The Terror 1x01

© ??The Terror“ (c) AMC
Das neue Historiendrama The Terror von AMC, das ab heute auch hierzulande immer wöchentlich auf Amazon Prime Video zu sehen ist, umgibt eine durchaus interessante Produktionsgeschichte. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Dan Simmons hat man bereits seit einigen Janren an einer TV-Adaption des Romans von 2007 gearbeitet. AMC machte 2013 in Zusammenarbeit mit Ridley Scotts Produktionsfirma Scott Free dann Nägel mit Köpfen und beauftragte Drehbuchautor David Kajganich damit, die historische Gruselgeschichte fürs Fernsehen umzusetzen. 2016 erfolgte dann die Bestellung von zehn Episoden für eine erste Staffel des Formats.
Dieses war zunächst als eine Art Anthologieserie geplant, in der man in weiteren Staffeln die unterschiedlichsten Schauergeschichten verfilmen wollte. Aktuell ist es unklar, ob man diese Idee nach wie vor verfolgt, was natürlich auch damit zusammenhängt, wie gut der Neustart bei den Zuschauern ankommen wird. Den Anfang dieser potentiellen Anthologie macht nun also Dan Simmons Buch „The Terror“, in dem eine Gruppe von britischen Seeleuten mit zwei Schiffen - der Erebus und der Terror - einen Weg durch das Nordpolarmeer gen pazifischen Ozean sucht. Während einige Mitglieder dieser Expedition ins eisige Ungewisse freudig entgegenblicken, da sie Ruhm und Ehre erwartet, zeigen sich die wenigen Veteranen dieser nicht ungefährlichen Unternehmung eher skeptisch.
Have no fear
Und so kommt es in der Serie bereits früh, wie es kommen muss: Zwar erspähen die Optimisten unter den Beteiligten bereits Licht am Ende des Eistunnels, doch die unerbittliche Arktis schreibt nun mal ihre eigenen Regeln. Nach ein paar Stolpersteinen und dem mysteriösen Tod eines jungen Seemanns werden die Besatzungen beider Schiffe im wahrsten Sinne auf Eis gelegt. Manch einer hat dieses Dilemma kommen sehen, allen voran der erfahrene Kapitän Francis Crozier (Jared Harris), der sich in diesen unberechenbaren Gefilden bereits herumgetrieben und vor einer derartig ausweglosen Situation eindringlich gewarnt hat. Doch der Anführer dieser Expedition, der ruhmreiche Sir John Franklin (Ciaran Hinds), vertraut auf Gott und seine Bestimmung, für sein Heimatland das zu erreichen, was vor ihm noch niemandem gelungen ist. Aber zu welchem Preis? Denn die gnadenlose Witterung und die Moral seiner Mannschaft sind scheinbar nicht die einzigen zwei Faktoren, von denen hier eine große Gefahr ausgeht...
To glory and destiny
„The Terror“ kommt vergleichsweise gemächlich, wenn nicht sogar etwas schleppend aus den Startlöchern - doch das ist einkalkukliert. Ähnlich zaghaft, wie die Seefahrer Fortschritte in dem mit massiven Eisschollen übersäten Nordpolarmeer machen, gestaltet sich auch das Erzähltempo. Dadurch baut sich wiederum in aller Ruhe eine packende Anspannung auf, deren Ausmaß sich mit jeder Minute intensiviert. Bereits zu Beginn stellt man den Zuschauern in Aussicht, dass das Unterfangen von John Franklin und seiner Crew kein gutes Ende genommen hat. Wer oder was trägt die Schuld daran? Der übermütige Kommandant, der sich und seiner Truppe viel zu viel zugemutet hat? War es die Dynamik unter den festgesetzten Schiffsleuten, die von ihrer Verzweiflung irgendwann in den Wahnsinn getrieben wurden? Oder geht etwas anderes im Eis umher, ein furchtbares Fabelwesen, das für das unrühmliche Ende der Männer verantwortlich gewesen ist?
Die etablierte Atmosphäre wird schnell zum Trumpf des Formats, das in der Pilotepisode geschickt mit den Erwartungen seines Publikums spielt. Immer wieder erwartet man einen plötzlichen Schockmoment, doch die Inszenierung lässt sich nicht locken. Im Grunde genommen passiert nichts Außergewöhnliches: Wir lernen ein paar der zentralen Charaktere kennen, wir erfahren etwas über ihre Mission, es gibt ein paar kleinere Herausforderungen zu meistern sowie das plötzliche Ableben eines Matrosen zu betrauern, was zu dieser Zeit in diesem Berufsfeld nun wahrlich nicht ungewöhnlich gewesen ist. Die Umstände, wie der junge Mann ums Leben gekommen ist, sind etwas rätselhaft. Doch wer glaubt schon an etwaige übernatürliche Ursachen?
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This place wants you dead
Diese scheinbare Normalität und Sorglosigkeit der meisten Charaktere in The Terror wird jedoch von einem schleichenden Gefühl der nahenden Katastrophe gekontert, was sich hervorragend auf das Publikum überträgt. Es ist absehbar, was passieren wird und dass die selbstsicheren Herren furchtbar auf ihre Nasen fallen werden. Beim Zuschauer kann sich indes gar eine gewisse Frustration entwickeln, da der Entscheidungsträger dieser Expedition einfach nicht auf die Person hören will, die offensichtlich am meisten Erfahrung hat und das Dilemma perfekt voraussagt. In dieser Hinsicht ist „The Terror“ ein „Opfer“ seines eigenen Genres und den dazugehörigen Regeln.
Diese schreibt man keinesfalls um, man spielt sie vielmehr geradlinig herunter. Dadurch mag einem vieles vertraut vorkommen, vielleicht sogar etwas zu klassisch. Die Ausführung dieser Tropen spricht aber für sich und kann gut aufwiegen, dass „The Terror“ rein konzeptionell gesehen das Rad nicht wirklich neu erfindet. Das muss aber auch nicht immer sein, wie man hier sehenswert unter Beweis stellt. Denn einnehmend ist die trügerische Geschichte allemal, so sehr, dass man recht schnell interessiert mitfiebert, um herauszufinden, wo dieser schauerliche Trip letztlich hinführen wird. Besonders faszinierend ist dabei, wie erfolgreich der deutsche Regisseur Edward Berger (Deutschland 83) eine bedrückende atmosphärische Dichte erschafft, die sich der Situation entsprechend lähmend über die Handlung legt.
No way through
Großen Anteil daran hat das fantastische Sounddesign: An Bord der beiden Schiffe knarzt und quietscht es ununterbrochen, während an Deck der kalte, gespenstische Wind durch die ramponierten Segel jault. Immer wieder gönnt man den Charakteren und uns Zuschauern einen Moment der Stille, zumindest versucht man es, doch die Geräuschkulisse lässt einen einfach nicht in Frieden. Man hört und spürt förmlich, wie das Eis arbeitet, wie es sich verschiebt und langsam seine kalten Pranken um den Expeditionstrupp schließt. In einer Szene öffnet sich offenbar ein Weg durch die meterdickte Eisschicht, doch es ist vielmehr eine Falle für die Seefahrer, die sich nur noch weiter in ihre Misere hineinmanövrieren, in dem Irrglauben daran, dass sie schon irgendwie einen Ausweg finden werden.
Run
Die greifbare, spürbare Umgebung avanciert in „The Terror“ zu einem eigenständigen Charakter, der auf die anderen Figuren wirkt und verschiedene Reaktionen hervorruft. Der eine fühlt sich herausgefordert, der andere hat sich zutiefst vor diesem Moment gefürchtet. Hier wird ein großer Reizpunkt der Serie liegen, wenn allmählich die unterschiedlichen Typen von Menschen aufeinandertreffen und damit beginnen, sich in dieser Extremsituation selbst zu zerfleischen. John Carpenters Meisterwerk „The Thing“, das man als geistiges Vorbild und Referenz ansehen kann, kommt einem in Erinnerung. Der Vergleich passt, denn auch in „The Terror“ darf man sich auf ein „Etwas“ aus dem Eis gefasst machen, das es auf die Seefahrer abgesehen hat und eine weitere Gefahr für diese darstellt.
Dieser Hauch von Fantasy und Mystery ist ein spannender Zusatz, der der Genreserie einen weiteren interessanten Kniff gibt. Entscheidend wird sein, wie sich die Charaktere entwickeln und ob man diese so gestalten kann, dass man mit ihnen in dieser prekären Lage mitleidet und mitfühlt. Sonst könnte der Serienneustart relativ schnell seinen Biss verlieren, tolle Atmosphäre hin oder her. An einem starken Cast - angeführt von Ciaran Hinds, Tobias Menzies und dem stets hervorragenden Jared Harris - soll es nicht scheitern. Auch auf visueller Ebene hat man sich nicht lumpen lassen und teils beeindruckende, epische Bilder fabriziert, die untermauern, wie verloren die Figuren in der Eismassen doch sind. Es liegt an Showrunner David Kajganich und seinem Autorenteam, eine fortwährend nervenaufreibende, packende Erzählung zu entwerfen, die clever mit den Erwartungen des Publikums spielt und die Gefahr nicht nur in einem blutrünstigen Monster, sondern auch in den Menschen selbst sieht, die sich auf diese riskante Reise begeben haben.
Trailer zu „The Terror“:
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 27. März 2018The Terror 1x01 Trailer
(The Terror 1x01)
Schauspieler in der Episode The Terror 1x01
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