The Shrink Next Door: The Consultation - Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus der Serie The Shrink Next Door (c) Apple TV+
Der frisch gekürte Sexiest Man Alive Will Ferrell - Moment, kann das sein? - schließt sich mit seinem alten „Anchorman“-Kollegen Paul Rudd (aka Ant-Man) zusammen, um für Apple TV+ die Podcast-Adaption The Shrink Next Door (im Deutschen: „Der Therapeut von nebenan“) zum Leben zu erwecken. Dabei wäre durchaus interessant gewesen, ob Rudd die Ehrung als globaler Traummann auch dann erhalten hätte, wenn seine neue Serie ein, zwei Wochen früher gestartet wäre. Denn hier spielt er einen richtig widerlichen Charakter, der zudem das allgemeine Bild von Psychotherapie beschädigt.
Was jedoch am meisten stört bei diesem Neustart: „The Shrink Next Door“ ist einfach nicht sehr unterhaltsam. Durch immerhin drei der insgesamt acht Episoden der Auftakstaffel haben wir uns durchgeschleppt. Dabei fällt auf, dass die Serie selbst nicht zu wissen scheint, ob sie eine schwarze Komödie sein will oder ein Thriller. Das führt dazu, dass man weder lachen kann noch gespannt die nächste Folge herbeisehnt. Das Einzige, was man mitnimmt, ist ein ungutes Gefühl...
Ziemlich überraschend, dass The Shrink Next Door derart durchfällt. Erstens gilt Apple TV+ bisher eigentlich als recht stilsichere Plattform. Zweitens stammt das Skript ausgerechnet von der vierfachen Emmypreisträgerin Georgia Pritchett, die man sonst für messerscharfe Serien wie Succession oder Veep kennt. Und drittens hätte man auch von Will Ferrell und Paul Rudd mehr Charisma erwarten können, zumal mit Kathryn Hahn (WandaVision) und Casey Wilson (Happy Endings) noch weitere namhafte Schauspielerinnen im Cast sind. Zur Vollständigkeit: Regie führt Michael Showalter („Wet Hot American Summer“), der die durchschnittliche Episodenlänge auf satte 40 Minuten festgelegt hat, was ein weitere Problem markiert...
Worum geht's?
Im Zentrum der Geschichte steht der alleinstehende Ladenbesitzer Marty Markowitz (Ferrell), der mit seinem fehlenden Selbstbewusstsein hadert und damit, dass er sich ständig ausgenutzt fühlt. Seine Schwester Phyllis (Hahn), die ihn vielleicht auch manchmal ein bisschen ausbeutet und vor allem kaum respektiert, schickt ihn zum Therapeuten Dr. Ike Herschkopf (Rudd), der ihr vom Rabbi empfohlen wurde. Dabei ahnt sie nicht, dass dieser Seelendoktor ausgerechnet der größte Manipulator überhaupt sein könnte. Wie eine Art Heiratsschwindler übernimmt er die Kontrolle über das Leben seines Patienten und bringt diesen bald auch gegen seine Schwester auf.
Jetzt das Angebot von Apple TV+ entdecken

Ike weiß, dass bei den Markowitzes einiges zu holen ist. Und er weiß auch, dass Marty über keinerlei Rückgrat verfügt, was ihn zur perfekten Marionette macht. Die Frage ist also eher, ob Phyllis ihm das Handwerk legen kann. Alles steht auf dem Spiel: das riesige Anwesen der Familie, das Millionen wert sein dürfte, Martys Geschäft, das er vom Vater übernommen hat - aber am wichtigsten: die Beziehung zwischen Bruder und Schwester, die zu zerbrechen droht. Das ist der eigentliche Schaden, den Parasiten wie Ike anrichten. Um sich materiell zu bereichern, schrecken sie nicht davor zurück, Familien zu zerstören. Umso schändlicher, dass dieser Betrüger auch noch seine sensible Position als Therapeut missbraucht.
Wie ist es?
All das kann einen ziemlich triggern und erzeugt eine solche Wut, dass die Serie zur einzigen Geduldsprobe wird. Weil früh abzusehen ist, was vor sich geht, kann man nicht einmal die ersten Erfolgserlebnisse belächeln, die Marty dank seines doppelzüngigen Mentors zu erreichen scheint. The Shrink Next Door bezeichnet sich selbst als schwarze Komödie, doch für eine Komödie ist sie nicht lustig genug. Und richtig düster ist sie andererseits auch nicht. Eine Genrestruktur so unklar wie ein Rorschach-Klecks, die unweigerlich zum Scheitern verurteilt ist.
Zumal die Serie dann auch noch negative Bilder zum Thema Psychotherapie allgemein verbreitet. Wenn auch nur ein therapiebedürftiger Zuschauer aus Angst vor einem Dr. Ike abgeschreckt wird, sich Hilfe zu suchen, wäre das ziemlich tragisch. So unwahrscheinlich dieses Szenario auch klingen mag, wäre es selbst für das geringste Risiko eine so langweilige Serie nicht wert. Aber ich ahne schon, dass einige diesen Einwand übertrieben finden werden...
Daher abschließend noch ein handfesteres Argument gegen die Serie: Das Figuren-Ensemble bietet überhaupt keine Anknüpfungspunkte. Der vermeintliche Held Marty ist schlichtweg zu naiv, um mit ihm mitfühlen zu können. Man ist vor allem genervt von seiner Blauäugigkeit, immerhin ist er ja kein Kind mehr. Seine Schwester, gespielt von der sonst so tollen Hahn, ist aufgrund ihrer Arroganz ebenfalls kein Sympathieträger, wobei sie noch am ehesten als Heldin dienen kann. Und dann ist da noch Rudds Schurke, der uns als charmant vorgeführt werden soll, jedoch aufgrund seiner Taten nicht zu tolerieren ist. Zum Glück muss ich nach diesem Satz keine weitere Minute mehr an The Shrink Next Door vergeuden!
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „The Shrink Next Door“: