The Player 1x09

The Player 1x09

Eine hanebüchene Prämisse, wilde Schießereien, die abgedroschensten Actionfilmtropen der letzten 20 Jahre und mehr - NBCs The Player bietet nur sehr wenige Argumente für sich. Einen gewissen Charme hat das Format mit Wesley Snipes in der Hauptrolle dennoch. Woran liegt das?

„The Player“ mit Philip Winchester, Charity Wakefield und Wesley Snipes / (c) NBC
„The Player“ mit Philip Winchester, Charity Wakefield und Wesley Snipes / (c) NBC

Nicht nur der amerikanische Networkriese NBC hatte sich wohl von dem Serienneustart The Player etwas mehr als nur verschwindend geringe Quoten und harte Kritiken erhofft. Auch hierzulande schielte die RTL Group mit dem Erwerb der Ausstrahlungsrechte für das Actiondrama auf eine erfoglsversprechende Ergänzung im Programm der Sendergruppe. Im Grunde genommen passt „The Player“ ja auch wie die Faust aufs Auge zu dem Privatsender, ist die Serie von John Rogers und John Fox doch der englischsprachige Bruder im Geiste von deutschen Formaten wie Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei, „Lasko - Die Faust Gottes“ und wie sie alle heißen. Kein Wunder also, dass man sich bei dem deutschen Sender für das Format entschied. Und hey, Wesley Snipes war doch mal wer und hat sicherlich noch den einen oder anderen Fan.

Nur wenige Wochen nach seiner Premiere Ende September dieses Jahres wurde dann gemeldet, dass „The Player“ schon wieder eingestampft werden würde. Die Serie wurde von den ursprünglich 13 Episoden ihrer ersten Staffel auf neun Folgen verkürzt, und auch wenn eine offizielle Absetzungsmeldung noch aussteht - man darf stark davon ausgehen, dass es für den Cast um Philip Winchester, Charity Wakefield und besagte B-Filmlegende Wesley Snipes nicht weitergehen wird. Den Einkauf von „The Player“ von RTL, wo das Format zeitnah zur amerikanischen Ausstrahlung auf dem hauseigenen Spartenbezahlsender RTL Crime gezeigt wurde, könnte man also als eher weniger lohnenswert bezeichnen.

Game over

Letzte Woche, am Donnerstag, den 19. November ging „The Player“ zu Ende und wird nun mit großer Wahrscheinlichkeit sehr schnell in Vergessenheit geraten. Manch einer wird das actionbepackte Procedural mit leicht seriellen Tendenzen als gescheiterten Versuch, Wesley Snipes' Karriere wiederzubeleben, in Erinnerungen halten. Derweil lässt sich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass „The Player“ einfach keine gute Serie war.

Philip Winchester in %26bdquo;The Player%26ldquo; © NBC
Philip Winchester in %26bdquo;The Player%26ldquo; © NBC

What are you doing?

Die Serienschöpfer fabrizierten ein wildes Mischmasch aus ausgelutschten Genretropen, referenzierten (mehr unfreiwillig als alles andere) vergessenswerte, drittklassige Actionstreifen von vor über 30 Jahren, deren Klischees einem die Schamesröte ins Gesicht treiben. Furchtbar coole Stereotypen gaben sich in schrecklich hölzernen und tausendmal gehörten Dialogen die Klinke in die Hand und anstatt, dass man den B-Movie-Charakter seiner eigenen Serie wahrnahm, blieb das Autorenduo Rogers und Fox bei seiner harten und für ihre abstruse Geschichte viel zu realistischen Herangehensweise.

Und trotzdem muss ich an dieser Stelle zugeben, dass ich „The Player“ Woche für Woche gesehen habe. Irgendetwas sprach mich an. Sei es die unglaubliche Einfachheit, mit der diese Erzählung strukturiert war, der Trashfaktor, der seinen eigenen Charme hatte, oder eben nur die Hoffnung darauf, dass den Machern irgendwann selbst die Erkenntnis kommen würde, was für einen Quatsch sie hier auf die Beine gestellt haben. Dass sie diesen Unsinn alsbald auf Anschlag drehen würden und sich dem Wahnsinn dieser banalen Actionproduktion mit kernigen Typen, krassen Ballereien, wuchtigen Explosionen und viel zu verschachtelten Subplots voll und ganz hingeben würden.

Slow and ugly

Zu meiner Enttäuschung blieb dies leider nach neun Episoden aus, doch ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass The Player mir nicht des Öfteren in seiner kurzen ersten Staffel ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Tatsächlich hat man es teilweise fertigbebracht, durchaus unterhaltsame Action abzuliefern, deren Inszenierung zwar mitunter extrem wechselhaft war, mehr als einmal jedoch auch die besten und kurzweiligsten Momente der gesamten Serie hervorbrachte.

Selbst bei der Auflösung des großen Mysteriums um das spurlose Verschwinden der Exfrau unseres Hauptcharakters lehnte ich mich gelegentlich gespannt nach vorne - was wiederum aber nicht an dem geheimnisvollen Plot selbst lag, der nicht wirklich packend in Szene gesetzt war, sondern weil ich schlichtweg wissen wollte, wie man sich aus dieser seltsamen Geschichte wieder herausfinden würde. Und dann bestenfalls auch noch so, dass man als Zuschauer einigermaßen zufriedengestellt wird.

Done

Ironischerweise wird in „The Player“ diese Frage jedoch nie beantwortet. Einige haben vielleicht erwartet, dass sich die Macher für die neunte Episode noch ein paar Kniffe haben einfallen lassen, um zumindest den Versuch eines runden Serienendes zu wagen. Fehlanzeige. Tell endet vielmehr mit einem ganz neuen Mysterium, was einen nicht nur irritiert, sondern mich sogar etwas ärgerlich gestimmt hat, weil ich doch hoffte, dass sich der Kreis zumindest etwas schließen würde und die zahlreichen Schnitzeljagden unserer schießwütigen Heldenfigur Alex Kane irgendeinen Sinn gehabt hätten.

Charity Wakefield in %26bdquo;The Player%26ldquo; © NBC
Charity Wakefield in %26bdquo;The Player%26ldquo; © NBC

Hand of God

The Player“ scheint so schon fast wie das perfekte Beispiel einer absurden Wegwerfgesellschaft im modernen Fernsehgeschäft, in der im Augenblick wie wild produziert wird. Serien werden am Fließband bestellt, deren Staffeln wiederum nach wenigen Wochen verkürzt und Formate schneller wieder aus dem Programm geworfen, als Wesley Snipes einen tödlichen Handkantenschlag austeilen kann. Aber wer mag es den Serienschaffenden verübeln, dass sie kein Geld mehr in einen längst toten Gaul feuern und eine abschließende Finalepisode produzieren, um eine Handvoll Zuschauer zu befriedigen?

Selbst wenn man diesen „Dämpfer“ am Ende von „The Player“ ausblendet, bleibt weiterhin eine sehr durchschnittliche Serie, die man immer wieder in jeder ihrer einzelnen Episoden auf das Nötigste herunterbrechen kann, ohne entscheidende „Entwicklungen“ zu verpassen. Mal muss ein computerbegabtes Wunderkind gerettet werden, mal ist es ein Bandenkrieg, der zu verhindern ist, während eine uninspirierte „Romeo und Julia“-Geschichte den Hintergrund zu dieser Herausforderung für unseren Protagonisten bildet. Jener ist wiederum ein Alleskönner, ein Actionheld wie er im Buche steht. Alex Kane kann mit seinen Fäusten austeilen, mit Feuerwaffen umgehen (ich habe noch nie jemand auf so komische Art und Weise eine Waffe halten sehen wie Alex Kane) und ist dann auch noch eine tiefgründige Seele, fest entschlossen, alles zu tun, um seine geliebte Exfrau ausfindig zu machen.

Pit boss

Ein Kugelhagel hier, eine Explosion da, Philip Winchester darf Motorrad fahren, mithilfe der alles wissenden Schönheit Cassandra und eines tollen Programms namens ADA, auf das jeder Geheimdienst neidisch wäre, Rätsel lösen und, nun ja, den Tag retten. Die Vorstellung einer Spielbank, die einen Söldner (nichts anderes ist der Player) gegen beliebige Schurken antreten lässt, worauf Beobachter wiederum bare Münze setzen können, ist so herrlich abgedreht und fernab der Realität, dass es sich geradzu verbietet, nicht auf alt gewordene B-Movie-, Exploitation- und Straight-to-Video-Darsteller zurückzugreifen. Richard Roundtree („Shaft“), Eric Roberts (der in diesem Jahr in fast 50 Film- und Fernsehproduktionen zu sehen war, was er 2016 schon jetzt mit über 60 toppen wird), Will Yun Lee (der zumindest noch einige größere Blockbuster aufweisen kann), Jeff Fahey („Machete“) - wenn eine Sache an „The Player“ stimmt, dann ist es das Casting.

Angeführt wird diese Riege klassischer Gesichter, die jeder schon einmal irgendwo gesehen hat, aber nicht mehr wirklich weiß, wo genau, von dem einzig wahren Wesley Snipes. Einst selbst ein großer Star im Gewerbe des schlichten, trivialen Actionfilms, dann aufgrund Steuerbetrugs inhaftiert und seit wenigen Jahren zurück auf der (Heim-)Kinoleinwand. Natürlich darf dieser auch in „The Player“ ordentlich austeilen und seine besonderen Kampffähigkeiten zur Schau stellen. Dass seine Bewegungen dabei hier und da etwas ungelenk aussehen (siehe eine irrwitzige Auseinandersetzung mit Will Yun Lee in der fünften Episode, House Rules) und seine bevorzugte Kampftechnik die schrägsten Kombinationen beinhaltet, trägt eigentlich nur noch umso mehr zu der Eigenartigkeit und dem trashigen Flair der Serie bei.

Predictable

Und wenn dann noch Snipes' sonore Stimme erklingt, der einen Charakter spielt, welcher stets die Kontrolle über alles und jeden hat (oder vielleicht doch nicht, wie am Ende der neunten Episode offenbart wird), kommt man aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus, so übertrieben cool und lässig wirkt er doch in seinen Szenen. Die Dialoge tragen ihr Übriges dazu bei, so zum Beispiel in den teilweise belastenden Momentaufnahmen zwischen Snipes und der von KaDee Strickland gespielten FBI-Agentin, in denen letztere jeden ihrer Sätze verführerisch vor sich hinhaucht, während Wesley Snipes kühle one-liner vom Stapel lässt, die seine Figur noch unnahbarer und geheimnisvoller machen sollen.

Wesley Snipes in %26bdquo;The Player%26ldquo; © NBC
Wesley Snipes in %26bdquo;The Player%26ldquo; © NBC

Enjoy yourself

Eine aufgesetzte Nebengeschichte um Technikass Cassandra, ihr verkorkstes Liebesleben, eine geheime Vergangenheit und mögliche Verbindungen zu Alex' Ex Ginny dürfen nicht fehlen, ebenso wie der besorgte Polizistenfreund des Players, bisweilen unfassbar schlecht von Damon Gupton verkörpert. Am Ende wird es zwischen diesen beiden noch einmal richtig emotional, doch wirklich betroffen ist man nicht. Viel lieber möchte man die nächsten turbulenten Actionsequenzen sehen, bei denen irgendetwas passiert, das wenig Sinn ergibt, aber irgendwie doch Spaß macht.

Wie funktioniert The Player also? Ehrlich zugegeben: Ich weiß es nicht. Es spricht, wie man sieht, viel zu viel gegen diese Serie, in der Klischee auf Klischee folgt, sich jede Episode wie die Serienadaption eines plumpen Actionstreifens aus den 1980er Jahren anfühlt und man den größten Teil der Handlung getrost ausblenden kann. Vielleicht ist es aber auch diese Einfachheit des Formats, das paradoxerweise viel zu oft versucht, ein komplexes Drama zu sein, die den Reiz ausmacht. Doch wie so oft gilt: Schuster, bleib' bei deinen Leisten. Eine knackige Actionserie, die solide inszeniert ist und sich nicht allzu unsinnig gestaltet - beziehungsweise wenn sie es tut, dann auch dazu steht - und „The Player“ wäre vielleicht etwas geworden. Ob die Serie so länger überlebt hätte, darf bezweifelt werden. Aber eventuell wäre „The Player“ so zumindest ein Stück weit über seinen Status als guilty pleasure in absoluter Reinform hinweggekommen.

Trailer zur Serie „The Player“:

Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 28. November 2015

The Player 1x09 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 9
(The Player 1x09)
Deutscher Titel der Episode
Das Versteck
Titel der Episode im Original
Tell
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 19. November 2015 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 20. November 2015
Regisseur
Bobby Roth

Schauspieler in der Episode The Player 1x09

Darsteller
Rolle
Philip Winchester
Charity Wakefield
Wesley Snipes

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?