Eine Ehefrau und Mutter begeht ohne Vorwarnung eine Gewalttat. Was steckt dahinter? Diese Frage wird in der Serie The Sinner gestellt, die auf dem deutschen Roman Die Sünderin basiert. Unser Review zum Serienpiloten.

Jessica Biel in „The Sinner“ / (c) USA Network
Jessica Biel in „The Sinner“ / (c) USA Network
© essica Biel in „The Sinner“ / (c) USA Network

Basierend auf dem Roman „Die Sünderin“ von Petra Hammesfahr präsentiert das USA Network seinen Serienpiloten zu The Sinner, einer achtteiligen Adaption von Derek Simonds, der zuvor an den Serien The Astronaut Wives Club und When We Rise gearbeitet hat. Ein in der ersten Stunde ambitioniert wirkendes Miniserienprojekt, welches sich hinter anderen Drama-Eigenproduktionen des Senders, wie Mr. Robot oder das leider etwas untergegangene (aber trotzdem verlängerte) Falling Water, nicht verstecken muss.

The Stab

Jessica Biel wird uns als junge Mutter namens Cora Tannetti vorgestellt, die mit ihrem Mann Mason (Christopher Abbott), dessen Familie und ihrem Baby ein nach außen hin perfektes Bilderbuchleben führt. Früh wird jedoch deutlich, dass etwas in Cora vorgeht und rumort. Etwas Düsteres, das sie manchmal abwesend erscheinen lässt. Wer von der Prämisse der Serie gehört hat, wird womöglich erwarten, dass ihr in Part I etwas Grausames widerfährt, woraufhin sie sich gehörig rächt. Eine klassische Rape-Revenge-Geschichte vielleicht, wie man sie auch aus Horrorfilmen kennt. Aber so einfach verhält sich die Sachlage hier nicht.

Nach fünfzehn Minuten mehr oder weniger gelangweiltem oder zumindest irgendwie frustriertem Eheleben auf dem Bildschirm, liegt das Paar eines sonnigen Tages am Strand, wo zwei junge Pärchen laut Musik hören und sich begrabschen. Ohne Vorwarnung geht Cora plötzlich mit einem Obstmesser auf einen der Männer los, sticht ihm in den Hals und noch weitere Male in den Körper, so dass er kurz darauf verblutet und stirbt. Das Wieso, Weshalb und Warum wird von hier an das Herzstück der Serie ausmachen. Die plötzliche Wendung, ohne motivierendes Set-Up, sitzt jedenfalls als effektiver Schock in den Knochen.

Bill Pullman als Detective Ambrose
Bill Pullman als Detective Ambrose - © USA Network

Der von Bill Pullman gespielte Ermittler Harry Ambrose wird mit dem Fall beauftragt und kann sich nicht so recht einen Reim drauf machen. Warum sollte eine junge Mutter ohne Motiv auf einen Unbekannten losgehen und sofort nach ihrer Verhaftung gestehen und auf schuldig plädieren? Leidet sie unter einen psychischen Störung? Versucht sie auf diese Weise, ihrem Leben zu entfliehen? Oder kannte sie das Opfer vielleicht doch und hat verborgene Motive?

Flashbacks in die Kindheit von Cora offenbaren zumindest, dass ihr Leben nicht immer so normal gewesen ist. Sie wuchs bei fanatischen Christen auf und wurde für den schlechten gesundheitlichen Zustand ihrer kleinen Babyschwester mitverantwortlich gemacht, weil ihre Geburt die Mutter so viel Kraft gekostet haben soll. Der religiös anmutende Serientitel ist also nicht nur Schmuck, um bedeutungsschwanger zu klingen, sondern spielt direkt in den Hintergrund der Hauptfigur hinein.

Fazit

The Sinner haben viele vermutlich nicht auf dem Schirm, weil die Vorzeichen nicht unbedingt für das Projekt sprachen. Weder Serienschöpfer Simonds noch Regisseur Antonio Campos haben bisher viel Erfahrung sammeln können, Jessica Biel kennen Serienjunkies hauptsächlich aus der Heile-Welt-Serie 7th Heaven und die Grundidee der Story klang zunächst wie eine leicht drastischere Version von The Slap.

Erfreulicherweise kann berichtet werden, dass dem US-Sender USA mit der Serie The Sinner erneut einen interessanten Piloten abgeliefert hat, in welchem stimmungsvolle Inszenierung und ein sich langsam aufbauendes Mysterium Hand in Hand gehen. Biels desorientiertes Schauspiel geht unter die Haut und lässt auch den Zuschauer rätseln, was hinter der unerwarteten Tat steckt. Lediglich was Bill Pullman angeht, muss sich noch zeigen, ob seine Figur über den abgedroschenen Detective mit eigenen Problemen und dem obligatorischen, ungesundem Laster hinauskommt.

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