Spike TV hat eine neue Verfilmung von Stephen Kings nebliger Horrorgegschchte The Mist anfertigen lassen. Wir verschaffen Euch den Durchblick, was die Pilotepisode angeht. Gelungener Grusel oder eher Mist?

Was verbirgt sich im Nebel? / (c) Spike
Was verbirgt sich im Nebel? / (c) Spike
© as verbirgt sich im Nebel? / (c) Spike

Via Kabelsender Spike erreicht uns diese Woche The Mist - der von Horrorherzog Stephen King erdachte Nebel, der allerlei Tod und Verderben in die Kleinstadt Bridgton bringt. Ein Stoff, der vor fast genau zehn Jahren bereits von Regisseur Frank Darabont („The Shawshank Redemption“, „The Green Mile“) umgesetzt wurde. Am Ruder der Serienadaption ist nun der Däne Christian Torpe zu finden, der sich mit seiner international gefeierten Dramedy Rita einen Namen gemacht hatte.

It's pretty - Not if you look closely

Die Pilotepisode dient erwartungsgemäß vor allem dazu, das wie üblich üppige King-Ensemble vorzustellen, während im Hintergrund der titelstiftende Horrornebel von den Bergen runtergekreucht kommt und schon mal die Tiere in Aufruhr versetzt. Der erste, der von der Gefahr des übernatürlichen Wetterphänomens Wind bekommt, ist der Soldat Bryan (Okezie Morro), der mit Gedächtnisverlust zu sich kommt und prompt seinen Hund Rufus an den Nebel verliert.

Natürlich schenkt man dem panisch im Polizeipräsidium wetternden schwarzen Mann kein Gehör. Stattdessen wird er kurzerhand misshandelt und in eine Zelle gesperrt. Überhaupt wimmelt es in Bridgton nur so vor bornierten und korrupten Arschlöchern, die letztlich nur existieren, um dem Zuschauer ein Gefühl von Genugtuung zu vermitteln, sobald sie vom jeweiligen Horrorphänomen verschlungen werden. Ebenfalls ein alter King-Kniff.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Familie Copeland, die eigentlich schon vor Eintreffen des Nebels genug auf dem Teller hat. Mutter Eve (Alyssa Sutherland) wurde gerade von ihrem Lehrerjob zwangsbeurlaubt, weil sie im Sexualkundeunterricht etwas zu offen mit ihren Schülern umgegangen war, und Vater Kevin (Morgan Spector) gerät ins Kreuzfeuer, als er die 16-jährige Tochter Alex (Gus Birney) auf eine Party gehen lässt, nachdem Mom bereits nein gesagt hatte. Zu allem Überfluss berichtet das Mädchen am nächsten Morgen, dass jemand sich an ihr vergangen hat, nachdem sie unter Drogen gesetzt worden war. Nun hängt der Haussegen schief, auch wenn das Paar der Tochter zuliebe versucht sich zusammenzureißen.

Spike TV
Spike TV - © Spike TV

Laut ihrem besten Freund Adrian (Russell Posner), dem pansexuellen Goth-Kid, das natürlich vom einen oder anderen Footballspieler und seinem verständnislosen Vater sein Fett weg bekommt, soll der von Alex angehimmelte Quarterback Jay (Luke Cosgrove) der Verantwortliche sein. Zum einen sieht es aber so aus, als sei der Junge unantastbar - sein Vater ist der Polizeichef - und zum anderen scheint er nicht wirklich der Schuldige zu sein. Leider wird die ganze Angelegenheit so lapidar dargestellt, als hätte Alex nur peinlicherweise einen fahren lassen, was auch dadurch nicht verbessert wird, dass Gus Birney zu den schwächeren Schauspielern der Serie zählt.

Gern gesehen wird natürlich die stets wundervolle Frances Conroy, die als Mrs. Raven früh vermutet, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht und gemeinsam mit ihrem Mann (Derek McGrath) ein entzückendes Gespann abgibt. Ein Gespann, das uns nicht lange erhalten bleibt, denn Mr. Raven ist einer der ersten, die dem Nebel indirekt zum Opfer fallen. Eine Szene, die wie die unelegant untergebrachte Einführung der drogensüchtigen Gaunerin Mia (Danica Curcic) beweist, wie wenig Sinn für Pacing zuweilen an den Tag gelegt wurde.

Wenn der Nebel endlich das mäßig interessante Kleinstadtdrama unterbricht und die Pilotepisode sich dem Ende zuneigt, sind Mr. Copeland und Adrian mit dem Soldaten Bryan und der ebenfalls inhaftierten Mia im Polizeigebäude, während Mrs. Copeland und Tochter Alex mit einigen ihnen weniger wohlwollend gesinnten Mitmenschen im Einkaufszentrum verschanzt bleiben.

Fazit

Ohne Vorkenntnis der Novelle oder des Darabont-Films kann ich The Mist nur isoliert bewerten und muss sagen, dass die erste Stunde keinen großen Eindruck hinterlassen hat, auch wenn natürlich erst die Spielsteine aufs Brett gestellt wurden. Die Figuren kommen aus der gleichen Maine-Kleinstädter-Archetyp-Kiste wie die meisten King-Charaktere, das zwischenmenschliche Drama wirkt unausgegoren und soll nur schnell ein dramaturgisches Kartenhaus errichten, in das der Nebel reingrätschen kann. Während das alles zwar recht nett anzusehen ist, weisen viele eingeschobene Plotpunkte ein wirklich holpriges Timing auf.

Seltsam. Normalerweise überzeugen Geschichten und Verfilmungen von Stephen King doch gerade mit ihrem ersten Akt, in welchem das Mysterium aufgebaut wird und enttäuschen erst bei der Auflösung, wenn am Ende das unspektakuläre Monster enthüllt und erklärt wird. Bleibt zu hoffen, dass hinter dem Nebel wenigstens etwas Interessanteres steckt als eine Spinne mit Silberallergie oder Pacman-Monster mit Zeitappetit.

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