The Soul Man 1x01

Boyce „The Voice“ Balletine (Cedric the Entertainer) hatte eine groĂe Karriere als SĂ€nger. Er hat zweimal Platin gewonnen und mit „I wanna have sex with you“ einen Megahit abgeliefert. Doch vom einen auf den anderen Tag entschied er sich gegen Showbiz und Glamour und schlug stattdessen einen neuen Weg ein: als Pastor.
Die Reaktionen in der Kirchengemeinde auf den neuen Prediger sind gemischt: Die einen freuen sich, dass es in seinen Messen etwas lebhafter zugeht als bei seinem Vater (John Beasley), der die Gemeinde vor ihm als Pastor betreut hat. Die anderen fremdeln noch etwas mit dem Celebrity auf der Kanzel, was vor allem seine Frau Lolli (Niecy Nash) zu spĂŒren bekommt, welche Schwierigkeiten hat, von den church ladies akzeptiert zu werden. Auch Ballentines Tochter Lyric (Jazz Raycole) fĂ€llt die Umstellung von Promi-Tochter auf Pastor-Tochter nicht leicht...
Im vergangenen Jahr hatte Cedric the Entertainer bereits in der TV Land-Sitcom Hot in Cleveland sein DebĂŒt als geistlicher Ex-Musikstar gegeben - und schon dort hatte er genau die QualitĂ€ten gezeigt, welche auch The Soul Man auszeichnen: Die Sitcom lebt vom Charisma ihres Stars und von der Sympathie, die man seiner Figur entgegenbringt. Er ist zwar jetzt ein Mann Gottes, aber er schwingt keine groĂen Bibelworte. Stattdessen ist Boyce jemand, der das Leben und die irdischen Freuden, GenĂŒsse und Leiden sehr wohl kennt - und sich seiner eigenen Fehlbarkeit bewusst ist.
Selbst dort, wo er irrt (als er beispielsweise die Damen in der Kirche besticht, damit sie den Friseursalon seiner Frau besuchen), strahlt er Menschlichkeit und WĂ€rme aus.
The Soul Man wandelt damit auf Pfaden, die im Ansatz schon Whoopi Goldberg in „Sister Act“ sehr erfolgreich beschritten hat. Und auch The Soul Man hat einen gelungenen Start hingelegt: als (hinter Hot in Cleveland) bislang zweiterfolgreichste Serienpremiere auf TV Land.
Die Gags hauen einen sicherlich nicht um, sind aber fĂŒr das ein oder andere Kichern gut („The Good Lord created curse words, so that I could describe your brother...“). The Soul Man ist mit Sicherheit keine bahnbrechende Comedy, aber es ist eine sympathische Serie, die ihr Thema durchaus mit einer bemerkenswerten Konsequenz verfolgt: So erfĂ€hrt der Streit rund um Boyces Bestechungsaktion eine Unterbrechung, als er plötzlich zu einer Sterbebegleitung gerufen wird.
Eine Szene, die sehr leicht entweder zu sehr ins (Melo-) Dramatische oder in eine (pietĂ€tlose) Albernheit hĂ€tte abgleiten können. Doch Cedric the Entertainer, der gemeinsam mit Hot in Cleveland-Erfinderin Suzanne Martin das Drehbuch zum Piloten geschrieben hat, hĂ€lt genau die richtige Balance zwischen Leichtigkeit und Emotion. Einerseits scheint Bellantines Menschlichkeit durch (er wĂŒrde nur all zu gern das spannende Basketballspiel weiterverfolgen), andererseits offenbart er in diesem Moment eine groĂe Warmherzigkeit, aber auch Ehrlichkeit („I am struggling here“). Sehr schön sind auch die Augenblicke, in denen er sich hilfesuchend und zugleich vertrauensvoll an Gott wendet. Es unterstreicht, dass er den neuen Lebensweg nicht nur um seines Vaters willen eingeschlagen hat, sondern aus dem eigenen Glauben heraus.
Fazit
Als Sitcom ist The Soul Man gewiss kein Offenbarungserlebnis. Aber es ist eine sympathische Feel-Good-Serie mit einem knuffigen Hauptdarsteller, auf den die Produktion einfach perfekt zugeschnitten ist.
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 23. Juni 2012(The Soul Man 1x01)
Schauspieler in der Episode The Soul Man 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?