The Walking Dead - Daryl Dixon: L'âme Perdue - Review

The Walking Dead - Daryl Dixon: L'âme Perdue - Review

„The Walking Dead“ in Europa gab es bisher noch nie im Fernsehen. Das ändert die Serie „The Walking Dead: Daryl Dixon“ rund um das Survivor-Urgestein aus der Mutterserie. Was erwartet Daryl in Frankreich?

Norman Reedus in der Folge „L'âme Perdue“ der Serie „The Walking Dead: Daryl Dixon“
Norman Reedus in der Folge „L'âme Perdue“ der Serie „The Walking Dead: Daryl Dixon“
© AMC

Bisher waren die Serien aus dem The Walking Dead-Franchise auf Abenteuer in Nordamerika begrenzt (sieht man von kurzen Forschungsexkursen ab) - das ändert sich nun in The Walking Dead: Daryl Dixon mit Norman Reedus als Titelheld. Sechs Folgen und eine bereits bestellte zweite Staffel stehen an. In Deutschland wird das Format bald beim Streamingdienst Magenta TV anlaufen, während in den USA wie gewohnt AMC und AMC+ die Heimat darstellen.

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Nach vielen Jahren des erfolgreichen Überlebens mit wechselnden Ortschaften hält es Daryl offenbar nicht allzu lange im Commonwealth aus. Die Pilotfolge L'âme Perdue gibt bereits einige Antworten, wie er über den großen Teich gekommen ist - ob diese Erklärung genug sind, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Darum geht es in der Serie „The Walking Dead: Daryl Dixon“

Das Publikum erhält einige Antwortfetzen dazu, wie Daryl nach Übersee gekommen ist, erst im Verlauf der Folge. Zunächst sehen wir den schiffbrüchigen Überlebenden im Wasser treiben, wobei er das Glück hat, das Bewusstsein wiederzugewinnen und an Land zu gehen. Er lootet sich durch die verlassenen Ortschaften und wandert herum. Recht schnell merkt er, dass er in Frankreich angespült wurde, wobei er die Landessprache nicht beherrscht. Dafür hört er in einem Boot in Küstennähe die tragische Geschichte einer jungen Familie via Audio-Aufnahmegerät und hinterlässt eine Kurzform seiner Geschichte auf selbigem.

Nach 13 Jahren Franchise-Geschichte ist es schön, einmal die europäische Seite der Apokalypse zu sehen. Einige stille Landschaftsaufnahmen zeigen Daryl als einsamem Wolf, ehe er dann doch auf Untote und schließlich weitere Überlebende trifft.

In einer verlassenen Halle setzt er zunächst seine Harpune ein, macht Bekanntschaft mit einem Untoten, der einen ätzenden Abdruck auf seinem Arm hinterlässt und schaltet einen Beißer gekonnt mit einem Wurfmesser aus. Daryl hat sich ein wenig Verbandszeugs besorgt und ein Wörterbuch, um für solche Situationen über die Runden zu kommen.

What's cracking, noob?

Der erste menschliche Kontakt in Frankreich ist dann mit Maribelle (Carmen Kassovitz) und ihrem angeblich blinden Großvater Guillaume (Bernard Bloch), wobei sie glücklicherweise ein wenig Englisch spricht. Sie bietet einige Äpfel oder einen Hasen als Tausch gegen Medizin für ihren gebrechlichen Begleiter an. Es wirkt zunächst wie ein fairer Tausch, bis zwei Bewaffnete dazukommen, die das Trio mit gezogener Waffe bedrohen und schließlich auch Maribelle angreifen.

Das reicht Daryl, um sich zu wehren. Die Soldaten werden gemeinschaftlich gekillt, doch danach stellen sich Maribelle und Guillaume als Betrüger heraus, die vor allem aufs eigene Wohl bedacht sind. Der Alte ist obendrein auch nicht, wie zuvor behauptet, blind. Immerhin rauben sie Daryl nur aus und lassen ihn leben. Gerettet wird Daryl in dieser Situation von einer Gestalt, die in der Gegend religiöse Botschaften hinterlässt und sich wenig später als Schwester Isabelle (Clemence Poesy) vorstellt.

Dieu vous aime

Norman Reedus und Clemence Poesy auf einem Szenenbild aus der Episode „L%26#039,âme Perdue“ der Serie „The Walking Dead: Daryl Dixon“
Norman Reedus und Clemence Poesy auf einem Szenenbild aus der Episode „L%26#039,âme Perdue“ der Serie „The Walking Dead: Daryl Dixon“ - © AMC

Im Kloster der Nonnen kümmern diese sich um Daryls ätzende Wunde und kauterisieren sie, was auf den ersten Blick wohl gruseliger aussieht in seinem Zustand, aber sein Leben zukünftig erleichtern sollte. Gleichzeitig ist das ein kleines Beispiel für manche Wischi-Waschi-Regel aus dem Franchise. Denn manchmal sind auch Kratzer fatal, aber hier scheint das Herausbrennen die Lösung für sein Problem zu sein - oder sind wirklich nur Bisse tödlich?

Schwester Isabelle hat Daryls Aufnahmegerät gefunden und konnte so nebenbei schon etwas über ihn erfahren. Er meint, dass eine Reihe von schlechten Entscheidungen ihn nach Frankreich gebracht hätten und sie lässt ihm erst einmal die Möglichkeit, das womöglich erste Bad in seiner Seriengeschichte zu nehmen.

Die Nonne erklärt ihm einige Hintergründe, über eine „Union of Hope“, bei der sich alle Glaubensgemeinschaften zusammenschließen können, während Daryl betont, dass er nie eine gläubige Person war. Er erfährt außerdem von Laurent (Louis Puech Scigliuzzi), einem Waisenjungen, den die Nonnen bei sich aufgenommen haben. Eine Waffenkammer und ein Funkgerät gibt es ebenso, allerdings soll sich Daryl erst erholen, bis er einen Funkversuch starten darf.

Warum Isabelles Englischkenntnisse so gut sind, erfahren die Zuschauer ebenfalls, denn ihre Eltern sind als Teil von „Ärzte ohne Grenzen“ rumgereist. In Anspielung auf Daryl meint sie zudem, dass er eher wegen einer Reihe guter Entscheidungen im Kloster gelandet ist, in welchem man auf sich mit einigen tierischen Ressourcen wie Hühnern und Ziegen offenbar gut selbst versorgen kann.

Der junge Laurent ahmt Daryl beim Essen nach und stellt sich ihm wenig später vor. Er wirkt recht intelligent und belesen für sein Alter. Zudem macht er sich Gedanken, wie viele der ehemals 67 Millionen Franzosen nach all dieser Zeit noch am Leben sind und wie viele Generationen, nämlich sechs oder sieben, es dauern würde, um die Schätzungsweise 200.000 Überlebenden wieder zu alter Bevölkerungsstärke zu bringen. Außerdem sagt Laurent zufällig den gleichen Satz, an den sich Daryl aus Judiths (Cailey Fleming) Mund erinnert, denn auch Daryl verdient ein Happy End.

Zombie-Priester und neuer Messias

Während Daryl versucht, das Schloss zum Raum mit dem Funkgerät aufzubrechen, hört er Laurent bei seinen Poesie-Übungen vor Zombie-Priester Pére Jean und bemerkt, dass natürlich auch im Kloster wenig normal verläuft. Man glaubt offenbar daran, wie einst schon Hershel (Scott Wilson) auf seiner Farm, dass es eine Reinkarnation für die Untoten geben könnte.

Isabelle will Daryl derweil davon überzeugen, dass er Laurent an einen sicheren Ort quer durch das Land bringt, weil er Potential zum Zivilisationsretter habe, was an The Last of Us erinnert. Sie spricht von Le Havre, wo der Hafen noch funktionieren soll. Daryl ist in diesem Moment jedoch wenig offen für die Pläne und das Betteln der Nonne und will sich aus dem Staub machen.

Isabelle meint schließlich: Selbst, wenn sie falsch liegen und Laurent kein Messias oder Anführer ist, dass er dann wenigstens den Jungen an einen besseren Ort schaffen könnte...

Kurz nach dem Verlassen des Klosters hört Daryl Motorengeräusche und bekommt Zweifel. Natürlich kann er die Nonnen nicht im Stich lassen und kehrt zurück, denn Maribelle hat die Soldaten in Richtung der Gläubigen geschickt. Schwester Veronique (Catherine Arditi), die Ordensälteste, scheint dabei den rachsüchtigen Anführer namens Codron (Romain Levi) und einige seiner Begleiter von früher zu kennen. Zunächst will man die Männer nicht reinlassen, doch Codron droht, sich sonst mit Gewalt Eintritt zu verschaffen.

Warrior Nuns

Die Nonnen bewaffnen sich derweil und Laurent wird in der abschließbaren Kammer versteckt, macht jedoch verdächtige Geräusche und fliegt so fast auf. Als die Soldaten den untoten Geistlichen sehen, wollen sie diesem ein Ende setzen. Das bekommt auch der Junge mit und soll Teil der Soldatenbande werden, als sie bemerken, dass man ihn hier versteckt hat. Dann greift jedoch Daryl an und ermöglicht so die Flucht und es kommt zum Shoot-out zwischen Soldaten und Nonnenbund, wobei es auf beiden Seiten einige Opfer gibt...

In einem Zweikampf mit Codron wird Daryl von Isabelle gerettet, doch anschließend gelingt ihm die Flucht - er wird jedoch zumindest mit einem Streifschuss in die Schulter erwischt. Es sieht so aus, als hätten nur zwei Nonnen sowie Laurent und Daryl den Konflikt überlebt und nun möchte Daryl wohl doch den Jungen gemeinsam mit Isabelle in eine neue Zuflucht bringen. Bei dieser Gelegenheit geht Daryl etwas mehr ins Detail, wie er in seine Lage kam.

Er hat nach etwas gesucht, ist dabei an böse Menschen geraten, die ihn auf ein Boot geschleppt haben, was schlimm endete, letztlich mit seinem Schiffbruch. In der letzten Szene sehen wir derweil, dass am Hafen von Le Havre, wo Daryls Ziel sein soll, eine Person namens Genet (Anne Charrier) einen Lagebericht hören möchte. Dabei gelang Daryl offenbar eine Meuterei und die Zerstörung von einiger dubioser Forschung an den Untoten. Man kann also stark davon ausgehen, dass sich die Wege von Genet, Daryl und Codron allesamt im weiteren Verlauf wieder kreuzen werden...

Fazit

Romain Levi auf einem Szenenbild aus der Episode „L%26#039,âme Perdue“ der Serie „The Walking Dead: Daryl Dixon“
Romain Levi auf einem Szenenbild aus der Episode „L%26#039,âme Perdue“ der Serie „The Walking Dead: Daryl Dixon“ - © AMC

Die erste Folge der Serie The Walking Dead: Daryl Dixon verfranzt sich anders als etwa The Walking Dead: Dead City nicht in Konflikten, die eigentlich schon als gelöst galten, sondern liefert mit dem Szeneriewechsel nach Europa durchaus eine für das Franchise frische Perspektive, auch wenn die Prämisse stark nach The Last of Us riecht, was eine hohe Messlatte im Genre ist. Trotzdem hat die Episode genug neue Impulse, um nicht direkt die Lust am Franchise wieder zu verlieren, wie es in letzter Zeit manchmal passieren konnte.

Showrunner David Zabel (Emergency Room, Mercy Street) traut sich außerdem, nicht jede Figur Englisch sprechen zu lassen und somit direkt Daryls größte Hürde zu nehmen. Mir stellt sich allerdings die Frage, warum es immer diese rachsüchtigen Charaktere braucht, die offenbar bereit sind, ihr großes Projekt für eine Person und die Suche nach selbiger komplett auf den Kopf zu stellen. Ohne dieses Konstrukt ist es natürlich deutlich schwerer, eine Staffelhandlung in Gang zu bringen, aber das setzt voraus, dass zahlreiche Zufälle in einem so großen Gebiet wie Frankreich auftauchen, was der Glaubwürdigkeit schon schaden könnte.

Die größte Pille, die man schlucken muss, ist derweil, dass Daryl aus den USA irgendwie nach Europa gekommen ist. Auch wenn man die enormen Umstände damit betont, dass es drei Jahre dauerte, um das Schiff seetüchtig zu machen, ist das in Zeiten einer Zombieplage natürlich eine enorme Leistung. Zu wünschen wäre außerdem, dass Daryls initiale Suche vielleicht noch einen etwas nachvollziehbareren Ursprung bekommen wird. Sollte er etwa Rick (Andrew Lincoln), Carol (Melissa McBride) oder Judith (Cailey Fleming) gesucht haben, wäre das verständlicher, als wenn er sich einfach willkürlich ins Abenteuer stürzt. Quatre von cinq étoiles.

Hier abschließend noch ein Originaltrailer zur Serie „The Walking Dead: Daryl Dixon“:

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