The Sex Lives of College Girls: Review der Pilotepisode

© oster zur Serie The Sex Lives of College Girls (c) HBO Max
Es ist Move-in Day - der Tag, an dem tausende US-Eltern ihre Sprösslinge schweren oder weniger schweren Herzens an den Universitäten des Landes abladen. In der Serie The Sex Lives of College Girls begleiten wir vier junge Frauen und ihre Eltern durch diesen wichtigen Tag - und vor allem durch die Tage danach, wenn die Studentinnen versuchen, ihren Weg durch das soziale Leben an der Universität zu bahnen...
Wovon handelt die Serie The Sex Lives of College Girls?
Kimberly (Pauline Chalamet) kommt aus einer der weißesten Städte der USA, irgendwo in Arizona. Doch sie will dringend ihren Horizont erweitern und entscheidet sich für eines der diversesten Kunst-Colleges des Landes: Essex in Vermont. In ihrem neuen Studentenwohnheimzimmer trifft sie auf Bela (Amrit Kaur). Sie hat indische Wurzeln und eine Besessenheit für Comedy. Nach Essex ist sie gekommen, um an dem renommierten Satiremagazin der Uni durchzustarten. Einen andere Grund hat Whitney (Alyah Chanelle Scott): Sie weiß die 3.000 Kilometer zwischen sich und ihrer emotional abwesenden Mutter zu schätzen, einer ehrgeizigen Senatorin in Washington State.
Die vierte im Bunde ist Leighton (Renee Rapp), Tochter einer reichen Mutter aus New York, die nun in die Alma Mater ihres Vaters eintritt. Doch leider hat sie sich das Ganze etwas anders vorgestellt, denn als Mitbewohnerinnen hatte sie sich ihre zwei besten Freundinnen ausgesucht. Nur leider haben die sich dann anders entschieden...
Nach der Abfahrt der Eltern wird es ernst für die Mädchen. Wir begleiten Kimberly zu ihrem ersten Jobinterview für ein Café, denn anders als die anderen Studenten können ihre Eltern ihr das Studium nicht durchfinanzieren. Dort trifft sie auf Kollegen, die die überengagierte Neustudentin nicht mit offenen Armen empfangen. Auch Belas Enthusiasmus bekommt schnell einen Dämpfer, denn in der Redaktion des Satiremagazins sind die Plätze für weibliche Mitarbeiterinnen rar gesät und sie hat wenig Aussicht auf Erfolg.
Für Whitney läuft es auf dem Fußballplatz gut, sie findet schnell Freundinnen, aber auch Feindinnen... Die wichtigste Info ist jedoch ihre Affäre mit dem Coach des Teams.
Alles andere tritt kurz in den Hintergrund, als die Gang Leightons attraktiven Bruder Nico (Gavin Leatherwood) kennenlernt. Er bleibt nicht die einzige Überraschung der ersten Tage. Die sexpositive Bela versucht, ihre Abenteuerlust mit ihrem Ehrgeiz zu verbinden und nutzt eine Party, um den Magazinredakteuren, die über die Neuzugänge abstimmen, einen Handjob zu geben... Sie dreht den Spieß also um und nutzt Sex, auf den sie ohnehin Lust hat, um voranzukommen. Doch schnell muss sie feststellen, dass die Welt Frauen das nicht erlaubt, was Männer seit Jahrzehnten machen...
Kimberly bekommt Besuch von ihrem langjährigen Freund, der mittlerweile in Princeton studiert und mit ihr gemeinsam daran arbeitet, ein einflussreiches „Power Couple“ zu werden. Die Nacht im Wohnheim nutzen die beiden, um ihr erstes Mal zu erleben. Doch am nächsten Tag lässt Max Kimberly überraschend sitzen. Auch Whitneys Beziehung ist nicht das, was sie zu sein scheint, als sie ihren Trainerfreund in der Stadt trifft - mit seiner freundlichen Ehefrau. Die letzte Überraschung der Pilotepisode erleben wir, als wir sehen, wie Leighton sich einen sexy Samstagabend vorstellt...
Wie kommt es rüber?
Ob die Serie mit dem elegant missführenden Titel The Sex Lives of College Girls sich für einen eignet, kann man recht schnell anhand des Macher-Tests abchecken. Denn die Handschrift der Autoren Mindy Kaling und Justin Noble ist ziemlich eindeutig. Wenn Ihr The Mindy Project und/oder Never Have I Ever auf der Lieblingsliste habt, dann lohnt sich Einschalten auf jeden Fall. Auch Nobles Mitarbeit an dem Fanliebling Brooklyn Nine-Nine kann man bereits aus der Pilotepisode lesen.
Für alle Kaling-Fans sei erwähnt, dass sie mit Bela eine weitere fiktionalisierte Version ihrer selbst auf die Mattscheibe gebracht hat. Es könnte sich um eine ältere Version von „Never-Have-I-Ever“-Desi handeln.
Wir sehen College Girls und manchmal sehen wir auch Sex, wenn auch eher zahm gefilmt. Was wir jedoch auch bekommen, ist charaktergetriebene Komik, popkulturell beeinflusste und clevere Gags und eine Riege von starken Hauptdarstellern. Bei der Besetzung der Nebenrollen, allen voran den Eltern der Mädchen, merkt man, wie die beiden Serienautoren ihre hervorragenden Verbindungen in die Comedyszene spielen lassen.
Viel Neues oder Innovatives gibt es nicht zu sehen, aber gerade das Bekannte sorgt in der neuen HBO Max-Dramedy für einen hohen Wohlfühlfaktor. Denn die Serienmacher schaffen es schnell, uns die vier Hauptfiguren ans Herz zu legen. Vorne dabei ist Bela, vermutlich dank Kalings besonderer Verbindung, aber auch weil sie eine spezifische Geschichte hat. Während die anderen zumindest in der Pilotepisode in den üblichen Freshmen-Problembereichen fischen, wie zum Beispiel Selbstfindung und Freunde, finden, hat sie einen Plan. Sie weiß, was sie will und sie weiß, wer sie ist. Das einzige Problem ist, dass die Welt sie nicht so akzeptieren will. Zwischen ihrer Abenteuerlust und ihrem Ehrgeiz muss sie erkennen, dass selbst die aufgeklärte Umgebung eines Kunstcolleges noch nicht bereit dafür ist, ihre Ansichten zu verstehen.
Eines der Probleme, die Serien über junge Menschen haben, ist natürlich das, dass sie in der Regel von Menschen mit einer höheren Anzahl Kerzen auf dem Geburtstagskuchen geschrieben werden. Wissen Kaling und Noble, wie das Leben an der Universität aktuell ist? Viele der Gags fühlen sich ein bisschen aus der Zeit gefallen an und könnten auch in Produktionen älteren Datums ihren Platz finden. Doch müssen die Autoren das überhaupt wissen, um eine gute Serie abzuliefern? Wirklich wichtig ist jedenfalls, dass sie uns vier bezaubernde Charaktere liefern, die als Rollenmodelle für junge Frauen funktionieren, wie man es von Kaling gewohnt ist. Im Kern sind die vier mit den Einstellungen und Charaktermerkmalen gesegnet, die man seiner Tochter wünschen könnte. Jede auf ihre Art weiß im Kern, wer sie ist und was sie will. Im Sinne der Comedy bekommen sie darüber hinaus leicht schrullige und alberne Eigenschaften dazu. In der Mischung dauert es nicht lange und man verknallt sich in jede Einzelne.
The Sex Lives of College Girls: Trailer
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „The Sex Lives of College Girls“: