The Walking Dead - The Ones Who Live: Years - Review der Pilotepisode

The Walking Dead - The Ones Who Live: Years - Review der Pilotepisode

Ein großer offener Plot in „The Walking Dead“ war bislang der Verbleib von Rick, der in Staffel neun nach einer folgenschweren Rettungsaktion ausgeflogen und fortgeschleppt wurde. Michonne nahm später die Spur auf. Nun will die Serie „The Walking Dead: The Ones Who Live“ erklären, wie es beiden ergeht und ob sie sich finden...

Andrew Lincoln in der Serie „The Walking Dead: The Ones Who Live“
Andrew Lincoln in der Serie „The Walking Dead: The Ones Who Live“
© AMC

Von Filmen zur Miniserie

Der Weg bis zu The Walking Dead: The Ones Who Live war lang und wendungsreich. In der neunten Staffel wurde Rick Grimes (Andrew Lincoln) in einer relativ merkwürdigen Art und Weise in der Folge What Comes After aus der Serie entfernt, so dass er zwar dem Tode nah war, aber doch klar wurde, dass der einstige Protagonist und Held noch mehr Story vor sich hat...

Diese sollte zunächst in Kinofilmen erzählt werden, die lange Zeit ohne Update daherkamen, ehe 2022 bei der San Diego Comic-Con daraus eine Miniserie mit einem anderen Arbeitstitel als derjenige wurde, der nun via AMC, AMC+ und MagentaTV in Deutschland auf Sendung geht.

Sechs Folgen sind zunächst geplant und angekündigt war eine Miniserie, aber das hat bei AMC auch in den Fällen von The Walking Dead: Dead City und The Walking Dead: Daryl Dixon niemanden davon abgehalten, Bestellungen zu Staffel-Fortsetzungen zu tätigen... Wahrscheinlich wird es hier bei SERIENJUNKIES.DE® eine wöchentlich Besprechung der neuen Produktion durch mich geben.

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Zombie-Hausaufgaben

The Walking Dead: The Ones Who Live“ baut dabei auf mehreren Serien des Franchises auf. Darunter natürlich vor allem die Mutterserie „TWD“, aber auch - so viel kann man in diesem Intro schon andeuten - Zusammenhänge aus Fear the Walking Dead und The Walking Dead: World Beyond werden aufgriffen oder, sagen wir mal, alle Formate, in denen die CRM aka Civic Republic Military eine Rolle spielt.

Man muss nicht zwingend alles gesehen haben und so, wie sich das Franchise in den letzten Jahren nach der Boomphase entwickelt hat, ist die Fanbase ohnehin massiv zusammengeschrumpft, aber es kann helfen, rudimentäre Kenntnisse mitzubringen beziehungsweise einige easter eggs zu entdecken. Auch mit neun Staffeln von „TWD“, also bis zu Ricks Ausstieg oder dem von Michonne (Danai Gurira), sollte man zurechtkommen. Ganz ohne „TWD“-Erfahrung könnte es hingegen schwierig werden.

Was passiert in der Folge „Years“ der Serie „The Walking Dead: The Ones Who Live“?

Die Zuschauer sehen einen Rick am Tiefpunkt, der bereit dazu ist, sich mit einer Scherbe umzubringen und dabei betont, dass er in den Jahren in Pennsylvania alles versucht hat, um zu Michonne, Judith und RJ zurückzukehren. Viermal ist er geflohen und ein Flashback, der fünf Jahre nach dem Brückenvorfall angesiedelt ist, zeigt einen Rick an einer Leine seiner Aufpasser, der bereit dazu ist, seine Hand zu opfern, um seinen Wachen zu entkommen. Doch das Militärkommando lässt ihn einfach nicht, wobei mehrere Personen hier etwas zu melden haben. Major General Beal (Terry O'Quinn) dürfte dabei der Ranghöchste sein.

In dieser Gemeinde muss man sich jedenfalls jahrelang beim Beseitigen von Zombies bewiesen, um eine Chance zu haben, in die Stadt zu kommen oder man schlägt einen Weg beim CRM ein, wobei nur die Besten dazu zugelassen werden. Eigentlich ist Rick dafür wie gemacht, doch sein sturer Geist und sein Drang, zu seiner Familie zurückzukehren, stehen ihm dabei im Weg. Bis er sich dazu entscheidet - beeinflusst durch Kumpel Esteban (Frankie Quinones) -, Teil der Elite-Einheit zu werden; aber nur, um dann vom Inneren seine Pläne weiterzuverfolgen...

No Escape for the Living

Craig Tate als Donald Okafor in der Serie „The Walking Dead: The Ones Who Live“
Craig Tate als Donald Okafor in der Serie „The Walking Dead: The Ones Who Live“ - © AMC

Das CRM-System kennen wir schon ansatzweise aus „TWD“, „FtWD“ und „TWD: WB“, aber bis auf „World Beyond“ haben wir es wohl noch nie so detailliert erlebt. Craig Tate sticht als Ricks direkter Aufseher/Vorgesetzter/Ausbilder Donald Okafor positiv hervor. Er scheint selbst etwas desillusioniert darüber zu sein, wie sich das CRM als System entwickelt und will deswegen andere „A“s trainieren, die es von innen umkrempeln.

Einst wurde das „A“-/„B“-System von Jadis (Polyanna McIntosh) eingeführt und immer wieder aufgegriffen, aber die rationalste beziehungsweise verständlichste Erklärung liefert wohl er uns endlich. Zu viele A-Personen sind nicht gewollt, weil die Persönlichkeiten zu stark und polarisierend sein können. B-Personen kann man brechen und formen und zum Teil der Gemeinschaft machen. So, etwas vereinfacht, kann man es wahrscheinlich herunterbrechen.

Ebenfalls zu den „As“ gehört Thorne aka Lesley-Ann Brandt, die aus der südafrikanischen Navy stammt und zusammen mit Rick von Okafor herausgepickt wird, um den Anführer-Nachwuchs zu stärken.

Welcome to the CRM

Okafor gehörte offenbar auch zu denjenigen, die einst schwierige Entscheidungen treffen mussten. Denn, als Großstädte wie Atlanta (siehe „TWD“) oder Los Angeles (siehe „FtWD“) bombardiert wurden, war Pennsylvania als Nächstes dran. Doch man entschied sich für das Gegenteil und attackierte einen Stützpunkt mit 4000 Militärs (darunter seine Frau Estelle) und nahm das Schicksal so in die eigene Hand, so dass daraus irgendwann das CRM entstehen konnte. So viel vielleicht erst einmal zu den wichtigsten Hintergründen auf Story-Ebene.

Die Serie an sich macht einen hochwertigen Eindruck und sieht cinematischer aus als „The Walking Dead“ es je tat. Vielleicht ist es ein Unterschied, ob per Film oder digital gedreht wird, aber die Bilder sehen für mich schärfer aus. Die brennenden Zombies beispielsweise auch aufwändiger. Dazu kommt ein gewisser militärischer Bombast und eine größere epische Breite, die uns präsentiert wird. Bei The Walking Dead: Daryl Dixon gab es derweil natürlich die schönen französischen Landschaftsaufnahmen und Settings, die sich von anderen Serien aus dem Zombie-Franchise unterschieden.

Für mehr dazu könnt Ihr gerne noch einmal in unsere Podcasts reinhören:

Gleichzeitig ist man als Fan der Mutterserie durchaus interessiert an den Figuren, die man länger nicht gesehen hat. Das Schicksal von Rick und Michonne finde ich spannender als etwa die Streithähne Maggie (Lauren Cohan) und Negan (Jeffrey Dean Morgan) aus „The Walking Dead: Dead City“ und die Aussicht auf eine tighte Miniserie mit festem Ende ist auch vielversprechender als eine künstliche Erweiterung auf Biegen und Brechen. Insgesamt tun die kleinen Dosen den Ablegern aber besser als die langen bis zu 24-teiligen Staffeln, auch wenn es nicht immer 50-Minuten-Folgen sein müssen.

Die erste Folge kommt mit einigen Traumsequenzen und Flashback-Stücken zu „Richonne“ daher, die okay, aber nicht immer ganz zielführend sind. Diesmal liegt der Fokus sehr stark auf Rick, was sich wahrscheinlich in den anderen Episoden noch ändern wird.

Neben den netten Trainingsmontagen habe ich den Eindruck, dass die Dialoge zwar immer noch nicht preisverdächtig sind, aber etwas besser ausgearbeitet als sie etwa in den späteren „TWD“-Staffeln waren. Es macht jedenfalls mehr Spaß, Ricks Schicksal zu folgen als in den Staffeln acht und neun oder in einigen Bonusepisoden während der Pandemie.

Das Ende von Omaha als Neuanfang für Rick

Trotz vieler Rückschläge gibt Rick seinen Kampfgeist nicht auf: Er schreibt Michonne Briefe, in denen er seine Gefühle festhält (hatte Carl das von ihm?) und hangelt sich von einem Tag zum nächsten. Irgendwann sieht er jedoch ein, dass er vielleicht am kürzeren Hebel sitzt und fügt sich doch der Maschine. Bis zum Zeitpunkt in der Gegenwart, als er mit seinem Chef im Heli sitzt, ihn von seinem Bauernvater erzählt, der seine Ernte sabotiert hat, um neu anfangen zu können - und dann von unbekannten Angreifern attackiert wird.

Die blutige Heli-Attacke - und auch schon Ricks vorherige Attacke mit einem Messer auf Okafor - ist gut inszeniert und markiert wohl das Ende von Okafor, was fast schon schade ist, weil manch andere Serie viel uninteressantere Antagonisten viel länger mitgeschleift hatte... Ebenfalls clever ist RickGyver, der sich bei einem Fluchtversuch sogar einen passenden Zombiekörper für ein Tauschmanöver besorgt hatte.

Comicfans erleben derweil ab sofort auch den einhändigen Rick, was in den Comics schon seit dem Governor-Arc (David Morrisey) der Status quo von Rick war, aber in der TV-Serie eher auf Merle (Michael Rooker) und Aaron (Ross Marquand) geremixt wurde.

Wiedersehen macht Freude!

Michonne in neuer Montur in der Serie „The Walking Dead: The Ones Who Live“
Michonne in neuer Montur in der Serie „The Walking Dead: The Ones Who Live“ - © AMC

Diejenigen, die Rick und die CRM-Mitglieder vom Himmel geholt haben, sind jedenfalls sehr gut bewaffnet und mutig genug, sich so einer großen Armee entgegenzustellen und überraschenderweise verschwenden die Macher auch keine weitere Zeit. Denn unter ihnen befindet sich Michonne in voller Samurai-Montur, die - wie es der Zufall so will - recht schnell auf Rick trifft und ihn demaskiert. Halleluja! Nun kann man sich natürlich fragen, was die Serie noch erzählen will, aber die Auftaktfolge macht bereits deutlich, dass es sehr schwer wird, sich dem Einflussbereich des CRM zu entziehen, wenn man einmal Teil davon ist...

Ich nehme also an, ohne die beiden weiteren zur Verfügung gestellten Folgen bisher gesehen zu haben, dass wir auch noch Michonnes Perspektive sehen und dann vielleicht einen Plan für den Umsturz oder die Flucht nach Hause präsentiert bekommen. Vielleicht erhalten wir dann ein Update zur Entwicklung des Commonwealth unter der Führung von Ezekiel (Khary Payton), Carol (Melissa McBride) und Co? Immerhin hatte Carol in einem Funkspruch zu Daryl (Norman Reedus) schon von einer Rückkehr gesprochen...

Fazit

Ich bin überrascht, wie gut mir der Auftakt mit dem Namen Years dieses inzwischen sechsten Ablegers von „The Walking Dead“ gefallen hat. Vielleicht war es der Rick-Entzug, vielleicht gibt man sich für die Miniserie (?) aber auch einfach mehr Mühe, weil es schwieriger sein dürfte, Lincoln und Gurira auf Dauer zu halten, weil sie viele andere Projekte respektive in Lincolns Fall eine Familie haben und nicht auf Dauer zwischen den USA und Großbritannien pendeln wollen...

Jedenfalls passt hier für mich der Mix aus Action, Charakterstudie und Mythologie gut zusammen. Man baut etwas Eigenständiges von der Vorlage auf - was aber auch schon für andere Ableger galt - und bringt Fanlieblinge zurück. Drei Filme, die eigentlich geplant waren, haben auch etwa die Länge von sechs Folgen, also dürfte es zum ursprünglichen Vorhaben passen.

Zudem ist Gurira selbst als Co-Schöpferin in das alles involviert und es kann sein, dass man die Charaktere dementsprechend besser kennt und schützt als in anderen Fällen. Man soll den Tag zwar nicht vor dem zombie-infizierten Abend loben, aber so kann es gerne weitergehen.

Wir vergeben: viereinhalb von fünf einarmigen Ricks dafür.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „The Walking Dead - The Ones Who Live“:

Diese Serie passen auch zu «The Walking Dead: The Ones Who Live»