The New Normal 1x01

Zwei gänzlich verschiedene Menschen bekommen an zwei gänzlich verschiedenen Orten im Serienpiloten der Comedyserie The New Normal eine Erleuchtung, die ihr Leben verändern wird. In Ohio erträgt Goldie (Georgia King) einmal wieder die homophoben Tiraden ihrer energischen Großmutter, „Nana“ Jane (Ellen Barkin). Als die junge Mutter dann auch noch ihren Ehemann in flagranti mit einer anderen Frau zwischen den Laken erwischt, läuft das metaphorische Fass über und Goldie ergreift mitsamt ihrer achtjährigen Tochter Shania (Bebe Wood) die Flucht.
In einem parallelen Universum namens L.A. beschließen Bryan (Andrew Rannells) und David (Justin Bartha), dass es an der Zeit ist, ihre liebevolle Beziehung mit einem Kind zu krönen.
Nach einigen unschönen Erfahrungen mit potentiellen Leihmüttern trifft das Paar auf Goldie. Die junge Frau, Shania, Bryan und David finden sich so zu einem symbiotischen Quartett zusammen: Das Paar bekommt ein Baby, Goldie bekommt die Möglichkeit, sich mit Hilfe des gebotenen Geldes weiterzuentwickeln und Shania kann von einer selbstbestimmteren Mutterfigur profitieren. Zu dumm, dass mit Goldie auch deren Großmutter auf der sonnigen Bildfläche erscheint und die friedliche Koexistenz in ihre Schranken verweist.
Rollenverteilungen
Hervorzuheben ist vor allem die schauspielerische Leistung vieler Darsteller von The New Normal. So gelingt es Georgia King auf anrührende Weise, die Sanftmut ihres Charakters nach außen zu tragen. Glaubhaft inszeniert sie Goldies „Aha-Moment“ in dem diese erst realisiert, dass sie ihr Leben verschwendet - und daraus auch endlich die überfälligen Konsequenzen zieht. Charmant ist besonders Goldies mentaler Ausflug in die Welt von The Good Wife.
Auch Andrew Rannells verhilft seiner Rolle des Bryan zu einer sympathischen Ausstrahlung. Zwar ist es dem Charakter nicht vergönnt, sich von den stereotypischen Attributen eines eher femininen männlichen Homosexuellen - wie notorische Shoppingeinlagen und ein Hang zur Melodramatik - zu verabschieden. So scheint Bryans Kinderwunsch gar erst in dem Bedürfnis nach einem niedlichen Accessoire seinen Ursprung zu haben („I want us to have baby-clothes - and a baby to wear them.“). Dennoch gelingt es Rannells dabei, dem sehnlichen Wunsch nach einem Baby auf recht überzeugende Weise Ausdruck zu verleihen.
Glücklicherweise ist Justin Barthas David etwas weniger aufgedreht - womit er aber gleichzeitig wieder die Vorstellung einer Verteilung zweier Geschlechter in einer Männerbeziehung bestärkt. Etwas verstörend ist zudem eine Szene auf dem Spielplatz, in der ihm Bryan anhand von Beispielen erläutert, dass „abnormal das neue normal“ sei. Dabei lassen sich fröhlich und munter eine ältere Mutter, die noch einmal ihre „Dinosauriereier“ abgestaubt hat, eine kleinwüchsige Mutter und ein taubes Elternpaar allesamt mit dem Attribut des „Abnormalen“ versehen.
Homophobie und Rassismus zum Zeitvertreib
Ellen Barkin verkörpert mit Großmutter Jane eine Figur, deren ausgeprägter Rassismus nur noch durch ihre abgrundtiefe Homophobie übertroffen wird. Sie ist in Goldies Handy nicht zu unrecht als „Nana frome hell“ abgespeichert und besteht darauf, zu jung für eine Oma auszusehen, obwohl sie bereits in die Riege der Urgroßmütter aufgestiegen ist. Jane überschreitet oft und gerne die Grenzen des Anstandes - und rennt dann noch ein Stück weiter.
Wirklich unsympathisch wirkt die Frau trotz allem nicht. Zum einen sind ihre boshaften Äußerungen dermaßen überzogen, dass dadurch die Vorurteile, die in der Realität vorherrschen, geradezu parodiert werden. Zum anderen fungiert Jane als Gegengewicht zu der allgegenwärtigen Eintracht, das keine idyllische Langeweile aufkommen lässt. Mit der, von einer der verzweifelten Hausfrauen Alabamas porträtierten, Sekretärin Rocky ist zudem ein wortgewandter Counterpart vorhanden, der der verbohrten Frau Paroli bieten kann. NeNe Leakes kann in dieser Rolle wohl auch deswegen überzeugen, weil dafür nicht all zu viel Schauspielerei von Nöten ist.
Fazit
Die Pilotepisode von The New Normal ist nicht immer witzig, wenn sie es sein möchte, und weist ein paar logische Ungereimtheiten auf, wo es nicht so sein sollte. Trotzdem kann sie zumindest zeitweise unterhalten. Die Serie bietet dabei gleichzeitig einen Einblick in eine der modernen, zeitgemäßen Familienkonstellationen. Inwiefern die Serie die Position von homosexuellen Paaren mit Kinderwunsch jedoch unterstützt, ist fraglich. Zu viele Stereotypen kommen vor allem im Bezug auf die „typisch“ männlich-weibliche Rollenverteilung des Paares aus Bryan und David zum tragen. Zudem könnten die Äußerungen von Barkins Jane nicht nur für Zartbesaitete durchaus verletzend sein.
Die Rezensentin hegt nach dem Auftakt der ersten Staffel von „The New Normal“ Zweifel daran, ob diese neue Normalität auf Dauer gefallen kann. Besonders dank der überzeugenden Schauspieler könnte es sich jedoch lohnen, noch etwas auszuharren. Vielleicht fällt es nach der Auflösung des Cliffhangers in der zweiten Episode ja leichter, ein stimmiges Gesamturteil für die neue Comedy zu fällen.
Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 11. September 2012(The New Normal 1x01)
Schauspieler in der Episode The New Normal 1x01
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