The Player 1x02

The Player 1x02

In der zweiten Episode der neuen NBC-Actionserie The Player tritt die Struktur des Formats deutlicher zutage als in der Auftaktepisode. Weil die Wette der Woche die übergreifende Handlung nicht allzu sehr belastet, macht auch Ante Up Spaß - wenn auch nicht mehr ganz so viel.

Die „Carnage Crew“ macht ihrem Namen alle Ehre. / (c) NBC
Die „Carnage Crew“ macht ihrem Namen alle Ehre. / (c) NBC

Nach der Sichtung der Pilotepisode von The Player war es nicht schwer, eine Vorhersage darüber zu treffen, wie die Serie fortan aufgebaut sein würde. Unschwer war zu erkennen, dass es in jeder Woche eine neue Wette geben würde, in der Alex Kane (Philip Winchester) gegen die Uhr und fiese Gegenspieler antreten muss. So weit, so beliebig. Umso erfreulicher ist die Entwicklung, die das Format in Ante Up nimmt. Zwar tritt genau das ein, was vermutet wurde, jedoch nimmt die abgeschlossene Episodengeschichte einen nicht allzu großen Teil ein.

Game recognizes game

Autor Jim Campolongo macht sogar den zaghaften Versuch, dem Procedural-Teil einen hauchdünnen gesellschaftskritischen Anstrich zu geben. Darin trifft Alex auf Dominic McCall (Joseph Sikora), den Anführer der berüchtigten Carnage Crew („Massaker-Bande“). Die beiden kennen sich aus ihrer Militärzeit, haben gar so eng zusammengearbeitet, dass der eine dem anderen das Leben retten konnte. Schnell stellt sich heraus, dass die ehemaligen Kameraden unter posttraumatischem Stress leiden - sie dafür aber völlig unterschiedliche Verarbeitungsmethoden gewählt haben.

McCall ist auf die dunkle Seite gewandert und begreift sein psychologisches Trauma als Freifahrtschein für allerlei kriminelles und mörderisches Fehlverhalten: „We answer to nobody but ourselves. And that, my friend, is the only true freedom these days.“ Alex jedoch hat seinen Frust bisher gegen sich selbst kanalisiert, was man unschwer daran erkennt, dass nicht etwa seine Handlungen von innerer Zerissenheit zeugen, sondern viel eher seine Worte. Glücklicherweise ist es ihm auf diesem selbstzerstörerischen Pfad bisher gelungen, seinen Sinn für Humor beizubehalten: „If you're trying to waterboard me, you're doing it all wrong.

Sein erster Versuch, die Wette für das House von Mr. Johnson (Wesley Snipes) zu gewinnen und die Carnage Crew dingfest zu machen, scheitert. Deshalb muss er schon in der zweiten Episode einen Joker ziehen, den ihm Dealerin Cassandra (Charity Wakefield) bewilligt. Fortan bleibt ihm eine Stunde Zeit, um McCall doch noch davon abzuhalten, mit der Beute die Stadt zu verlassen. Ihm gelingt das auf maximal spektakuläre Art. Der Showdown im Flugzeug und in der Luft gehört wohl zum Abgefahrensten, was wir in der bisherigen Season bewundern durften. Die Special Effects sind zwar nicht wirklich sehenswert, aber das wird von Winchesters bedingungslosem Einsatz wettgemacht.

Der Serie würde es guttun; nähme Mr. Johnson (Wesley Snipes) ihre Prämisse nicht ganz so ernst. © NBC
Der Serie würde es guttun; nähme Mr. Johnson (Wesley Snipes) ihre Prämisse nicht ganz so ernst. © NBC

Genau wegen solch hanebüchenen Actionszenen gehörte die Pilotepisode für mich zum Besten, was diese schwache Herbstseason bisher zu bieten hatte. Wie sonst soll man auch an eine solch groteske Prämisse herantreten? Es würde der Serie jedoch guttun, wenn nicht nur Winchester den einen oder anderen Witz reißen dürfte, sondern auch seine Spielkameraden. Snipes legt seine Rolle für meinen Geschmack bisher viel zu trocken an, auch Wakefield hat mir in der Auftaktepisode besser gefallen.

You should've taken the chips

Über ihre Figur erfahren wir am Ende der Episode eine pikante Kleinigkeit. Sie ist keine Alleingängerin, wie man vermuten könnte, sondern führt eine offensichtlich glückliche Beziehung - wenn auch unter falschen Vorzeichen. Hier wird ein weiteres Rätsel angedeutet, das mich derzeit aber noch nicht wirklich in seinen Bann zieht. Interessanter ist da schon die Frage nach dem Verbleib von Kanes vermeintlich ermordeter Exfrau Ginny (Daisy Betts). Am Ende bekommt Alex von Johnson eine nicht ganz saubere Bestätigung für seine Vermutung, dass sie noch am Leben ist.

Ohne diesen übergreifenden Handlungsbogen würde mein Interesse an The Player zugegebenermaßen viel geringer sein. Zu hanebüchen ist die Prämisse, zu ernst versucht das Autorenteam, uns die Motivationen der grauen Superreichen darzulegen. Johnson serviert dafür erneut exakt das gleiche Argument wie in der Pilotepisode: Man müsse den Reichen etwas zu tun geben, sonst würden sie ganze Ökonomien zu Fall bringen oder noch Schlimmeres anstellen. Das ist großer Unsinn und funktioniert nur, weil die Serie in Philip Winchester eine fähige Führungskraft gefunden hat und ausreichende Actionszenen bietet.

Potenzial verspricht indes der Handlungsbogen um Kanes Buddy Detective Brown (Damon Gupton), der es sich offensichtlich in den Kopf gesetzt hat, den wahren Mörder von Ginny - sollte es einen solchen überhaupt geben (was wir eigentlich ausschließen können) - zu finden und Alex aus seinem Schlamassel herauszuhelfen. Bisher bleiben sowohl Rolle als auch Darbietung farblos, was aber nicht bedeutet, dass daraus nicht noch mehr werden könnte. In Ante Up wandelt die Actionserie bereits auf dünnem Eis, kann sich aber gerade noch ans Ufer retten. Wir dürfen gespannt sein, ob das Autorenteam erkannt hat, wo die Stärken und Schwächen des Formats liegen.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 2. Oktober 2015

The Player 1x02 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 2
(The Player 1x02)
Deutscher Titel der Episode
Das Spiel beginnt
Titel der Episode im Original
Ante Up
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 1. Oktober 2015 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 2. Oktober 2015
Regisseur
Michael J. Bassett

Schauspieler in der Episode The Player 1x02

Darsteller
Rolle
Philip Winchester
Charity Wakefield
Wesley Snipes

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