
Wann es wohl zur Übersättigung kommt? Wann der amerikanische Zuschauer neue Krimi-Massenware mit Nichtbeachtung straft? Angesichts immer neuer, von skandinavischen Noir-Thrillern inspirierten TV-Produktionen sowohl in den USA als auch in Europa können wir wohl nicht davon ausgehen, dass dies bald eintreffen wird. In Deutschland zeigt das ZDF schließlich auch die immergleichen Versionen von Kommissarin-Lund-Henning-Mankell-Kommissar-(hier bitte skandinavisch klingenden Namen einsetzen). Egal: Das Publikum schaltet weiter ein.
You have to be worse than them
Der amerikanische Kabelsender A&E beschert uns nun mit Those Who Kill ein weiteres Kapitel aus der Reihe „Vergessenswerte TV-Serien“. Die Geschichte der Auftaktepisode ist so generisch konstruiert, dass man glauben könnte, ein Computerprogramm habe das Drehbuch geschrieben und sich dafür an sämtlichen Krimitropen orientiert, die auf dieser Welt existieren. Nun findet sich auch dafür bestimmt irgendein Publikum. Warum man jedoch einen Star wie Chloe Sevigny und bekannte TV-Darsteller wie James D'Arcy, James Morrison oder Anne Dudek dafür verheizen muss, ist mir schleierhaft.
Sevigny spielt Catherine Jensen, eine Mordermittlerin des Pittsburgh Police Department. Einer der wenigen positiven Aspekte der Serie ist der gelungene Einsatz der im Niedergang begriffenen ehemaligen Industriemetropole. Die Panoramabilder der Stadt wecken Erinnerungen an die nach einer Staffel abgesetzte AMC-Dramaserie Low Winter Sun, in der die Stadt Detroit ebenfalls mit wunderbaren Bildern zum Akteur der Serie aufgewertet wurde.
Jensen ist ein Rookie, ein ambitionierter Neuling, sie brennt für den Job und hat keine Scheu, sich mit ihren Vorgesetzten anzulegen, um einen Fall an sich zu reißen. Sie wird zu einem Tatort in einer Industriehalle gerufen, wo die Arbeiter einen seltsam aufgebahrten Leichnam gefunden haben. Die Hände des Opfers sind auf der Brust überkreuzt - ein erster Hinweis, dass es sich hierbei um das Werk eines Serienmörders handeln könnte. Jensen ist erschrocken, als sie bemerkt, dass das Opfer den gleichen Nagellack trägt wie sie selbst.

Zur Unterstützung und weiteren Ermittlung holt sich Jensen den Kriminalpsychologen Thomas Schaeffer (D'Arby) ins Team. Warum sie gegen den Willen ihres Vorgesetzten Frank Bisgaard (Morrison) darauf besteht, dass Schaeffer dabei sein soll, wird erst am Ende der Episode klar: Er ist ihr großer Bruder und - vermutlich - selbst ein Serienmörder. Diese Wendung hätte interessant sein können, wäre während der Episode nicht ständig darauf hingewiesen worden. Geübte Serienzuschauer dürften früh erahnt haben, dass Schaeffer kein lupenreiner Kerl ist.
I've been locked in a box before. Good night.
Zusammen entdecken sie in der Werkshalle weitere, ähnlich aufgebahrte Leichen. Ihre Recherchen führen sie zu der Vermutung, dass der Mörder es auf Frauen abgesehen hat, die ihr Leben zum Besseren ändern wollen und sie deshalb tötet, weil er es selbst nicht schafft, sein eigenes Leben aufzuwerten. Diese Erkenntnis wird durch solche Dialogperlen wie die folgende untermauert: „He kills them because he can't improve his life. That's why he doesn't let them improve theirs.“
Sehr früh wird offenbart, wer der Mörder und Entführer ist. Die zweite Hälfte der Episode verläuft hernach im Zickzackkurs: Mörder wird gefunden, das nächste Opfer befreit, Mörder entkommt, verkleidet sich als Polizist, sucht das Opfer erneut im Krankenhaus auf, tötet es, nimmt sich danach der Ermittlerin selbst an (schließlich hat sie es auch geschafft, ihr Leben zum Besseren zu wenden), entführt sie, wird wieder gefunden, von Jensen in Rachelust ermordet und von ihr so aufgebahrt, wie er seine Opfer stets aufzubahren pflegte.
Ja, Those Who Kill ist eine dieser Serien, in der es dem Bösewicht stets gelingt, alles und jeden zu überlisten, sich Zugang zu sämtlichen Gegenspielern und Opfern zu verschaffen - bis zu dem Zeitpunkt, an dem er überwältigt oder getötet wird (meist am Ende der Episode). Es ist eine dieser Serien, in der ein Mörder seinem Opfer düster zuraunt: „Officer down“. Ob das alles logisch konsistent ist, spielt hier gar keine große Rolle, denn es ist einfach todlangweilig: Tausendmal gesehen, tausendmal vergessen.