The Winter King: Kritik zum Auftakt der Artusserie mit Iain De Caestecker

© ITVX/MGM+
Fans von Vikings, Game of Thrones und The Last Kingdom hergehört: Beim Streamingdienst MGM+ (ehemals Epix) ging am Wochenende die neue Fantasyserie The Winter King auf Sendung, die eine etwas erwachsenere Version der vielfach umgedichteten Artussage erzählt. Die zehnteilige Auftaktstaffel wurde in Zusammenarbeit mit dem britischen Privatsender ITV produziert, welcher mit dem sichtlich kostspieligen Prestigeprojekt seine neue Plattform ITVX etwas zu pushen versucht.
Die Titelrolle des späteren Königs Arthur übernimmt der schottische Schauspieler Iain De Caestecker (bekannt als Leo Fitz/„The Doctor“ aus Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.), wobei wir den britischen Volkshelden zunächst an seinem Tiefpunkt kennenlernen: ein verstoßener Bastard, der im gallischen Exil als Warlord wütet. Sein Druidenfreund Merlin, gespielt von Nathaniel Martello-White (One Dollar), versucht derweil auf der Insel die Verteidigung gegen den bevorstehenden Überfall der Sachsen vorzubereiten. Angesiedelt ist das alles Ende des 5. Jahrhunderts nach Christus, als der Fall des Römischen Reiches auch Britannien im Chaos zurückgelassen hatte, das sogenannte Dark Age.
Als Buch-Vorlage dienten die dreiteiligen „Warlord Chronicles“ des Schriftstellers Bernard Cornwell. Mit „Die Uhtred-Saga“ (im Original: „The Saxon Stories“) schuf jener auch die Basis für das eingangs erwähnte „Last Kingdom“. Sein „Winter King“ wird nun vom Kreativduo Kate Brooke (A Discovery of Witches, Bancroft) und Ed Whitmore (Manhunt, Rillington Place) auf die Bildschirme gebracht. Hierzulande kann man die Serie leider erst ab Januar 2024 bei MagentaTV sehen...
Worum geht's in der Serie „The Winter King“?
Die Auftaktepisode besteht aus zwei Blöcken, obwohl Arthur (De Caestecker) im Hauptteil zunächst nur eine kleine Rolle spielt. Dafür steht er aber im Zentrum der beiden besten Szenen, gleich ganz zu Anfang und ganz am Ende. Im Einstieg erleben wir die erzwungene Abnabelung von ihm und seinem Vater. High King Uther - ein sehr theatralisch aufspielender Eddie Marsan, bekannt aus Ray Donovan - verstößt Arthur, weil er ihn für den Tod seines Thronerben verantwortlich macht. Eigentlich wollte der Herrscher des südenglischen Reiches Dumnonia seinen unehelichen Sohn direkt enthaupten, doch der weise Merlin, der Arthur Schicksal für die Zukunft des Landes zu ahnen scheint, kann das abwenden.
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Anschließend sehen wir nach der alten „Save the Cat!“-Drehbuchschule, wie Arthur einen schwerverletzten Jungen namens Derfel rettet. Dieser wächst unter Merlins Patenschaft in Avalon schließlich zum Point-of-View-Charakter der Serie an, gespielt von Youngster Stuart Campbell (Baptiste). Auch verliebt sich der junge Krieger in die Priesterin Nimue (I May Destroy You), die sich aber bald gegen ihn und für den lebenslangen Dienst der Götter entscheidet. Dieser ganze Part, der den Großteil der ersten Episode ausmacht, ist leider nicht so spannend.

Getragen wird die Schwachstelle im Auftakt durch den Charismatiker Merlin, der in „The Winter King“ nicht als allmächtiger Zauberer dargestellt wird, aber dafür als besserer Medizinmann, dessen stärkste Waffe in der Politik liegt. Er lässt sich nicht herumkommandieren, da seine Loyalität keinem König gilt, sondern dem Land. Als er erkennt, dass der neugeborene Erbe Uthers im tiefsten Herzen böse ist, macht er sich auf nach Gallien, um Arthur zurückzuholen. Wobei nicht ganz einleuchtet, was Arthurs Herz reiner machen soll - immerhin ist auch er ein Massenmörder.
Als Hauptbösewicht stellt uns die Serie neben dem kaltherzigen Uther auch dessen untergebenen König Gundleus von Siluria vor, der von Knightfall-Veteran Simon Merrells gemimt wird. Als früher Christenkrieger sorgt er im hauptsächlich heidnischen England der damaligen Zeit für Angst und Schrecken. Auch erkennt Derfel bald, dass dieser Gundleus derjenige war, der seine Mutter und beinahe auch ihn selbst auf dem Gewissen gehabt hätte. Dass Uther ausgerechnet mit ihm gemeinsame Sache macht, könnte nicht nur für ihn ein Tabubruch sein.
Ähnlich wie bei „Game of Thrones“ beginnt „The Winter King“ mit einem zerstrittenen Reich, das sich zusammenraufen muss, um einer ausländischen Bedrohung standzuhalten. In diesem Fall sind das nicht die eisigen Untoten aus dem hohen Norden, sondern die „größte Bedrohung, die es gibt: die Sachsen“, wie es lustigerweise in der Titelkarte gleich zu Anfang heißt.
Übrigens gibt es noch ein paar weitere Parallelen zur Fantasyserie „GoT“ - bis hin zum stimmungsvollen Soundtrack -, was wahrscheinlich kein Zufall ist, da George R. R. Martin, der Vater des fiktiven Kontinents Westeros, bekannt dafür ist, sich recht großzügig an der englischen Geschichte zu bedienen. Jon Snow (Kit Harington) ist ein geradezu prototypischer Artuscharakter...
Wie ist die Serie „The Winter King“?
Alles in allem bietet „The Winter King“ einen erstaunlich starken Einstand. Die Fantasyserie von MGM+ und ITVX, die erst 2024 in Deutschland landet, kann sowohl mit hochwertigen Sets aufwarten als auch mit spannenden Charakteren und einer Story, an deren Qualität aufgrund ihrer jahrhundertelangen Überlieferung ohnehin kein Zweifel mehr bestehen kann.
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Richtig umgehauen hätte uns der Neustart aber nur, wenn auch der Mittelteil so packend gewesen wäre wie der Anfang und das Ende der ersten Episode, in der Hauptdarsteller Iain De Caestecker und der Merlin-Darsteller Nathaniel Martello-White eine besonders gute Figur machen. Für vier von fünf Kronen reicht es dennoch. Auf jeden Fall kann das Format die Wartezeit bis hin zum Start der neuen Staffel von House of the Dragon verkürzen.
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „The Winter King“: