Das neueste Serienexperiment aus dem Hause Netflix hört auf den Titel The Ranch und stellt eine Sitcom im klassischsten Sinne dar. Viel zu lachen gibt es bei allen Ambitionen in dem platten Format mit Ashton Kutcher aber nicht.

Der Cast von „The Ranch“ / (c) Netflix
Der Cast von „The Ranch“ / (c) Netflix

Der Streaming-Anbieter Netflix hat sich unlängst zum Ziel gesetzt, noch mehr Geld als bisher in die Produktion von Serien und Filmen zu stecken, um in naher Zukunft ein noch breiteres Angebot für seine Kunden zu haben. Dabei sind die Abrufzahlen dieser Inhalte bekanntermaßen erst einmal zweitrangig. Es geht um die kreative Vision der engagierten Filme- und Serienmacher sowie darum, einen vielfältigen „Kader“ an Eigenproduktionen aufzubauen, der für jeden potentiellen Kunden und dessen spezifischen Interessen etwas zu bieten hat.

Mit Blick auf den heutigen Serienneustart The Ranch, einer Sitcom aus der Feder von Don Reo und Jim Patterson, kann man wohl von einer solchen strategischen Kadererweiterung sprechen. Über deren Qualität lässt sich allerdings streiten. Die Pilotepisode ist ein ziemlicher Reinfall - platte Witze kombiniert mit einer altbackenen Prämisse, die an eine Serie aus den 1970er oder 1980er Jahren des amerikanischen Network-Fernsehens erinnert und sich von einer kleinen Starbesetzung den großen Coup erhofft. Blöd nur, dass die namhaften Darsteller und Darstellerinnen allesamt in klischeehaften Charakteren versanden und man überhaupt recht schnell die eintönige Gagformel des Formats durchschaut hat.

Don't let your babies grow up to be cowboys

Doch was kümmert Netflix die kritische Rezeption seiner Serien, wenn man doch eine Lücke in seinem Angebot schließen und eine anscheinend nicht unbedeutend kleine Zielgruppe bedienen kann, die sich eben an einer Allerweltssitcom über einen gescheiterten Footballspieler erfreut, der nach langer Zeit in seine ländliche Heimat im Mittleren Westen der USA zurückkehrt, um fortan auf der Familienranch mit anzupacken und sein Loser-Leben in den Griff zu bekommen. Ganz egal, dass in „The Ranch“ blanker Alkoholismus glorifiziert und weggelacht und jede ansatzweise ernste Momentaufnahme mit einer Punchline aus der Hölle zunichtegemacht wird.

Ashton Kutcher und Danny Masterson in %26bdquo;The Ranch%26ldquo; © Netflix
Ashton Kutcher und Danny Masterson in %26bdquo;The Ranch%26ldquo; © Netflix

Lazy bastards

Die Sichtung der ersten Folge von „The Ranch“ kostet zunächst einige Überwindung (der erste Trailer zur Serie war schon ein bitterer Vorgeschmack) und entlockt mir ungelogen kein einziges Lachen. Für die Lacher ist aber ohnehin ein Live-Publikum zuständig, das scheinbar großen Spaß an den eigentlich traurigen Saufeskapaden ihrer Protagonisten, den sarkastischen Zwischenbemerkungen von Danny Masterson und den ganzen Witzeleien über das Landleben, Republikaner-Sein und den schlüpfrigen Abenteuern der Hauptfigur Colt Bennett hat, den ein zugegeben solider Ashton Kutcher zum Besten gibt.

Nach vier Episoden merkt man dann doch recht schnell den hohen Verschleiß der langweiligen Prämisse und die niedrige Halbwertszeit der Gags, die vor allem auf der Dynamik zwischen den ausgelutschte Charaktertypen fußt: Kutcher spielt eine gescheiterte Existenz, die ihr Selbstmitleid in Fusel ertränkt, der schnauzbärtige Sam Elliott Colts trinkfesten Vater, zutiefst enttäuscht vom Sohnemann und dessen Lethargie, und Masterson ist als Colts Bruder Rooster für die schnippischen Kommentare zwischendurch zuständig, während er permanent an einer Bierflasche nuckelt. Das mag manch einem reichen, doch dieses Spielchen wiederholt sich für meinen Geschmack bereits in der Auftaktepisode zu oft und wird in den weiteren Episoden munter fortgeführt, sodass es einen irgendwann nur noch ermüdet.

A horse walks into a bar

Bei all der Kritik (man wird es gemerkt haben, ich bin eher weniger begeistert) möchte ich The Ranch aber keinesfalls absprechen, dass die erschreckende Einfachheit des Formats den Geschmack vieler Leute treffen wird. Und warum auch nicht, es ist ja alles ganz nett, und überhaupt darf jeder das gucken, was er möchte. Mir persönlich erschließt sich der Reiz dieser Serie aber überhaupt nicht, weder die Witze noch die Charaktere noch die Serienwelt sind für mich amüsant oder interessant - ein sofortiges Todesurteil für eine Sitcom.

Sam Elliott, der zuletzt in der sechsten Staffel von Justified sein fantastisches Können als sonore Silberzunge zeigte, stellt hier noch einen der größten Lichtblicke dar. An einer Stelle nimmt er einen „Ein Pferd kommt in eine Bar...“-Witz auf unvergleichliche Art und Weise auseinander, dass ich mich zum ersten Mal nach ein paar Folgen dabei erwische, wie mir ein leichtes Lächeln über die Lippen huscht. Auch die ursympathische Debra Winger macht als Mutter der Familie Bennett einen ordentlichen Job, ein Kriterium, das ebenso für Ashton Kutcher (er übertreibt es gelegentlich etwas sehr mit seinem Dialekt) und Danny Masterson gilt (beide fungieren im Übrigen auch als Executive Producer), die, wie man es noch aus That '70s Show-Zeiten kennt, über eine hervorragende Dynamik miteinander verfügen. Für alle 24- und Happy Endings-Fans kommt dann noch die kecke Elisha Cuthbert hinzu, die Colts alte Flamme spielt und ebenfalls nicht auf den Mund gefallen ist.

Ashton Kutcher; Sam Elliott und Danny Masterson in %26bdquo;The Ranch%26ldquo; © Netflix
Ashton Kutcher; Sam Elliott und Danny Masterson in %26bdquo;The Ranch%26ldquo; © Netflix

Quitters

Wäre „The Ranch“ aber nicht so unglaublich irrelevant und langweilig, dann könnte ich mich vielleicht etwas mehr für die Serie erwärmen. Nach wenigen Episoden fühlt es sich bereits so an, dass man alles von Sitcom gesehen hat, was man wissen muss. Gelegentlich will man dann sogar etwas ernstere Töne anschlagen, Familienprobleme behandeln und die Vorzüge des ehrlichen Landlebens aufzeigen. Warum in die Ferne schweifen, wenn man sein Glück mit Selbstgebrannten auf einer Farm finden kann? Und daran auch nichts verkehrt, aber warum muss man dann gleich wieder einen billigen Witz vom Stapel lassen und sich eigenhändig einen überraschend tiefgreifenden Moment versauen?

Während The Ranch auf einem Network als Spartenfüller in den lauen Sommermonaten versendet werden würde und bitter um Einschaltquoten kämpfen müsste, wird die Serie auf Netflix sein Publikum finden, daran habe ich keine Zweifel. Nachdem am heutigen Freitag zehn Episoden auf einen Schlag veröffentlicht wurden, wird im Laufe des Jahres noch eine zweite, zehnteilige Ladung an neuen Folgen eintrudeln. Mir selbst hätte wohl die Pilotepisode gereicht. Meinen Geschmack verfehlt das Format um Meilen, was nicht nur an den mitunter eigenartigen Country-Songs liegt (Rain makes corn, corn makes whiskey?) liegt. Als besagte Sitcom im klassischen Sinne, in der auch mal deftig geflucht (das „F-Word“ fällt mehrere Male) wird, dürften sich einige Genrefans angesprochen fühlen. Der Rest schaut Probe. Oder lässt es einfach gleich bleiben.

Trailer zu „The Ranch“:

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