The Mindy Project 1x01

The Mindy Project 1x01

Was wäre, wenn die Handlung von Bridget Jones in ein Krankenhaus verlegt würde? Und Bridget trotz aller Selbstreflexion nicht aus ihren Fehlern lernt? Die Antwort bietet die neue Serie The Mindy Project in ihrer Pilotepisode. Review.

Die drei zentralen Figuren von „The Mindy Project“ / (c) FOX
Die drei zentralen Figuren von „The Mindy Project“ / (c) FOX

Mindy (Mindy Kaling) ist mit romantischen Comedys wie „Harry & Sally“ beziehungsweise dem Gesamtwerk von Meg Ryan groß geworden, wobei die Rollen, die von Sandra Bullock oder Julia Roberts gespielt wurden, quasi ihre „Tanten“ waren, die sie mit wohlgemeinten Ratschlägen in Filmform versorgten. Darum glaubt die Protagonisten der neuen FOX-Comedy The Mindy Project auch an Dinge wie Liebe auf den ersten Blick oder den richtigen Mann fürs Leben (der tolle Bill Hader leider nur in einer Gastrolle), mit dem man mal eben im Aufzug stecken bleibt und zwei Monate später mit ihm zusammenzieht.

Ihre idealistische Ader zeigt sich außerdem in ihrer Berufswahl. Denn Mindy ist Ärztin, genauer gesagt Geburtshelferin und Gynäkologin und versucht bisweilen auch Patienten ohne Krankenversicherung durchzubringen, obwohl sie, um Ärger mit den Vorgesetzten zu vermeiden, lieber so tut, als wüsste sie von nichts, wenn sie diese schwierigen Patienten annimmt.

Doch das Leben von Mindy ist kein Zuckerschlecken. Denn so schnell wie man sich verliebt, kann man sich auch wieder entlieben. Ihr Freund Tom (Hader) trifft schon bald eine serbische Bagel-Verkäuferin mit schlechten Zähnen, die er ihr richtet, und sie daraufhin bald heiratet („By the way, are we hundred percent sure, she is not a war criminal?“).

Aus irgendeinem Grund hält er es für eine gute Idee, seine Ex, Mindy, auf die Hochzeit einzuladen. Verständlicherweise ist diese verbittert und schaut deutlich zu tief ins Glas. Was folgt, sind peinliche Geschichten und Offenbarungen bezüglich seiner ursprünglichen Absichten - sechs Kinder hat er Mindy versprochen, während er um ihre Hand angehalten hat, das Schwein! Was dazu führt, dass Mindy betrunken auf einem Fahrrad davon radelt. Glück im Unglück für Mindy, denn statt von einem Auto angefahren zu werden, landet sie nur in einem Pool, wo ausgerechnet eine vermeintlich sprechende Barbie-Puppe sie zur Einsicht bringt, dass es besser wäre, ihr Leben neu zu ordnen. Das bedeutet: keine Alkohol-Eskapaden mehr, keinen Sex mit jedem dahergelaufenen gutaussehenden Mann oder Kollegen, und vielleicht etwas Gewicht verlieren. Doch wie gute Absichten eben so sind, gestaltet sich das als reichlich schwieriges Unterfangen.

Mindy möchte also über die üblichen Wege Männer kennenlernen und lässt sich auf ein Date mit Dennis (Ed Helms, The Office) ein. Doch Komplikationen bei ihrer Patientin ohne Krankenversicherung zwingen sie, das Date abzubrechen, obwohl Dennis eine nette Partie zu sein scheint. Obwohl ihr Privatleben mehr oder minder in Trümmern liegt, ist auf Mindy im Berufsleben verlass. Denn dort ist sie der eiskalte Profi, der auf Abruf leben rettet. Und warum sollte sie ihr Leben schlagartig ändern, wenn sie damit auch morgen oder übermorgen beginnen könnte...

Liebesdreieck garantiert

Die Figuren von %26bdquo;The Mindy Project%26ldquo; © FOX
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Während Mindy vollmundige Versprechen an ihre Freundinnen und Kolleginnen macht und diese auch zunächst einhalten kann, sieht man doch bald - spätestens zum Ende der Pilotepisode -, dass sie einbrechen könnte und eben doch den Avancen des attraktiven Kollegen Jeremy Reed (Ed Weeks) erliegt. Ganz der Charmeur, der Mindy Komplimente macht, um sie zu verführen, sieht er auch noch körperlich topfit aus, ist aber auch oberflächlich und von sich selbst überzeugt. Doch eigentlich sucht er nur unverbindlichen Sex, etwas das Mindy eigentlich einstellen wollte, aber (noch) nicht schafft.

Als weiteres love interest wird Danny Castellano (Chris Messina, The Newsroom, Damages) ins Spiel gebracht. Der mit Vorliebe Mindys Patienten von ihr übernimmt, wenn sie gerade nicht verfügbar ist. Er ist ihr schärfster und vielleicht ehrlichster Kritiker, der ihr ins Gesicht sagt, dass sie 15 Pfund weniger wiegen könnte, aber insgeheim doch beeindruckt von ihrer Arbeit ist. Er hält sich selbst für einen echten Kerl, der anderen Bruce-Springsteen-Konzertgängern schon mal eine verpasst, wenn die sich, seiner Meinung nach, daneben benehmen. Auch ansonsten spricht er, wenn ihm danach ist und scheut nicht davor zurück, mit scharfer Zunge Situation zu kommentieren. Als Mann aus einfachen Verhältnissen mag er natürliche Frauen deutlich lieber, was sich in der Pilotfolge an seiner Präferenz für Mindys rotes Kleid, statt der aufgebretzelten Variante, die sie zuerst trägt, erkennen lässt.

Es ist offensichtlich, dass diese beiden Männer im Verlauf der Staffel und der Serie die beiden zentralen Objekte der Begierde sein werden, auch wenn anzunehmen ist, dass die Figur des Doktor Castellano wohl erst noch etwas aufweichen muss. Ein wenig erinnert die Figur an eine junge Version von Dr. Perry Cox aus Scrubs, wenn auch noch nicht ganz so verbittert und bitter-böse. Er gehört jedoch sicherlich zu den sehenswerteren Figuren der Episode.

Sehenswert sind auch die beiden Gaststars Bill Hader (Saturday Night Live) und Ed Helms (The Office). Speziell im Fall von Hader ist es schade, dass er wahrscheinlich kein fester Bestandteil des Casts wird, da er sich durch seine Auftritte in der Sketch-Comedy „SNL“ und vereinzelte Film-Auftritte durchaus schon als Showstealer empfohlen hat.

Der nächste große FOX-Hit?

Der Cast von %26bdquo;The Mindy Project%26ldquo; © FOX
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Im Vorfeld hat man über The Mindy Project gelesen, dass die Test-Vorführungen beim Publikum sehr gut angekommen sind und der Pilot enorme positive Zustimmung bekommen haben soll. Der Eindruck, der sich nach dem Sichten des Piloten ergibt, ist jedoch ein gemischter. The Mindy Project wirkt wie der perfekte Kompagnon zum letztjährigen New Girl mit Zooey Deschanel. Mindy Kalings-Serie ist als Comedy für ein eindeutig weibliches Publikum konzipiert, für eine Generation, die sicherlich wie Kaling mit romantischen Komödien aufgewachsen ist oder die „Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück“ gelesen hat. Ähnlich wie New Girl steckt in The Mindy Project das Zeug, die Lager der Zuschauer stark zu spalten, was eindeutig mit der Hauptdarstellerin zusammenhängt. Mindy Kaling ist vor allem durch die NBC-Mockumentary The Office bekannt, wo sie die stellenweise sehr unsympathische, oberflächliche und dümmliche Figur Kelly Kapoor verkörpert hat. Unabhängig davon, ob man ihre andere Rolle kennt, fällt es schwer, große Sympathien zu Mindy aufzubauen.

Ein Grund dafür liegt an der stellenweisen Boshaftigkeit und Oberflächlichkeit der Figur. Sicherlich ließe sich einwenden, dass das der Figur eine gewisse Tiefe verleiht und auch die Grundlage für einige der besten Zitate der Episode liefert. Beispielsweise das bereits oben aufgeführte Zitat zum Serbian bagel girl oder ihr sehr witziges Gebet vor ihrem Date mit Dennis sind hier zu nennen: „Dear Lord, please let this date be good. May he have the wealth of Mayor Bloomberg, the personality of Jon Stewart, the face of Michael Fassbender - the penis of Michael Fassbender...“. Das soll nicht bedeuten, dass Mindy ein mean girl ist, denn Gemeinheiten und Oberflächlichkeiten halten sich in gewissen Rahmen sogar die Waage mit Momenten der Freundlichkeit und der Aufopferungsbereitschaft. Beispielsweise bezüglich ihrer Hilfsbereitschaft, auch ohne Versicherung zu operieren oder das Date für den Patienten abzubrechen. Dennoch wird Mindy in dieser Pilotfolge nicht sofort ins Herz geschlossen, was bei einer personenbezogenen Comedy wie dieser durchaus problematisch wird.

Als ehemalige The Office-Autorin bringt Mindy Kaling einige Stilmittel von dort mit. Etwa vermehrte Anspielungen auf popkulturelle Werke wie „Harry & Sally“, andere romantische Komödien oder „Precious“, sowie die eindeutige unterschwellige Orientierung an „Bridget Jones“, oder Taktlosigkeiten und Momente der Fremdscham, wenn sie etwa nach ihrer Verhaftung fragt, ob sie eine Tour der Special-Victims-Unit haben könne. Weitere Merkmale dieses Stils sind indirekt und kompliziert verpackte Fragen - hier die Bitte nach „mehr weißen Patienten“ - und damit verbunden die Unfähigkeit der Figuren, simple Dinge anzusprechen, ohne das Gesicht zu verlieren oder sich zu blamieren, sowie die Beharrlichkeit, die eigene Meinung als einzig richtige darzustellen, obwohl andere Figuren eindeutig widersprechen (siehe den Dialogaustausch zwischen Hader und Kaling während ihres Toasts auf der Hochzeit).

Im Ansatz ist manches - okay einiges - davon witzig und vor allem einige der derben Sprüche wissen auch zu gefallen, aber es besteht deutliches Steigerungspotenzial und Luft nach oben, schließlich ist das lediglich die Pilotepisode.

Fazit

Erneut schafft es mit The Mindy Project eine Comedyserie mit einer kontroversen Persönlichkeit und Hauptfigur, die die Lager eindeutig spalten wird, auf Sendung. Der Genuss der Serie steht und fällt hier eindeutig mit den Sympathien, die man ihr entgegenbringt, auch wenn Mindy Kaling als Autorin der Episode es dem Publikum bisweilen schwer macht, sie ins Herz zu schließen. Ansonsten ist The Mindy Project eine seriengewordene romantische (Krankenhaus)-Comedy mit einem vorprogrammierten Liebesdreieck und einigen witzigen Sprüchen und Referenzen. Ob es gelingt das weibliche (und vereinzelt männliche) Zielpublikum anzusprechen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 26. September 2012
Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Mindy Project 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Aller Anfang ist schwer
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 25. September 2012 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 16. Februar 2014
Regisseur
Charles McDougall

Schauspieler in der Episode The Mindy Project 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?