The Waterfront 1x01

The Waterfront 1x01

Mit „The Waterfront“ hat Netflix eine Mischung aus Familiendrama, Romance und Crime ins Portfolio aufgenommen, die nicht perfekt, aber doch unterhaltsam ist.

Szenenfoto aus der Serie „The Waterfront“
Szenenfoto aus der Serie „The Waterfront“
© Netflix

Das passiert in der Serie „The Waterfront“

Die mächtige, reiche Familie Buckley lebt in The Waterfront schon seit Generationen in Havenport und betreibt dort Restaurants und Fischerei im großen Stil. Doch der Schein des unbegrenzten Reichtums trügt, denn der Clan ist hoch verschuldet.

Als Vater Harlan (Holt McCallany) nach zwei Herzinfarkten die Geschäfte an seinen Sohn Cane (Jake Weary) übergibt, dauert es also nicht lange, bis das Unternehmen in noch größere Schwierigkeiten als bisher gerät. Denn Cane hat sich darauf eingelassen, mit seinen Booten Drogen im Millionenwert zu schmuggeln. Als eines davon ausgeraubt wird, hat er ein Problem, denn der Besitzer des Heroins und Kokains ist ein ihm nur allzu bekannter Mann...

Streitpotential

The Waterfront“ gehört zu jenen Serien, die offensichtlich reichlich Zündstoff beinhalten. Weniger wegen ihrer explosiven Geschichte als vielmehr deswegen, weil das Format aufgrund des actionreichen Trailers Erwartungen weckt, die sich nicht vollständig erfüllen.

Eine nähere Begutachtung desselben offenbart denn auch, dass der Appetithappen recht irreführend geschnitten ist und weder einen brauchbaren Hinweis auf die Handlung noch auf den tatsächlichen Actionanteil enthält.

Um es einmal so ausdrücken: Ja, die Pilotfolge hat ein wenig davon, im Kern haben wir es aber mit einer Familiensaga zu tun. Das sollte eigentlich schon ein Blick auf die Autorenliste verraten, denn „The Waterfront“ stammt aus der Feder von Dawson's Creek-Erfinder Kevin Williamson, der allerdings auch das „Scream“-Franchise ins Leben rief und damit bewiesen hat, dass er auch düsterer kann.

Die Prämisse

Entsprechend haben die ersten Minuten des Debüts auch weniger Ähnlichkeiten mit der berühmten Dramaserie/Romance-Saga, sondern erinnern eher an ein handfestes Drogenspektakel. Ein Fischerboot mit einer großen Ladung Kokain und Heroin an Bord wird überfallen, die zweiköpfige Besatzung ermordet. Dieses Ereignis stellt das ohnehin problembehaftete Leben der Buckleys richtig auf dem Kopf.

Der Einstieg ist durchaus vielversprechend und macht neugierig. Wer sind die Menschen, mit denen wir es zu tun haben? Was treibt sie zum Schmuggel und woher wussten die Räuber von der Ladung des Boots? Das alles sind gute Fragen, die sich bereits in den ersten rund 50 Minuten klären.

Der Buckley-Clan besitzt die halbe Stadt, ist jedoch finanziell in eine arge Schieflage geraten. Vater Harlan ist die Unvernunft in der Person und verbringt sein Leben nach zwei Herzinfarkten und trotz Herzschrittmachers mit Alkohol und Affären. Sein Sohn Cane wollte eigentlich Football-Profi werden, leitet jetzt aber den maroden Fischereibetrieb. Um an dringend benötigtes Geld für die Tilgung von Bankschulden zu kommen, ließ er sich von seinem alten Kumpel Hoyt (Scott Deckert dazu überreden, Drogen hin und her zu schippern.

Kein „Narcos“

Jake Weary auf einem Szenenfoto aus der Serie „The Waterfront“
Jake Weary auf einem Szenenfoto aus der Serie „The Waterfront“ - © Dana Hawley, Netflix

Damit ist die Prämisse festgezurrt und das Drama nimmt seinen Lauf. Nun könnte man auf den ersten Blick glauben, wir haben es mit einem Narcos-Verschnitt zu tun, der einfach nur woanders stattfindet. Dass dem absolut nicht so ist, wird indes bereits in den kommenden Minuten klar. Die Drogengeschäfte dienen zwar als Aufhänger und spielen eine wichtige Rolle in der Erzählung, sie sind aber nicht der Kern des Narrativs.

Der beruht vielmehr in erster Linie auf der Familie und ihren Mitgliedern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir es mit einer ganze Menge Figuren zu tun bekommen, die alle ihr mehr oder weniger großes Päckchen zu tragen haben. Das gestaltet die Familienkonstellation nicht uninteressant.

Harlan ist ein harter Knochen, der in den 80er Jahren eine Weile lang mit südamerikanischen Kartells zusammenarbeitete, um das Imperium über Wasser zu halten. Cane ist eigentlich zu weich für den Job des Drogenschiebers und versucht seit jeher, sich seinem alten Herren gegenüber zu beweisen.

Seine Schwester Bree (Melissa Benoist) hatte - so klingt es in der Pilotfolge zumindest an - psychische Probleme und verlor deshalb das Sorgerecht für ihren Sohn. Mutter Belle (Maria Bello) duldet die Eskapaden ihres Mannes Harlan und unterstützte ihren Sohn bei seinen Drogenkurierambitionen.

Hinzu kommen Sheriff Clyde Porter (Michael Gaston), der DEA-Agent Marcus Sanchez (Gerardo Celasco) und Canes Frau Peyton (Danielle Campbell. Last but not least trifft Cane im Verlauf der Startepisode seine Exfreundin Jenna (Humberly Gonzáles) wieder, mit der sich eine Romanze anbahnt, obwohl beide verheiratet sind.

Soap Opera

Maria Bello auf einem Szenenfoto aus „The Waterfront“
Maria Bello auf einem Szenenfoto aus „The Waterfront“ - © Dana Hawley,Netflix

Wer nun auf eine gestandene Soap Opera tippt, liegt mit diesem Gedanken gar nicht mal so falsch, denn tatsächlich setzt das Debüt von „The Waterfront“ einen starken Fokus auf Familiendrama und love interests. Im speziellen Fall dieses Formats macht es allerdings die gut gelungene Durchmengung mit der Drogenthematik, die für Auflockerung und Spannung sorgt.

Neben der erwähnten Cold Open-Szene um den Überfall auf das Drogenboot sind hier vor allem die beiden gegen Ende der Folge etablierten Twists zu nennen, die für ein wenig Action und Aha-Effekte sorgen. Aus Spoiler-Gründen halte ich mich über den Inhalt beider Schlüsselmomente bedeckt, es sei jedoch angemerkt, dass sie entscheidend für den Fortgang der Geschichte sind. Wie es weitergeht, wird sich in den nächsten sieben Folgen zeigen - ein guter Anfang ist damit aber gemacht.

Fazit

Mir hat die Pilotfolge von „The Waterfront“ recht gut gefallen. Ich mag das Setting, die Locations und die Idee, Drama, Romance und Drogenaction miteinander zu kombinieren. In der Pilotfolge gelingt der Drahtseilakt zwischen den einzelnen Elementen im Übrigen gut. Es gibt weder zu viel vom einen noch vom anderen; dementsprechend geht es weder zu hart noch zu weichgespült zu.

Ich kann allerdings die bislang sehr gemischten Rezensionen gut verstehen. Der Trailer ist viel zu irreführend geschnitten und wer ein Actionfest erwartet, wird wahrscheinlich bitter enttäuscht. Andererseits spricht, wie erwähnt, der Name des Serienerfinders Bände darüber, wie dieser Erzählungen aufbaut, in denen das Thema Familie eine große Rolle spielt.

Dass gescheiterte Beziehungen, ein harter Patriarch und verflossene Liebe als Bezugspunkt fungieren, war also abzusehen. Wer auf beide Genres gut klarkommt und sich locker-flockig berieseln lassen möchte - ein netter Twist hier und da inklusive - kann mit dem Format also genauso viel Freude haben wie ich.

Von mir gibt es daher jedenfalls bisher vier von fünf Fischerboote.

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 20. Juni 2025

The Waterfront 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Waterfront 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Fast okay
Titel der Episode im Original
Almost Okay
Länge der Episode im Original
55 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 19. Juni 2025 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 19. Juni 2025
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 19. Juni 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 19. Juni 2025

Schauspieler in der Episode The Waterfront 1x01

Darsteller
Rolle
Holt McCallany
Jake Weary
Rafael Silva
Humberly González
Brady Hepner

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