The X-Files 8x04

The X-Files 8x04

Agent Scully findet sich irgendwo im Nirgendwo wieder, wo ein religiöser Kult einen schleimigen Wurm als Wiedergeburt Christi verehrt und noch einen Wirtskörper benötigt. Mehr zur X-Files-Folge Roadrunners in dem Classicreview.

Diagnose: Christuswurm / (c) FOX
Diagnose: Christuswurm / (c) FOX

X-Philes“ mussten sich in der achten Staffel von The X-Files an einen neuen FBI-Agenten an Agent Scullys Seite gewöhnen, nachdem David Duchovny die Serie vorläufig verlassen hatte. Das ging natürlich mit genauso viel Fangeschrei vonstatten, wie man es sich in jedem anderen Sci-Fi-Franchise vorstellen würde. Trotzdem gab es nach wie vor sehr gute Soloepisoden und zumindest interessante Mythologiefolgen. Roadrunners fällt in die erste Kategorie und ist gleichzeitig ein Appell an die Fans, Agent Doggett eine Chance zu geben.

Ich persönlich hatte nie etwas gegen Doggett. Robert Patrick hat stets einen mehr als passablen Job hingelegt und wären Mulder und Scully nicht sieben Jahre lang als Dreamteam hinter UFOs hergelaufen, würden viele die Serenfigur ganz anders bewerten. Gleiches gilt übrigens für Agent Reyes (Annabeth Gish) ab Staffel neun, wenn Ihr mich fragt. Den Frust um den aus der Serie geklauten Mulder kann ich natürlich dennoch bestens nachvollziehen.

Crazy Christians

Auch Scullys Benehmen gegenüber ihrem neuen Partner ist zunächst eher verhalten. So macht sie sich allein nach Utah auf, um den Fall eines zu Tode geprügelten Mannes zu untersuchen, der zuvor verschollen war. Doggett ruft sie lediglich aus einer Telefonzelle an, um ihn auf Recherchearbeit in den X-Aktenschrank zu schicken. Dass ihr Mobiltelefon in der Pampa keinen Empfang hat, war an dieser Stelle schon ein dermaßen ausgelutschtes Klischee, dass das Zeigen des „No Service“-Displays auf dem Mobiltelefon eher witzig rüberkommt und sich perfekt an die Horrorfilmreferenzen dieser Episode schmiegt.

Gestrandet im Nirgendwo... © FOX
Gestrandet im Nirgendwo... © FOX

Selbst Scully hat genug Gruselfilme gesehen, um schnell zu merken, dass etwas nicht stimmt, als sie in der kleinen, in der Zeit stehen gebliebenen Gemeinde weder ein funktionierendes Telefon ausmachen kann und ihr jemand „aus Versehen“ Wasser statt Benzin in den Tank kippt. Man kommt wirklich nicht umher, ein gewisses „Children of the Corn“- oder „Wicker Man“-Flair zu verspüren und als sich dann auch noch herausstellt, dass der gottverlassene Ort von einer christlichen Sekte bewohnt wird, macht es die Angelegenheit nicht weniger schaurig.

Ohne dass etwas Drastisches passiert wäre, nimmt Scully jedenfalls die Pistole mit ins Bett, welches sie nur widerwillig annimmt, angesichts der Tatsache, dass der nächste Ort mehrere Meilen entfernt ist. So skeptisch war Dana selten und noch geht nicht einmal etwas vermeintlich Übernatürliches vor sich. Am nächsten Morgen bittet der suspekte Hausherr sie, einen Blick auf einen weiteren Gast zu werfen, dessen Zustand nicht der beste ist. Als Zuschauer kommt uns der junge Mann gleich bekannt vor: Es handelt sich um den Hitchhiker aus dem Intro zur Folge, der von einem Bus mitten im Nirgendwo verschleppt und Zeuge des Mordes wurde, wegen dessen Scully nun hier ist.

Crazy Christen © FOX
Crazy Christen © FOX

Die FBI-Medizinerin stellt eine seltsame Wunde am Rücken des Mannes fest und entdeckt unappetitlicherweise einen parasitären Wurm, der sich an der Wirbelsäule des Wirtskörpers zu schaffen macht. Scully gelingt es, den Hitchhiker aufzupeppeln, doch es scheint, als würden die verrückten Christen auch ihn nicht gehen lassen wollen. In der Zwischenzeit hat Agent Doggett im FBI-Hauptquartier in Washington, D.C. Wind davon bekommen, dass Scully nicht an ihrem Zielort angekommen ist und macht sich ebenfalls persönlich auf den Weg nach Utah.

Thank God

Der junge Mann, der sich angeblich an nichts erinnern will, entpuppt sich als gehirngewaschen und ist auf der Seite der verschwörerischen Christen. In einem netten Twist stellen wir dies vor Scully fest, ausgerechnet, als sie ihm ihre Waffe überlassen hat, um nach Hilfe Ausschau halten zu gehen. „We need another swap“, sagt der im Sterben liegende seinen Verbündeten. Was das bedeutet, soll Scully am eigenen Leib erfahren, nachdem die Dorfbewohner den aktuellen Wirt zu Brei geschlagen haben. Ein Mordserienmuster, das sich in den letzten zehn Jahren stets wiederholt hat, wie Doggett andernorts feststellt.

Der Messias hat sich gut eingenistet. © FOX
Der Messias hat sich gut eingenistet. © FOX

Scully beschwört ihre Angreifer, ihr den widerlichen Wurm nicht in den Körper zu setzen, da sie schwanger sei. Als die Sektenmitglieder das nicht hören wollen, lässt sie in dieser Szene nach über sieben Staffeln christlich-akademischer Reserviertheit endlich einmal alles raus und flucht wie ein Seemann: „You son of a bitch!“ - Amen.

Zum Glück eilt Agent T-1000 bereits zur Rettung und kann Scully, die trotz des heiligen Würmchens ihre Gerissenheit bewahrt hat, ausmachen und zum Gemeindebus bringen, wo er ihr den Parasiten in einer recht gorigen Szene aus dem Rücken schneidet, ehe er ihr Gehirn übernimmt. Die Kultmitglieder versuchen, den Bus zu stürmen, doch ein gezielter Schuss von Doggett macht Wurmpüree und die Gemeinde zieht ungläubig und deprimiert von dannen. Sie hatten geglaubt, der Wurm sei die Wiederkunft Christi gewesen.

Und in der achten Staffel schuf Gott den Christuswurm. © FOX
Und in der achten Staffel schuf Gott den Christuswurm. © FOX

Abschließend gelobt Scully schließlich, ihren neuen Kollegen in Zukunft stärker einzubeziehen.

Fazit

Roadrunners mag keinen cleveren Episodentitel haben, ist dafür aber eine solide „Monster of the Week“-Episode, die an viele klassische Horrorfilme und vor allem auch die Werke von Gruselfürst H. P. Lovecraft erinnert, dessen Geschichten oft vom Erwachen alter Gottheiten und verschwörerischen Anhängern dieser Wesen handeln. Nur, dass die alte Gottheit in diesem Fall Jesus Christus in Form eines schleimigen Wurms gewesen sein soll.

Breaking Bad-Schöpfer Vince Gilligan hat abermals das Drehbuch beigesteuert und Regisseur Rod Hardy lieferte eine der gorigsten Episoden der späteren X-Files-Staffeln ab. Auf der Darstellerseite hat Gillian Anderson sich klar dafür entschieden, kein hilfloses Horrorfilmopfer in der Bredouille, sondern die proaktive Heldin zu mimen, die fast noch mehr in einen Actionfilm gepasst hätte. Sie von Anfang an den Braten riechen zu lassen, brachte sie zudem gleich auf die Seite des Zuschauers, der nach so vielen X-Akten, genau wie sie, einfach schon zu viel gesehen hat, um blind in die Falle zu laufen.

Zu guter Letzt die Annäherung zu ihrem neuen Kollegen, der sich wirklich seit seinem Auftauchen zu Beginn der Staffel bemüht und sich trotz seiner Skepsis in sämtliche X-Files eingelesen hat. Möchtegerngötter in der Pampa zu bekämpfen, schweißt zusammen und Doggett die Chance zu geben, sich beweisen zu können, war an dieser Stelle genau das Richtige und etwas, das hoffentlich auch einige Zuschauer mit dem Charakter versöhnt hat.

Verfasser: Mario Giglio am Sonntag, 22. November 2015
Episode
Staffel 8, Episode 4
(The X-Files 8x04)
Deutscher Titel der Episode
Gesteinigt
Titel der Episode im Original
Roadrunners
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 26. November 2000 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Oktober 2001
Autoren
Vince Gilligan, Michelle Anne Johnson, Cacey Riggan
Regisseure
Rod Hardy, Farrah Forke, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode The X-Files 8x04

Darsteller
Rolle
Robert Patrick

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