The Outpost: Review der ersten Folge zur neuen Fantasyserie von The CW

The Outpost: Review der ersten Folge zur neuen Fantasyserie von The CW

The Outpost markiert mit sehr großer Wahrscheinlichkeit den vorläufigen Tiefpunkt des kreativen Schaffens im Hause des US-Networks The CW. Das Fantasyformat lädt mit einem langweiligen Plot, miserablen Schauspielleistungen und lachhaften Actionsequenzen zum sofortigen Abschalten ein.

„The Outpost“ (c) The CW
„The Outpost“ (c) The CW
© ??The Outpost“ (c) The CW

Ich muss so um die zehn Jahre alt gewesen sein, als ich im Rahmen eines Schulausflugs zum ersten Mal im Filmpark Babelsberg nahe Potsdam war. Ein fantastischer Ausflug, sofern ich mich denn recht erinnere, der mit einer furiosen Feuer- und Stuntshow im „Vulkan“, dem Prunkstück der Parkanlage, seinen mitreißenden Abschluss fand. Turbulent, aufregend, überraschend - es war ein absolutes Fest für einen leicht zu begeisternden Viertklässler wie mich, der gutgläubig auf jeden Trick der waghalsigen Stuntleute hereinfiel.

Was das mit dem The CW-Serienneustart The Outpost zu tun hat? Nun, tatsächlich weckt die Fantasyserie von Jason Faller and Kynan Griffin zu Beginn der Pilotepisode Erinnerungen an diesen Tag im Babelsberger Vulkan. Bis mir klar wird, dass die übertriebene Stuntshow, die mir vor mehr als 15 Jahren den Kopf verdrehte, weitaus besser war, als das, was den Zuschauern in der Auftaktepisode von diesem in Serie gegangenen Rohrkrepierer geboten wird. „The Outpost“ ist diese Art TV-Produktion, bei der man sich völlig zu Recht die Frage stellt, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass das Format jetzt eine öffentlichkeitswirksame Premiere im Fernsehen feiert. Was auch immer Faller und Griffin gegen die Entscheidungsträger von The CW und Syfy, die die Serie international vertreiben, in der Hand haben, es muss gewaltig sein. Anders kann ich mir persönlich die Bestellung von „The Outpost“ nicht erklären.

Gut, vielleicht so: Wir befinden uns mitten im Seriensommerloch, die Zeit des Jahres, in der die meisten Formate pausieren und die Auswahl eher beschränkt ist. Mittlerweile wird man als Serienjunkie zwar auch im Juni, Juli und August fündig, wenn man nach Optionen Ausschau hält, mit denen man die Serienfreizeit füllen will. Im Vergleich zu anderen Jahreszeiten ist die Anzahl potentiell sehenswerter Titel aber überschaubar. Also denkt sich The CW, dass man doch mit einem Fantasy-Action-Hybrid, wie es allem Anschein nach „The Outpost“ sein will, für eine kleine Überraschung sorgen könnte. Oder aber man war sich längst über die nicht vorhandene Qualität der Serie im Klaren und vergräbt diese nun irgendwo in den Sommermonaten, in der Hoffnung, dass niemand diesen Fauxpas mitbekommt. Zugeben würde man das natürlich niemals, selbst wenn es absolut nachvollziehbar wäre.

Aber gehen wir einfach mal davon aus, dass es The CW, Syfy und die verantwortlichen Serienmacher von „The Outpost“ wirklich ernst meinen: Um was geht es hier eigentlich? Im Zentrum der Geschichte steht die taffe, attraktive Talon (Jessica Green), die in jungen Jahren nicht nur ihre Familie, sondern sogar ihr gesamtes Volk an schwarzblutigen, elbenohrigen Menschenwesen verloren hat und unerbittlich auf Rache sinnt. Ihre Suche nach den skrupellosen Söldnern, die - so zeigt es uns ein Flashback - Talons Liebsten und Nächsten abgeschlachtet haben, führt sie zum sogenannten „Outpost“. Aller Voraussicht nach handelt es sich um einen finsteren Sündenpfuhl, umzingelt von allerlei gefährlichem Viehzeug, der sehr wahrscheinlich eine wichtige Rolle in der Serie spielt, weil... die Serie eben auch so heißt.

Was für ein Ort es genau ist, wird bis zum Ende der Pilotepisode nicht wirklich klar. Draußen vor den Toren wartet der Tod, innerhalb der Mauern treiben sich diverse zwielichtige Gestalten rum und irgendwo sind auch noch wertvolle Rohstoffe unter dem „Outpost“ verborgen. So weit, so generisch. Ob Talon ihre Vergeltung bekommen wird, bleibt abzuwarten. Mit was man derweil definitiv rechnen kann, sind ein paar illustre Gefährten, die sich in ihren Orbit verirren werden, darunter ein seltsamer Braumeister, eine anspruchsberechtigte Edelfrau und ein profilloser Posterboy, der der guten Talon zwischenzeitlich das Leben rettet. Ach, fast vergessen: Magie, eine eigenartige Zwischenwelt und mächtige Fabelgestalten scheint es auch zu geben. Und dann ist da noch der mysteriöse Kapuzenmann, der die kleine Talon einst verschont hat und jetzt in ihr Leben zurückkehrt. Man kann sich vor potentiellen Dramen kaum retten!

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The CW
The CW - © The CW

Warum?

Anfangs hatte ich tatsächlich etwas Spaß mit der ersten Folge von The Outpost. Da wäre zum Beispiel die kleine Kampfeinlage in den ersten Minuten, bei der es so aussieht, als hätte man sich auf ein zweitrangiges Mittelalterfest verirrt, dessen Teilnehmer urplötzlich damit anfangen, wild umherzuturnen. Der Vulkan aus dem Filmpark Babelsberg wird aufgrund der Soldaten in Plastikrüstungen, die sich unkoordiniert durchs Bild säbeln, von einem Moment auf den anderen von Gedanken an das meisterhafte Intro zur Fantasy-Soap „Mystic Knights: Die Legende von Tir Na Nog“ aus den 90er Jahren abgelöst. Und genau in diesem Genre bewegt sich auch „The Outpost“: irgendwo zwischen besagtem „Mystic Knights“, dem neueren The Shannara Chronicles (immer schön an das junge Publikum denken!) und jedem anderen Serientitel, der mit altbekannten Fantasykonzepten in einer Art Endzeitsetting um sich wirft.

Den Plot kann man rein theoretisch in 20 Minuten zusammenfassen, die restliche Zeit nutzt man dafür, die Hauptfigur über Felder und Wiesen wandern zu lassen oder eben unübersichtliche Schlägereien im Dunkeln abzuhalten. Wenn sich das Drehbuch dann mal den Charakteren widmet, handelt es sich bei diesen um einfallslose Stereotypen, die so viel Eindruck wie eine vertrocknete Topfpflanze hinterlassen. Die einzige Figur, die ein wenig Hintergrund erhält, ist Talon, doch auch diese ist so oberflächlich gezeichnet und dermaßen austauschbar, dass man sich nicht dazu bringen kann, eine Art Interesse für sie und ihre Motivation zu entwickeln. Es hilft übrigens auch nicht, dass die Darbietung der Darstellerriege durch die Bank eher lieblos oder gar komplett vergessenswert sind.

In dieser Hinsicht pendelt sich „The Outpost“ binnen Rekordzeit auf dem Niveau einer unangenehmen Seifenoper ein, wobei diese sich ja sogar meistens selbst im Klaren darüber sind, wie theatralisch und überzeichnet sie doch sind. Die Beteiligten der Serie machen den Anschein, als würden sie tatsächlich glauben, dass irgendein Reiz von der ausgelutschten Geschichte ausgeht, die man hier vorträgt. Klar, das Fantasygenre boomt, daher kann man es vielleicht ein Stück weit nachvollziehen, dass The CW und Syfy in „The Outpost“ eine relativ günstige Alternative für das laue Sommerprogramm gesehen haben, mit der man ein paar Genrefans für sich gewinnen kann. Viel dürfte der Spaß eigentlich nicht gekostet haben, schaut man sich nur die wenig überzeugenden Produktionswerte an. Es mangelt eben an allen Ecken und Enden an Qualität, ob nun in den Reihen der Darstellerinnen und Darsteller, den faden, farblosen Dialogen oder den lieblos zusammengezimmerten Sets, die womöglich noch irgendwo nahe des Produktionsstudios oder der Drehorte rumstanden und erfolgreich recycelt wurden. Wäre ja auch zu schade gewesen, wenn man so etwas einfach entsorgt...

The Outpost hat nur eine Überlebenschance: Der Masochismus der wenigen Zuschauer, die wie auch immer auf diese Serie aufmerksam geworden sind und ihre Freizeit nun mit diesem Verkehrsunfall in Serienform verbringen wollen. Weiß der Geier, warum... Manche würden dem Format sicherlich Guilty-Pleasure-Potential attestieren, aber das würde ja implizieren, dass man wirklich eine Art Befriedigung aus „The Outpost“ ziehen kann. Aber wie? Gibt es da draußen Menschen, die mir zeigen können, wie das geht? Will ich überhaupt wissen und verstehen, wie man es schafft, einen Ansatz zu finden, eine Serie wie „The Outpost“ aus freien Stücken zu verfolgen? Aber Ihr wisst ja selbst, was für Euch am besten ist. Im Fall von „The Outpost“ sollte es im Normalfall jedoch keine zwei Meinungen geben.

Ab dem 19. September zeigt Syfy Deutschland die erste Staffel von „The Outpost“.

Trailer zu „The Outpost“:

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