The X-Files 5x12

The X-Files 5x12

Akte X - Die ulkigen Fälle des FBI wäre ein treffenderer Serientitel, wenn es um die Episode Bad Blood aus Staffel fünf geht. Mulder und Scully sind im Comedymodus, in einer Folge, die auch Freunde japanischer Filmklassiker aufhorchen lässt.

Böses Blut zwischen Scully (Gillian Anderson) und Mulder (David Duchovny)? / (c) FOX
Böses Blut zwischen Scully (Gillian Anderson) und Mulder (David Duchovny)? / (c) FOX

Dass The X-Files nicht immer bierernst sein muss, ist spätestens seit der Episode Humbug aus der zweiten Staffel bekannt. Die albernen X-Akten dabei nicht bloß Fußnoten, sondern haben mitunter die besten Episoden hervorgebracht und gehören neben den Monster- und Mythologie-Folgen zum dritten Standbein der Serie. Jose Chung's From Outer Space, X-Cops oder Hollywood A.D. sind weitere gute Beispiele dafür. Auch Gillian Andersons Lieblingsfolge ist eine davon: Bad Blood, geschrieben von Breaking Bad-Schöpfer Vince Gilligan.

Oh sh*!

Showdown gleich zum Episodeneinstieg: Mulder (David Duchovny) verfolgt einen Verdächtigen (Patrick Renna), rauft ihn zu Boden und treibt ihm einen Pfahl in die Brust. Der nachkommenden Scully (Anderson) zeigt er die Vampirzähne des Toten - die sich sofort als Attrappe erweisen. Upps!

Mit Vampident wäre das nicht passiert... © FOX
Mit Vampident wäre das nicht passiert... © FOX

Zurück im FBI-Hauptquartier beschließen die beiden Agenten, den delikaten Fall vorher noch einmal durchzusprechen, ehe sie bei ihrem Vorgesetzten Walter Skinner (Mitch Pileggi) antanzen müssen, um ihren Bericht abzugeben. Was folgt sind zwei sehr unterschiedliche Versionen der Geschichte, die durch die Brille des jeweiligen Erzählers mit einem gewissen subjektiven Kolorit ausgestattet wurde. Diese Erzählform führt auf Akira Kurosawas Film „Rashômon“ von 1950 zurück, in welchem verschiedene Personen Zeugenaussagen zu einem Verbrechen ablegen, was dazu führt, dass der Zuschauer die selbe Szene in unterschiedlichen Versionen zu sehen bekommt. Der Begriff „Rashômon-Effekt“ beschreibt deshalb diese Unzuverlässigkeit von Zeugen.

Scullys Version der Ereignisse

Laut Scully begann die Investigation mit einem typischerweise überenthusiastischen Mulder, der angesichts einiger toter Kühe und eines ausgenuckelten Menschen sofort die Existenz von Vampiren deklariert und keinen Respekt für Scullys Zweifel an den Tag legt. In der texanischen Kleinstadt, in welcher sich die Blutsaugerhatz abspielt, treffen die Ermittler auf Sheriff Hartwell (Luke Wilson), einen charmanten Gesetzeshüter, der Scullys medizinische Expertise (im Gegensatz zu gewissen anderen Personen) zu schätzen weiß.

Das komödiantische Timing von Duchovny und Anderson in diesen Szenen ist perfekt. Von der Leine gelassen, schafft es die Darstellerin der stoischen FBI-Agentin ohne Mühe, einen mit ihren ulkigen Gesichtsverrenkungen zum Lachen zu bringen. Und ihr Partner, der in Scullys Erzählung eine aufgeblasene Version seiner selbst spielt, trifft ebenfalls den Comedynagel auf den Kopf, wenn es um den doppelt fiktiven UFO- und Monsterjäger geht. Zu den Highlights gehört die scheinbar unnötige Obduktionen, zu der Mulder seine medizinisch bewanderten Kollegen verdonnert. Bei dieser kommt lediglich heraus, dass das Opfer Pizza gegessen hat (hmmm, Pizza!) und unter Drogen gesetzt wurde.

She works hard for the money. © FOX
She works hard for the money. © FOX

Zurück im Motel gibt Scully auf dem vibrierenden Bett ihre Ergebnisse zum besten, wird aber alsbald zu weiteren Überstunden geschickt, als eine zweite Leiche auftaucht. Auch diese weist im Magen die italienische Delikatesse auf, was Scully darauf bringt, wie die Drogen verabreicht wurden und schnellstens zu Mulder eilt, da er ihre bestellte Pizza verdrückt hat. Einen Scully-Action-Auftritt später ergreift der vermeintliche Vampir die Flucht und ein beinahe angeknabberter Mulder nimmt high wie ein Hochhaus die Verfolgung auf.

Mulders Version der Ereignisse

Bescheiden und bedacht berichtet Mulder seiner von vornherein genervten Kollegen von den ungewöhnlichen Ereignissen in Texas und der winzigen Eventualität, dass es sich ganz vielleicht und womöglich um so etwas ähnliches wie einen Vampir handeln könnte. Sheriff Hartwell kommt in seiner Story nicht ganz so gut weg. Er wird zum Dorftrottel mit schlechten Zähnen, was Scully trotzdem nicht davon abhält, sich wie ein Schulmädchen zu verknallen. Die beiden Männer machen sich, während Scully die Leiche aufschnibbelt, auf zum Friedhof und unterhalten sich über die verschiedenen Arten von Vampiren. Interessant ist, wie Mulder einige seiner Markenzeichen-Sonnenblumenkerne im Wagen des Sheriffs fallen lässt und dieser sie sofort aufhebt. Ein versteckter Hinweis, denn wie er später erläutert, leiden einige Vampirarten unter Zwangsneurosen und können gebundene Knoten und Unordnung einfach nicht guten Gewissens liegenlassen.

Falsche Zähne scheinen ein wiederkehrendes Motiv der Folge zu sein. © FOX
Falsche Zähne scheinen ein wiederkehrendes Motiv der Folge zu sein. © FOX

Eine eskalierende Situation im Wohnwagen-Park führt zum Fund der nächsten Leiche, von der Mulder Scully im Motel erzählt, woraufhin er sich einiges anhören muss. Nach dem Verzehr der Roofie-Pizza rettet Mulder sich im Angesicht des Vampirs mit dem Verstreuen von Chips, ehe Scully auf der Bildfläche erscheint und den Angreifer angeblich mitten in die Brust schießt - bevor dieser wie ein Flughörnchen losfliegt.

Anyway, I was drugged...

Die Episode endet allerdings nicht mit den beiden Storys der Agenten. In Texas erhebt sich die Leiche des Pseudo-Vampirs und versucht auch ohne spitze Beißer, den Pathologen anzufallen. Für Mulder und Scully geht es somit zurück in die Pampa, wo auf dem Friedhof die Suche nach dem blutsaugenden Unhold beginnt. Mulder vermutet, es handle sich tatsächlich um einen Vampir, aber einen, der keine scharfen Zähne besitzt und zu viele Horrorfilme gesehen hat. Für Scully steht währenddessen ein wenig Zeit mit Sheriff Charming auf dem Programm, der sich ebenfalls als Vampir mit illegalen Substanzen entpuppt und bedauert, dass sein Artgenosse es nicht so mit der Diskretion hat.

Essentially; exactly the way it happened. © FOX
Essentially; exactly the way it happened. © FOX

Mulder macht den flüchtigen Vampir in einem Sarg im Wohnwagen ausfindig, wird allerdings von einer ganzen Horde überwältigt, da sein Kruzifix-Baguette keine Wirkung zu haben scheint. Beide Agenten wachen am nächsten Morgen auf und die Wohnwagenkolonne ist von dannen gezogen. Wie ungezogene Kinder hocken Fox und Dana schließlich vor Skinner und müssen abermals die Drogen als Entschuldigung heranziehen.

Fazit

Bad Blood ist die wohl witzigste Comedy-Episode von The X-Files und eine großartige Folge insgesamt. Kunstvoll strukturiert und geschrieben, ist das Zusammen- beziehungsweise Gegeneinanderspiel von Anderson und Duchovny - das also nicht nur auf der Dramaebene funktioniert - das Salz in der Suppe. Dass vor allem Frau Anderson ganz schön den Schalk im Nacken hat, kann man auch in den zahlreichen Blooper-Videos zu den einzelnen Staffeln sehen. Zum Glück ist einiges davon auch einmal in einer Episode gelandet.

Verfasser: Mario Giglio am Sonntag, 1. November 2015
Episode
Staffel 5, Episode 12
(The X-Files 5x12)
Deutscher Titel der Episode
Böses Blut
Titel der Episode im Original
Bad Blood
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 22. Februar 1998 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 23. November 1998
Autoren
Vince Gilligan, Michelle Anne Johnson, Cacey Riggan
Regisseure
Cliff Bole, Clint Howard, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode The X-Files 5x12

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?