Ties That Bind 1x01

Ties That Bind 1x01

Allison hat ihren Bruder ins Gefängnis gebracht und nimmt seine zwei Kinder bei sich auf. Großes Familiendrama, gespickt mit christlichem Unterton und weltfremden Plots, animiert nicht zum Weitergucken. Bei den Zuschauern des Up Networks, gegründet vom Sohn eines Fernsehpfarrers, könnte es landen.

Cast der Serie „Ties That Bind“ / (c) Up Network
Cast der Serie „Ties That Bind“ / (c) Up Network

Ein Mann wird zu Beginn der Pilotepisode der Serie Ties That Bind zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, zurückbleibt seine Familie, vor allem seine Tochter und sein Sohn, dem er noch schnell zuruft, dass er auf seine Schwester aufpassen soll. Doch auch die Schwester des Inhaftierten hat mit den Geschehnissen zu kämpfen, immerhin ist sie die Polizistin, die den Mann, ja, ihren Bruder, erst vor Gericht gebracht hat und nun seine Kinder aufnimmt. Für die UP Network-Produktion braucht man starke Nerven und jede Menge Toleranz. Selbst die Tatsache, dass Beverly Hills, 90210-Liebling Luke Perry mitspielt, hilft nicht viel, denn seine Figur Tim landet innerhalb der ersten zwei Minuten im Knast und wird anschließend erst wieder gegen Ende der Pilotepisode gesehen.

Was passiert in der Pilotepisode?

Tim (ebenjener Luke Perry) wird zu einer Haftstrafe verurteilt. Seine Kinder im besten Teenageralter verlassen das Gerichtsgebäude mit der Familie von Tims Schwester, bei der sie anschließend auch bleiben. Dabei handelt es sich um Allison (Kelli Williams; The Practice, Army Wives), die als Polizistin in irgendeiner Weise in die Verhaftung ihres Bruders involviert ist, zumindest gibt Cameron (Rhys Matthew Bond, Good Witch), der aufmüpfige Sohn von Tim, ihr die Schuld an der Haft seines Vaters.

Die Verhältnisse sind ziemlich schnell klar: Als die Familie die Rückfahrt antritt und sich dafür trennen muss, werfen sich alle Küsse zu, was Cameron zu haltlosem Spott veranlasst. Auf der einen Seite haben wir also die mit dem heilen Leben, die sich gegenseitig zu schätzen wissen, als wenn es die letzte gemeinsame Minute sein könnte, und auf der anderen Seite die Kids aus einem zerrütteten Elternhaus, die nie gelernt haben, zu lieben. Das wird sich natürlich bald ändern, schließlich sind sie jetzt unter den Fittichen ihrer Tante und deren liebender Familie. Aber, Moment, so weit sind wir ja noch gar nicht. Erst lernen wir noch den Partner von Allison kennen, also Partner in beruflicher Hinsicht, Devin Stewart (Dion Johnstone, Stargate SG-1), der oft und gerne einfach Stichwortgeber für Allisons selbstgefällige Rechtfertigungen ist.

Zu Hause muss sich ihr Mann Matt (Jonathan Scarfe, Perception) unterdessen mit einem Teenager rumschlagen, der nicht aus dem Auto steigen will, weil er davon überzeugt ist, dass seine Tante und sein Onkel ihn ohnehin bald in die Obhut des Staates geben werden. Hat er Hinweise dafür, dass die Fürsorge, die sie gerade an den Tag legen, vorgetäuscht ist? Erscheint es logisch, dass er dem Onkel seine Bedenken bockig, aber äußerst klar artikuliert an den Kopf wirft? In beiden Fällen nein, aber wir ziehen ohnehin schnell weiter zum zweiten Standbein der Serie Ties That Bind: den Fällen, die Allison und Devin bearbeiten müssen. Da geht es um ein kriminelles Paar im Stil von Bonnie und Clyde, nur mit einem Babybauch.

Zu Hause macht Matt erst einmal die Regeln deutlich und die fühlen sich nach einer christlich-konservativen tough love-Strategie an. Wenn ein Teenager mal ein bisschen runterkommen muss, darf er das Zimmer seines Cousins nutzen, ansonsten halten sich alle stets im Wohnzimmer auf, gemeinsam. Das Kommen und Gehen aller Hausbewohner wird mit mehr oder weniger modernen Mitteln technisch überwacht. Aber alles zum Besten der Kinder, natürlich.

Am anderen, böseren Ende der Stadt sind Allison und Devon unterwegs, die nächste Zeugin zu befragen, die mit den beiden Kriminellen in Kontakt gekommen ist. Eine Reihe gestohlener Autos bringt die Polizisten auf die Spur der Mutter des Ausreißers. Ähnlich klischeehaft geht es im Hause McLean weiter, denn logischerweise ist ja das nächste, was passieren muss, dass Camerons Schwester Mariah mit ihrem Bruder aneinandergerät. In diesem Streitgespräch erfahren wir, dass die Mutter der beiden sich gegenwärtig in einer Entzugsklinik befindet - alles klar, wo auch sonst?!? Mariah weiß ja auch nicht so richtig, auf wessen Seite sie steht, aber sie möchte die Gastfreundschaft der erweiterten Familie gerne noch ein bisschen weiter genießen.

Gut, dass sie von ihrer Cousine Rachel (Natasha Calis, The Firm) in die brother-free zone eingeladen wird. Solche Ausdrücke existieren in diesem Haushalt ebenso selbstverständlich wie das gemeinsame Gebet vor dem Essen und die Tatsache, dass sich die McLean-Kinder ständig mitten im Satz selbst unterbrechen, weil sie fast etwas gesagt hätten, was auf die unselige Gefängnissituation hinweisen würde.

Zurück zu den Cops, die mittlerweile auch die Eltern der schwangeren Kriminellen ausfindig gemacht haben und Allison dem Mann an der Nasenspitze ansieht, dass er seine Tochter zwar nach der Schwangerschaftsbeichte auf die Straße gesetzt hat, aber nicht, ohne ihr seine Karte zu geben. Tough love auch hier, nur andersherum halt.

Im Haus geht Matt mal eben der Nachbarin mit ihrem klemmenden Garagentor helfen, was Cameron nutzt, um sich aus dem Staub zu machen und eine Minute später im Polizeirevier aufzutauchen. Nach gehörig unerzogenem Verhalten landet er mit seiner Tante im Verhörraum, wo sich zeigt, dass Matt und Allison in Erziehungshinsicht ein Dreamteam sind. Tough love funktioniert und der arme Junge bricht schließlich zusammen - er ist doch auch nur verwirrt und überfordert angesichts der jüngsten Ereignisse.

Die Familienkonferenz, die sich anschließt, versteht sich von selbst - der Inhalt auch. „Familie wird immer aufeinander aufpassen. Denkt daran!“ Die erste überraschende Szene folgt nun, nach über 20 Minuten, als die beiden anderen beiden Geschwister sich darüber unterhalten, wie es weitergehen wird. Jeff (Mitchell Kummen, When Calls the Heart) zeigt, dass er Mariah (Matreya Scarrwener, Strange Empire) und Cameron als Bürde empfindet, aber seine Schwester Rachel sagt ihm, dass man höflich sein solle.

Doch schon die nächste Szene bringt uns wieder ins Schema: Auch Allison und Matt unterhalten sich darüber, wie schwierig das wird mit den beiden Extrateenies im Haus. Geld, Raum, Privatsphäre, alles wird knapp zu sechst im Haus. Doch Allison - getreu ihrem fünf Minuten zuvor verkündeten Motto, dass Familie zusammenhält - hält daran fest, dass ihre Nichte und ihr Neffe dableiben.

Nachts verbrüdern sich zumindest die beiden Cousins über das gemeinsame Spiel eines Videospiels - niedlich! Doch bevor wir das emotionale Ende einsammeln dürfen, muss erst noch ein Kriminalfall gelöst werden. Endlich darf Allison auch ihre harte Seite als Polizistin zeigen und die sieht so aus: „Ene, mene, muh, du gehst so oder so auf eine kleine Tour, entweder zu Tray oder in den Knast.“ Das führt zu einem Showdown, zu dem hier aus Rücksicht auf die Nerven der Leser nicht mehr gesagt werden soll. Und weil er ohnehin nichts weiter zur Story beiträgt außer einer furchtbar selbstgerechten Rede, die Allison einer jugendlichen Schwangeren hält, die mit der Erschießung ihres Vaters droht.

Um die moralische Überlegenheit noch deutlicher zu machen, besucht Allison ihren Bruder am Ende im Knast und sagt ihm, dass sie um die Kinder kämpfen werde, wenn er nicht erlaubt, dass sie bei ihr bleiben. Noch näher am Ende sitzt die neue Patchworkfamilie zusammen und der Reihe nach berichten unter dem Vorsitz von Allison alle von ihrem Tag. Bis zu dem Moment, an dem die Polizistin die große Neuigkeit rauslässt: Mariah und Cameron werden im McLean-Haus bleiben. Der Reihe nach stürzen alle Anwesenden vom Tisch, bis Allison alleine zurückbleibt. Ja, auf der Seite der moralischen Überheblichkeit lebt es sich eben einsam.

Wie kommt es rüber?

Alles, was ich sage, klingt hohl und dumm“, begrüßt Allison ihren Bruder bei einem Gefängnisbesuch. Niemand kann also sagen, er wäre nicht gewarnt worden. Für die Serie Ties That Bind braucht man ein stabiles Nervenkostüm und die Fähigkeit zu übersehen, dass im Writers' Room offenbar ausschließlich gut situierte Menschen aus konservativem Umfeld sitzen. Die Pilotepisode fühlt sich wie ein Selfie an, auf dem die Autoren der Serie sich und ihre heilen Familien ein bisschen besser aussehen lassen als in Wirklichkeit.

Gleichzeitig sehen wir sowohl im Fall der beiden kriminellen Ausreißer und auch bei den rebellischen Teenagern die Handschrift der Autoren. Von einer gepflegten Veranda in einer guten Kirchengemeinde aus gesehen, wirkt alles, was in dieser Hinsicht passiert, wahrscheinlich logisch. Für alle anderen Menschen sieht die Pilotepisode der Serie Ties That Bind aus wie eine mit Klischees überladene Krimistory mit einem Hauch von Himmel.

Wo wir gerade davon sprechen: Die Serie Touched By An Angel (im Deutschen als „Ein Hauch von Himmel“ bekannt) läuft in Wiederholungen auf demselben Sender wie Ties That Bind. Und das ist vielleicht das Wichtigste, was man über die Serie wissen muss: Das Up Network steht für „Uplifting Entertainment“ und ist aus dem Sender Gospel Music Channel entstanden. Die neue Serie ist die erste Dramaeigenproduktion des Networks. Die aktuell einzige andere Eigenproduktion ist die Fortführung der Realityshow über die Familie Bates, die sich vor allem durch 19 Kinder und ihre evangelikale Einstellung auszeichnet.

Hinter der Serie Ties That Bind steckt genau das, was man erwarten darf, wenn man diese Informationen berücksichtigt, eine positive Überraschung findet leider nicht statt. Die Geschichte einer christlichen Familie, deren Einstellung durch große Schwierigkeiten getestet wird, kann man sicher gut, emotional und mitreißend erzählen - diese Gelegenheit lassen sich die Autoren jedoch entgehen.

Fazit

Die Serie Ties That Bind ist gewöhnungsbedürftig, wenn man nicht an evangelikale Erzählweisen gewöhnt ist. Wenn man das Material bedenkt, das sie bekommen, dann kann man immerhin positiv anmerken, dass der Cast sich nicht schlecht schlägt. Wenn die Autoren in Sachen übertriebener Idylle ein bisschen auf die Bremse treten, dann kann daraus vielleicht doch noch eine gediegene Familienserie werden.

Promo zur US-Serie „Ties That Bind“:
Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 1. September 2015

Ties That Bind 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Ties That Bind 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 12. August 2015 (Up TV)
Autor
Sheryl J. Anderson
Regisseur
Sean McNamara

Schauspieler in der Episode Ties That Bind 1x01

Darsteller
Rolle
Kelli Williams
Jonathan Scarfe
Dion Johnstone
Rhys Matthew Bond
Mitchell Kummen
Natasha Calis
Matreya Scarrwener

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