The Tick 1x01

The Tick 1x01

In der neuen Amazon-Pilot-Season darf natürlich auch eine Superheldenserie nicht fehlen. Doch anstatt des x-ten DC oder Marvel-Charakters hat sich Amazon für einen anderen Weg entschieden und die Superheldenparodie „The Tick“ ins Rennen geschickt.

The Tick / (c) Amazon Studios
The Tick / (c) Amazon Studios

Wertung: 4 von 5 möglichen Sternen

Im Rahmen der Vorbereitung zu diesem Review habe ich mir einige Episoden der originalen The Tick (1994)-Animationsserie und der gleichnamigen Serie aus dem Jahre 2001 angesehen, in der Patrick Warburton noch den großen blauen Superhelden spielte.

Und eines gleich einmal vorweg: The Tick ist anders, ganz anders. Schöpfer Ben Edlund, der stets behutsam über das Schicksal seiner Kreation wachte, hat sich mutig an eine ganz große Neuinterpretation des Stoffes gewagt: „Very dark. Very twisted.“ Das fängt beim Grundton der Serienwelt an und hört bei einem kompletten Umwerfen der Figurenkonstellation auf - und ist nur konsequent. Denn die immer strahlenden Superhelden, die die Serie Anfang der 90er parodierte, gibt es nicht mehr. Sie sind den dunklen Welten von Interpretationen à la „The Dark Knight“ gewichen. Da sich nun also der Stoff, der parodiert werden soll, geändert hat, ändert sich nun also auch folgerichtig die Parodie.

In der Vorlage befanden wir uns in einer abstrusen, überhöhten Welt, die eindeutig nur darauf ausgelegt war, jedes mögliche Klischee von Superhelden zu bedienen und zu parodieren. The Tick war ein Übermensch im blauen Kostüm, quasi unzerstörbar, mit seinem beschränkten mentalen Horizont als einziger Schwäche. An seiner Seite Arthur, ein etwas unterbelichteter und ängstlicher Buchhalter, dessen erster Impuls stets die Flucht war.

Alte und neue Bösewichte: Chairface Chippendale und The Terror © 20th Century Fox / Amazon Studios
Alte und neue Bösewichte: Chairface Chippendale und The Terror © 20th Century Fox / Amazon Studios

Bösewichte waren jeweils möglichst seltsam und abstrus, genau wie ihre Pläne, etwa den eigenen Namen mittels Laserstrahl auf den Mond zu malen.

Weaponized Syphilis

Ganz anders in dieser Neuinterpretation. Hier ist, zumindest in der Pilotepisode, Arthur (Griffin Newman) derjenige, durch dessen Augen wir die Welt von „The Tick“ erkunden dürfen. Und die ist bei weitem düsterer als in der Albervorlage von 2001. In der „Origin-Story“ war Tick aus einem Irrenhaus entkommen, in der Amazon-Variante hat nun Arthur die psychischen Probleme. Als er ein kleiner Junge war, wurde sein Vater vom herabfallenden Raumschiff des Superheldenteams „Flag 5“ erschlagen, die von Oberbösewicht The Terror (Jackie Earle Haley) mit blind machender, waffenfähiger Syphilis infiziert wurden.

Seit diesem Tag ist Arthur psychisch labil, er sucht manisch nach Hinweisen auf den Verbleib von Terror, der offiziell vom ersten Superhelden überhaupt, Superian (Brendan Hines), getötet wurde. Das klingt abstrus, wird aber fast mit der Ernsthaftigkeit von „Watchmen“ durchgezogen. Albernheiten gibt es ab und an, der eine oder andere Witz lockert das Geschehen öfters mal auf, aber größtenteils bleibt diese Welt eher düster.

You fingered foul fruit, friend!

Eine Ausnahme zur Melancholie der anderen Charaktere gibt es jedoch: The Tick (Peter Serafinowicz), einen stets fröhlichen, leicht minderbemittelten und unzerstörbaren Superhelden, den Arthur anfangs für ein Figment seiner kaputten Psyche hält. Der blaue Riese wähnt in Arthur einen Freund und Mitstreiter, dem er am Ende der Episode seinen bekannten Mottenanzug überreicht.

Schon jetzt ist klar, dass die Dynamik zwischen Arthur und The Tick eine andere sein wird als bisher: Arthur ist „The Brain“, The Tick „The Muscle“. Das macht aus der ursprünglichen Parodie eines nutzlosen Sidekicks ein wichtiges Bindeglied im Team und passt zu Edlunds Neuinterpretation.

Arthur und The Tick
Arthur und The Tick

Die alte, comichafte und konsequenzlose Welt sieht nun nicht mehr der Zuschauer, sondern nur noch Tick selbst. Er befindet sich in seiner eigenen Sphäre der großen Schicksalsmomente und ausgezeichneten Alliterationen, in der nichts schlimmere Konsequenzen haben kann als ein eventuelles leichtes Kopfweh. Das erinnert mich etwas an den Pyro-Trailer von „Team Fortress 2“. Doch für den Rest haben die kuriosen Taten der Superbösewichte sehr, sehr reale Implikationen: Tod, Verstümmelung, psychische Erkrankung.

Fazit

So ist „The Tick“ eine mutige Serie, bei der man allerdings noch nicht genau feststellen kann, wohin der Ton denn nun wirklich gehen soll. Da der titelgebende Superheld nicht lange auftaucht, weiß man noch nicht, ob die Serie in Zukunft deutlich mehr auf die lustigen Momente setzen wird als noch in dieser Pilotfolge.

Und das ist leider auch die größte Schwäche der Episode: Manchmal wünscht man sich, dass die arg düsteren Momente etwas mehr durch den durchaus vorhandenen Humor aufgelockert werden würden.

Dennoch bin ich sehr gespannt, was uns die Serie in Zukunft bringen könnte und hoffe, dass wir eine ganze Staffel sehen können. Die Stimmung, die in dieser Episode verbreitet wird, hat einfach etwas Einzigartiges, so dass ich gerne wieder in die Welt von „The Tick“ eintauchen möchte.

Verfasser: Benedikt Pichl am Freitag, 19. August 2016

The Tick 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Tick 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Ruf des Schicksals
Titel der Episode im Original
The Tick
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 19. August 2016 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 13. Oktober 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 13. Oktober 2017
Autoren
Ben Edlund, Cirocco Dunlap
Regisseure
Wally Pfister, Lev L. Spiro

Schauspieler in der Episode The Tick 1x01

Darsteller
Rolle
Peter Serafinowicz
Griffin Newman
Valorie Curry
Brendan Hines
Yara Martinez

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