The X-Files 6x14

The X-Files 6x14

Ein und derselbe Tag wiederholt sich immer und immer wieder in der X-Files-Episode Monday aus der sechsten Staffel. Können Mulder und Scully den Bankräuber mit der Bombe aufhalten und die Zeitschleife durchbrechen?

Die Woche fängt nicht gut an... / (c) FOX
Die Woche fängt nicht gut an... / (c) FOX

Zwischen der fünften und sechsten Staffel von „Akte X“ wurden die Fans 1998 mit einem Kinofilm verwöhnt, auf den wir hoffentlich auch noch mal genauer eingehen können. In diesem wurde die Alienstoryline fortgeführt, weiter auf die Verschwörung des Syndikats eingegangen und am Ende die X-Akten wiedereröffnet, nachdem in Staffel fünf abermals der Riegel vorgeschoben worden war.

In der sechsten Staffel ging es also wie gewohnt mit Agent Scully (Gillian Anderson) und Mulder (David Duchovny) weiter. Heraus sticht dabei neben dem Mythologiezweiteiler Two Fathers (1) und One Son (2) sowie der aberwitzigen Freaky-Friday-Doppelfolge Dreamland (1) und Dreamland II (2) die alleinstehende Time-Loop-Episode Monday.

I don't like mondays

Im Intro-Teaser zur Episode werden wir gleich mitten in die Handlung geworfen, die sich dem Gimmick der Folge gemäß noch mehrfach abspielen wird. Ein Bankraub, bei welchem Mulder und Scully zugegen waren, lief für niemanden besonders erfolgreich: Mulder ist bereits tödlich angeschossen worden und, als das Sondereinsatzkommando das Geldinstitut stürmt, betätigt der Räuber seine Sprengstoffweste und jagt das Gebäude in die Luft. Da wir von der Zeitschleife noch nichts wissen, kann dies nur als sehr effektiver Episodeneinstieg bezeichnet werden.

Mulder (David Duchovny) wants to shoot the whole day down. © FOX
Mulder (David Duchovny) wants to shoot the whole day down. © FOX

Die Wiederholung des Tages beginnt mit Mulders Montagmorgen, der sich als recht unglücklicher Wochenstart erweist. Sein geschmackvolles Wasserbett hat in der Nacht leckgeschlagen und sein Schlafzimmer inklusive noch geschmackvollerer Spiegeldecke (beides Überbleibsel aus dem oben erwähnten Körpertauschabenteuer „Dreamland“) steht unter Wasser. Dies führte dazu, dass auch sein Wecker und sein Mobiltelefon den Dienst quittiert haben und Mulder zu spät zum spannendsten FBI-Meeting in der Geschichte des Bureaus kommt. Anstatt aber Scully und Skinner (Mitch Pileggi) umgehend beim Kriminalstatistikerschnarchfest Gesellschaft zu leisten, muss er noch kurz einen Scheck zur Bank bringen, damit sein Vermieter ihm nicht noch mehr aufs Dach steigt.

Auf dem Weg begegnet er im Vorbeigehen Pam (Carrie Hamilton), der Freundin des Bankräubers (Darren E. Burrows), die sich als einzige über die Zeitschleife bewusst ist und als Cassandra der Episode machtlos ist, etwas gegen den immer wieder gleich ausgehenden Tag zu unternehmen. Dieses Mal guckt Mulder sie allerdings an, so als würde sich ein kleiner Teil von ihm doch an sie erinnern. Ein Beweis dafür, dass die Dinge nicht immer gleich ablaufen müssen. Es kommt trotzdem, wie es kommen muss: Mulder betritt die Bank, der Überfall findet statt, Scully kommt hinzu, ihr Partner wird angeschossen und BOOM!

Bankräuber Bernard (Darren E. Burrows) © FOX
Bankräuber Bernard (Darren E. Burrows) © FOX

Und täglich grüßt das Muldertier

Die folgenden Wiederholungen des Tages fangen ganz im Stil von „Groundhog Day“ immer wieder mit Mulder an, wie er in seinem klatschnassen Bett erwacht. Kleine Details können bei jedem Durchgang unterschiedlich sein und führen, dem Schmetterlingseffekt sei dank, zu stets anderen Versionen des Banküberfalls, der dennoch jedes Mal mit der Detonation und dem Tod der Agenten endet. Die fünf Durchläufe, die wir zu sehen bekommen, sind jedoch nicht annähernd die gesamte Anzahl an Wiederholungen, die Pam, die schließlich auch auf Mulder zugeht, bereits den Montag durchlebt hat. Wie bei Bill Murray im nicht unähnlichen Film können wir nur erahnen, wie oft die Zeit zurückgesprungen ist.

Pam (Carrie Hamilton); die Cassandra der Episode © FOX
Pam (Carrie Hamilton); die Cassandra der Episode © FOX

Wie Pam Mulder erklärt, hat sie schon alles Mögliche versucht, um die Zeitschleife zu durchbrechen, doch weder Anzeigen bei der Polizei noch Drogen im Kaffee konnten Bernard davon abhalten, in der Bank zu erscheinen. Fans der britischen Zeitreiseserie Doctor Who können den Banküberfall wohl getrost als fixed point in time bezeichnen. Das Raum-Zeit-Gefüge selbst scheint allerdings nicht wirklich zufrieden mit dem Ausgang des Tages zu sein und haut immer wieder auf den Resetknopf. Warum das so ist, unterschlägt die Episode clevererweise. Vielleicht befindet sich jemand in der Bank, der noch zu etwas Großem, Kosmischem bestimmt ist. So jemand, wie zum Beispiel ein mit Außerirdischen zu tun habender FBI-Agent oder die Mutter des Space-Heilands.

Durch wiederholtes Aufsagen der Phrase „He's got a bomb“ gelingt es Mulder schließlich, die Information in seinem Unterbewusstsein zu verankern, so dass sie auch nach dem Zeitsprung noch in seinem Kopf ist. So erkennt er beinahe auch Pam auf der Straße wieder und lässt diese während des Überfalls von Scully in die Bank eskortieren, um Bernard die Tat auszureden. Als dieser jedoch die Sirenen der sich nähernden Polizei hört, schießt er - und trifft dabei Pam, die sich in die Schussbahn wirft. „This never happened before“, sagt sie Mulder, ehe sie das Bewusstsein verliert.

Zeitschleife durchbrochen... © FOX
Zeitschleife durchbrochen... © FOX

Wie in „... und täglich grüßt das Murmeltier“ wird auch hier angetäuscht, dass die Zeitschleife sich ein weiteres Mal wiederholt. In der Tat ist es aber endlich Dienstag. Mulder musste die Nacht auf seinem Sofa verbringen und wurde nur auf ähnliche Weise vom Zeitungsboten geweckt, der ihm die Nachricht einer bei einem Banküberfall getöteten Frau liefert.

Fazit

Angeblich wurde Monday auch von der „Twilight Zone“-Episode „Shadow Play“ inspiriert. Viel offensichtlicher sind aber die Parallelen zum zeitlich nicht zu weit von der Folge entfernten Spielfilm „Groundhog Day“ von Harold Ramis. Dies ist aber noch lange kein Grund, von Abkupferei zu reden, denn zum einen ist die Zeitschleifenmechanik nicht gerade selten (wir hatten zum Murmeltiertag sogar eine Top 5 zu dem Thema), zum anderen verpackten Vince Gilligan (ja, der schon wieder) und John Shiban genügend originelle Ideen in ihrem Drehbuch, so dass es sich wie eine wunderbare X-File-Episode und nicht wie das Remake eines populären Films anfühlt.

Auch wenn es sich in diesem Fall nicht um eine Comedyepisode handelt, ist doch ziemlich viel Humor in der Folge gelandet, wie in Mulders Morgenmuffelszenen und dem langweiligen Meeting, dem Scully und Skinner beiwohnen, zu sehen ist. Vor allem dank Gastdarstellerin Carrie Hamilton, die wirklich den Eindruck erweckt, als habe sie denselben Tag hunderte, wenn nicht tausende Male durchlebt, bekommt „Monday“ dennoch dramatisches Gewicht und lässt Pams Tod am Ende der Episode bittersüß erscheinen, da er gleichzeitig einer Erlösung gleichkommt.

Verfasser: Mario Giglio am Sonntag, 8. November 2015
Episode
Staffel 6, Episode 14
(The X-Files 6x14)
Deutscher Titel der Episode
Montag
Titel der Episode im Original
Monday
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 28. Februar 1999 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 27. Dezember 1999
Autoren
Vince Gilligan, John Shiban, Ty Upshaw, Cacey Riggan
Regisseure
Kim Manners, Richard Riehle, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode The X-Files 6x14

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