The Staircase: 911 - Review der Pilotepisode

© olin Firth in der Serie The Staircase (c) HBO Max
Seit 2008 versucht der Filmemacher Antonio Campos („The Devil All the Time“), die True-Crime-Miniserie The Staircase zu realisieren. Bei HBO Max ging der Achtteiler nun endlich auf Sendung (hierzulande hat der Pay-TV-Sender Sky die Ausstrahlungsrechte ergattert). Als Vorlage dient die gleichnamige Dokuserie von Jean-Xavier de Lestrade, die ursprünglich 2004 erschien und 2018 noch mal bei Netflix erweitert wurde. Unterstützung bei der Adaption erhielt Campos von der Autorin Maggie Cohn (American Crime Story).
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Bei der mehr als einstündigen Auftaktepisode, 911 (1x1), übernahm Campos selbst die Inszenierung. Genauso wie bei den Folgen zwei und drei, die ebenfalls zum Serienstart veröffentlicht wurden. Später soll aber auch die „Fear Street“-Regisseurin Leigh Janiak sich die Ehre geben. Für die Hauptrolle des unter Mordverdacht stehenden Schriftstellers Michael Peterson wurde der Oscarpreisträger Colin Firth („The King's Speech“, „Kingsman: The Secret Service“) angeheuert, nachdem zuvor Harrison Ford mit dem Part flirtete.
Ebenfalls im beeindruckend bestückten Ensemble: Toni Collette („Hereditary“, Unbelievable), Michael Stuhlbarg (Dopesick), Dane DeHaan (ZeroZeroZero), Olivia DeJonge (The Society), Patrick Schwarzenegger (The Terminal List), Sophie Turner (Game of Thrones), Odessa Young (The Stand), Rosemarie DeWitt (United States of Tara) und Juliette Binoche (Call My Agent!), die auch einen Oscar auf dem Kaminsims stehen hat.
Worum geht's?
Die Geschichte beginnt im Dezember 2001, als der Romancier und Kolumnist Michael Peterson (Firth) einen Notruf aus seinem Domizil in Forest Hills, North Carolina abgibt. Seine Frau Kathleen (Collette) liege schwer verletzt am Fuß der Treppe ihres Hauses, sie blute schwer und sei bewusstlos, aber atme noch. Als die Rettungskräfte eintreffen, ist sie schon tot. Der Witwer steht völlig neben der Spur, erst sein später nach Hause einkehrender Sohn Clayton (DeHaan) kann ihn etwas beruhigen. Doch da fängt die Polizei schon an, im Haus herumzuwühlen, wodurch der vermeintlich Unfall rasch eine ganz neue Wendung nimmt...

Im weiteren Verlauf springt The Staircase munter zwischen den verschiedenen Zeitebenen hin und her: Mal geht es in die Vergangenheit, als Kathleen noch am Leben war, als zum Beispiel wenige Monate vorher die Anschläge vom 11. September passierten. Und mal springen wir in die Zukunft zum Prozess, der Michael Peterson gemacht wird. Sein Anwalt David Rudolf (Stuhlbarg) gab inzwischen sogar schon eine persönliche Einschätzung, was in der Serienadaption korrekt wiedergegeben und wo sich kreative Freiheiten genommen wurden (hier sein Artikel).
Am spannendsten sich sicherlich die Szenen, die die Großfamilie zeigen. So gibt es ein gemeinsames Dinner, bei dem sich die Petersons gegenseitig gute Glückwünsche aussprechen, die sehr schön die subtil wirksamen Dynamiken entblößen. Neben Michael, Kathleen und Clayton gehören unter anderem auch zum Clan: Todd (Schwarzenegger) - der wie Clayton ein Sohn aus Michaels erster Ehe ist - oder Caitlin (DeJonge), die nur Kathleens Kind war und Michael bald misstraut. Turner und Young spielen die Schwestern Margaret und Martha, die von Michael adoptiert wurden. Die Patchwork-Konstellationen könnten verwirrender nicht sein, was die Verdachtsverhältnisse aber umso interessanter macht.
Als Gegenspielerin zum Protagonisten Michael hebt sich bald Kathleens Schwester Candace Hunt Zamperini (DeWitt) hervor. Aber auch die Behörden wollen den Ehemann der Toten unbedingt dingfest machen, wobei dieser selbst an einen Racheakt wegen seiner Bücher glaubt, die die örtliche Polizei nicht allzu positiv darstellen. Die vielleicht klügste Idee von den Serienschöpfern Campos und Cohn war es aber, auch den Dreh der Doku zu behandeln. So kommt Jean-Xavier de Lestrade (Vincent Vermignon) selbst als fiktiver Charakter ins Spiel, genauso wie die Cutterin Sophie Brunet (Binoche), der ja ein ganz besonderer Part vorbestimmt ist...
Wie ist es?
Aspekte wie diese machen Hoffnung, dass die neue Miniserie von HBO Max tatsächlich ein paar frische Facetten dieser eigentlich so überstrapazierten True-Crime-Story anzubieten haben könnte. Regisseur Antonio Campos und Autorin Maggie Cohn - übrigens privat die Partnerin von Hauptdarsteller Colin Firth - erzählen den Fall ziemlich verschachtelt, was für Zuschauer:innen, die noch gar nichts wissen über die unglaublichen Entwicklungen, sehr aufregend zu werden verspricht. Aber auch, wer die Doku schon kennt, wird vielleicht sehen wollen, wie Schauspielgrößen der Sorte Firth oder Toni Collette die bekannten Charaktere noch mal neu interpretieren.
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Beeindruckt hat mich vor allem, wie es den Macher:innen gelungen ist, dieses ganz leichte Gefühl künstlich zu replizieren, dass hier irgendwas nicht stimmt. Das schwebte schon über der Doku, ein unsichtbares Unwohlsein. Und immer, wenn man es gerade wieder ausblenden konnte, kommt die nächste Erkenntnis, die einen verstört und aus der Bahn wirft.
Hier abschließend noch der Trailer zur Krimiserie The Staircase: