So sind die ersten beiden Episoden der Apple-TV+-Serie „Time Bandits“ gelungen

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Das passiert in den ersten beiden Folgen der Serie „Time Bandits“
Kevin ist in Time Bandits ein einsamer Junge, den niemand versteht. Statt für Fußball, Computerspiele und Smartphones interessiert er sich für Bücher und Geschichte. Das macht ihn nicht nur in der Schule zum Außenseiter, sondern bringt ihm auch jede Menge Spott seines Vaters ein. Als sich jedoch eines Abends ein Raum-Zeit-Portal in seinem Schrank öffnet und die Zeitbanditen Penelope, Alto, Widgit, Bittelig und Judy in sein Leben platzen, verändert sich alles für ihn. Von nun an reist er mit dem wild zusammengewürfelten Haufen durch die Zeit, immer auf der Suche nach wertvollen Schätzen und auf der Flucht vor dem Obersten Wesen, dem sie eine mächtige Karte gestohlen haben...
Hier schon mal der aktuelle Trailer zur Serie „Time Bandits“:
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Grundlegendes
Der Titel „Time Bandits“ hallt seit rund 40 Jahren in den Köpfen von Millionen Fans nach. Einst hatte der Monty-Python-Mitbegründer Terry Gilliam den Film als eine Art Notnagel produziert, weil es mit dem Projekt „Brazil“ nicht voranging. Herausgekommen ist ein Werk, das heute zu Recht aufgrund seines intelligenten Humors und der starken sozialkritischen Elemente mit dem Attribut Kult geehrt wird.
Der riesige Erfolg beflügelte Gilliam so sehr, dass er Mitte der 90er Jahre an einer Fortsetzung arbeitete, die dann aber leider nie das Licht der Welt erblickte. Schade drum, denn das Skript war in Zusammenarbeit mit Charles McKeown schon recht weit fortgeschritten und sollte bis auf die zu diesem Zeitpunkt bereits verstorbenen David Rappaport und Tiny Ross den gesamten Cast wiedervereinen. Als dann auch noch Jack Purvis von uns ging, starb auch das Projekt endgültig.
Taika Waititi übernimmt das Ruder

2002 startete ABC schließlich einen Versuch, eine TV-Serie aus dem Stoff zu machen, der allerdings nie über die frühe Vorproduktionsphase hinausging. 2018 verkündete dann Apple, einen Deal mit Terry Gilliam für den erneuten Versuch einer Fernsehadaption abgeschlossen zu haben. Zunächst wurde der Franchiseerfinder als ausführender Produzent gelistet, doch 2019 stieg Taika Waititi (Our Flag Means Death, „Thor: Tag der Entscheidung“) ein und übernahm nicht nur dessen Posten, sondern fungierte auch als Co-Autor und Regisseur.
Spätestens jetzt hätte man als Fan des Originals eigentlich wissen müssen, dass es inhaltliche Veränderungen geben würde. Nicht nur, weil die angekündigte Serie zehn Episoden umfasste, sondern auch, weil Gilliam einen geplanten zweiwöchigen Setbesuch als Berater wütend nach drei Tagen abbrach. Was den Mann so erboste, wird deutlich, wenn man die ersten beiden Folgen der Adaption als Kenner des Originals etwas genauer betrachtet...
Es entspricht den Tatsachen, dass „Time Bandits“ von Anfang als Familienfilm konzipiert war. Das bedeutet aber nicht, dass das Werk nur so vor naiven Humor strotzt und keinerlei Feinsinn besitzt. Ganz im Gegenteil streuten Gilliam und sein Co-Autor Michael Palin eine ganze Menge des typisch bissigen Monty-Python-Humors ein, der die Comedy-Truppe weltweit bekanntgemacht hatte.
So ist es beispielsweise kein Zufall, dass Kevins Eltern in der Version von 1985 auf einem mit Plastikfolie umwickelten Sofa sitzen oder Kevins Eltern in der letzten Szene vom ultimativen Bösen mitsamt Haus in die Luft gejagt werden. Auch die Wahl der Darstellenden (alle Time Bandits waren bekanntermaßen kleinwüchsige Personen) war wohl durchdacht. Selbst die Idee, ausgerechnet den englischen Nationalhelden Robin Hood als bornierten, eitlen Pfau auftreten zu lassen, bewies das Talent der Autoren, geschickte Seitenhiebe gegen die britische Gesellschaft zu verteilen.
Nichts übrig
Warum ich das so ausführlich erwähne? Weil die serielle Umsetzung nichts von alldem vorweist. Aus einem Familienfilm mit Sinn hat Waititi eine Kinderserie kreiert, die sich des grundlegenden Story-Gerüsts bedient, ohne auch nur ansatzweise an der Oberfläche zu kratzen. Fast könnte man glauben, der Produzent hätte das zugrunde liegende Werk schlicht nicht verstanden oder wollte es nicht verstehen. Das ist schon allein deshalb schade, weil Terry Gilliam seinem Publikum offensichtlich wesentlich mehr zutraute. Ich kann „Time Bandits“ heute noch mit meinem Sohn schauen, der sich an den herrlichen Albernheiten erfreut, während ich immer wieder etwas Neues entdecke. Genau diese Möglichkeit zogen Waititi und sein Team ausgehend von ersten beiden Episoden noch nicht einmal in Betracht.
So ist Kevin beispielsweise nicht nur ein geschichtsbegeisteter Nerd, sondern - um ehrlich zu sein - eine Nervensäge, der sein Wissen teilweise von Wikipedia bezieht. Besonders bezeichnend ist an dieser Stelle, dass die Drehbuchautoren Jemaine Clement, Iain Morris und Taika Waititi die Online-Enzyklopädie auch noch fälscherweise als „Sekundärquelle“ bezeichnen. Fast schon fühlt man sich als Zuschauender berufen, das vielleicht nicht sehr schöne Wort „Besserwisser“ zu verwenden, um das Kind zu charakterisieren. Zugegebenermaßen ist das vielleicht ein zu hartes Urteil, zumal sich Kinder aufgrund der Abenteuerlust Kevins mit der Figur durchaus identifizieren können.
Die Zeitbanditen

Kommen wir damit zu Kevins Begleitern. Rein schauspielerisch ist an Lisa Kudrow als Penelope, Tadhg Murphy als Alto, Roger Jean Nsengiyumva als Widgit, Rune Temte als Bittelig sowie Charlyne Yi als Judy nicht viel auszusetzen. Vor allem Temte und Yi fallen in dem Reigen positiv auf. Ob die Absicht, den Stoff durch den Verzicht auf kleinwüchsige Darstellende zugänglicher zu machen, wirklich gelingt, ist hingegen eine andere Frage. Kindern ist es nämlich vollkommen egal, wie groß, klein oder alt Figuren sind. Im Gegenteil können sich Erwachsene sogar eher als störend auswirken, weshalb in den meisten Konkurrenzprodukten die Hauptakteure fast immer durchweg Kinder und Erwachsene entweder beratend, antagonistisch oder als weitere Familienmitglieder Teil des Casts sind.
In „Time Bandits“ läuft es jedoch so, dass Penelope Kevin in den ersten beiden Folgen loswerden will, obwohl der Trupp ohne den Jungen hoffnungslos verloren ist. Sicherlich spielt hier die aus dem Film übernommene Naivität der Protagonisten mit hinein, schließlich haben die Möchtegerndiebe zeit ihres Lebens nichts anderes getan, als dem Obersten Wesen zu dienen. Allerdings entwickelt sich schon in den ersten beiden Folgen eine unübersehbare Mutter-Kind-Beziehung zwischen Penelope und Kevin, dessen eigene Eltern nicht nur altbacken spießig und ignorant, sondern schlicht dumm und gemein sind. Was übrig bleibt, ist eine oberflächliche Erzählung, die hin und wieder den Versuch einer Message einstreut (bei den Maya etwa), ansonsten aber abgesehen von schönen Bildern kaum Spannung bietet.
Die Sprache
Nach all der Kritik sei abschließend allerdings betont, dass „Time Bandits“ dennoch durchaus ein Spaß für ein jüngeres Publikum zwischen acht und vielleicht zwölf Jahren ist. Die betont lockere, aber nicht zu freche Sprache dürfte Kids gefallen. Die tollen Kostüme und die Besuche vieler Kulturen (in den ersten beiden Folgen immerhin China, Stonehenge, Troja und die Maya) haben ebenfalls etwas für sich und bringen Abwechslung in die Sache.
Ob Kevin eine Identifikationsfigur ist, ist schwer zu sagen, aber vor allem Alto, Bittelig und Judy punkten mit Charme, Naivität und witzigen Einlagen. Penelope fungiert als besagte Mutterfigur, die Kevin zunächst - wie seine Eltern - nicht versteht, aber immer mehr Respekt für ihn entwickelt. Nicht zu vergessen sind auch die lustigen Auftritte des obersten Wesens und des Ultimativen Bösen, der jedes Mal ins Lispeln und Stottern gerät, wenn er den Namen seines Konkurrenten aussprechen will.
Fazit

Es ist nicht so, dass „Time Bandits“ nicht als Kinderserie funktioniert, sondern vielmehr die Enttäuschung darüber, dass Taika Waititi nicht über den Tellerrand geschaut hat, als er das Format kreierte. Das zugrunde liegende Werk war nämlich viel mehr als ein schlichtes Familienabenteuer.
Genau das blendet der Serienmacher aber aus und macht daraus seichte Unterhaltung für zwischendurch. Das tut nicht nur Terry Gilliam offensichtlich weh, auch Fans des Streifens könnten darüber wenig erfreut sein. Insofern ist die Modernisierung des Basismaterials nicht geglückt, doch wie es scheint, war das auch gar nicht die Absicht. Betrachtet man die ersten Folgen hingegen als reine Kinderunterhaltung, ist das Ganze gar nicht mal so übel.
In diesem Sinne vergeben wir drei von fünf Portalen.