The Other Two: Kritik zur Superstarserie von Comedy Central

The Other Two: Kritik zur Superstarserie von Comedy Central

In The Other Two erzählt Comedy Central die Geschichte eines präpubertären Popstars und seiner weniger erfolgreichen älteren Geschwister. Dabei brilliert die Serie mit beißender Kritik an der Oberflächlichkeit des Internets.

ChaseDream (Case Walker) stellt „The Other Two“ in den Schatten. (c) Comedy Central
ChaseDream (Case Walker) stellt „The Other Two“ in den Schatten. (c) Comedy Central
© haseDream (Case Walker) stellt „The Other Two“ in den Schatten. (c) Comedy Central

Zugegeben, es ist schon wirklich leicht, alle Probleme der Welt auf das böse Internet abzuwälzen, das uns angeblich alle abstumpft und vergessen lässt, was wichtig ist im Leben. Ein deutscher Politiker stieg kürzlich sogar ganz aus den sozialen Medien aus, weil sie ihn ironischerweise „asozialer“ gemacht hätten. Doch gewisse Missstände muss das World Wide Web durchaus auf seine Kappe nehmen - und einer der größten davon ist Justin Bieber.

Nicht falsch verstehen: Ich selbst gehöre gar nicht zu denjenigen, die den kanadischen Popstar prinzipiell verteufeln (tatsächlich halte ich ihn für äußerst talentiert). Nein, gemeint ist vielmehr die Kultur, die ihn zutage förderte. Instagram und YouTube machten aus einem minderjährigen Teenager ein pubertäres Hass- und Sexsymbol. Wie unangebracht und missbräuchlich dieses gesamtgesellschaftliche Verhalten ist, zeigt nun The Other Two bei Comedy Central.

The Next Big White Kid

ChaseDream (Case Walker) heißt der 13-jährige Superstar, um den es in der neuen Comedyserie geht. Im Zentrum stehen aber eigentlich zwei andere, nämlich seine deutlich älteren und gleichzeitig weniger erfolgreichen Geschwister Brooke (Helene Yorke) und Cary (Drew Tarver). Sie ist eine obdachlose Immobilienmaklerin, die ihre Träume vom Tanzen aufgegeben hat, und er ein Kellner, der zumindest noch versucht, den großen Durchbruch als Schauspieler zu schaffen. Im Liebesleben sind sie derweil beide echte Nieten: Sie hat in vier Jahren nur einen einzigen Penis zu Gesicht bekommen und er ist in seinen heterosexuellen Mitbewohner verliebt. Die Mutter der drei, gespielt von Molly Shannon, will aber alle gleich lieb haben.

Chase bleibt im gestern erschienenen Pilot (1x01), der verblüffend kurzweilige 20 Minuten umfasst, zunächst ein Mysterium. Wir sehen zwar, wie die Medien ihn feiern und ausschlachten, doch seine Persönlichkeit bleibt dabei völlig verhüllt. Erst am Ende der Episode kommt es zu einem menschlichen Moment, als sich der Junge - und mit 13 Jahren ist man eben noch ein Kind - ins Hotelbett seiner Geschwister kuschelt. Sein zuckersüßer Auftritt kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, denn gerade da versuchte sich der Neid in seiner Schwester und seinem Bruder einzunisten.

Szenenbild von The Other Two: Helene Yorke und Drew Tarver spielen die zweite Geige.
Szenenbild von The Other Two: Helene Yorke und Drew Tarver spielen die zweite Geige. - © Comedy Central

Die Schöpfer von The Other Two sind Chris Kelly und Sarah Schneider, zwei „Saturday Night Live“-Alumni. Und tatsächlich merkt man der Serie einen gewissen Sketchcomedycharakter an. Zusammenhanglos wirkt das Ganze dabei aber nicht, vielmehr erhöht sich so das Tempo, was besonders bei der Premiere eines neuen Formats von Vorteil sein kann. Die vielleicht stärkste Szene der Pilotepisode ist das Abendessen mit Ken Marino, der den Manager von Chase spielt und dabei jedes Showbizklischee bedient. Seinem Schützling hat er das Mahl übrigens verboten, denn er soll schließlich schlank bleiben...

Das Wort „grotesk“ kommt einem als Zuschauer immer wieder in den Kopf. Doch The Other Two ist mutig genug, selbst nie die Sarkasmusfassade fallen zu lassen. Sorgen machen müsste man sich um die Serie nur, wenn sie außer satirischen Spitzen gegen Social Media und den Hype um Teeniestars nichts anderes zu bieten hätte. Auf Anhieb sympathisch sind aber auch die Figuren, so dass zumindest ich nach einer Folge angefixt bin und sicher weiterschauen werde. Als perfekten Abschluss bekommen wir außerdem noch eine kleine Kostprobe vom neuen ChaseWalker-Song zu sehen und zu hören.

Fazit

The Other Two ist nicht nur eine herrliche Abrechnung mit der oberflächlichen Internetkultur und den Tücken der Berühmtheit, sondern auch eine herzliche Hommage an strauchelnde Künstler, denen der Erfolg nicht zufliegt. ChaseDream schwebt durch ein Universum, das dem der Filmkomödie „Popstar: Never Stop Never Stopping“ gleicht, während seine älteren Geschwister eher ein chaotisches Broad City-Leben führen. Eine perfekte Mischung und für Comedy Central ein willkommener Nachfolger für die Serie von Abbi Jacobson und Ilana Glazer, die kürzlich in ihre finale Staffel startete.

Chris Kelly und Sarah Schneider könnte mit The Other Two ein großer Wurf gelingen. Ihr Werk ist witzig, zeitgemäß und verfügt über wunderbare Charaktere. Wann das Ganze in Deutschland zu sehen sein wird, ist leider noch unbekannt.

Der offizielle Trailer zur Comedy-Central-Serie „The Other Two":

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