The Regime: Kritik zur neuen HBO-Politsatire mit Kate Winslet

The Regime: Kritik zur neuen HBO-Politsatire mit Kate Winslet

Schauspiel, Prämisse und Kostüme sind die Grundzutaten, die beim HBO-Neustart „The Regime“ super passen. Bloß das Writing hält nicht mit. „Titanic“- und „Mare-of-Easttown“-Star Kate Winslet spielt in der Politsatire die Kanzlerin eines erfundenen Landes.

Kate Winslet und Matthias Schoenaerts in der Serie „The Regime“
Kate Winslet und Matthias Schoenaerts in der Serie „The Regime“
© HBO

Ein bisschen Veep, „The Death of Stalin“, „Der Diktator“ und „Grand Budapest Hotel“ sollte in der Mischung ungefähr die neue HBO-Miniserie The Regime ergeben. Die Vorzeichen der sechsteiligen Politsatire mit Oscarpreisträgerin Kate Winslet („Titanic“, „Der Vorleser“), die zuletzt beim Premium-Kabelsender im Krimi Mare of Easttown glänzte, schienen großartig. Und auch rein oberflächlich hält der gute Eindruck, denn Look und Inszenierung stimmen zweifelsfrei. Doch leider scheitert das Ganze nun am unscharfen Drehbuch.

Dabei waren auch dort echte Topleute am Werk: Den Showrunner-Posten bekleidet Will Tracy, der zuvor bei Succession beteiligt war und zudem bei der 28-fach Emmy-prämierten Unterhaltungssendung „Last Week Tonight“. Seine Co-Autor:innen Sarah DeLappe, Juli Weiner, Seth Reiss, Gary Shteyngart und Jen Spyra kommen ebenfalls von den besten Late-Night-Shows Amerikas. Doch vielleicht liegt es ihnen mehr, Witze über reale Nachrichten zu machen - statt völlig freizudrehen und nicht nur eigene Politik, sondern ein ganzes Land zu erfinden.

Ebenfalls im Ensemble finden sich der belgische Filmstar Matthias Schoenaerts („Der Geschmack von Rost und Knochen“), der Franzose Guillaume Gallienne („Down by Love“), Andrea Riseborough (ZeroZeroZero), Kenneth Collard (Cuckoo), Martha Plimpton (Raising Hope) sowie der grandiose Hugh Grant (The Undoing, „Wonka“), der im 50-minütigen Pilot namens Victory Day allerdings noch nicht auftritt...

Darum geht es in der HBO-Miniserie „The Regime“

Die Geschichte spielt in einer fiktiven Scheindemokratie in Mitteleuropa, die umringt von Bergen ist und von einer Kanzlerin regiert wird. Elena Vernahm (Winslet) residiert in einem gewaltigen Palast, der auch gut in einen Wes-Anderson-Streifen passen würde. Unterstützt wird dieser Eindruck durch den Score, der vom berühmten Filmkomponisten Alexandre Desplat beigesteuert wurde. Alles wirkt sofort sehr whimsical, also irgendwie skurril und wunderlich. Wie schief das titelgebende Regime sein soll, wird noch etwas weniger subtil durch eine Vielzahl von Dutch-Angle-Einstellungen betont.

Eingeführt werden wir in den Palast („The Palace“ war übrigens der ursprüngliche Titel der Serie) durch den Soldaten Herbert Zubak (Schoenaerts), der gerade landesweite Schlagzeilen gemacht hat durch ein nicht näher benanntes Gewaltverbrechen, das ihm nun den Spitznamen „Butcher“ einbringt. Dass ihn nach diesem „Ausrutscher“ ausgerechnet eine Beförderung erwartet, ist ein weiteres Indiz dafür, wie verkehrt hier alles läuft. Wobei man seinen neuen Job als persönlicher Luftfeuchtigkeitsmesser der Kanzlerin auch als Bestrafung sehen kann. Zumindest die Palastmanagerin Agnes (Riseborough) und der Kanzlerinnenleibarzt Dr. Kershaw (Collard) behandeln ihn entsprechend herabwürdigend.

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Szenenbild aus „The Regime“
Szenenbild aus „The Regime“ - © HBO

Zubak kann nun aus der ersten Reihe beobachten, wie schlecht die psychische Verfassung der Regierungschefin eigentlich ist. Seit dem Tod ihres Vaters ist die Kanzlerin in eine Abwärtsspirale der Hypochondrie gestürzt (das Ganze erinnert stark an den Fall Howard Hughes). Sieht sie sich irgendwelchen bakteriellen Belastungen ausgesetzt, muss sie erstmal in ihre Schutzkammer, um wieder frei aufatmen zu können. Auch hat sie längst jeden Bezug zum Volk verloren, weshalb sie ihr neuer „Assistenzhund“ auf Anhieb fasziniert, da er noch Tacheles reden kann im Gegensatz zu den Schlangen, die als ihre Berater:innen fungieren.

So unterhaltsam Winslet ihre Kanzlerin auch spielen mag, ist doch Schoenaerts' Soldatenfigur im Auftakt der spannendste Akteur. Denn bis Ende der Folge lässt er uns gar nicht in sein Inneres blicken. Doch dann merken wir: Statt seine neue Chefin zu hassen, fängt er an sie zu lieben. Er rät ihr bald, im Palast aufzuräumen - also mit Blick auf das Personal. Sogar der Kanzlerinnengatte Nicholas (Gallienne) hat jetzt Schwierigkeiten, zu ihr vorzudringen. Inspiriert von ihrem Rasputin, entdeckt die ängstliche Kanzlerin ihren Kampfgeist wieder und erklärt den USA den Handelskrieg. Das ist sie also, die Frau, die einst ihren Vorgänger (Grants Alter Ego Edward Keplinger) brutal weggeputscht hat...

Die Stärken und Schwächen in der Premiere der Serie „The Regime“

Wie eingangs erwähnt, passt bei „The Regime“ fast alles, außer leider das, was wirklich zählt. Ein großes Kompliment muss man den Verantwortlichen beim Setdesign und den Kostümen machen. Die Serie hat einen ganz eigenen Look kreiert, der sich absolut authentisch anfühlt für eine europäische Bananenrepublik. Gut gelungen ist auch die so gewollte Nichtverortbarkeit des fiktiven Landes. Sicher: Die Geografie, die Größendimension und der Titel der Kanzlerschaft würden auf Österreich deuten, die Namen aber eher auf Ungarn oder Slowenien. Es ist auch gar nicht wichtig, aber es bleibt festzuhalten, dass sich der Ort irgendwie real anfühlt.

Eine gute Idee war es auch, die Ereignisse bislang ausschließlich im Palast spielen zu lassen. Denn so kann man die Entfremdung der Regierenden zum Volk ausdrücken. Winslets Protagonistin lebt in einer ganz eigenen Welt, in der alle anderen versuchen müssen, sich möglichst gut anzupassen. Man merkt der Schauspielerin, die im Auftakt sogar einen Supertramp-Song zum Besten geben darf, den Spaß an der Rolle an, wenngleich sie ein paar überzogene Akzente setzt (wie das Lispeln). Andererseits haben wir es mit einer Satire zu tun, wo solche Stilmittel mit dazugehören. So kann man auch die wenig subtilen Kameraeinstellungen entschuldigen.

Was eine Satire aber auch haben sollte, ist ein Standpunkt, der im besten Fall irgendein reales Ziel ins Visier nimmt. „The Regime“ wirkt so weltfremd und bezuglos, dass man gar nicht weiß, was man daraus mitnehmen soll. Vielleicht hätte man sich doch eine konkretere Vorlage aussuchen sollen, an der man stichhaltige Kritik übt. Nur als Beispiel: In einem deutschen Nachbarland in den Alpen versucht gerade ein brandgefährlicher Politclown einer rechtsradikalen Partei Kanzler zu werden und hat dabei tatsächlich ziemlich gute Chancen. Das wäre reichlich Stoff zum Abarbeiten gewesen, doch stattdessen bleibt die Serie lieber im luftleeren Raum (genau wie es die Kanzlerin persönlich bevorzugt).

Wirklich lustig oder geistreich kommt auch der Humor bislang nicht daher. Exemplarisch kann man den müden Austausch nennen, in dem es um die morgendliche Stimmung der Kanzlerin geht. Die entspreche einer Fünf von Zehn, wobei es ja egal sei, ob die Skala von Null bis Zehn oder von Zehn bis Null gehe. Ein solcher Gag wäre bei einer besseren Serie wie „Veep“ sicherlich im Schnitt verschwunden. Dumm nur, wenn man nichts Besseres zu bieten hat.

Drei von fünf Palästen für den enttäuschenden Neustart „The Regime“, bei dem man so viel mehr erwarten konnte...

Hierzulande ist das am gestrigen Sonntag, den 3. März 2024 gestartete HBO-Original „The Regime“ übrigens parallel bei Sky/Sky Go/Q/WOW zu sehen/abrufbar. Wobei die Erstausstrahlung der deutschen Synchronfassung erst am Montag, den 6. Mai erfolgen soll.

Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „The Regime“:

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