The Order: Review der Pilotepisode

The Order: Review der Pilotepisode

Jack tut alles, um in den magischen Geheimorden der Belgrave Universität aufgenommen zu werden. Die Mysteryserie The Order trieft leider vor vorhersehbaren Ereignissen und Konversationen, wie man sie schon hundertfach gehört hat, und präsentiert außerdem eine Kulisse, die gestellter nicht aussehen könnte.

Szenenfoto aus „The Order“ (c) Netflix
Szenenfoto aus „The Order“ (c) Netflix
© zenenfoto aus „The Order“ (c) Netflix

Mysteryserien gehören zu dem Genre, das den niedrigsten Anspruch an die Realität hat. Es gehört viel Fantasie, aber auch ein gewisses Akzeptanzniveau dazu, um sich überhaupt mit den Geschichten über Vampire, Magie oder Übernatürlichkeit zu befassen und sie zu genießen. Trotzdem sind auch den magischen und außergewöhnlichen Ereignissen gewisse Grenzen gesetzt. Sobald das Setting und die Voraussetzungen der Story klar sind, muss sich die Handlung in diesem Spielraum bewegen: Es muss nicht realistisch, sondern logisch sein.

Daher spreche ich es auch nicht meiner eher skeptischen Meinung zum Genre zu, dass mich die Pilotepisode Höllenwoche The Order absolut unbeeindruckt zurücklässt. Denn: Nichts, was in der von Netflix produzierten Serie passiert oder gesagt wird, hat man nicht schon mal irgendwo gesehen oder gehört.

Die blaue Rose

Mit Spannung öffnet Jack (Jake Manley) den Brief, der ihm hoffentlich die Möglichkeit bietet, bald an der Belgrave Universität zu studieren und in deren geheimen Orden aufgenommen zu werden. Was er nicht weiß: Während er den Bescheid am Grab seiner Mutter öffnet, wird in den Gemächern des Ordens noch über sein Schicksal diskutiert. Doch selbstverständlich wird der Einzelgänger mit den guten Noten und hervorragenden außerschulischen Leistungen aufgenommen, sonst bliebe uns seine Geschichte schließlich erspart.

Der sympathische Underdog scheint eine schwere Familiengeschichte hinter sich zu haben, doch außer, dass er bei seinem Großvater lebt und seinen Vater hasst, erfahren wir nichts weiter darüber... Jacks Ankunft an der Universität verläuft natürlich alles andere als gut. Zuerst wird er von einer Studentenverbindung gekidnappt, der er gar nicht beitreten will, lernt seinen unglaublich merkwürdigen Mitbewohner kennen, macht sich seine ersten Feinde und trifft auf die hinreißende Alyssa (Sarah Grey), die sich erst mal desinteressiert und distanziert zeigt. Wir können wohl davon ausgehen, dass die beiden miteinander anbandeln werden, aber wer weiß das schon bei dem bisher so unerwarteten und kreativen Verlauf der Episode...

Während Jack uns mit seinen Kampfkünsten, seiner gelassenen Art und seinem schier unendlichen Wissen über die Universität vom Hocker haut, erkundigt er sich überall am Campus über den Geheimorden, dessen Erkennungszeichen eine blaue Rose ist. Sein Kontrahent Weston (Matt Visser) besitzt bereits eine der begehrten Blumen, wird jedoch von einer mysteriösen Kreatur umgebracht, woraufhin Jack von der Polizei befragt wird. Dabei wird er dermaßen ungerecht behandelt, dass man sich als Zuschauer fast auf seine Seite stellt, wenn die Absicht dahinter nicht so unglaublich offensichtlich wäre. Ach, und siehe da: Es ist ein Platz frei geworden und Jack darf endlich das harte Aufnahmeritual des Ordens angehen.

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I don't wanna die

Von maskierten Gestalten in schwarzen Roben (auch das: noch nie gesehen...) bekommen er und einige andere Studenten Aufgaben, die er natürlich mit Bravour erfüllen kann. Da Jacks alter Rivale zerstückelt wurde, etablieren sich neue Widersacher, die Jack das Leben zur Hölle machen wollen. Unter ihnen: Kyle (Jedidiah Goodacre), der bereits dem Orden angehört und etwas mit Jacks Schwarm Alyssa am Laufen hat. Unserem Traumpaar darf es schließlich nicht zu einfach gemacht werden. Aber uns wird tatsächlich auch ein sympathischer Charakter vorgestellt: Jacks Ethikprofessor und potentielle/-r Mentor/Vaterfigur für den elternlosen Jungen, Professor Clark (Sam Trammell). Insgesamt sind die Figuren in „The Order“ ziemlich schlecht ausgearbeitet und bedienen allesamt lediglich die ihnen zugeschriebenen Klischees.

An Einfallslosigkeit nicht zu überbieten sind außerdem die „zufälligen" Begegnungen von Jack und Alyssa, die ihnen Gelegenheiten zum Flirten geben, welche durch unheimliche Musik untermalte Szenen im Wald, den nächsten tragischen Tod eines Ordensmitglieds und das Geisterhaus der Universität, in das Jack Kyle heimlich folgt, abgerundet werden. Vorsichtig geht er durch die dunklen und verlassenen Zimmer, findet auf Anhieb die Wand, die sich zu einer Tür umfunktionieren lässt und wird unbemerkt Zeuge der magischen Kräfte des Ordens.

Noch lächerlicher wird es, als die Drehbuchautoren einen weiteren Kniff aus ihrem Klischeehandbuch hervorzaubern und Jack von Kyle reingelegt und erpresst wird. Das Geschehen findet selbstverständlich auf einem Friedhof statt. Bei Nacht. Kyles Erpressungsversuch wird dann außerdem kurzerhand durch das Auftauchen der blutrünstigen und mörderischen Kreatur vereitelt und es kommt zum super dramatischen und extrem vorhersehbaren Ende der Pilotepisode...

Fazit

An sich spricht nichts dagegen, altbewährte Konzepte erneut aufzugreifen und sich ihnen unter neuen Gesichtspunkten zuzuwenden. Sich jedoch jeglicher Klischees zu bedienen, was Ereignisse, Charaktere, Kulissen UND Konversationen angeht, entlockt vor allem erfahrenen Serien- und Filmschauern nur ein müdes Augenrollen. Die neue Mysteryserie The Order glänzt daher vor allem durch einen Gesichtspunkt: den der Vorhersehbarkeit.

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Hier abschließend der deutsche Trailer zur Netflix-Serie The Order:

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