The X-Files 9x04

The X-Files 9x04

Agent Monica Reyes wird ermordet und ihr Partner Agent Doggett angeschossen. Ein Serienkiller, der zwischen Parallelwelten hin- und herreisen kann, ist verantwortlich in dieser Episode aus der neunten und letzten Staffel von The X-Files.

Die Folge geht für niemanden so richtig gut los... / (c) FOX
Die Folge geht für niemanden so richtig gut los... / (c) FOX

Zugegeben, in der neunten und letzten Staffel von The X-Files wird es dann doch etwas schwierig, noch richtig gute Episoden ausfindig zu machen. Die spaßige Folge Improbable mit Burt Reynolds als Gott sticht noch als Ausnahme heraus, aber, was die Alienverschwörung angeht, ist Chris Carters Mysteryserie längst über den Hai gesprungen (siehe Jumping the Shark). Dies wird besonders im Serienfinale „The Truth“ deutlich, zu welchem wir beim nächsten Mal kommen.

4-D hingegen ist eine nette Einzelepisode, die es versteht, ein ansprechendes Mysterium aufzubauen und mit den Charakteren John Doggett (Robert Patrick) und Monica Reyes (Annabeth Gish) umzugehen weiß.

Agent down

Ähnlich wie die bereits besprochene Folge Monday lässt einen das Intro vor dem Vorspann erst einmal ungläubig zurück. Einen Verdächtigen beschattend, wird Agent Reyes von einem Serienkiller umgebracht, woraufhin Doggett die Verfolgung aufnimmt und den Mörder stellt. Einen Moment später steht dieser mit Monicas Waffee hinter Doggett und schießt. In diesem Fall dauert es noch länger, bis sich die Natur des ungewöhnlichen Phänomens der Folge offenbart, wodurch die Aufmerksamkeit des Zuschauers nach dem Intro erst einmal gewährleistet ist.

Doggett (Robert Patrick) hat einen Killer im Nacken. © FOX
Doggett (Robert Patrick) hat einen Killer im Nacken. © FOX

Andernorts ist Monica seltsamerweise gerade dabei, ihre neue Wohnung zu beziehen und bekommt Unterstützung von John, der mit einer Stärkung in Form von polnischen Würstchen vorbeischaut. Anders als bei Mulder (David Duchovny) und Scully (Gillian Anderson) wird bei den beiden Kollegen sehr schnell deutlich, dass sie wohl früher oder später den platonischen Pfad verlassen werden. Die ganze Szene ist mir immer sehr sympathisch gewesen, was daran liegen mag, dass der harte Hund Doggett sich dermaßen über sein leicht widerliches Fastfood freut. Dass ein Mann und eine Frau in „Akte X“-Land offenbar nicht zusammenarbeiten können, ohne sich gleich an die Wäsche zu wollen, ist natürlich etwas zum Augenrollen.

Ein Anruf von Skinner (Mitch Pileggi) informiert Reyes darüber, dass Doggett schwer verletzt im Krankenhaus liegt, was angesichts des polnischen Wurstgeruchs in ihrer Wohnung etwas komisch wirken muss. Ihr Partner ist aber in der Tat nicht mehr vor Ort, sondern angeschossen und bewusstlos im Krankenhaus, welches er - wenn überhaupt - nicht mehr auf seinen eigenen Beinen verlassen wird. Verständlicherweise ist Reyes verwirrt und vertraut sich Agent Scully an, die Reyes von einer Vision erzählt, die sie hatte, als ihr Vater verstorben war. Eine Referenz an die Episode Beyond the Sea aus der ersten Staffel.

FBI-Dream-Team © FOX
FBI-Dream-Team © FOX

Stressmacher der Finalstaffel ist Cary Elwes, der als FBI Assistant Director Brad Follmer eingeführt wurde, um intern für etwas mehr Drama zu sorgen. Das macht er auch ganz ordentlich, indem er Reyes in den Fokus der Untersuchung rückt. Schließlich wurde Doggett mit einer Kugel aus ihrer Waffe erschossen - auch wenn ihre Waffe gar nicht abgefeuert wurde. Erwin Lukesh (Dylan Haggerty), den wir im Episodenintro als Serienkiller kennengelernt haben, tritt hier frech als Zeuge auf und belastet Reyes zusätzlich. Dass tatsächlich er es war, verkündet Doggett schließlich, als er das Bewusstsein wiedererlangt. Allerdings kann er nur noch mit einem Finger am Sprachcomputer kommunizieren.

Too much Star Trek

Lukeshs Situation zu Hause, in der er mit seiner kontrollierenden Mutter lebt, erinnert nicht ganz unzufällig an Alfred Hitchocks Film „Psycho“. Wozu aber weder Norman Bats noch dessen Vorlage aus dem wahren Leben, Ed Gein, in der Lage waren: durch Dimensionsportale zu wandern. Eine Theorie, die Reyes ganz schön fix auf Lager hat und mit Doggett am Krankenbett teilt. Sie postuliert, dass Lukesh zwischen zwei Parallelwelten hin- und herwandert und in einer davon ein rechtschaffenes Leben führt, während er in der anderen Welt seinen kranken Fantasien freien Lauf lässt. Komisch nur, dass die Episode nicht unendlich viele Paralleluniversen einräumt, wie es zu der von Reyes erklärten Theorie passen würde. Noch seltsamer ist die sehr gezwungene Zusatzerklärung, auf die sie sofort kommt, um die Umstände der Folge wegzuerklären: Doggett sei Lukesh in die andere Welt gefolgt und hat den nativen Doggett somit aus seiner Dimension gedrückt. Ehm, okay... ?

Reyes (Annabeth Gish) am Krankenbett © FOX
Reyes (Annabeth Gish) am Krankenbett © FOX

Nach einem Verhör mit Lukesh begegnet Reyes dem Killer im FBI-Hauptquartier. Typisch Monica hat sie überhaupt kein Problem damit, dem Mann prompt ihre verrückte Theorie aufzutischen. Er hat angesichts fehlender Beweise gegen ihn ebenso wenig Grund dazu, sich zurückzuhalten und erzählt ihr im Vertrauen davon, wie er sie ermordet hat: „You bled just like a pig.“ Zu Hause muss er allerdings feststellen, dass Mutti ihm auf die Schliche gekommen ist und aus dem Weg geräumt werden muss. Das Saubermannuniversum ist somit besudelt und Lukesh ist nur noch auf Rache aus.

I would do anything for you, but I won't do that

Völlig ungewohnt gesteht Doggett bei einem weiteren Krankenbesuch seiner Kollegen ein, dass ihre Theorie absolut wasserdicht sei. Demnach müsste Reyes „ihren“ Doggett zurückbekommen, sofern der andere aus der Parallelwelt verschwindet. Schnell wird klar, dass der paralysierte Agent nur möchte, dass Reyes den Stecker zieht und ihn sterben lässt. Etwas, das zu seinem Charakter passt, aber selbst innerhalb der von Monica postulierten Regeln keinen Sinn ergibt. Johns Tod würde nichts an der Materie, die von der einen Welt in die andere gekommen ist, ändern. Quantenphysik ist zwar ganz schön crazy, aber eben nicht Esoterik.

Do you believe? Prove it! © FOX
Do you believe? Prove it! © FOX

Reyes weigert sich zunächst, ihrem Partner den Garaus zu machen und konzentriert sich mit Skinner und Follmer auf Lukesh. Dieser kann schließlich dank seiner Kräfte trotz bester Überwachung zur Agentin gelangen, welcher er die Schuld an allem gibt. Vermutlich hatte er seine Mutter in seinem Hobbyuniversum längst umgebracht und anscheinend gibt es wirklich zur zwei Parallelwelten in diesem Modell. Ein Präzisionsschuss von Follmer rettet glücklicherweise den Tag, worauf Reyes bereit ist, ihre Theorie zu beweisen und Doggetts Maschinen abzustellen. Dies führt nicht nur zu einem Doggett-Tausch, sondern einem praktischen, den Status quo wiederherstellenden Happy-End-Reset zurück zu den Würstchen.

Fazit

Wenn man nicht zu stark über die wackelige Physik von 4-D nachdenkt, kommt die Episode im Kontext der durchwachsenen Finalstaffel ziemlich gut weg. Das Rätsel wird mit dem Schockintro effektiv aufgebaut, auch wenn die Auflösung etwas Banane ist und viel zu schnell erraten wird. Dafür werden einige starke Momente mit Doggett und Reyes geboten, die sich nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr schnell nahe gekommen sind, und auch der schmierige Antagonist kann sich sehen lassen. Scully und Skinner kommen an dieser Stelle leider nur noch als Statisten vor und es darf ruhig hinterfragt werden, inwiefern Cary Elwes' auf Teufel komm 'raus stressige Serienfigur nötig war.

Verfasser: Mario Giglio am Sonntag, 29. November 2015
Episode
Staffel 9, Episode 4
(The X-Files 9x04)
Titel der Episode im Original
4-D
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 9. Dezember 2001 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 4. November 2002
Autoren
Steven Maeda, Michelle Williams, Cacey Riggan
Regisseure
Tony Wharmby, Neil Dainard, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode The X-Files 9x04

Darsteller
Rolle
Robert Patrick
Mitch Pileggi

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