„The Rainmaker“: Warum diese Anwaltsserie nicht an „Suits“ oder „The Good Wife“ herankommt - Kritik der Pilotfolge

© USA Network
TL;DR: USA Networks „The Rainmaker“ startet mit einer soliden, aber zahmen Pilotepisode, die John Slattery überzeugen lässt, aber zu wenig Mut zur Kontroverse zeigt. Die Serie verwandelt Grishams scharfe Gesellschaftskritik in ein braves Procedural-Format und verliert dabei den Biss des 1997er Films mit Matt Damon. 3 von 5 Sternchen für respektable Unterhaltung, die jedoch unter ihren Möglichkeiten bleibt.
Die neue Anwaltsserie mit dem Titel The Rainmaker startet mit einer Pilotepisode, die deutlich macht, dass hier jemand das Erbe von Matt Damon und „The Rainmaker“ (1997) für das Streaming-Zeitalter neu interpretieren will. Was dabei herauskommt, ist ein solides Fundament für eine Anwaltsserie, die sich zwischen klassischem Rechtsdrama und modernem Procedural-Format bewegt.
Die erste Episode zeigt genug Potential, um neugierig zu machen, lässt aber auch erkennen, wo die Serie ihre größten Herausforderungen haben wird.
Die schauspielerischen Leistungen in der Pilotepisode bewegen sich auf einem respektablen Niveau, ohne jedoch sofort zu begeistern. John Slattery (Mad Men, Veep, The Umbrella Academy) bringt als erfahrener Nebendarsteller die nötige Autorität mit, während andere Hauptdarsteller noch um ihre charakteristische Note ringen. Die Dialoge funktionieren, wirken aber oft zu glatt und vorhersehbar für ein Genre, das von scharfzüngigen Wortwechseln lebt.
Besonders in den Szenen im Gerichtssaal vermisse ich die Intensität, die „Suits“ oder „The Good Wife“ auszeichnete. Die Nebendarsteller liefern solide Arbeit ab, bleiben aber bisher zu sehr in ihren jeweiligen Charakteren gefangen. Vielleicht legt sich das ja noch...
Spoiler-Zone: Was die Pilotfolge verspricht
Die Pilotepisode etabliert geschickt die Grundkonstellation mit einem jungen Anwalt, der gegen Versicherungskonzerne und das System kämpft. Die Serie fügt jedoch eine Procedural-Komponente hinzu, die in Grishams Originalwerk nicht existiert. Diese Entscheidung macht „The Rainmaker“ zwar zugänglicher für das USA Network-Publikum, verwässert aber andererseits gleichzeitig die soziale Sprengkraft der Vorlage. Die Episode beginnt stark mit einem konkreten Fall, verliert dann aber etwas an Fahrt, wenn sie versucht, zu viele Handlungsstränge gleichzeitig zu etablieren.
Technisch ist die Pilotfolge handwerklich sauber umgesetzt. Die Kameraführung bleibt unauffällig professionell, ohne besondere visuelle Akzente zu setzen. Die Regie bewegt sich in sicheren Gewässern und vermeidet jegliche Experimente. Für eine Dramaserie im Rechtskontext ist das nicht unbedingt ein Nachteil, aber es macht die Serie eben auch nicht unverwechselbar. Die Ausstattung und Kostüme entsprechen dem, was man von einer USA-Network-Produktion erwartet. Hier zeigt sich, dass die Serie eher auf bewährte Formeln setzt, als neue Wege zu erkunden. Was die Pilotfolge jedoch gut macht, ist die Etablierung einer Atmosphäre, die sowohl das kleine Anwaltsbüro als auch die Welt der Großkonzerne glaubwürdig darstellt.
Der Schatten von Matt Damon
Der Vergleich mit „The Rainmaker“ (1997) ist unvermeidlich und fällt nicht durchweg positiv für die Serienversion aus. Francis Ford Coppola schuf damals einen Film, der die Wut und Verzweiflung des kleinen Mannes gegen das System spürbar machte. Matt Damon verkörperte einen Protagonisten mit echtem Biss und moralischer Klarheit. Die TV-Serie wirkt dagegen zahmer und kompromissbereiter. Wo der Film noch echte Empörung über die Machenschaften der Versicherungskonzerne transportierte, bleibt die Serie oft in oberflächlicher Kritik stecken.
Die Pilotfolge zeigt zwar Ansätze dieser gesellschaftlichen Dimension, aber sie traut sich nicht, wirklich unbequem zu werden. Das ist schade, denn gerade in der heutigen Diskussion um Gesundheitssysteme und Konzernmacht hätte eine mutige Adaption durchaus Relevanz beweisen können. Stattdessen wählt „The Rainmaker“ den sichereren Weg des Entertainment-Fokus. Danny DeVito, Claire Danes, Jon Voight und der unvergessene Dean Stockwell (†) prägten damals unvergessliche Nebencharaktere, die der TV-Version bisher fehlen. Die Serie hat jedoch den Vorteil, mehr Zeit für Charakterentwicklung zu besitzen. Ob sie diesen Trumpf ausspielen wird, muss sich in den kommenden Episoden zeigen.
Grisham im Serienmodus
Als Grisham-Adaption steht „The Rainmaker“ in einer Tradition, die sowohl Erfolge als auch Enttäuschungen hervorgebracht hat. Nach Filmen wie „The Firm“ (1993), „The Pelican Brief“ (1993) und anderen Kinoerfolgen der 90er Jahre haben TV-Produktionen oft Schwierigkeiten, die packende Dringlichkeit der Romane zu übertragen. Die Pilotepisode zeigt, dass auch diese Serie damit kämpft.
Grishams Stärke liegt in der Kombination aus rasanter Handlung und detaillierter Gesellschaftskritik. Die TV-Version konzentriert sich mehr auf den Procedural-Aspekt und verliert dabei etwas von der ursprünglichen Schärfe. Das Format der wöchentlichen Episoden zwingt hierbei zu einer anderen Erzählstruktur, die nicht immer zu Grishams Stil passt.
Trotzdem erkennt man in der Pilotfolge das Potential für mehr. Die Grundkonstellation stimmt, die Themen sind relevant und die Produktion ist ebenfalls auf passendem Niveau. Was „The Rainmaker“ braucht, ist mehr Mut zur Kontroverse und weniger Rücksicht auf die Sehgewohnheiten des Mainstream-Publikums. Grisham funktioniert am besten, wenn er provoziert und unbequeme Wahrheiten ausspricht. Die Serie könnte von diesem Erbe profitieren, wenn sie sich traut, politischer und streitbarer zu werden. Die erste Episode zeigt Ansätze davon, aber ist dabei einfach noch zu zaghaft.
Fazit
Die Pilotepisode der Serie „The Rainmaker“ etabliert ein funktionierendes Setup für eine potentiell interessante Anwaltsserie, bleibt aber unter ihren Möglichkeiten. Die schauspielerischen Leistungen sind respektabel, die Produktion professionell und das Thema relevant. Was fehlt, ist der erwähnte Mut zur echten Kontroverse und die Bereitschaft, das Publikum herauszufordern. Aber wer weiß, wie es weitergeht. Vielleicht lässt sich die Serie auch auf einen aktuellen Fall aus der Realität ein, wie zum Beispiel die Ermordung des Versicherungsbosses Brian Thompson im Dezember 2024 in New York...
Zusammengefasst: Als Streaming-Unterhaltung funktioniert die Serie durchaus, als Grisham-Adaption wirkt sie bislang viel zu harmlos. Für Fans des Genres ist „The Rainmaker“ einen Blick wert, aber nicht unbedingt Must- See-TV. Die kommenden Episoden werden zeigen müssen, ob die Serie ihren sicheren Hafen verlassen und zu einer wirklich fesselnden Anwaltssaga werden kann.
Bisher verdient sie sich somit solide drei von fünf Roben von uns.