The Walking Dead 1x05

Wildfire ist nicht nur eine sehr intensive Episode, sondern auch eine sehr persönliche. Ăber ihre gesamte LĂ€nge macht der Regie fĂŒhrende Ernest Dickerson hĂ€ufig Gebrauch von extremen Close-Ups bei zahlreichen Eins-zu-Eins-Dialogen. Obwohl: kann man sie Dialoge nennen? Wildfire handelt von Kommunikation: von Hoffnung und vom Sich-Abfinden mit dem Leben oder aber mit dem Tod, wie es / er auch kommen mag.
Unter extremen Bedingungen, ohne den Deckmantel der Zivilisation, steigen menschliche UnzulĂ€nglichkeiten und SchwĂ€chen an die OberflĂ€che. Eine davon: sich nicht die Zeit zu nehmen, mit anderen zu sprechen - und ihnen zuzuhören. Nach der recht schnellen EinfĂŒhrung der Figuren nimmt sich The Walking Dead diesmal die Zeit, diesen Figuren Tiefe zu geben und sie mehr tun zu lassen, als nur auf Zombies zu schieĂen und in Panik wegzulaufen.
Mit Wildfire versucht die Serie die Charaktere zu entblöĂen, ihre Beziehungen zu vertiefen. The Walking Dead ist nicht nur dann gut, wenn Zombies im Bild sind, sondern erst recht dann, wenn die Monster einen unsichtbaren Hintergrund bilden: ein Echo der verloren gegangenen Welt, mit der die Ăberlebenden umgehen mĂŒssen.
Womit sie aber erst recht umzugehen lernen mĂŒssen, das ist die abstrakte Hoffnung. In diesem Zusammenhang - und meiner Meinung nach zum richtigen Zeitpunkt - macht The Walking Dead, falls ich mich nicht falsch erinnere, einen groĂen Schritt weg von den Comics und schĂŒttelt ein As aus dem Ărmel: Rick (Andrew Lincoln) besteht darauf, dass die ganze Gruppe Richtung CDC (Centrum for Dicease Control) fĂ€hrt, um dort Hilfe zu suchen - denn im Lager besteht keine Sicherheit mehr. Auf diese Idee kommt er vor allem deswegen, weil Jim (Andrew Rothenberg) bei dem Angriff gebissen wurde und auf dem Weg ist, zum Zombie zu mutieren.
Shane (Jon Bernthal) ist dagegen, was zu einer Konfrontation zwischen den beiden Ex-Polizisten und Kollegen fĂŒhrt. Im Wald steht Shane kurz davor, Rick aus dem Hinterhalt zu erschieĂen. Er senkt seine Waffe im letzten Moment, aber nicht bevor Dale (Jeffrey DeMunn) das Ganze mitbekommt...
Die fĂŒr mich stĂ€rksten Szenen prĂ€sentiert The Walking Dead am Anfang und am Ende dieser Episode. Die lange Szene mit den beiden Schwestern Amy (Emma Bell) und Andrea (Laurie Holden) ist hervorragend inszeniert. WĂ€hrend um sie herum Zombies verbrannt werden und die Leichen einen Schlag ins Hirn bekommen, um dann vergraben zu werden, rĂŒhrt sich Andrea nicht vom Fleck. Sie lĂ€sst auch niemanden in ihre NĂ€he. Dann wacht Amy auf; zunĂ€chst sieht es so aus, als wolle sie ihre trauernde Schwester umarmen. Aber ihr einziges Begehren ist: Fressen! Andrea scheint auf diesen Augenblick gewartet zu haben, um sich von ihrer Schwester zu verabschieden. Sie entschuldigt sich bei ihr - und schieĂt ihr in den Kopf.
Neben dieser rĂŒhrenden Szene sehen wir in den ersten Minuten Rick mittels Walkie Talkie zu Morgan und seinem Sohn sprechen und sie vor Atlanta warnen - mitten in der Stille der Felder. Niemand antwortet: Es findet kein Dialog statt. Rick redet im Grunde genommen mit sich selbst. Morales und seine Familie trennen sich von der Gruppe und fahren ihre Verwandten in Alabama suchen. Der Rest fĂ€hrt letztendlich Richtung CDC... und muss sich unterwegs von Jim trennen, dessen Zustand immer schlimmer wird; er bittet Rick darum, ihn einfach am Wegrand zurĂŒckzulassen, damit er sterben, zu seiner Familie gehen kann.
Ricks Hoffnung, im CDC jemanden zu finden, erweist sich nicht als so abstrakt, wie die anderen denken. Zwar verbreiten die eindrucksvoll gefilmten Bilder des Platzes vorm CDC - voller verwesender Körper und summender Fliegen - ErnĂŒchterung unter den Ăberlebenden, aber es hĂ€lt sich im GebĂ€ude doch jemand auf: Wir sehen einen Wissenschaftler namens Jenner (Noah Emmerich), der eine Art Videotagebuch fĂŒhrt und uns mitteilt, dass die Forschungen zum Event "Wildfire" keine Fortschritte zu verzeichnen haben. Als ein weiteres Experiment schief geht und das computergesteuerte Anti-Kontaminations-Programm alle Proben vernichtet, bricht Jenner in Verzweiflung aus; bei seinem letzten Eintrag ins Tagebuch erwĂ€gt er Selbstmord.
Aber dann "klopft" es an der TĂŒr - und nach anfĂ€nglichem Zögern öffnet er und lĂ€sst Rick & Co. ein. Das letzte Bild der Episode ist von Licht erfĂŒllt, mitten in der DĂ€mmerung um das CDC-GebĂ€ude, die die Toten bringt. „We're at the ragged edge here. We need relief“, sagte Rick am Anfang der Episode. Haben sie diese Erleichterung nun gefunden?
Verfasser: Vladislav Tinchev am Montag, 29. November 2010(The Walking Dead 1x05)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 1x05
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