Die Serienneuheit The White Queen begibt sich auf ähnliche Pfade wie das mächtige Game of Thrones. Doch neben der Abwesenheit von Drachen ist in der britisch-amerikanischen Koproduktion noch vieles andere zu bemängeln. Spaß macht TWQ trotzdem.

Rebecca Ferguson hat in ihrer Rolle der Elizabeth in „The White Queen“ noch einen weiten Weg vor sich, bis sie den Thron besteigen kann. / (c) BBC/ Starz
Rebecca Ferguson hat in ihrer Rolle der Elizabeth in „The White Queen“ noch einen weiten Weg vor sich, bis sie den Thron besteigen kann. / (c) BBC/ Starz

In der neuen Kostümserie The White Queen - einer Koproduktion der BBC und dem amerikanischen Kabelsender Starz - ist der Name Programm: Die besagte Königin, Lady Elizabeth Grey (Rebecca Ferguson), muss es in der Auftaktepisode über alle noch so schwerwiegenden Widerstände hinweg an die Seite ihres Traumkönigs schaffen. Sich abzeichnende Intrigen und ein Hauch von Magie runden das durchwachsene Gesamtwerk ab, das auf den The Cousins' War-Romanen von Philippa Gregory basiert.

Liebe mit Hindernissen

Die Liebesgeschichte, die im Zentrum der Pilotepisode von The White Queen steht, ist gleichzeitig ihr größtes Problem. So stehen die Chancen für eine Beziehung zwischen König Edward von York (Max Irons) und Elisabeth Grey, die der verfeindeten Familie der Lancastrians entstammt, denkbar schlecht:

Elisabeth ist nicht nur älter als ihr Schwarm, sondern hat auch bereits zwei Söhne aus ihrer Ehe mit - Moment! - einem Mann, der vom besagten Edward selbst ins Jenseits befördert wurde. Auch die Gegenpartei weiß von gewissen unangenehmen Zwischenfällen zu berichten, etwa von der Tatsache, dass - nun ja - die Königin der Lancastrians ihrerseits Edwards Vater und seinen Bruder ermorden und enthaupten ließ, um ihre Köpfe auf Pfähle zu stecken.

Game of Thrones II?

Da wir gerade über gepfählte Köpfe sprechen: Game of Thrones. Obwohl sich die Anfangssequenzen von The White Queen und dem Erfolgshit von HBO mit einem Mann in Bedrängnis nicht unähnlich sind, sollen die Vergleiche an dieser Stelle nicht ausufern. „The White Queen“ kann qualitativ kaum mit seinem großen Genre-Bruder mithalten, weder bezüglich der filmische Inszenierung noch von der dramaturgischen Komplexität her.

Zwar zeichnet sich in der BBC-Produktion das ansehnliche Budget ab, das sich für die zehn Episoden der ersten Staffel immerhin auf 25 Millionen Pfund belaufen soll. Doch im Gegensatz zum detailversessenen Game of Thrones erwecken einige Kostüme - zugegebenermaßen in den Augen eines Kostümlaien - einen allzu modernen Eindruck. Während man sich durchaus in einigen Landschaftsaufnahmen von The White Queen verlieren kann - besonders eine mächtige Eichenallee verströmt auf authentische Weise den Charme der Vergangenheit -, verdirbt einem das Grundproblem der Serie immer wieder den Sehspaß.

Elisabeth (Rebecca Ferguson) hat mit ihrer Mutter Jacquetta (Janet McTeer) eine starke und berechnende Frau an ihrer Seite. © BBC/ Starz
Elisabeth (Rebecca Ferguson) hat mit ihrer Mutter Jacquetta (Janet McTeer) eine starke und berechnende Frau an ihrer Seite. © BBC/ Starz

Liebe wider Willen

Zu den Faktoren, die Edward und seiner Elizabeth im Wege stehen, gesellen sich mit der Zeit noch erhebliche Stolpersteine hinzu. Leider begnügt sich die Serie damit, die sich trotz allem manifestierende Liebschaft nur unzureichend zu rechtfertigen. Ab dem Moment, da die Geschichte im Jahre 1464 an einem Ort mit dem klangvollen Namen Northamptonshire einsetzt, speist sich die Spannung der Auftaktepisode größtenteils daraus, ob es Edward ernst mit Elizabeth meint, bei der es sich schließlich nicht nur um das Mitglied einer verfeindeten Familie handelt, sondern die zu allem Überfluss auch noch einen gewöhnlichen Bürgerlichen zum Vater hat. Während Elizabeths Anziehungskraft schlichtweg durch eine geradezu unglaubliche Schönheit gerechtfertigt wird („there is not a man on earth who could ride past my daughter“), wird Elizabeths kompromisslose Hingabe wiederum mit dem guten alten „Wo-die-Liebe-hinfällt“-Prinzip legitimiert - und auch ein bisschen damit, dass Edward ja nun der König von England ist.

Harte Sitten und ein Übergriff

Elizabeths Mutter Jacquetta (Janet McTeer) hebt gegenüber ihrer Tochter die Notwendigkeit eines strategisch motivierten Heiratsbündnisses hervor („You may not fall in love with a York king unless there is some profit in it for you“). Zwar handelt es sich bei Edward zweifelsohne um eine gute Partie. Doch dass der adelige Spross versucht, Elisabeth zu vergewaltigen, wobei die holde Maid den Übergriff nur mit der Androhung von Selbstmord abwehren kann, sollte der jungen Liebe doch einen Dämpfer versetzen, oder?

Die Guten?

Janet McTeer stiehlt ihrer Serientochter als Lady Jacquetta die Show. Ihr Charakter vereint Weisheit und mütterliche Hingabe in sich, während sie gleichzeitig den Boden für die Einführung der Magie in die Handlung bereitet. Dank ihrer Abstammung von der „Flussgöttin Melusina“ kann Jacquetta ihrer Tochter als spirituelle Führerin dienen: „Magic is in our blood, Elizabeth.“ Während der Bestandteil des Übernatürlichen in der Pilotepisode noch etwas überflüssig erscheint, begeistert Jaceuetta eher in ihrem Pragmatismus: So ist die gestandene Frau sich durchaus über das politische Tagesgeschehen bewusst und weiß die Dinge aus einer emotionalen Distanz heraus zu analysieren. Sie ist zudem eine entschiedene Opportunistin.

Am bodenständigen, aber idyllischen Anwesen von Elizabeths Eltern regiert zwar die unschuldige Freude, die mit dem etwas angestaubten Bild von spielenden Kindern vergegenwärtigt wird. Doch in einer späteren Auseinandersetzung zwischen Jacquetta und der grantigen Mutter von Edward wird klar, dass diese Familie auch das Potenzial für eine kaltschnäuzige Bedrohlichkeit innehat.

Elizabeth selbst verkörpert fast schon zu plakativ die Unschuld und Friedfertigkeit. Unangenehmer fällt jedoch ihre ausgeprägte Naivität ins Gewicht, die aus unserer heutigen Sichtweise viel zu devot erscheint: „He asked me to lie with him and I refused. And if he dies I will regret that forever.“ Dies sagt sie - wohlgemerkt - über Edwards unschönen Übergriff.

Warum sich Elizabeth (Rebecca Ferguson) und Edward (Max Irons) derartig für einander begeistern; wird nicht ersichtlich. © BBC/ Starz
Warum sich Elizabeth (Rebecca Ferguson) und Edward (Max Irons) derartig für einander begeistern; wird nicht ersichtlich. © BBC/ Starz

Störfaktoren und Lichtblicke

Vereinzelt manifestieren sich kleine Ungereimtheiten, die die Umsetzung der Serie leider etwas lieblos erscheinen lassen. Elizabeth kann nicht nur Visionen empfangen, sondern soll im Rahmen eines alten Rituals auch ihre symbolische Zukunft aus einem Flüsschen ziehen. Doch leider spult sich das magische Band, das Elizabeth doch stoisch foot für foot aufwickeln soll, von alleine ein Stück wieder ab, ohne dass dies irgendjemanden zu stören scheint. Auch die überlange Sekunde, in der Elizabeth ihrem Edward verliebt in die Augen starrt, obwohl doch gerade polternd der Baron Rivers (Robert Pugh, Game of Thrones) auf der Bildfläche erschienen ist, raubt dem Format ein Stück seiner innerseriellen Glaubhaftigkeit. Auch Herden aus kichernden Hofdamen lassen The White Queen zeitweise eher wie ein Märchen für eine jüngere Zielgruppe erscheinen denn als ein düsteres Drama.

Vielversprechendes Licht auf die kommenden Episoden werfen in erster Linie die Mitglieder von Edwards Familie, die den künftigen König lieber an der Seite einer besseren Partie aus Frankreich gesehen hätten. Allen voran schreckt Edwards Cousin Lord Warwick (James Frain) nicht davor zurück, seinem Ärger auch lautstark Luft zu machen. Mit Warwicks bissigen Kommentaren geht so ein gewisser Humor einher, wobei seine unterschwelligen Drohungen für Spannung sorgen. Edwards Mutter Cecily, die von Caroline Goodall als kalkulierte Hexe porträtiert wird, muss durch Jaceuetta in der Pilotfolge eine schwere Kränkung hinnehmen. Doch bereits in Goodalls sehr kurzen Spielzeit kann die Schauspielerin sich so weit profilieren, dass man sich bereits jetzt vor ihrer Rache fürchtet.

Fazit

Edward und seine Elizabeth haben es nach verschiedenen Hindernissen in den Bund der Ehe geschafft. Zwar lässt sich das „Warum“ aufgrund der angesprochenen Faktoren nicht nachvollziehen, doch immerhin ermöglicht das „Wie“ ein teils packendes Mitfiebern. Während Max Irons in seiner Wut schauspielerisch noch einen etwas gestelzten Eindruck macht, beeindruckt er als Edward eher durch ein hohes Einfühlungsvermögen und - wenn auch schwer nachvollziehbare - leidenschaftliche Hingabe. Überhaupt herrscht zwischen Irons und Rebecca Ferguson eine gute Chemie.

Während es sicherlich ein gravierendes Manko darstellt, dass man die zu Grunde liegende Beziehungskonstellation nicht so recht glauben möchte, ist es durchaus möglich, sich durch The White Queen in eine andere Welt entführen zu lassen. Die Serie profitiert von einer Reihe gut angelegter Nebenfiguren, die ihr undurchsichtiges Treiben in den künftigen Episoden hoffentlich noch gravierend ausweiten werden. Es besteht die Aussicht auf schöne - teils unbekleidete - Menschen, Intrigen und die eine oder andere Gemeinheit. Ein ebenbürtiger Gegner für Game of Thrones ist die Serienneuheit trotzdem nicht.

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