Those About to Die 1x01

Those About to Die 1x01

Mit „Those About to Die“ startet Roland Emmerich einen erneuten Versuch, groß in den seriellen Streamingmarkt einzusteigen. Dabei wissen die ersten beiden Episoden allerdings weder visuell noch inhaltlich voll zu überzeugen, wie wir nach der Begutachtung in unserem Review feststellen.

Szenenfoto aus der Serie „Those About to Die“
Szenenfoto aus der Serie „Those About to Die“
© Amazon Prime Video

Das passiert in den ersten beiden Episoden der Serie „Those About to Die“

Rom, 79 nach Christus. Kaiser Vespasian (Sir Anthony Hopkins) führt in Those About to Die das Reich zehn Jahre nach dem Vierkaiserjahr mit ebenso viel Härte wie Geschick. Als sich sein Leben dem Ende nähert, muss er sich zwischen seinen Söhnen, dem Krieger Titus (Tom Hughes) und dem Intriganten Domitian (Jojo Macari) als Nachfolger entscheiden. Zur selben Zeit arbeitet der Herrscher der Katakomben des Circus Maximus Tenax (Iwan Rheon) daran, seine Macht auszubauen und eine eigene Fraktion zu gründen.

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In Numidien geraten indes die zwei Töchter und der Sohn Kwame (Moe Hashim) der Geschäftsfrau Cala (Sara Martins-Court) in Schwierigkeiten und werden als Sklaven nach Rom verschifft. Cala setzt alles daran, ihre Kinder auf dem Markt zurückzukaufen und gerät dabei zwischen die Fronten. Denn Vespasian hat sich inzwischen entschieden, Titus zum Imperator zu machen, eine Maßnahme, die seinem hinterlistigen und machtgieren Bruder gar nicht schmeckt. Im Geheimen zieht er die Fäden und findet einen unerwarteten Verbündeten, der aber mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen hat.

Hier der aktuelle Trailer zur Serie „Those About to Die“ auf Deutsch:

Intrigen im alten Rom

Szenenfoto aus der Serie „Those About to Die“
Szenenfoto aus der Serie „Those About to Die“ - © Amazon Prime Video

Geschichten über die intriganten Patriziermachenschaften, Thronstreitigkeiten und andere Machtspiele im antiken Rom sind weder in der Film- noch in der Serienwelt etwas Neues. Abgesehen vom kommenden Blockbuster „Gladiator 2“, der zurzeit in aller Munde ist, glänzten beispielsweise das leider nach zwei Staffeln beendete HBO-Format Rome sowie das bluttriefende Spartacus mit drei Staffeln auf dem kleinen Screen.

Nun schickt sich der „Master of Desaster“ Roland Emmerich an, eine Mischung aus den beiden Hitserien nach einem inzwischen eher veralteten Sachbuch zu kreieren. Nun kann und darf man darüber streiten, ob das 1972 erschiene Werk eines Mannes, der nicht einmal Historiker war, die beste Voraussetzung für so eine Geschichte im Jahr 2024 ist. Allerdings muss man zugeben, dass es der Serienerfinder Robert Rodat versteht, Spannung zu erzeugen, sofern man die nicht ganz so ansprechende erste Folge überstanden hat.

Ein schleppender Beginn

Man kennt ihn aus „Game of Thrones“. Iwan Rheon auf einem Szenenfoto aus der Serie „Those About to Die“
Man kennt ihn aus „Game of Thrones“. Iwan Rheon auf einem Szenenfoto aus der Serie „Those About to Die“ - © Amazon Prime Video

Damit kommen wir zum großen Manko von „Those About to Die“, denn der Einstieg in die Welt von Tenax und dem Wagenlenker Scorpus (Dimitri Leonidas) gestaltet sich weder narrativ noch audiovisuell auf dem zu erwartenden höchsten Niveau. Rund 14 Millionen Dollar standen Regisseur und Executive Producer Emmerich und Robert Rodat für die Umsetzung der ersten zehn Episoden zur Verfügung, ein Budget, das man dem Serien-Auftakt nicht unbedingt immer ansieht. Vor allem auf visueller Ebene liegt einiges im Argen. Das beginnt schon mit dem bemüht epischen Intro, das als Holzhammerhinweis auf die Blutströme dienen soll, auf denen Rom zweifelsfrei einst fußte.

Zumindest im Geiste hat sich die Produktion hier beim Einstieg an Game of Thrones bedient, ohne allerdings dessen Schönheit zu erreichen. Nachdem wir in den ersten Minuten dann Tenax kennenlernen, der soeben einen säumigen Schuldner ermorden ließ, erleben wir einen mäßig schön gerenderten Flug über Rom, während besagter Tenax uns aus dem Off in die Zeit und das Narrativ einführt. Die in den ersten Szenen gezeigte Ausstattung erweist sich erfreulicherweise als hochwertig und stimmig, ein Eindruck, der sich so auf die Spezialeffekte nicht übertragen lässt.

Der erste Blick auf Rom gerät beispielsweise nicht sehr viel ansprechender, als in diversen älteren Computerspielen. Da hat man sicherlich schon Besseres gesehen. Nach etwa dreieinhalb Minuten erhaschen wir einen ersten Blick auf die regietechnisch gut von Roland Emmerich umgesetzten Wagenrennen im Circus Maximus, wobei die Visualisierung auch hier nicht optimal ist. Zu künstlich wirken die Actionsequenzen, als dass man sich an dem Gezeigten uneingeschränkt erfreuen könnte.

Hopkins in Maßen

Anthony Hopkins auf einem Szenenfoto aus der Serie „Those About to Die“
Anthony Hopkins auf einem Szenenfoto aus der Serie „Those About to Die“ - © Amazon Prime Video

Tenax Ansprache aus dem Off zieht sich über beinahe sechs Minuten hin, bis Anthony Hopkins als Vespasian mit einer Ansprache an die Mächtigen Roms das Ruder übernimmt. „Those About to Die“ warb im Vorfeld vor allem mit dem Slogan, Hopkins würde den Cast anführen. Nach der Begutachtung der ersten beiden Episoden stellt sich dies jedoch mehr als Marketinggang, denn als Realität heraus. Auf die reine Screentime heruntergebrochen, bekommen wir Hopkins in den ersten zwei Stunden der Serie insgesamt höchstens zehn Minuten zu sehen, während, Dimitri Leonidas als Scorpus sowie Iwan Rheon als Tenax gemeinsam mit Domitian-Darsteller Jojo Macari den Löwenteil in Rom erhalten.

Im ersten Teil gesellt sich noch ein zweiter Erzählstrang in der nordafrikanischen römischen Provinz Numidien hinzu, in dem wir Cala, Kwame und seine beiden Schwestern kennenlernen. Die Römer führen hier ein strenges Regime und behandeln die Bewohner wie Sklaven. Als ein betrunkener Söldner in Calas Haus eindringt und beinahe ihre jüngste Tochter vergewaltigt, verteidigt die ältere sie und ersticht den Römer. Daraufhin werden beide versklavt. In der Zwischenzeit befindet sich Kwame mit einem Tierhändler auf der Jagd, um Löwen für das Bestiarium im Circus Maximus zu fangen. Die nun folgenden Szenen erinnern auf unangenehme Weise an Emmerichs Megaflop „10,000 BC“ von 2008, genauer gesagt an jene haarsträubenden Szenen mit dem Säbelzahntiger.

Statt eines steinzeitlichen Prädators bekommt es der Protagonist hier allerdings mit einem weißen Löwen zu, dem die Einheimischen magische Kräfte zuschreiben. Magisch wirkt an dem hakelig und plastikartig designtem Wesen auf dem Bildschirm nur leider gar nichts, so dass man sich unwillkürlich fragt, wo die 140 Millionen Dollar Budget für die erste Season genau gelandet sind. Dasselbe trifft übrigens eine Reihe von digitalen Matte-Paintings zu, denen man ihre Herkunft aus dem Rechner ebenfalls viel zu deutlich anmerkt.

Die Story nimmt Fahrt auf

Das ist schon etwas schade, zumal der Plot gegen Ende der Debütfolge merklich an Fahrt aufnimmt und in der zweiten dann richtig in die Gänge kommt. Denn Intriganten, Schergen, Meuchelmörder und Attentäter gibt es in Rom offensichtlich genug. Tenax ist auf seine Art ebenso ambitioniert wie Domitian und Titus, die Elite ist bemüht, ihren Status zu erhalten, die Gattinnen der Patrizier und Senatoren sind oftmals perfide und das einfache Volk leidet. Ablenkung bringt nur das altbekannte Brot-und-Spiele-Konzept, das Vespasian schamlos ausnutzt, um seine Macht zu erhalten und zu mehren.

Vor allem die Besitzer der vier Fraktionen, die im Circus Maximus in halsbrecherischen Wagenrennen gegeneinander antreten, gilt es im Zaum halten. Um dies zu erreichen baut der Imperator das berühmte Kolosseum, das voll unter seiner Kontrolle steht und mit dem er die Massen zu seinen Gunsten manipulieren kann. Kwame gerät als guter Krieger in diesen Strudel und wird in den kommenden Episoden nicht nur um sein Überleben kämpfen, sondern darauf hinarbeiten, den skrupellosen und arroganten Domitian zu töten.

Story-technisch steckt in „Those About to Die“ also eine Menge Konfliktpotential, das die Serie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Strömen von Blut tränken wird. Das fließt nämlich jetzt schon reichlich und satt. Ob sich das Format darüber hinaus von seinem mittelprächtigen Start erholen kann und das versprochene narrative Actionfeuerwerk abliefert, bleibt hingegen abzuwarten.

Fazit

Are you not entertained?
Are you not entertained? - © Amazon Prime Video

Puh, audiovisuell gibt bei „Those About to Die“ reichlich Luft nach oben, vor allem in Sachen Spezialeffekte. Hier ist partiell pures Mittelmaß angesagt. Einer Low-Budget-Produktion wie „Spartacus“ verzeiht man so etwas gerne, nicht aber einer Serie mit einem Budget von immerhin 14 Millionen Dollar pro Episode. Schon klar, in Staffel eins von The Lord of the Rings: The Rings of Power steckt rund das Dreieinhalbfache an Geld. Dennoch hätte sich hier optisch wesentlich mehr herausschlagen lassen, wenn Roland Emmerich beispielsweise auf die in dieser Form unnötige Einführung des Kwame verzichtet hätte.

Vom erzählerischen Standpunkt aus betrachtet, beginnt die Serie zwar verhalten, mausert sich dann aber schnell zu einem großen Ränkespiel mit spannenden, wenn auch etwas zu eindimensional gezeichneten Figuren. Insgesamt geht das bisher Gesehene also leicht über den Durchschnitt hinaus, spielt aber auch noch nicht in der obersten Liga, so dass wir bislang vorsichtig optimistisch sind.

Daher vergeben wir zunächst dreieinhalb von fünf Gladiatoren.

Hier auch noch der neue Trailer zu „Those About to Die“ auf Englisch:

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 19. Juli 2024

Those About to Die 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Those About to Die 1x01)
Titel der Episode im Original
Rise or Die
Länge der Episode im Original
56 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 18. Juli 2024 (Peacock)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 19. Juli 2024

Schauspieler in der Episode Those About to Die 1x01

Darsteller
Rolle
Johannes Haukur Johannesson
Rupert Penry Jones
Pepe Barroso
Gonçalo Almeida

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