
ABC hat The Muppets mit einer neuen Serie auf die Bildschirme zurückgebracht. Statt aber die Muppet Show an sich in den Fokus zu rücken oder, wie in den letzten beiden Kinofilmen, ein Comeback der Puppen zu planen, sind sie hier einfach wieder groß im Geschäft. Miss Piggy führt durch die Late-Night-Show „Up Late with Miss Piggy“ und die Zuschauer blicken im Mockumentary-Stil, bekannt durch The Office (wo auch die Schriftart „geliehen“ wurde) oder Modern Family, hinter die Kulissen der Show in der Show.
Was ist das Konzept der neuen „Muppets“-Serie?
Diesmal nagen die Muppets also weder am Hungertuch noch wurden sie von den Menschen vergessen. Sie sind einfach dick (Sorry Miss Piggy!) im Late-Night-Geschäft. Rund läuft es aber nur bedingt: Denn Kermit und Piggy haben sich getrennt und das Schwein ist bekanntlich eine Diva, der man kaum etwas recht machen kann und die wahnwitzige Forderungen stellt. Zum Beispiel, dass man den Müll mit anderem Müll mischt, um ihn zu tarnen. Auch sonst macht sie es den Puppenkollegen schwer, denn Elizabeth Banks, den Gast für die aktuelle Show, blockiert sie aus zunächst unbekannten Gründen. Wie sich bald herausstellt, schneidet sie sie aufgrund Stutenbissigkeit und weil sie wegen ihr nicht die Rolle für „The Hunger Games“ bekommen hat.
Kermit und Co versuchen trotz dieser Hindernisse, eine Show auf die Beine zu stellen und auch noch ihr Privatleben unter einen Hut zu kriegen. Kermit hat mit Denise eine neue Schweinedame an seiner Seite, die beim Sender fürs Marketing verantwortlich ist, Fozzy Bear, der den „Warm Upper“ und Ansager der Show macht, lernt die Eltern seiner Freundin Becky (Riki Lindhome) kennen und will um jeden Preis Eindruck schinden. Außerdem muss Kermit um die Anmerkungen des Senders, was Inhalt und Sprache angeht, herumarbeiten, denn Sam, the Eagle hat schlimme Wörter in seinen wortwörtlichen Adleraugen.
Daneben gibt es die Redaktionskonferenz zu sehen, bei der die Band nur halbwegs durchblickt, was sie eigentlich zu tun hat, und es wird auf Hochtouren nach einem Ersatzgast für Banks gesucht, wobei Tom Bergeron, der Moderator von „Dancing with the Stars“, auf die Schnelle der einzige ist, der Zeit hat.
Mockumentary im Muppet-Remix

Die Idee, die neue Serie im Mockumentary-Stil zu präsentieren, weiß zu gefallen und wird direkt auch in bekannter Muppet-Metamanier von Gonzo durch den Kakao gezogen: „One-on-one interviews? What an overused device. You tell the camera how you really feel and then they cut back to you saying something completely different. I hate these interviews.“ - und was folgt, ist natürlich die genau gegenteilige Aussage.
Ja, wie schon öfter kommen die Muppets für diesen Trend fünf bis zehn Jahre zu spät, was den Ansatz aber nicht weniger charmant macht. Zudem erlaubt dieses Stilmittel, dass man die Puppen zum allerersten Mal tatsächlich keine Rolle spielen sieht, sondern dabei, wie sie ihr vermeintliches Privates nach außen kehren.
Dabei stellt man als Zuschauer fest, dass die Figuren zwar im Kern sehr ähnlich zu den bisherigen Darstellungen sind, aber eben doch über Nuancen anders sind. Kermit ist, anders als sonst, etwa nicht auf Dauerhochspannung und im Panikmodus, sondern bleibt relativ cool und professionell. Obwohl er an der Trennung von Piggy zu knabbern hat, lenkt er sich mit Denise ab. Der Fokus auf das Privatleben sorgt dafür, dass die Figuren etwas zynischer, härter und egoistischer daherkommen. Hier muss wohl noch an der Balance gefeilt werden, denn in den neueren Filmen ging es am Ende des Tages immer darum, dass die Muppets zwar die Underdogs sind, aber gemeinsam doch immerhin Teilerfolge feiern und große Optimisten sind, die nichts unterkriegt.
Insgesamt fällt außerdem auf, dass diese Version der Muppets auch viele sexuelle Konnotationen aufweist und somit eine Ebene bietet, die für die älteren Zuschauer gedacht ist. Ob die Eskapaden der Muppets kindgerecht sind, ist allerdings schwer einzuschätzen, mehr als eine Handvoll visueller Gags (im Gedächtnis bleiben Scooters Tour und Animal am Ende) für die Kleineren hat der Serienpilot jedenfalls nicht zu bieten.
Die Zielgruppe ist also wie bei den Filmen „The Muppets“ und „Muppets Most Wanted“ eher ein nostalgisches erwachsenes Publikum. Gesungen wird allerdings (zumindest im Piloten) noch nicht und auch das Muppet-Intro wird nur in einer abgekürzten Version im schön gestalteten kurzen Intro eingesetzt.
Der Humor regt mich beim Anschauen des Piloten eher zum Schmunzeln als zum lauten Lachen an, wobei sicherlich noch Luft nach oben ist. Typisch für eine Show, die hinter den Kulissen spielt, hat jeder Muppet eine Aufgabe, auch wenn sie noch so klein ist, und die Hintergründe sind mit mannigfaltigen geschäftigen Muppets vollgestopft. Meine Highlights sind die Ratten und Pepe, die nervöse Garnele. Der Figurenfundus der Puppen ist groß, hoffentlich ist somit auch Platz für einige obskure Figuren und es geht nicht immer nur um Kermit, Piggy, Fozzy und Gonzo. Man kann gespannt darauf sein, wie die Serienmacher eine etwaige komplette Staffel mit Geschichten füllen. Ich bleibe vorerst dran und freue mich auf The Office in Muppet-Manier.
Fazit
Gut, aber nicht großartig ist das Debüt von The Muppets als Mockumentary-Comedy geworden. Das Spiel mit der Metaebene kann gerne noch kreativ ausgebaut und auf die Spitze getrieben werden. Der Kniff rund um das Privatleben der Puppen erlaubt auch, deren Liebesleben auszuloten, wobei das hoffentlich keinen Hauptteil der Handlung einnehmen wird.
Der Fokus auf die chaotische Entstehung der Late Night würde mir besser gefallen als eine seichte Muppet-Soap. Die Stargäste bleiben sicherlich auch weiterhin Teil der Handlung, sie wirken in der Auftaktepisode allerdings ziemlich willkürlich gewählt. Mal sehen, ob es zu den Sweeps auch zu Stunt-Castings kommt.
Wer also ein Herz für die Puppen hat und auch das Untergenre der Mockumentary noch nicht für abgedroschen hält, sollte sich den Piloten zu Gemüte führen. Man kann ja immer noch „Hatewatchen“ wie Statler und Waldorf, die auch weiterhin die treusten Zuschauer sind.
Trailer zu „The Muppets“: