The Village (2019) 1x01

© zenenfoto aus „The Village (2019)“ (c) NBC
Die Grenze zwischen Soap-Opera und Drama ist schmal und doch gibt es sie. Während bei Dramaserien noch ein gewisser Realitätsanspruch herrscht, übertreiben es Soap-Operas nur zu gerne, was Herzschmerz und Dramatik angeht. Wobei die Genres nicht immer wirklich trennscharf sind und sich durchaus einige Elemente voneinander klauen. Daher ist es schwierig, die neue Serie The Village (2019) von NBC einem Format zuzuordnen - wer jedoch auf manipulierte Stimmungsmache aus ist, kann sich hier perfekt von den kitschigen und gleichzeitig unglaublich traurigen Ereignissen berieseln lassen.
Family is where you find it
Wir befinden uns in Brooklyn, New York. In einem Apartmentgebäude leben mehrere Menschen zusammen, die jedoch nicht nur dieselbe Adresse verbindet. Die Nachbarn unterstützen sich in ihrem Alltag, teilen persönliche Schicksalsschläge und sind mit der Zeit zu einer großen Familie zusammengewachsen. Da wäre Sarah (One Tree Hill-Star Michaela McManus), die als Krankenschwester arbeitet und schon sehr jung schwanger geworden ist. Wie es aussieht, wird ihre Tochter Katie (Grace Van Dien) das gleiche Schicksal ereilen, denn auch der rebellische Teen hat ein positives Testergebnis erpinkelt. Sarah betreut unter anderem den Senior Enzo (Dominic Chianese), der trotz seines Alters noch einige flotte (peppig trifft es auch) Sprüche draufhat und sich dem Leben im Heim gerne entziehen würde. Doch sein Sohn Gabe (Daren Kagasoff), ein äußerst attraktiver Jurastudent, kann sich nicht persönlich um ihn kümmern. Weil er trotzdem jedoch ein guter Mensch ist, hilft er seiner Nachbarin Ava (Moran Atias), der droht, aus dem Land deportiert zu werden. Und was würde dann mit ihrem kleinen süßen Sohn passieren? Und dann wäre da noch Nick (Warren Christie). Dem jungen Veteran wurde nach einem Kriegseinsatz ein Bein amputiert, jetzt zieht er ebenfalls in das Gebäude, dessen Insassen seine neue Familie werden sollen.
Klingt nach viel sentimentalem Mist, den wir schon hundertmal gesehen haben? Allerdings. Daher könnte man die Serie auch als Zusammensetzung altbekannter Tragödien bezeichnen, deren musikalische Untermalung dem Zuschauer eine Stimmung aufdrängt, sei sie melancholisch oder fröhlich - und das noch nicht einmal sehr geschickt. Nur, weil ab Minute zehn auf die Tränendrüse gedrückt wird, kommt noch lange kein Gefühl auf der anderen Seite des Bildschirmes an. Ein paar Beispiele:
Ava, die vor zehn Jahren in die USA gekommen ist, wird vor ihrem Haus von der Einwanderungsbehörde aufgegabelt. Ihr Nachbar - und gleichzeitig Polizist - Ben (Dominic Chianese) wird Zeuge des Geschehens und versucht einzugreifen. Plötzlich taucht ihr Sohn aus dem Nirgendwo auf und fragt mit herzzerreißender Stimme „Mom, what's happening?“ (also: „Mama, was passiert hier gerade?“). Nun kann man von Kindern nicht die größte schauspielerische Leistung erwarten, aber vielleicht hätte man dem Kind auch nicht so eine gefühlsduselige Zeile geben sollen, die direkt zum Augenrollen einlädt...

I like to believe in things
So setzt sich die Story der Pilotepisode fort. Im Sekundentakt werden wir durch Höhen und Tiefen geführt, erleben Hoffnung, Trauer, Wut und Verzweiflung. In dem einen Moment sollen wir über die zu „Talk Dirty" tanzenden Senioren lachen, über den Mutter-Tochter-Disput verzweifeln und beim Anblick der salutierenden Veteranen ein Tränchen verdrücken. Und manchmal schaffen es die Klavierstücke in Moll tatsächlich, eine sentimentale Stimmung aufkommen zu lassen. Meistens rührten meine Tränen jedoch eher vom Lachen über die unglaublich offensichtliche Absicht der Produzenten...
Den Gipfel der Emotionen erreichen wir spätestens bei einer Krebsdiagnose, wobei ich ehrlich gestehen muss, dass es mich mehr bewegt hat, als der einbeinige Veteran einen dreibeinigen Hund bekommt. Der wohl einzige Moment, an dem ich mich der manipulativen Stimmungsmache nicht entziehen konnte. Diese endet selbstverständlich in einem weichgespülten Ausgang, der sein Publikum mit einem wohligen Gefühl aus der Sache entlassen soll. Weil schlafende Menschen einfach so friedlich sind. Und auch Freunde und Nachbarn zu einer echten Familie werden können.

Der Serie lässt sich, abgesehen vom grottigen Drehbuch, eine aufwändige Produktion und ein recht hohes Budget anmerken. Auch die Leistung der Schauspieler kann ich an dieser Stelle nicht degradieren - was hätten sie auch anderes aus ihren Vorgaben machen sollen?!?
Fazit
Die neue Dramaserie The Village (2019) überzeugt nicht gerade durch besonderen Einfallsreichtum und ist stellenweise so offensichtlich manipulativ, dass auch die überzeugtesten Soap-Opera-Fans sich über den Tisch gezogen fühlen dürften. Sie ist daher nur für Zuschauer geeignet, die sich besinnungslos dem mood-Management der Drehbuchautoren hingeben möchten und denen es nichts ausmacht, dass Konversationen und Ereignisse an Vorhersehbarkeit nicht zu übertreffen sind. Aber hey, „There is always a way around every obstacle but you need to care enough to find it...“
Hier abschließend noch der Trailer zur Pilotepisode Pilot (1x01) der neuen US-Serie The Village (2019):
Verfasser: Greta Kaiser am Mittwoch, 20. März 2019The Village (2019) 1x01 Trailer
(The Village (2019) 1x01)
Schauspieler in der Episode The Village (2019) 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?