhelden-Community zu vereinen und wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Robin ist er seit einem Monat in seiner neuen Heimat Detroit, war davor offenbar ein Jahr verschwunden und mischt nun wieder kräftig mit und Verbrecher gnadenlos auf. Insgeheim hat er seinen Mentoren Batman jedoch verlassen, weil er ihm zu ähnlich wurde. Das dürfte also die Ausgangssituation für seinen Arc in der Serie oder der ersten Staffel sein.

Rachel aka Raven (Teagan Croft) wohnt ebenfalls im Staat Michigan und leidet unter Alpträumen, in denen sie den Tod von Dicks Eltern immer wieder durchlebt. Nachts muss sie eingesperrt werden, weil eine düstere Seite in ihr schlummert, die ihre Ziehmutter mit Beten, Kreuzen und Schlösser vor ihrer Tür bändigen möchte. In der Schule wird sie als Freak gehänselt und ist ein Außenseiter. Ein Fremder (Jarreth J. Merz) empfängt sie nach einem Schultag Zuhause und konfrontiert sie mit der Tatsache, dass die Person, die sie für ihre Mutter gehalten hat, nicht ihre leibliche Mutter ist und tötet sie überaus brutal vor ihren Augen. Das veranlasst sie zur Flucht nach Detroit, wo sie zunächst in einer Rettungsmission ankommt, über Umwege aber bei der Polizei und Grayson landet, den sie um Hilfe bittet. Allerdings ist er skeptisch und reagiert erst, als sie durch einen „Kollegen" entführt und zum besagten glatzköpfigen Fremden gebracht wird. Dick geht der Sache nach, aber Rachels in ihr schlummernde düstere Kräfte, die sie immer wieder warnen, kümmern sich um den Angreifer. Zusammen fahren Rachel und Dick dann in eine neue Zukunft.

Outsiders?

Auf dem anderen Ende der Welt in Wien wacht Kory Anders aka Koriand'r aka Starfire in einem Autowrack mit Schusslöchern auf und erinnert sich an nichts. Bald wird sie jedoch von einigen Angreifern verfolgt. Sie kann schließlich herausfinden, dass sie zuletzt in einem Hotel untergekommen ist und dort eine ganze Etage für sich hatte. Ein gefesselter Mann, der Russisch spricht, nennt ihr den Namen Konstantin Kovar (Mark Antony Krupa), den der ein oder andere vielleicht aus Arrow kennt, aber hier nicht von Dolph Lundgren gespielt wird. Die Serien aus dem DC-Universe sind also kein Teil vom Arrowverse. Als sie Kovar konfrontiert, findet sie heraus, dass sie ihn in seinen Augen betrogen hat, einst seine Geliebte war und nun wegen einer Frau diese Spur der Verwüstung hinterlassen hat. Als er auf sie schießt, offenbaren sich ihre Superkräfte, die die drei Männer im Club zu Asche werden lassen (aber bequemerweise nur diese und sonst keine Möbel oder das Foto der Person, die für das alles Verantwortlich zu sein scheint). Zufälligerweise ist das Rachel...

DC Universe/Warner Bros
DC Universe/Warner Bros - © DC Universe/Warner Bros

Im Starfire-Strang haben wir es wieder mit dem Einsatz der deutschen Sprache in einer US-Serie zu tun, der bei mir zumindest wieder Fremdscham auslöst. Es fängt damit an, dass das Hotel „Das Alpen“ heißt, an der Raststätte steht „Geschäft", weil man wohl dachte, das sei die gebräuchliche Übersetzung für Shop und Kory redet ziemlich gebrochenes Deutsch, während die Frau aus dem Hotel wenigstens korrekt spricht. Die hätte man eher mal bitten sollen, zu schauen, ob sonst alles stimmt... Es wird im Rest der Welt wohl kaum jemanden auffallen, der die Sprache nicht kann, mich reißt so etwas schnell aus der Handlung heraus. Besonders wenn Kory ein Sprachtalent sein soll und später auch Russisch spricht.

Streng genommen dürfte Korys Kräfteeinsatz sogar Notwehr sein, dennoch verstehe ich nicht, wie sie lachend vom Tatort verschwinden kann, als würde es ihr Gewissen überhaupt nicht belasten gerade drei Menschen umgebracht zu haben und schon im Hotel ohne mit der Wimper zu zucken einen anderen. Im Comic gibt es da natürlich die Alien-Prinzessinnenkomponente, die hier noch nicht erwähnt wird...

In Convington sehen wir derweil in einem Elektroladen, wie ein Wachmann von einem grünen Tiger aufgeschreckt wird. Die Farbe verrät bereits, dass es kein üblicher Tiger ist, sondern Garfield Logan aka Beast Boy (Ryan Potter) sich dahinter verbirgt, dessen Beute ein Videospiel ist und der von den vier im Piloten eingeführten Titans der einzige ist, der kein Mörder zu sein scheint.

Das Aussehen von Robin und Rachel ist durchaus gelungen, von Beast Boy sieht man noch zu wenig, auch wenn die Effekte natürlich nicht gerade Kinoreif sind und zumindest der Krafteinsatz von Kory sieht ganz okay aus. Ihre Figur ist für mich aber leider die schwächste im Piloten.

#NotMyTitans

DC Universe/Warner Bros
DC Universe/Warner Bros - © DC Universe/Warner Bros

In meinen Augen sind die Titans eine durchaus bekannte DC-Marke. Vor allem jüngere Zuschauer sind eventuell mit den verschiedenen Cartoon-Inkarnationen aufgewachsen, darunter „Teen Titans Go“. Darum kann ich nicht nachvollziehen, warum man diese Serie dann für das bisher düsterste TV-Werk aus dem DC-Fundus auserkoren hat. Für mich ebenfalls nicht ganz verständlich: Der Handlungort Michigan. Das DC-Universum ist bekannt für Städte wie Gotham (immerhin namentlich erwähnt), Metropolis, Star City, Central City, Opal City, Bludhaven oder Coast City und nun wählt man das langweilige Michigan sowie Detroit?

Das schwerste Vergehen ist aber vielleicht an Dick Grayson verübt worden, denn unter den Robins ist er eigentlich der Draufgänger, der trotz des düsteren Mentors oft ein Lächeln auf den Lippen hat und sich später auch durch die Nightwing-Identität von Batman abgrenzt und emanzipiert (Jason Todd oder Damien sind eher die Griesgräme unter den Robins).

Ich glaube sogar fast, dass man darauf hinarbeiten möchte und den Ton ab den folgenden Episoden etwas anpassen wird, dennoch finde ich es problematisch, dass schon jetzt so viele Leichen den Weg der Protagonisten zu pflastern scheinen. Außerdem glaube ich, dass man mit dem Namen „Outsiders“ fast besser gefahren wäre, als mit Titans, denn das ist und war zeitweise ein DC-Team, das die Zwischenstufen zwischen Sidekick und eigentlichen Helden, als die Mittzwanziger versammelt hat, während hier ein wüstes Mischmasch aus Figuren aller Altersklassen zusammen kommt. Natürlich gibt es auch Titans-Inkarnationen, wo ältere und neuere Mitglieder zusammenkommen, wie in Johns-Run, trotzdem halte ich den düsteren Ton für diese Art von Team völlig fehl am Platz. Die bereits angekündigte Doom Patrol, die noch viel obskurer ist, und ihr Debüt im Laufe der ersten Staffel feiern wird, passt da schon sehr viel besser, ebenso wie „Swamp Thing“, die auch in den Comics unter dem Vertigo-Label für Erwachsene veröffentlicht wurden.

Teen Titans No!

Schaut man sich nur den Piloten an, kann ich mir schwer vorstellen, dass man von der Lust gepackt wird, die Serie weiterzuschauen, außer man hat eine Vorliebe für die wirklich düstere Ecke der Superhelden-Adaptionen und legt überhaupt keinen Werk auf Vorlagentreue, was wahrscheinlich sogar für viele Otto-Normal-Zuschauer gilt. Das Paradoxe daran ist jedoch, dass die Serie in den USA für eine Plattform gemacht wurde, die explizit für DC-Fans gestaltet wurde und die ihre Kindheitshelden dann wahrscheinlich gar nicht wiedererkennen oder sich fragen, warum ein Geoff Johns, der ein Kenner der Materie ist, das durchwinken und mittragen konnte.

Ist das Experiment der Grenzüberschreitung, das so ein Special-Interest-Streamingservice ermöglicht, also wichtiger als den Kern der Figuren umzusetzen? Dann hätte es aber, wie gesagt andere Figuren gegeben, die sich tonal besser für eine solche Serie eignen. Durch den Deal mit Netflix ist das im Endeffekt allerdings egal, weil somit der Rest der Welt ebenfalls reinschauen kann und eine zweite Staffel ist auch bereits durchgewunken. Man kann nur hoffen, dass der Piloten die Figuren an ihrem Tiefpunkt zeigt und sie sich im Lauf der Zeit zu ihren besseren Ichs entwickeln und etwas lockerer werden.

Das Arrowverse hat bisher erfolgreich gezeigt, dass der Kern der Titelfiguren aus den DC-Serien wunderbar fürs Fernsehen übertragen werden kann. Arrow war anfangs eine düstere und bodenständige Mischung aus Batman und Green Arrow, The Flash brachte denn eine etwas hellere und positivere Erzählfarbe ein, die aber durchaus ins Düstere und Emotionale driften konnte, Legends of Tomorrow ist durch die Zeitreisekomponenten inzwischen eine Art Sandkasten, in dem alles möglich ist und Supergirl ist die beste reine Realfilm-Verkörperung aus dem Superman-Mythos seit langen und ein Beispiel für eine strahlende Heldin, die ihr möglichstes tut, um die Welt ohne Morden oder Ähnliches zu retten.

Was will Titans dann sein? Die Antwort gibt mir die Pilotepisode jedenfalls noch nicht und als Langzeit-Fan der Comicreihe bin ich mir unsicher, ob ich diese Version verfolgen möchte oder nicht besser beraten bin weiterhin zu den Comics oder den Cartoons zu greifen. Young Justice macht vor, wie es düster und ernst, aber trotzdem den Wesen der Vorlage entsprechend sein kann.

Fazit

Die Pilotfolge von Titans kann nicht überzeugen. Es handelt sich zwar um die düsterste DC-Serienadaption, die wir seit langer Zeit erhalten haben, es stellt sich jedoch die Frage, ob diese Figuren dafür die Richtigen sind. Nach der Pilotfolge würde ich dies mit einem klaren Nein beantworten, denn das DC-Universum hat geeignetere Kandidaten dafür im gewaltigen Portfolio. Womöglich ist es aber auch der Weg auf einer beschwerlichen Reise, die am Ende eine Annäherung an die Comic-Vorbilder bringt. Nur: muss man sie deswegen vom Start weg zu feigen Mördern mit psychopathischen Tendenzen machen? Etwas mehr Einfluss durch das Arrowverse und etwas weniger vom DCEU wäre in meinen Augen wünschenswert gewesen.

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