The X-Files 2x25

The X-Files 2x25

Wir springen mit unseren Classic Reviews zum zweiten X-Files-Staffelfinale mit dem Episodentitel Anasazi. Mulder kommt der Wahrheit in dieser Folge gefährlich nahe und muss dafür einen hohen Preis zahlen.

Mulder (David Duchovny) ganz nah an der Wahrheit / (c) FOX
Mulder (David Duchovny) ganz nah an der Wahrheit / (c) FOX

Die zweite Staffel von The X-Files war ein starkes Stück mit vielen bemerkenswerten Episoden und einer Menge Charakter- und Storyentwicklung. Die Entführung Scullys (Gillian Anderson), Konfrontationen mit dem Cigarette Smoking Man (William B. Davis) sowie die Rückkehr von Mulders Schwester Samantha und die Einführung des Alien-Bounty-Hunters waren einige der großen Events. Auf der anderen Seite lagen mit Folgen wie der Monstergeschichte The Host, dem Virenthriller F. Emasculata und der ersten Comedy-X-File Humbug starke Einzelepisoden vor. Genauer sehen wir uns heute allerdings das Staffelfinale Anasazi an.

Éí 'Aaníígóó 'Áhoot'é

Zugegeben, die Episode lädt zunächst ein wenig zum Augenrollen ein, da sie sich einer Konvention bedient, über die wir heute mit der Nase rümpfen würden: Der mystische, mit der Natur verbundene, in Rätseln sprechende amerikanische Ureinwohner in all seiner Klischeehaftigkeit. Immerhin wird die Figur des Albert Hosteen, der noch öfter in der Serie auftauchen wird, von dem authentischen Floyd „Red Crow“ Westerman gespielt, was die Angelegenheit nicht ganz so schlimm macht wie zum Beispiel im Fall von Chakotay (Robert Beltran) in Star Trek: Voyager oder Johnny Depp als Tonto in „The Lone Ranger“. In der Einstiegsszene orakelt er, dass der Boden etwas preisgeben wird und kurz darauf wird im Navajo-Reservat in New Mexico eine Leiche ausgegraben, die nicht menschlich erscheint.

In Dalaware ist es einem Hacker derweil gelungen, geheime Regierungsdokumente herunterzuladen, was eine verschwörerische Telefonkette in mehreren Sprachen auslöst, die beim Cigarette Smoking Man endet, der eloquent auf Deutsch antwortet. Es sei der Anruf, den er nie bekommen wollte, verkündet er den ebenfalls anwesenden Mitverschwörern. Hobbyufologen werden den Begriff MJ-12-Dokumente wiedererkennen, mit welchen die sogenannten Majestic Twelve gemeint sind - ein Geheimkomitee, welches angeblich von US-Präsident Harry S. Truman ins Leben gerufen wurde, um den Roswell-Zwischenfall zu untersuchen.

William B. Davis als Cigarette Smoking Man © FOX
William B. Davis als Cigarette Smoking Man © FOX

In seinem Apartment mit der galaktisch-bedeutungsschweren Nummer 42 bekommt Mulder (David Duchovny) daraufhin Besuch von seinen befreundeten Verschwörungstheoretikern, den Lone Gunmen, denen sogar einst ein kurzlebiges Spin-off spendiert wurde. Byers (Bruce Harwood), Frohike (Tom Braidwood) und Langly (Dean Haglund) berichten ihrem FBI-Kontakt von den Dokumenten und leiern ein Treffen mit dem Hacker an, bei welchem Mulder tatsächlich in den Besitz einer wertvollen Datenkassette kommt. Zuvor wird er allerdings noch Zeuge einer skurrilen Szene: Seine ältere Nachbarin hat ganz plötzlich ihren Ehemann erschossen.

Mulder ist außer sich vor Euphorie und versucht der zumindest neugierigen Scully zu erklären, wie bedeutsam die ergaunerten Unterlagen sind. Umso frustrierter ist er, als er die Dokumente öffnet, die lediglich aus Kauderwelsch zu bestehen scheinen. So denkt er zumindest, ohne auf die offensichtliche Antwort zu kommen, dass es sich um einen Code oder eine andere Sprache handelt. Zum Glück ist seine Partnerin ein bisschen cleverer unterwegs und erkennt sogar, dass es sich um eine Navajo-Codierung handelt. Als Superintendent Skinner (Mitch Pileggi), dessen Loyalitäten immer wieder in Frage gestellt werden müssen, Mulder schließlich auf die empfindlichen Dokumente anspricht, wird Spooky Mulder zu Punchy Mulder und verpasst seinem Chef eine.

Who's your daddy?

Vor dem anstehenden Disziplinarverfahren wird Scully zu ihren Vorgesetzten bestellt, die sie über ihren Partner ausfragen. Fun Fact: Einer der FBI-Mitarbeiter in dieser Szene wird von Serienschöpfer Chris Carter gespielt. Es ist offensichtlich, dass Agent Scully ihren Partner, den sie ursprünglich beschatten und diskreditieren sollte, nicht vor Wölfe werfen würde, doch riskiert sie damit selbst, ihren Job beim Bureau zu verlieren. Es folgt der größte DUN-DUN-DUUUUN!!!-Schockmoment der Folge:

Der Krebskandidat steht plötzlich bei William Mulder (Peter Donat) vor der Tür und begrüßt ihn als alten Freund. Es wird klar, dass der Vater von Fox Teil der Verschwörung ist und die Worte von Kontaktmann Deep Throat - „Trust no one“ - auch in der zweiten Staffel noch gelten. Der Raucher berichtet William, sein Sohn käme gefährlich nahe an eine Wahrheit heran, die in jedem Fall zu leugnen sei. Interessant ist dabei die Aussage, der Cigarette Smoking Man habe Fox die ganze Zeit beschützt und würde ihn sowieso nicht beseitigen lassen, um ihn nicht zum Märtyrer zu machen.

William (Peter Donat) und Fox Mulder (David Duchovny) © FOX
William (Peter Donat) und Fox Mulder (David Duchovny) © FOX

Scully setzt Mulder unterdessen die Pistole auf die Brust. Wenn sie schon ihren Job beim FBI aufs Spiel setzt, möchte sie wenigstens wissen, ob es sich auch lohnt und ob sie das Richtige tut. Aufschluss darüber soll die Dekodierung der Dokumente geben, welche die Wörter für „Ware“ und „Impfung“ enthalten. Mulder versucht gleichzeitig Mr. X (Steven Williams) mithilfe des auf seine Fensterscheibe geklebten X zu kontaktieren, wird aber von seinem Vater weggerufen, der ihm reinen Wein einschenken will. Bevor er ihm allerdings Details über seine geheime Arbeit beim State Department offenbart, wird er im Badezimmer ermordet. In einer klassischen „Medizinschrank auf, Medizinschrank zu - Buh, es steht jemand hinter dir!“-Szene erscheint Handlanger Alex Krycek (Nicholas Lea) und erschießt ihn. In der selben Nacht wird auch Scully von einer Kugel durch Mulders Fenster gestreift. Drama!

Abgesehen von dem schweren Verlust, den Mulder nur mittelgut verkraftet und erst einmal (wie sein Dad zuvor) zur Flasche greift, sieht es so aus, als habe er selbst seinen alten Vater auf dem Gewissen. Auf Scully ist auch in dieser Situation verlass. Sie veranlasst ballistische Untersuchungen und findet sogar heraus, dass Mulder mit LSD oder Amphetaminen in seiner Wasserleitung aggressiv gemacht wurde. Etwas, das auch seinem Nachbarn zum Verhängnis wurde. Zunächst weiß er die Bemühungen seiner Partnerin aber nicht zu schätzen und hält sie in seinem paranoiden Delirium sogar für eine Mitverschwörerin. Duchovny und Anderson beweisen in diesen Szenen zum x-ten Mal, wie fantastisch ihr Zusammenspiel ist.

Albert (Floyd Westerman); Scully (Gillian Anderson) und Mulder (David Duchovny) © FOX
Albert (Floyd Westerman); Scully (Gillian Anderson) und Mulder (David Duchovny) © FOX

Das Drama der beiden gipfelt darin, dass Scully ihren Partner anschießen muss, damit dieser nicht Krycek exekutiert. Zum Glück ist Scully eine gute Schützin und weiß einen Präzisionsschuss zu setzen, wie auch Albert aus der Einstiegsszene anmerkt, der die Dokumente für die Beiden übersetzt, während Mulder verarztet wird. Auch Scullys Name findet sich mit dem Wort „Test“ zusammen in den Schriftstücken, weshalb auch sie nach ihrer Entführung wissen möchte, was hinter all dem steckt und was eine seit den 40er-Jahren laufende Verschwörung mit ihr zu tun hat.

Albert berichtet Mulder von den Anasazi, einer 600 Jahre alten Kultur, die in New Mexico ansässig war und plötzlich verschwand. Die beiden Männer verstehen sich auf Anhieb, denn Albert glaubt, auch Mulder würde für seine Überzeugung und die Wahrheit alles aufgeben. So führt er ihn zu jener Stelle, an welcher der vermeintlich außerirdische Leichnam gefunden wurde. Dabei handelt es sich um einen im Boden vergrabenen Waggon, der über eine Luke in der Decke zugänglich ist. Im Inneren findet Mulder einen ganzen Haufen Alienleichen, die Narben von Pockenimpfungen vorweisen, ehe der Krebskandidat mit einem Sondereinsatzkommando aufkreuzt und den Waggon in Brand stecken lässt.

Aliens? Aliens! © FOX
Aliens? Aliens! © FOX

Fazit

Das Ende von Anasazi (1) ist ein Cliffhanger, der sich gewaschen hat und erst nach der Staffelpause zur Premiere der dritten Season mit der Folge The Blessing Way (2) aufgelöst werden sollte. Besonders gut herausgestellt wird, wie weitreichend die Alienverschwörung ist und wie obsessiv Mulder hinter der Wahrheit herläuft. Dabei werden wie immer weitaus mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet, aber mit eben diesem Anfüttern mit kleinen Wahrheitshappen hielt die Serie die X-Philes jahrelang bei der Stange. Peter Donat durfte in seinem letzten Auftritt als William Mulder noch einmal glänzen und der CSM wird noch stärker zum komplexen Antagonisten des Stücks hochstilisiert. Die Wahrheit ist da draußen, aber wohl doch noch nicht in greifbarer Nähe.

Verfasser: Mario Giglio am Sonntag, 11. Oktober 2015
Episode
Staffel 2, Episode 25
(The X-Files 2x25)
Deutscher Titel der Episode
Anasazi - Teil 1
Titel der Episode im Original
Anasazi (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 19. Mai 1995 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 2. Mai 1996
Autoren
Cacey Riggan, Kimberly Oja, Cacey Riggan
Regisseure
R.W. Goodwin, Gary Hershberger, Bruce Weitz, Barbara Williams, Kiele Sanchez

Schauspieler in der Episode The X-Files 2x25

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